Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vorkommen von Leptospiren beim Wildschwein (Sus scrofa) in Niedersachsen

Paysen, Benthe

Leptospirosis is the geographically most widespread zoonotic disease. Virulent leptospires cause severe disease in accidental hosts, whereas they are often associated with symptomless, but persistent infections in maintenance hosts. Different wildlife species are important for the spread of specific serovars. Infection occurs mainly through direct or indirect contact with infectious urine. There might be a high risk for wild boars to become infected with leptospires due to their way of living and typical behaviour. This is consistent with previous studies, which detected high seroprevalences in wild boars. The present study was conducted to determine the occurrence of leptospire carriers among wild boars in Lower Saxony and to characterise wild boar associated leptospires. Three hundred fifty four samples of the urinary and genital tract of wild boars (n = 128), shot during hunts in Lower Saxony, were collected. After DNA extraction, three different polymerase chain reaction assays (PCR) were established to detect genes encoding lipoproteins (lipL32, lipL41, lipL45). Sensitivity of all PCR assays was determined to be 90 leptospires/ml in wild boar urine. However, isolation of leptospires by culture was not successful. Samples showing positive or questionable results in PCR were further investigated immediately, by cultural isolation of leptospires. In addition to direct detection of leptospires, serological investigations using microscopic agglutination test (MAT) were performed examining serum samples taken post mortem from wild boars (n = 65). DNA from Leptospira was detected with lipL41-PCR, lipL32- and lipL45-nested PCR in only two samples taken from the urinary tract. Using MAT, positive antibody titers against at least one Leptospira serovar were found in 85 % of the samples. The most frequent positive reactions were against serovar bratislava (83 %), copenhageni (48 %) and grippotyphosa (20 %). There were no significant differences in serological findings between the different regions, age categories or sexes of the animals, respectively. The high seroprevalences against leptospires indicate a high rate of infection in wild boars in Lower Saxony, independent of the region and the habitat structure. Serological investigations further suggest that wild boars might be an important reservoir for the serovar bratislava. The high seroprevalences against the serovars copenhageni and grippotyphosa might reflect a chain of infection between rodents and wild boars. Low concentrations of leptospires, focal infections of organs, intermitted excretion of bacteria or transient infections are possible reasons for the low rate of detection in the PCR tests and partly for the failure to isolate leptopires by culture.

Die Leptospirose ist die geographisch am weitesten verbreitete Zoonose. Pathogene Leptospiren lösen beim Nebenwirt häufig schwere, akute Erkrankungen aus. Beim Hauptwirt verlaufen Leptospirosen häufig symptomfrei oder mit milder Symptomatik, in vielen Fällen sind sie aber mit einer Persistenz der Erreger assoziiert. Unterschiedliche Wildtierarten besitzen als Hauptwirte für die Verbreitung bestimmter Serovaren eine Schlüsselrolle. Die Infektion erfolgt in erster Linie über den direkten oder indirekten Kontakt zu Erreger-haltigem Harn. Für Wildschweine könnte aufgrund ihrer Lebensweise und besonderen Verhaltensweisen ein hohes Infektionsrisiko für Leptospiren bestehen. Dies steht im Einklang mit hohen Seroprävalenzen, die in vorangegangenen Untersuchungen bei Wildschweinen ermittelt wurden. In dieser Arbeit wurden die Ziele verfolgt, das Vorkommen von Trägertieren pathogener Leptospiren unter Wildschweinen in Niedersachsen zu ermitteln und Wildschwein-assoziierte Leptospiren zu charakterisieren. Für diese Fragestellung wurden Proben (n = 354) des Harn- und Genitaltrakts von Wildschweinen entnommen, die auf Drückjagden (im Jagdjahr 2007/2008) in Niedersachsen erlegt worden waren (n = 128). Nach einer DNA-Extraktion erfolgte der direkte Nachweis von Leptospiren-DNA mit drei unterschiedlichen Polymerasekettenreaktion-Verfahren (PCR), in denen Lipoproteingene detektiert wurden (lipL32, lipL41 und lipL45). Bei PCR-positiven oder -fraglichen Proben schloss sich eine kulturelle Untersuchung der entsprechenden Probe auf Leptospiren unmittelbar an die molekularbiologischen Verfahren an. In Ergänzung zu dem direkten Erregernachweis wurden auch serologische Untersuchungen mittels Mikroagglutinationstest (MAT) von postmortal gewonnenen Serumproben (n = 65) von Wildschweinen durchgeführt. Insgesamt konnte nur bei zwei Wildschweinen mit der lipL41-PCR, der lipL32-nested PCR und der lipL45-nested PCR Leptospiren-DNA im Harntrakt nachgewiesen werden. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass für die in dieser Arbeit eingesetzten PCR-Verfahren eine Sensitivität von 90 Leptospiren pro Milliliter Wildschweinharn ermittelt wurde. Eine Isolierung dieser Erreger mittels Kultur war jedoch nicht möglich. Durch den MAT wurde eine Seroprävalenz von insgesamt 85 % gegenüber mindestens einer Leptospirenserovar ermittelt. Die häufigsten Antikörpertiter bestanden gegenüber Serovar Bratislava (83 %), Copenhageni (48 %) und Grippotyphosa (20 %). Im Hinblick auf die Region, das Alter und das Geschlecht der Tiere gab es keine signifikanten Unterschiede der Seroprävalenz. Aufgrund der hohen Seroprävalenz gegenüber Leptospiren muss unabhängig von der Region und der Habitatstruktur von einer hohen Leptospireninfektionsrate beim Wildschwein in Niedersachsen ausgegangen werden. Nach den serologischen Ergebnissen dieser Arbeit könnte das Schwarzwild eine wichtige Reservoirfunktion für die Serovar Bratislava erfüllen. Die hohe Seroprävalenz insbesondere gegenüber den Serovaren Copenhageni und Grippotyphosa spricht für die Bedeutung einer Infektionskette zwischen Nagetieren und Wildschweinen in Niedersachsen. Geringe spezifische Keimdichten, fokale Infektionsherde in den Organen, intermittierende Erregerausscheidung und transiente Infektionen kommen als Ursachen für die vergleichsweise niedrige Nachweisrate der Leptospiren in den PCR-Untersuchungen und mitunter auch für die erfolglose Isolierung von Leptospiren in Frage.

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Paysen, Benthe: Vorkommen von Leptospiren beim Wildschwein (Sus scrofa) in Niedersachsen. Hannover 2008. Tierärztliche Hochschule.

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