Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Anästhesie bei Reptilien

Kowaleski, Nicole

Reptiles, especially chelonians are increasingly important as patients in veterinary practice. These visits often include sedation and general anesthesia for either diagnostic purposes or surgical tolerance. These patients are a great challenge for the treating practitioner due to their ectothermic, the existence of cardiopulmonary shunt-systems and their high tolerance of oxygen deficiency (Schumacher 2007). The anatomical and physiological particularities mentioned above as well as others, to date incompletely identified mechanisms are lead to great differences in the response of various reptile species to administered anesthetics. Nevertheless, general anesthesia of reptiles demands a specific approach of the veterinarian, which at the same time must ensure to be as safe as possible for the patient (Schumacher 2007). The anesthetics and doses found in the literature about reptile anesthesia often do not fulfill these criteria. Therefore, the development of new anesthesia regimes and the use of innovative anesthetics are of great importance. This present study is a contribution concentrates on Alphaxalone, a neuroactive progesteronderivative under clinical aspects of reptile anesthesia. For that reason a titration was performed initially, to evaluate a necessary dose of the intravenously adminstered Alphaxalone making endotracheal intubation possible. For this study two representatives of the family Testudinidae as well as terrapins of the family Emydidae were used, in order to detect possible species-specific differences regarding the dosage. All testing was preformed at 20 - 22°C and 26 - 27°C taking the influence of the surrounding temperature on the necessary dosage into account. The dosage determined of 10 mg/kg BW 0,80   i.v. was then followed by a second sequence of testing with 10 respectively 20 mg/kg BW 0,80  i.v. combined with Ketamine and 5 volume % Isoflurane, to obtain general anesthesia with surgical tolerance. The analgesic and anesthetic effects of ketamine with the pronounced muscle relaxant effect of Alphaxalons should be combined, followed by the use of Isoflurane to maintain the anesthesia. Again, to consider species-specific differences in this test sequence, tortoises of the family and terrapins of the familiy Emydidae were included. The room temperature for all anesthesia was about 24°C. In these testseries, besides examining the course of anesthesia, the influence of the combined anesthesia on the vital parameters was of interest. Therefore, heart and respiratory rates, peripheral oxygen saturation, exhaled EtCO2, in- and expired oxygen and narcotic gas measurements were performed. Additionally, room and body temperature, as well as the temperature close to the animal body were recorded. After evaluating the data, the combination of Alphalaxone, Ketamine and Isoflurane was found to be a safe anesthesia regime without negative effects on the vital parameters of the chelonians. Due to the fact that only in about 20% of the cases a sufficient analgesia was attained, it will be necessary to do further studies with higher doses, as well as to examine the use of Aphaxalone in other reptile groups. Aphaxalone can be recommended as a monoanesthetic for painless procedures. Because of the fact that the substance had respiratory depressing effects after intravenous administration in all cases, an option of endotracheal intubation should exist to for assist ventilation.

Reptilien, insbesondere Schildkröten, gewinnen als Patienten in der tierärztlichen Praxis zunehmend an Bedeutung. Dabei müssen häufig für diagnostische und chirurgische Eingriffe, Sedierungen oder Allgemeinanästhesien mit chirurgischer Toleranz durchgeführt werden. Aufgrund ihrer Ektothermie, der Existenz kardiopulmonaler Shuntsysteme und ihrer hohen Toleranz gegenüber Sauerstoffmangelsituationen, stellen sie jedoch für den behandelnden Tierarzt eine große Herausforderung dar (Schumacher 2007). Die genannten anatomischen und physiologischen Besonderheiten, sowie weitere, zum Teil noch nicht endgültig identifizierte Mechanismen, führen zu großen Unterschieden hinsichtlich der Ansprechbarkeit verschiedener Reptilienspezies auf die verabreichten Anästhetika. Dennoch gilt auch für die Anästhesie von Reptilien der Anspruch, eine für den behandelnden Tierarzt praktikable und für den Patienten zugleich möglichst sichere Narkose zu gewährleisten (Schumacher 2007). Die in der Literatur zur Reptilienanästhesie angegebenen Anästhetika und deren Dosierungen erfüllen diese Kriterien häufig nicht. Aus diesem Grund sind die Entwicklung neuer Narkoseregime und der Einsatz innovativer Anästhetika von großer Bedeutung. Die vorliegende Studie soll dazu beitragen, indem Alphaxalon, ein neuroaktives Progesteronderivat, unter klinischen Aspekten der Reptilienanästhesien untersucht wird. Dafür wurde zunächst in einer Dosistitration die zum Erreichen der Intubationsfähigkeit notwendige Dosierung von intravenös zu applizierendem Alphaxalon evaluiert. Für die Untersuchungen wurden Schildkröten der Familien Testudinidae und Emydidae einbezogen, um mögliche speziesspezifische Unterschiede hinsichtlich der Dosierung ermitteln zu können. Alle Untersuchungen wurden bei 20 - 22°C und 26 - 27°C Raumtemperatur durchgeführt, um zusätzlich den Einfluss der Umgebungstemperatur auf die notwendige Dosierung zu berücksichtigen. Die ermittelte Dosierung von 10 mg/kg KGW 0,80i.v. wurde anschließend in einer zweiten Untersuchungsreihe mit 10 bzw. 20 mg/kg KGW 0,80Ketamin und 5 % Isofluran kombiniert, um eine Allgemeinanästhesie mit chirurgischer Toleranz zu erzielen. Dabei sollten die analgetischen und anästhetischen Effekte des Ketamins mit der ausgeprägten muskelrelaxierenden Wirkung des Alphaxalons kombiniert werden und die Narkose im Anschluss an eine Intubation durch Isofluran aufrechterhalten werden. Um auch in dieser Studie die speziesspezifischen Unterschiede zu berücksichtigen, wurden erneut Tiere der Familien Testudinidae und Emydidae in die Untersuchung einbezogen. Die Raumtemperatur wurde für sämtliche Anästhesien dieser Studie auf 24°C reguliert. Neben dem Verlauf der Anästhesie war in dieser Untersuchungsreihe desweiteren der Einfluss der Kombinationsnarkose auf die Vitalparameter von Interesse. Aus diesem Grund wurden die Herz- und Atemfrequenz, die periphere Sauerstoffsättigung, der endexspiratorische Kohlendioxidpartialdruck, sowie die inspiratorische und exspiratorische Sauerstoff- und Narkosegaskonzentration gemessen. Zusätzlich wurden die Raum- und Körpertemperatur, sowie die Temperatur in unmittelbarer Tierkörpernähe aufgezeichnet. Nach Auswertung der erhobenen Befunde, stellt sich die Kombination aus Alphaxalon, Ketamin und Isofluran als sicheres Anästhesieregime ohne negative Auswirkungen auf die Vitalparameter der narkotisierten Schildkröten dar. Da allerdings nur in 20 % der Fälle eine Allgemeinanästhesie mit ausreichender Analgesie erreicht werden konnte, müssen in Zukunft weitere Untersuchungen mit höheren Dosierungen folgen. Desweiteren sollte der Einsatz von Alphaxalon bei anderen Reptilienspezies untersucht werden. Als Monoanästhetikum mit ausgeprägter muskelrelaxierender Wirkung kann Alphaxalon für nicht schmerzhafte Eingriffe empfohlen werden. Da nach intravenöser Applikation von Alphaxalon in allen Fällen atemdepressive Effekte beobachtet werden konnten, sollte beim Einsatz von Alphaxalon in der Reptilienanästhesie stets die Möglichkeit zur Intubation vorhanden sein.

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Kowaleski, Nicole: Anästhesie bei Reptilien. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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