Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Geschichtliche Entwicklung des Pforzheimer Schlachthofwesens

Hämmerle, Miriam

The present dissertation surveys the historical development of the slaughterhouse business in Pforzheim between 1870 and 1980. By using conserved material from the slaughterhouse and town archives and including appropriate technical literature and relevant newspaper articles the origin and development history shall be illustrated. The focus is on architectural basics, because they were required for the rise of the communal abattoir to be a model construction. The year 1888 represented a turning point in the story of slaughtering business by starting the first communal abattoir. After having to get along with the narrow and insanitary conditions of the old slaughterhouse at Waisenhausplatz during many years, the local butchers had an examplary and modern slaughter facility at their disposal now. But pleasure was of short duration. Due to the rising growth of population between 1888 (29.000 inhabitants) and 1910 (78.000 inhabitants) the abattoir was no longer sufficient to demands, the place was soon too small, a stockyard was missing completely and an expansion of the existing buildings was not to be managed for shortage of room. The planning of an entirely new slaughterhouse construction on the outskirts of the city was still approached before the 1st World War. But war and the following economical and political situation prevented a quick realization. Because of slaughter reduction and lack of financial means the old facility was kept. The few buildings which had been constructed between 1916 and 1930 were used as a stockroom. It was not until the complete destruction of the slaughterhouse at Gymnasiumstraße short before the end of the 2nd World War which forced to a resumption of rebuilding. Between 1945 and 1961 the singular parts of the buildings were constructed one after another by a constantly improved development scheme. The slaughterhouse commission which was charged with the planning was oriented to the design of the latest facilities in Europe. The two slaughterhouse directors Dr. Martin and Dr. Wolf were in constant exchange with other experts. So it became possible to make the facilities in Pforzheim a “model abattoir”. The structural variation in market business changed the situation quite soon: Influenced by EWG-legislation and growing competition with mail-order slaughterhouses the abattoir in Pforzheim suffered from irresistible decline during the 60ies and 70ies, which ended in privatization in the early 80ies.

Die vorliegende Dissertation beschäftigt sich mit der historischen Entwicklung des Pforzheimer Schlachthofwesens im Zeitraum von 1870 bis etwa 1980. Anhand von erhalten gebliebenem Aktenmaterial aus dem Schlachthof und dem Stadtarchiv sowie unter Einbeziehung entsprechender Fachliteratur und einschlägiger Zeitungsberichte soll ein Bild von der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der Pforzheimer Schlachthöfe gezeichnet werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der baulichen Entwicklung, weil sie die Voraussetzungen für den Aufstieg des städtischen Schlachthofs zur Modellanlage schuf. Das Jahr 1888 stellte mit der Inbetriebnahme des ersten städtischen Schlachthofs einen Wendepunkt in der Geschichte des Schlachtwesens dar: Nachdem die Metzger der Stadt über viele Jahre mit den beengten und unhygienischen Verhältnissen der alten Metzig am Waisenhausplatz hatten zurechtkommen müssen, stand ihnen nun eine vorbildliche, nach neuesten Gesichtspunkten erbaute Schlachtanlage zur Verfügung. Doch die Freude darüber sollte nur von kurzer Dauer sein. Durch den starken Bevölkerungszuwachs zwischen 1888 (29.000 Einwohner) und 1910 (78.000 Einwohner) konnte der Schlachthof den gestellten Anforderungen nicht mehr genügen, die Räumlichkeit wurden schnell zu klein, ein Viehhof fehlte ganz und eine Erweiterung der bestehenden Anlage ließ sich aus Platzgründen nicht durchführen. Die Planung einer völlig neuen Schlachtanlage am Rande der Stadt wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg in Angriff genommen. Jedoch verhinderten der Krieg und die darauf folgenden wirtschaftspolitischen Umstände eine rasche Umsetzung. Aufgrund gesunkener Schlachtzahlen und fehlender Finanzmittel betrieb man die alte Anlage weiter. Die wenigen Gebäude, die man schrittweise zwischen 1916 und 1930 im Viehhofbereich erstellte, wurden für Lagerzwecke benutzt. Erst die vollständige Zerstörung der Anlage an der Gymnasiumstraße kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zwang zu einer Wiederaufnahme des Neubaus. Zwischen 1945 und 1961 wurden die einzelnen Gebäudeteile Schritt für Schritt nach einem immer wieder in Details veränderten Bebauungsplan erbaut. Dabei orientierte sich die mit der Planung beauftragte Schlachthofkommission an den damals als modern geltenden europäischen Anlagen. Die beiden Schlachthofdirektoren Dr. Martin und Dr. Wolf standen in regem Austausch mit Fachkollegen. So wurde es möglich, die Pforzheimer Anlage zum „Modellschlachthof“ zu gestalten. Der Strukturwandel im Marktwesen veränderte die Situation schon bald: Unter dem Einfluss der EWG-Gesetze und dem wachsenden Konkurrenzdruck von Seiten der Versandschlächtereien erfuhr der Schlachthof in den 60er und 70er Jahren einen unaufhaltsamen Niedergang, der letztlich in den frühen 80er Jahren zur Privatisierung zwang.

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Hämmerle, Miriam: Geschichtliche Entwicklung des Pforzheimer Schlachthofwesens. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

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