Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zum Einfluss der mittleren Wochentemperatur auf das Auftreten von lebensmittelbedingten Erkrankungen aufgrund von Infektionen mit Salmonella Enteritidis, Salmonella Typhimurium, Campylobacter jejuni und Campylobacter coli

Yun, Chun-sok Josef

Epidemiological observations of outbreaks of foodborne diseases regularly suggest a relationship between a higher ambient temperature and an increase of such diseases. In order to obtain data to validate this suggestion statistically, the average weekly temperatures of different cities and one rural area were correlated with the occurrence of Salmonella and Campylobacter infections in these regions by using a linear regression model. The investigations were based on the data reported to the Robert Koch-Institute on the basis of the Federal Act on Communicable Diseases (Bundes-Seuchengesetz) up to December 31, 2000 and on the basis of the Act on Protection against Infections (Infektionsschutzgesetz) as of January 1, 2001. The investigation period was 1997 and 2000 to 2004, covering the cities of Berlin, Munich and the rural area consisting of the North Swabian administrative districts of Augsburg-Land, Dillingen and Donau-Ries. The necessary meteorological data were obtained from the German Weather Service. The hardly differentiated data material of 1997 and 2000 allowed to confirm the general relationship between temperature and occurrence of infections, as repeatedly mentioned in the literature. However, a statement on the actual influence of the average weekly temperature on the occurrence of cases of S. Enteritidis, S. Typhimurium, C. jejuni and C. coli infections could not be made for this period. The investigations of the period from 2001 to 2004 were statistically evaluated for each year on the basis of 52 weekly data sets of reported cases and 365 data sets of average daily temperature averaged over each week. Regarding S. Enteritidis and C. jejuni and C. coli an actual relationship between average weekly temperature and reported cases was found. The most meaningful coefficients (R²) were obtained in respect of S. Enteritidis for the city of Berlin with values from 0.62 to 0.79, and for the city of Munich with values from 0.38 to 0.63. The correlations obtained for said pathogens, in the rural area were less obvious, but showed the same tendency. For S. Typhimurium it was not possible to ascertain a relationship between average weekly temperature and reported cases in any of the regions examined. The finding of a seasonal higher frequency of Salmonella and Campylobacter infections in the hotter months so far reported in the literature has been corroborated for the first time with detailed data by the results obtained in this study. By using specific data obtainable only since the introduction of the Act on Protection against Infections in 2001 a more detailed investigation was possible and the rise in ambient temperature was found to produce an increase in the occurrence of S. Enteritidis-, C. jejuni- and C. coli-infections which shows up four to six weeks later. The delay in time is attributable to the fact that a temperature-dependent higher level of pathogens along the food chain is passed onto the final consumer. Consequently, the rise in temperature has an influence not only at the final consumers, but already at the farmers keeping animals for food production and at the companies involved in food production. This finding provides a basis for better and more effective food control.

Bei der epidemiologischen Betrachtung lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche wird regelmäßig ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Umgebungstemperatur und einer Steigerung lebensmittelbedingter Erkrankungen geäußert. Um diese Vermutung statistisch zu bewerten, wurden die mittleren Wochentemperaturen verschiedener Städte und eines ländlichen Gebietes mit dem Auftreten von Erkrankungen infolge von Infektionen mit Salmonellen und Campylobacter in diesen Regionen mit Hilfe eines linearen Regressionsmodells in Beziehung gesetzt. Grundlage der Untersuchungen waren die auf Basis des Bundes-Seuchengesetzes bis zum 31.12.2000 und ab dem 01.01.2001 auf Basis des Infektionsschutzgesetzes erhobenen Meldedaten des Robert Koch-Institutes. Der Untersuchungszeitraum umfasste die Jahre 1997 und 2000 bis 2004 für die Städte Berlin, München und das Ländliche Gebiet, bestehend aus den nordschwäbischen Landkreisen Augsburg-Land, Dillingen und Donau-Ries. Die erforderlichen meteorologischen Daten wurden vom Deutschen Wetterdienst zur Verfügung gestellt. Mit nur wenig differenziertem Datenmaterial aus den Jahren 1997 und 2000 konnte der in der Literatur immer wieder erwähnte generelle Zusammenhang zwischen Temperatur und Auftreten von Infektionen nachvollzogen werden. Eine Aussage zum konkreten Einfluss der mittleren Wochentemperatur auf das Auftreten von Krankheitsfällen aufgrund von Infektionen mit S. Enteritidis und S. Typhimurium sowie C. jejuni und C. coli war jedoch für diesen Zeitraum nicht möglich. Bei den Untersuchungen der Jahre 2001 bis 2004 wurden für jedes Jahr und für jede Region 52 Wochendatensätze gemeldeter Erkrankungen und die wochenweise gemittelten 365 Datensätze mittlerer Tagestemperaturen als Basis für die statistische Berechnung verwendet. Es zeigte sich im Hinblick auf S. Enteritidis sowie C. jejuni und C. coli ein konkreter Zusammenhang zwischen mittlerer Wochentemperatur und gemeldeten Krankheitsfällen. Die belastbarsten Koeffizienten (R²) mit Werten von 0,62 bis 0,79 ergaben sich für die Stadt Berlin hinsichtlich S. Enteritidis, gefolgt von München mit Werten von 0,38 bis 0,63. Im Ländlichen Gebiet waren für diese untersuchten Krankheitserreger die Korrelationen weniger stark, wiesen aber die gleiche Tendenz auf. Für S. Typhimurium konnte in keiner der betrachteten Regionen eine Beziehung zwischen der mittleren Wochentemperatur und den gemeldeten Krankheitsfällen nachgewiesen werden. Das im Rahmen der durchgeführten Studien gefundene Ergebnis belegt erstmals mit detaillierten Daten die bisherigen Feststellungen in der Literatur, denen zufolge eine saisonale Häufung von Erkrankungen aufgrund von Salmonellen und Campylobacter in den wärmeren Monaten zu beobachten ist. Durch die Nutzung spezifischer Daten, die erst seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 zur Verfügung stehen und die nunmehr eine differenzierte Betrachtung ermöglichen, konnte verdeutlicht werden, dass eine Steigerung der Umgebungstemperatur mit einer Verzögerung von vier bis sechs Wochen zu einem vermehrten Auftreten von Krankheiten bedingt durch S. Enteritidis-, C. jejuni- und C. coli-Infektionen führt. Diese zeitliche Verzögerung ist darauf zurückzuführen, dass temperaturbedingt höhere Erregerbelastungen entlang der Lebensmittelkette bis zum Verbraucher weiter gegeben werden. Demnach hat die Steigerung der Temperatur nicht nur Einfluss auf der Ebene des Endverbrauchers, sondern schon auf der Ebene der Betriebe, die Tiere zur Lebensmittelgewinnung halten und auf der Ebene der Betriebe, die bei der Herstellung von Lebensmitteln beteiligt sind. Auf der Grundlage dieser Erkenntnis kann die Überwachung von Lebensmitteln verbessert und effektiver gestaltet werden.

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Yun, Chun-sok Josef: Untersuchungen zum Einfluss der mittleren Wochentemperatur auf das Auftreten von lebensmittelbedingten Erkrankungen aufgrund von Infektionen mit Salmonella Enteritidis, Salmonella Typhimurium, Campylobacter jejuni und Campylobacter coli. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

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