Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Verhaltensontogenese bei Hundewelpen der Rasse Samojede in den ersten acht Lebenswochen

Günther, Antje

This study analyses and documents the early behavioural ontogenesis of Samoyed puppies within the scope of an ethological comparison of breeds. An ethogram of the development of the Samoyeds´ first eight weeks of life forms the central theme of this study and is completed by notes about the mothers´ behaviour.The Samoyeds´ behavioural inventory is discussed in comparison with other domestic dog breeds and the European Wolf (Canis lupus lupus L.). Furthermore, the Samoyed´s pace of development is determined within the spectrum of breeds and selected aspects of the puppies´ behaviour are analysed quantitatively. The paper concludes by considering different popular science theses about the Samoyed from an ethological point of view. For this study, 19 Samoyed puppies from three litters, which were kept and bred under comparable familiar conditions in the homes and gardens of two different breeders, were monitored from birth until the 56th day of life with standardised methods. The developmental ethogram documents an almost complete behavioural catalogue of the Samoyed compared with the European Wolf. No relevant behavioural patterns or even complete behavioural domains are omitted. However a certain hypotrophy in the extent of agonistic behaviour is striking: Although aggressive behavioural traits are generally completely formed, the puppies solely use them in the context of social play, which never leads to serious aggressive conflicts. The contact between the puppies and the dams is also nearly free of aggression and aggressive behaviour of the Samoyeds towards human beings was never registered. Compared with wolf cubs the development of the Samoyed puppies takes a slightly accelerated course. Amongst the different breeds of domestic dogs, the Samoyeds´ pace of development  in consideration of various aspects  can clearly be determined in a middle position. It is however obvious that the development of the Samoyed is considerably retarded in comparison to the Siberian Husky, another nordic dog breed. At the age of four weeks Samoyeds reach the stage of attention to the outer world (Phase der Zuwendung zur Außenwelt). Interaction with siblings and other social partners increases rapidly at this time and the exploration of the environment also gains in significance. The quantitative analysis of the behaviour reveals differences between the three litters, which are related to their specific environment and make obvious, that no later than with the beginning of the 4th week the Samoyed puppies need a structural enriched environment as well as adequate social partners in order to develop in the best possible way. It is remarkable that all Samoyeds, being involved in this investigation, show an evident affinity towards human beings. Thus, in raising Samoyed puppies, it is absolutely necessary to enable them to have sufficient social contact with humans. In popular science literature it is posutlated, that the Samoyed is a breed of dog that stands close to the wolf, which this study´s results confirm for essential aspects of the early behavioural ontogenesis.Furthermore, the findings of this investigation clearly substantiate from an ethological point of view the thesis of the “friendly” Samoyed which is particularly bound up with human beings.

Diese Untersuchung analysiert und dokumentiert im Rahmen eines ethologischen Rassevergleichs die frühe Verhaltensontogenese von Samojedenwelpen. Zentraler Inhalt der Arbeit ist ein Entwicklungsethogramm für die ersten acht Lebenswochen der Samojeden, wobei neben dem Verhalten der Welpen auch das Verhalten der Mutterhündinnen dokumentiert wird. In einem verhaltensontogenetischen Vergleich zwischen den Samojeden und anderen Haushunderassen sowie dem Europäischen Wolf (Canis lupus lupus L.) wird die Ausprägung des Verhaltensinventars diskutiert. Ebenso erfolgt eine Verortung der Entwicklungsgeschwindigkeit der Samojeden im Spektrum der Rassen sowie eine quantitative Analyse ausgewählter Verhaltensbereiche. Die Arbeit schließt mit einer Prüfung verschiedener populärwissenschaftlicher Thesen über den Samojeden aus ethologischer Sicht. Unter methodisch standardisierten Kriterien wurden 19 Samojedenwelpen aus drei Würfen von ihrer Geburt bis zum 56. Lebenstag beobachtet, die bei zwei verschiedenen Züchtern unter vergleichbaren familiären Bedingungen in Haus und Garten aufgezogen wurden. Das erstellte Entwicklungsethogramm dokumentiert für die untersuchten Samojedenwelpen ein nahezu vollständiges Verhaltensinventar im Vergleich zu Welpen des Europäischen Wolfs. Ausfälle relevanter Verhaltensweisen oder etwa ganzer Verhaltensbereiche sind nicht zu verzeichnen. Markant ist indessen eine gewisse Hypotrophie im Bereich des agonistischen Verhaltens: Die aggressiven Verhaltensweisen sind zwar im Wesentlichen vollständig ausgebildet, werden von den Welpen jedoch ausschließlich im Kontext von spielerischen Interaktionen eingesetzt, welche niemals in ernsthaft aggressive Auseinandersetzungen münden. Auch der Kontakt zwischen den Welpen und den Mutterhündinnen ist nahezu frei von Aggressionen, weiterhin kann keinerlei Aggressionsverhalten der Samojeden gegenüber Menschen beobachtet werden. Im Vergleich zu Wolfswelpen verläuft die Verhaltensentwicklung der ersten acht Lebenswochen bei den Samojedenwelpen generell leicht akzeleriert. Im Spektrum der verschiedenen Haushunderassen lässt sich die Entwicklungsgeschwindigkeit des Samojeden unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien klar auf einer mittleren Position verorten. Eine deutlich retardierte Entwicklung des Samojeden gegenüber dem Siberian Husky als weiterer nordischer Hunderasse ist offensichtlich. Mit der vierten Lebenswoche beginnt bei den Samojeden die Entwicklungsphase der Zuwendung zur Außenwelt. Ab diesem Zeitpunkt nehmen die Interaktionen mit den Geschwistern und anderen Sozialpartnern rapide zu und die Auseinandersetzung mit der Umwelt gewinnt rasch an Bedeutung. Die quantitative Analyse des Sozialverhaltens dokumentiert umweltabhängige Unterschiede zwischen den drei Würfen und läßt erkennen, dass Samojedenwelpen für eine optimale Verhaltensentwicklung spätestens mit Beginn der vierten Lebenswoche nicht nur adäqute Sozialpartner, sondern auch eine räumlich deutlich erweiterte und abwechslungsreich strukturierte Umwelt benötigen. Die ausgeprägte Affinität aller an dieser Untersuchung beteiligten Samojeden zum Menschen ist bemerkenswert Bei der Aufzucht von Samojedenwelpen sollte daher unbedingt auf ausreichende Möglichkeiten zum Sozialkontakt mit Menschen geachtet werden. Die populärwissenschaftlich postulierte Nähe des Samojeden zum Wolf kann anhand der Ergebnisse dieser Arbeit für wesentliche Aspekte der frühen Verhaltensontogenese bestätigt werden. Die Untersuchungsergebnisse fundieren weiterhin aus ethologischer Sicht eindeutig die Thesen vom „freundlichen“ und dem Menschen besonders eng verbundenen Samojeden.

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Günther, Antje: Verhaltensontogenese bei Hundewelpen der Rasse Samojede in den ersten acht Lebenswochen. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

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