Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Epidemiologische Untersuchungen zur Tiergesundheit in Schweinezuchtbeständen unter besonderer Berücksichtigung von Managementfaktoren und des Einsatzes von Antibiotika und Homöopathika

Sommer, Mary-Ann

More than ever consumers, the society and politicians demand safe food from healthy animals. In this context, the use of antibiotics is seen with growing scepticism, whereas the improvement of management factors on farms is now considered an important goal. At the same time, there is an increasing interest of farmers in alternative ways of medical treatment for animals, such as homeopathy, although homeopathy is still a controversially discussed medical intervention and its mode of effect is not scientifically understood yet. The aim of  the present study was to investigate whether there is a correlation between the health status of pig herds and the kind of medication, antibiotic or homeopathic, the amount of  antibiotics used regularly (as measured by the Animal Treatment Index = ATI), and some selected management factors. The data were collected from 36 sow herds with piglet production in southern Germany which belonged to the clientele of one particular veterinary practice. The categories of the data collected from these farms and the data analyzed in this study (consumption of antimicrobials, productivity, and health status) were correlated to a Herd Health Score (HHS). The data were included in the study retrospectively over a period of two years. Additionally, the farmers were questioned about further details to find out more about some less obvious factors relating to animal health and the use of homeopathic treatment. The farms analyzed in the study were then grouped according to the HHS: the aim was to find differences between farms with a high HHS and those with a low one. Additionally, the farms were grouped according to their interest in homeopathy: the aim was to find differences between farmers with a high interest in homeopathy and those with little or no interest. The analysis concerning the herd health showed that the farm managers of the eight farms with the best herd health (according to HGS) were more committed and willing to invest; moreover they more often took measures to make farm work easier and infections less likely; and they used homeopathy more often than the eight farmers with a low HGS. More of the farms with a high HGS can do without PRRS vaccination. In the analysis concerning the use of homeopathy, the 8 farms with the greatest interest in homeopathy differ from the 8 farms with low or no interest in that: farmers with a great interest in homeopathy were more committed and open to new development such as documentation or vaccination. Their farms had rather more sows, and they were more women working regularly in their stables than on the “no homeopathy farms”. As a reason for the use of homeopathy these farmers more often mention consumer protection than other farmers; as a reason against they mention the difficulty to find the right mediation. In the observation the predominant use of homeopathic remedies goes hand in hand with a higher health status and a lower use of antimicrobials in sows. Of course, there are a few farms that do not fall into this pattern: which shows that the use of homeopathy does not automatically lead to a higher health level and a reduced use of antimicrobials. It can be assumed, thought, that farmers who use homeopathy can do so without any considerable loss in animal health since their general commitment and their health management will generally ensure a high health level. Nevertheless, further investigation might show that homeopathic awareness helps to increase the sense of satisfaction with work on the farm. This, in turn, might open new paths for an effective improvement of both animal health and food quality.

Verbraucher, Gesellschaft und Politik erwarten mehr denn je sichere Lebensmittel von gesunden Tieren. Der Einsatz von Antibiotika wird in diesem Zusammenhang zunehmend kritisch betrachtet und die Optimierung von Managementfaktoren auf landwirtschaftlichen Betrieben als wichtig angesehen. Gleichzeitig wächst das Interesse von Landwirten an alternativen Behandlungsverfahren, wie der Homöopathie, obwohl speziell die Homöopathie bis heute noch nicht wissenschaftlich nachvollziehbar ist und zum Teil kontrovers diskutiert wird. Ziel der Studie war es, erste Aussagen zum Zusammenhang von Tiergesundheit, der Wahl des Therapieverfahrens (Homöopathie, Antibiose) und weiteren Einflussfaktoren wie etwa dem Management zu treffen. Die Daten für diese Studie wurden auf 36 sauenhaltenden Betrieben in Süddeutschland erfasst, die alle von derselben Tierarztpraxis betreut wurden. Verschiedene Arten von Betriebsinformationen, die in dieser Studie ausgewertet wurden (Leistungsdaten, Einsatz von Antibiotika und Gesundheitsstatus) ergaben gemeinsam den Herdengesundheitsscore (HGS). Die Daten wurden retrospektiv über einen Zeitraum von zwei landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahren zur Untersuchung herangezogen. Außerdem wurden die Landwirte detailiert zu folgenden Bereichen befragt:  Betriebsstrukturen, Betreuung der Schweine, Engagement, regelmäßig durchgeführte Behandlungen, Hygiene, Haltung, Fütterung, Besamungsmanagement und der Anwendung von homöopathischen Arzneien. Für die erste Auswertung wurden Betriebe mit extrem hohen und extrem niedrigen  HGS-Werten verglichen. In gleicher Art und Weise wurden in der zweiten Auswertung Betriebe mit sehr unterschiedlich intensivem Homöopathieeinsatz in Gruppen eingeteilt und verglichen, um Unterschiede zwischen Betrieben mit sehr hohem und sehr geringem bzw. ohne Homöopathieeinsatz zu erkennen. Die Auswertung bezüglich des HGS ergab, dass die Betriebsleiter der acht Betriebe mit hohem Herdengesundheitsstatus laut HGS sich engagierter, spezialisierter und investitionsbereiter zeigten; außerdem nutzten sie häufiger Maßnahmen zur Arbeitserleichterung sowie zur Absenkung des Infektionsdrucks und setzten mehr Homöopathie ein als die acht Landwirte, deren Betrieben im HGS eher schlecht abschnitten. Außerdem können mehr Betrieben mit hohem HGS auf eine PRRS-Impfung verzichten. In der Auswertung bezüglich des Einsatzes von Homöopathie, unterschieden sich die acht Landwirte, die besonders viele Homöopathie einsetzten, von den neun Landwirten, die dies besonders wenig oder kaum taten, durch das höhere Engagement und eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem (z. B. Dokumentationsmaßnahmen, Impfungen). Auf allen homöopathisch orientierten Betrieben arbeiteten regelmäßig Frauen im Stall mit; diese  Betriebe hielten auch etwas mehr Sauen als die „Nicht-Homöopathie-Betriebe“ Bei den Gründen für den Einsatz von Homöopathie nennen die homöopathisch orientierten Landwirte im Gegensatz zur Vergleichsgruppe unter anderem häufiger Gründe aus dem Bereich des Verbraucherschutzes; als Grund gegen den Einsatz der Homöopathie werden Schwierigkeiten bei der Mittelfindung benannt. Diese acht „Homöopathie-Betriebe“ zeichneten sich insgesamt durch eine höheren Herdengesundheit  aus, so wurden weniger Antibiotika eingesetzt, es fanden sich  teilweise bessere Tierleistungen und eine größere Bestandsgesundheit der Sauen. In vielen Bereichen bleiben die Landwirte mit einem intensiven Homöopathieeinsatz zwar hinter den acht Landwirten mit einer sehr guten Tiergesundheit zurück, aber sie sind immer noch als deutlich erfolgreicher zu betrachten als die Landwirte mit einem sehr geringen oder ohne  Interesse an Homöopathie. Zusammengefasst unterstützen die Ergebnisse die Beobachtung, dass ein hoher Einsatz von Homöopathie Hand in Hand mit einem hohen Herdengesundheitsstatus und einem geringen Antibiotikaeinsatz gehen kann. Allerdings gibt es auch einzelne Landwirte, die nicht diesem Muster entsprechen. Dies beweist, dass der Einsatz von Homöopathika nicht automatisch zu einer guten Herdengesundheit führt. Es ist auch durchaus anzunehmen, dass Betriebsleiter, die Homöopathie nutzen, dies ohne Tiergesundheitseinbrüche tun können, da ihr generelles Engagement und Tiergesundheitsmanagement in der Lage ist, einen hohen Tiergesundheitsstatus aufrecht zu erhalten. In einer künftigen Studie sollte untersucht werden, ob die Homöopathie z.B. die Berufszufriedenheit des Landwirtes bestärkt und sich dies positiv auf die Motivation des Landwirtes und damit auch auf die Herdengesundheit auswirkt, um bisher nicht genutzte Chancen für eine wirkungsvolle Verbesserung von Tiergesundheit und damit auch Lebensmittelqualität zu nutzen.

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Sommer, Mary-Ann: Epidemiologische Untersuchungen zur Tiergesundheit in Schweinezuchtbeständen unter besonderer Berücksichtigung von Managementfaktoren und des Einsatzes von Antibiotika und Homöopathika. Hannover 2009. Tierärztliche Hochschule.

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