Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchung zur Haltung von Koi (Cyprinus carpio) in Gartenteichen, der Mensch-Koi-Beziehung und deren Einfluss auf die Fischgesundheit

Lange, Christiane

In Germany, the number of garden ponds with ornamental fish has been growing in recent years, and the hobby of keeping koi, the colorful domestic mutation of the common carp (Cyprinus carpio), has become increasingly popular and widespread. The present study seeks to describe the conditions under which koi are being kept in Northwestern Germany, to examine the owner/animal relationship, and to identify critical control points that have a negative influence on koi health. Using methods of qualitative research, a series of personalized; partially standardized interviews were conducted with 10 koi keepers from the region. Findings from these interviews on topics such as pond construction, water quality, koi purchase, keeping koi as a hobby, and dealing with koi disease and koi death were assembled for a questionnaire which was then mailed to the target group for quantitative assessment. The answers from 105 returned questionnaires were evaluated statistically, and linear regression analysis was used to determine the factors that have significant influence on koi lethality. Nearly half of all survey participants had up to five years of experience in keeping their own koi ponds; the average pond size was 33,824 liters of water with an average of 18.5 koi in each pond. Overall, the survey provided evidence of good technical preconditions for fish health and water quality: 91% of surveyed koi keepers had a stocking density of ≤ 2 kg of fish per 1,000 liters, and 76% said their filtration system was capable of filtering the entire pond water within a maximum of three hours. Only 53%, however, measured water quality parameters on a regular basis. Since the levels of dissolved oxygen, ammonia, and nitrite serve as key indicators in an early diagnosis of pond dysfunction and fish health hazards, there is a clear need for counseling by the veterinarians monitoring these ponds. In addition, there is a need for educating koi keepers regarding their habits in purchasing additional koi. In their recommendations, veterinarians should place more emphasis on the importance of buying only from respectable koi traders fully complying with hygienic standards, of choosing the right timing for purchasing additional koi, and of keeping new fish quarantined in a separate tank for 4 to 6 weeks before introducing them to the pond environment. The statistical evaluation provided evidence of significant influence on koi lethality (p ≤ 0.05) for factors including the purchase of additional koi, selection of koi traders, hot summers, winter, and regular prophylactic anthelmintic therapy as critical control points for koi health. During the two years preceding the survey, an average of 5.7 koi per pond had died. Emotionally, the majority of koi owners tend to experience the death of a fish as a major loss. When counseling koi owners, veterinarians thus need to be aware of the strong emotional ties between fish and client, whose habits resemble those of owners of pet animals. There is a need for professional counseling and koi treatment by a veterinarian. Last but not least, environmental and animal protection concerns require a more intense commitment of veterinarians in the area of fish medicine.

In Deutschland nimmt die Anzahl von Gartenteichen mit Zierfischen jährlich zu, wobei sich die Hobbyhaltung von Koi, der domestizierten, farbigen Variante des gemeinen Karpfens (Cyprinus carpio) wachsender Beliebtheit erfreut. In der vorliegenden Studie wurden die Umwelt- und Haltungsbedingungen von Koi im nordwestdeutschen Raum dargestellt, die Tierhalter – Tier – Beziehung ergründet und kritische Faktoren ermittelt, die die Gesundheit der Koi maßgeblich beeinträchtigen. Im Rahmen der qualitativen Forschung wurden persönliche, teilstandardisierte Leitfadeninterviews mit 10 Koihaltern aus der Region durchgeführt und die gewonnenen Erkenntnisse zu den Themengebieten Teichbau, Wasserqualität, Zukauf, der Hobbyhaltung von Koi, dem Umgang mit Krankheiten und dem Tod von Koi in einem Fragebogen zusammengestellt und durch postalischen Versand quantitativ in der Zielgruppe überprüft. Die Antworten von 105 Fragebögen wurden statistisch ausgewertet und durch lineare Regressionsanalyse ermittelt, welche Faktoren einen signifikanten Einfluss auf die Letalität von Koi haben. Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer verfügte über eine bis zu fünfjährige Erfahrung mit dem eigenen Koiteich, die durchschnittliche Teichgröße lag bei 33 824 l Wasser mit durchschnittlich 18,5 Koi pro Teich. Die Umfrage ergab gute technische Voraussetzungen für Fischgesundheit und Wasserqualität: 91% der Umfrageteilnehmer hatten eine Besatzdichte von ≤ 2 kg Koimasse pro 1000 l Wasser und 76 % der Befragten gaben an, eine Filterung des gesamten Teichvolumens durch die Filteranlage innerhalb von bis zu 3 Stunden zu erreichen. Wassergüteparameter wurden nur von 53% der Befragten regelmäßig gemessen. Da vor allem Sauerstoff-, Ammoniak- und Nitritwerte der Früherkennung von Fehlfunktionen der Teichanlage und von Gesundheitsgefahren für die Fische dienen, ist hierüber Beratungsbedarf durch betreuende Tierärzte vorhanden. Zudem besteht Aufklärungsbedarf im Bereich des Zukaufverhaltens: auf die Wahl eines seriösen, hygienisch einwandfreien Koihändlers, auf den richtigen Zeitpunkt des Zukaufs und vor allem auf die Durchführung einer 4 – 6-wöchigen Quarantänehaltung in einem Extrabecken vor Besatz des Teiches mit neuen Fischen sollte verstärkt hingewiesen werden. Statistisch wurden signifikante Einflüsse auf die Letalität von Koi (p ≤ 0,05) unter anderem für das Ereignis des Zukaufes, die Wahl des Koihändlers, einen heißen Sommer, den Winter und die Durchführung einer regelmäßigen prophylaktischen Wurmkur bei Koi als kritische Gefahrenpunkte für die Koigesundheit ermittelt. Innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Umfrage waren durchschnittlich 5,7 Koi pro Koiteich gestorben. Der Tod eines Koi wird von der Mehrheit der Koibesitzer emotional als großer Verlust empfunden, generell muss bei der Beratung eines Koibesitzers von einer persönlichen Bindung zu seinen Koi und dem Verhalten eines Klienten mit Kleintieren ausgegangen werden. Ein Bedürfnis nach fachlich fundierter Beratung und Behandlung der Koi durch einen Tierarzt besteht. Nicht zuletzt Umwelt- und Tierschutzgründe machen ein verstärktes Engagement der Tierärzte auf dem Gebiet der Fischmedizin unerlässlich.

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Lange, Christiane: Untersuchung zur Haltung von Koi (Cyprinus carpio) in Gartenteichen, der Mensch-Koi-Beziehung und deren Einfluss auf die Fischgesundheit. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

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