Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zum Einfluss des Sedativums Detomidin und einer Langzeitlaufbandbelastung auf die endoskopisch evaluierbare Funktion der oberen Atemwege beim Pferd

Löbert, Henning Bernd

In part A of this study 48 warmblood horses underwent laryngoscopy before and after the administration of the sedative Detomidine. Laryngeal function was evaluated independently by three observers in order to rate the influence of the sedative on the arytenoid cartilage motility. The most important aspects of the international used grading systems for laryngeal function were evaluated. Additionally, the resting position and the amplitude of the right arytenoid cartilage movements were evaluated and abnormal respiratory sounds were noted. All observers found a significant deterioration of the ability to fully abduct the left arytenoid cartilage after nasal occlusion and swallowing when horses were sedated. This is important because horses with an inability to fully abduct the left arytenoid cartilage are seen to be clinical RLN cases, according to the international opinion. No respectively one observer found a significant influence of the sedative on the asymmetry respectively the asynchrony of the laryngeal movements. Furthermore, all 3 observers found a significant closer position of the Rima glottis in resting position and a significant higher amplitude of arytenoid cartilage movement while the horses were sedated. 25 of the 48 horses showed a typical respiratory sound, e. g. a whistling or roaring. 68% respectively 69% of these horses had a permanent asymmetry of their laryngeal movements before respectively while the horses were sedated and 45% respectively 55% of these horses were unable to achieve or maintain full abduction of the left arytenoid cartilage. In part B of this study the correlation between the subjective grading and the objective measurement of a reduced abduction of the left arytenoid cartilage was evaluated. Therefore 48 warmbloods underwent laryngoscopy before and after sedation and a lack of abduction was independently evaluated by three observers. Additionally, the opening angle of the arytenoids cartilages was measured, using a trigonometrically measuring method according to REUTTER et al. (1994) and the quotient “right angle: left angle” was calculated. Between the subjective grading and the objective measurement a correlation coefficient of 0,84 before and 0,76 after application of the sedative was found. In horses with the same subjective grading it was possible to get distinct different measuring results (scatter up to 19%) whilst in horses with a different subjective grading the measurements could be similar. Because of the results of this study the used measuring method can be seen as highly reproducible. The aim of part C was to evaluate the influence of a long term treadmill exercise on the function of the upper airways in warmbloods. Therefore 16 horses underwent resting laryngoscopy before and after administration of the sedative Detomidine and an additionally endoscopy at the beginning and at the end of a 25 minute exercise on a high speed treadmill. In the resting endoscopy 12 respectively 9 horses showed an increase in the lack of abduction in non-stimulated respectively stimulated breathing after administration of the sedative. 11 horses got a higher grade according to DUCHARME (2005) while they were sedated. This means deterioration in their laryngeal function. In the treadmill endoscopy 4 horses showed a partial collapse of the left and one horse of the right arytenoid cartilage. 3 of the 5 horses were seen to have a severe collapse at the end of the treadmill exercise. Additionally, 1 of the 3 horses showed a bilateral vocal cord collapse at the beginning and the end of the exercise whilst the other 2 horses only showed a collapse of the left vocal cord at the end of the exercise in combination with a worsen collapse of the left arytenoid cartilage. All horses with an arytenoid cartilage collapse during exercise were without and with sedation unable to fully abduct the collapsing arytenoid cartilage in the resting endoscopy. 3 horses were diagnosed with an axial deviation of the right aryepiglottic fold. All 3 horses were seen to have a more intense deviation at the end of the exercise. A collapse of the pharyngeal roof and/or the pharyngeal walls was diagnosed in 10 horses. In all cases the collapse was only mild and only 5 of the 10 horses showed an abnormal respiratory sound. 1 horse was seen to have a palatal instability and a dorsal displacement of the soft palate at the beginning but not at the end of the exercise. 6 of the 9 horses that had abnormal respiratory sounds were diagnosed with an upper airway obstruction whilst the other 3 horses showed only a mild pharyngeal collapse which can be judged to be not responsible for the respiratory sound.

In Teil A dieser Studie wurden 48 Warmblutpferde einer laryngoskopischen Untersuchung vor und nach Applikation des Sedativums Detomidin unterzogen, die Kehlkopffunktion von 3 unabhängigen Untersuchern anhand der verblindeten Aufnahmen der Endoskopien bewertet und aufgrund der so gewonnenen Ergebnisse der Einfluss der Sedierung auf die Beweglichkeit der Aryknorpel ermittelt.  Erfasst wurden dabei die wichtigsten Aspekte der international gebräuchlichen Bewertungsschemata für Störungen der Kehlkopffunktion sowie weiterhin die Ausgangsposition und Bewegungsamplitude des rechten Aryknorpels. Außerdem wurden die Probanden auf das Auftreten von Atemgeräuschen hin untersucht. Während bei den Bewertungen der Asymmetrie bei nicht stimulierter Atmung bei keinem und der Asynchronie der Kehlkopfbewegungen und dem Flattern des linken Aryknorpels nur bei einem Untersucher ein signifikanter Unterschied unter Sedierung festgestellt werden konnte, war eine signifikante Auswirkung des Sedativums auf die Fähigkeit zur vollständigen Abduktion des linken Stellknorpels nach nasaler Okklusion oder dem Schluckakt bei allen Untersuchern als Verschlechterung der Abduktionsfähigkeit unter Sedierung zu beobachten. Dies ist von besonderer Bedeutung, da nach internationaler Meinung Pferde mit einer Unfähigkeit zur vollen Abduktion als klinisch an der Recurrent laryngeal neuropathie erkrankt anzusehen sind.  Weiterhin wurden nach Applikation des Sedativums eine signifikante Verkleinerung der Ausgangsposition und eine signifikante Erhöhung der Bewegungsamplitude des rechten Aryknorpels in der Gruppe der untersuchten Pferde festgestellt. 25 Pferde zeigten ein typisches Atemgeräusch. Von diesen zeigten 68% vor und 69% unter Sedierung eine dauerhafte Asymmetrie der Kehlkopfbewegungen bei nicht stimulierter Atmung und 45% waren vor und 55% unter Sedierung nicht fähig, die volle Abduktion des linken Aryknorpels zu halten oder überhaupt zu erreichen. In Teil B dieser Arbeit wurde die Korrelation zwischen der subjektiven Bewertung und der objektiven Vermessung einer Abduktionsverminderung des linken Aryknorpels untersucht. Bei 48 Warmblutpferden wurde dazu eine laryngoskopische Untersuchung vor und unter Sedierung durchgeführt und die Stärke der Asymmetrie der Kehlkopfbewegungen bei nicht stimulierter Atmung von 3 Untersuchern unabhängig voneinander beurteilt. Außerdem wurden mit der Tangentenmessmethode nach REUTTER et al. (2004) bei jedem Pferd die Öffnungswinkel der Aryknorpel gemessen und ihr Quotient bestimmt. Zwischen den subjektiven Bewertungen und den aus den trigonometrischen Messungen errechneten Winkelquotienten konnte ein Korrelationskoeffizient in Höhe von 0,84 vor und 0,76 unter Sedierung festgestellt werden. Pferde mit gleich starker Asymmetrie in der subjektiven Bewertung konnten sich in ihren Messwerten deutlich unterscheiden (Streuung bis zu 19%), während bei Probanden mit unterschiedlich starker Asymmetrie gleiche Werte gemessen wurden. Die Wiederholbarkeit der Tangentenmessmethode ist aufgrund der Ergebnisse der vorliegenden Arbeit als gut zu bewerten. Ziel von Teil C der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluss einer Langzeitbelastung auf dem Hochgeschwindigkeitslaufband auf die Funktion der oberen Atemwege beim Warmblutpferd zu evaluieren. Hierzu wurden 16 Warmblüter sowohl ruheendoskopisch vor und unter Sedierung als auch laufbandendoskopisch zu Beginn und am Ende einer 25minütigen Laufbandbelastung untersucht. In der Ruheendoskopie konnte eine Verstärkung der Abduktionsverminderung des linken Stellknorpels unter Sedierung bei nicht stimulierter Atmung bei 12 der 16 Pferde und bei stimulierter Atmung bei 9 der 16 Probanden festgestellt werden. 11 Pferde wurden unter Sedierung mit einem höheren Grad nach DUCHARME (2005) bewertet, was eine Verschlechterung der Kehlkopffunktion bei diesen Pferden bedeutet. Bei der laufbandendoskopischen Untersuchung konnte bei 5 Pferden ein partieller dynamischer Aryknorpelkollaps festgestellt werden, wobei bei 4 Pferden der linke und bei einem Pferd der rechte Aryknorpel betroffen war. Bei 3 der 5 Pferde konnte während der zweiten Endoskopie eine Verstärkung des Kollaps beobachtet werden. Bei einem Pferd mit einem Aryknorpelkollaps konnte zusätzlich in beiden Endoskopien ein Kollaps beider Stimmfalten und bei zwei Pferden mit linksseitigem Stellknorpelkollaps erst bei verstärktem Kollaps am Ende der Belastung auch ein linksseitiger Stimmbandkollaps festgestellt werden.  Alle Pferde mit einem Stellknorpelkollaps unter Belastung waren in der Ruheendoskopie auch vor Sedierung nicht zur vollen Abduktion des betroffenen Stellknorpels fähig. Bei 3 Pferden wurde eine axiale Deviation der rechten Plica aryepiglottica diagnostiziert. Bei allen 3 Pferden trat während der Langzeitbelastung eine Verstärkung der axialen Deviation der Plica aryepiglottica auf. Ein Kollaps des Rachendaches und/oder der Rachenwände wurde bei 10 Pferden diagnostiziert. Der Kollaps war aber in allen Fällen sowohl zu Beginn als auch am Ende der Belastung nur als geringgradig zu beurteilen und ging bei 5 Probanden nicht mit einem Atemgeräusch einher. Bei einem Pferd wurden nur zu Beginn der Belastung eine Instabilität des Gaumensegels und eine Dorsalverlagerung des Gaumensegels festgestellt, ein Atemgeräusch trat bei diesem Probanden nicht auf.  Bei 6 der 9 Pferde mit einem Atemgeräusch wurde eine dynamisch stenotische Erkrankung der oberen Atemwege festgestellt, während bei 3 Pferden mit einem Atemgeräusch bis auf einen geringgradigen und vermutlich nicht für das Atemgeräusch verantwortlichen Pharynxkollaps keine weitere Erkrankung diagnostiziert werden konnte.

Zitieren

Zitierform:

Löbert, Henning Bernd: Zum Einfluss des Sedativums Detomidin und einer Langzeitlaufbandbelastung auf die endoskopisch evaluierbare Funktion der oberen Atemwege beim Pferd. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export