Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Regelmäßige Beurteilung von Lahmheiten bei Milchkühen und die Auswirkung von Lahmheit auf die Milchleistung, die Fruchtbarkeit und den Gesundheitsstatus in verschiedenen Milchviehbetrieben

Orgel, Corina

Between July 2005 and February 2007, German Holstein cows on eight farms in the Northwest of Germany were regularly evaluated for lameness during lactation. The cows were housed in free stalls with cubicles and scored for lameness at a four-week interval. Using the Locomotion Scoring System by SPRECHER et al. (1997), the cows received scores from 1 (normal gait) to 5 (severely lame). Additionally, for each cow milk yield (test day, 100-d, 305-d), reproductive and disease data were collected. In this study, 2158 lactations, which were further divided into first and second or more lactations, were observed. Every lactation was split in 30-days intervals beginning with the day of calving, and the collected data were allocated to their respective time periods. This allowed the examination of possible associations between lameness scores and course of parturition, milk yield, fertility and disease incidence within certain time periods. Comparisons were performed by classifying the cows either as non lame (score 1) vs. lame (score >1) or as non lame (score ≤2) vs. lame (score >2). The following results were obtained: In the statistical analysis, only a logistic regression model with the herd as random effect revealed that dystocia was found more often in cows with a score >2 during the first 30 days postpartum than in non lame cows. This was most obvious in primiparous cows. However, because of the study design, the causal relationship between lameness and dystocia was unclear. Primiparous cows with scores >2 between the 91st and 120th day of lactation had a lower test day and 100-d milk yield than non lame first calving cows. However, the mean 305-d milk yield did not differ between these groups. Lame multiparous cows with a score >1 had a higher milk yield independent of the milk yield parameter chosen, but this effect was less obvious for lameness scores >2. The regression analysis revealed that mild lameness (score >1) especially in multiparous cows was accompanied by a higher test day, 100-d and 305-d milk yield. Higher degrees of lameness had no significant effect on milk yield. Lameness was associated with an increased somatic cell count. Cows with lameness scores >2 at the beginning (first to 30th day) or at the end of lactation (241st to 300th day), had a higher somatic cell count in these periods than non lame cows, independent of the number of lactation or the herd. Furthermore, this study demonstrated a negative effect of lameness on reproduction. The calving to first service interval was lengthened by four to five days when lameness (score >1 or score >2) occurred between the 61st and the 90th day postpartum. Cows with scores >1 between the 61st and the 90th day of lactation also had a 15 days longer calving to conception interval than non lame cows. Overall pregnancy rate (percent pregnant cows of inseminated cows) was lower when cows received a score >1 or >2 during the first 120 days of lactation. Lameness scores >1 between the 31st and 60th day had a negative influence on the conception rate at first service. A relation between lameness and the number of services per conception could not been proven. Within several time period it was evident, that scores >1 and >2 were associated with the incidence of clinical mastitis and reproductive disorders. Especially lameness occurring during the first 30 days of lactation increased the frequency of health disorders during the lactation. Overall, lameness scores >1 were connected with an increase in the incidence of mastitis. Primiparous cows with scores >1 were more prone to reproductive disordes. Comparing the frequency of diseases between lame (score >2) and non lame (score ≤2) cows during the first 30 days revealed that lameness was also associated with mastitis and reproductive disorders. The study presented suggests that even mild lameness might impair health condition in dairy cows. Especially in primiparous cows, mild lameness had negative effects on fertility. These results underline the need of regular control of claw health and an early and consequent treatment of claw disorders to ensure good herd health and to maintain reproductive efficiency.

In Nordwestdeutschland wurde von Juli 2005 bis Februar 2007 auf acht Milchviehbe­trieben mit Kühen der Rasse Deutsche Holstein (Schwarzbunt) in Boxenlaufstallhal­tung eine regelmäßige Lahmheitsbeurteilung durchgeführt. Nach dem „Locomotion Scoring System“ nach SPRECHER et al. (1997) erhielten die Milchkühe im Abstand von vier Wochen Lahmheitsnoten von 1 (nicht lahm) bis 5 (schwer lahm). Zusätzlich wurden die Milchleistungsdaten, Besamungsdaten und Erkrankungen der Kühe erfasst. Insgesamt konnten 2158 Laktationen beobachtet werden, die zur weiteren Untersu­chung in die Laktationsgruppe 1 (Laktationen primiparer Tiere) und in die Laktationsgruppe 2 (Laktationen pluriparer Tiere) unterteilt wurden. Mit dem Abkalbedatum beginnend wurde jede Laktation in 30-Tage-Intervalle (Laktationsmonate) unterteilt und die erfassten Daten je nach Zeitpunkt in der Laktation diesen zugeordnet. Dadurch konnten innerhalb der Laktationsmonate die Zusammenhänge zwischen der Lahmheitsnote und dem Abkalbeverlauf, der Milchleistung, dem somatischen Zellge­halt in der Milch, der Fruchtbarkeit oder den Krankheitshäufigkeiten untersucht werden. Um diese Parameter zwischen nicht lahmen und lahmen Tieren vergleichen zu können, erschien zum einen die Gegenüberstellung von Tieren mit Lahmheitsnoten =1 zu Tieren mit Lahmheitsnoten >1 und zum anderen die Gegenüberstellung von Tieren mit Lahmheitsnoten ≤2 zu den Tieren mit Lahmheitsnoten >2 sinnvoll. Der Vergleich von Lahmheitshäufigkeiten, die im 1. Laktationsmonat erhoben worden waren, und den Häufigkeiten von Schwergeburten zeigte erst durch die Untersu­chung anhand eines logistischen Regressionsmodells, dass unabhängig vom Ein­fluss des Betriebes Lahmheitnoten >2 vermehrt mit Schwergeburten einhergingen. Dies betraf vor allem die primiparen Tiere. Aus den Ergebnissen dieser Untersu­chung ging aber nicht hervor, ob die Lahmheit zu einer Schwergeburt geführt hatte, oder ob die Schwergeburten vermehrt Lahmheiten zur Folge hatten. Der Vergleich der Milchleistung zwischen Tieren mit unterschiedlichen Lahmheits­noten ergab, dass primipare Tiere, die im 3. Laktationsmonat Lahmheitsnoten >2 aufwiesen, geringere Milchleistungen an den Testtagen und geringere 100-Tage-Leistungen als die primiparen Tiere mit Lahmheitsnoten ≤2 lieferten. Bei der 305-Tageleistung konnten hingegen keine Mittelwertsunterschiede festgestellt werden. Pluripare Tiere mit Lahmheitsnoten >1 wiesen bei allen untersuchten Milchleistungs­parametern höhere Leistungen als die Tiere mit Lahmheitsnoten =1 auf. Beim Ver­gleich der Milchleistungen von Tieren mit Lahmheitsnoten ≤2 und >2 zeigten sich weniger deutliche Mittelwertsunterschiede bei den untersuchten Milchleistungspara­metern. In der Regressionsanalyse konnte verdeutlicht werden, dass leichte Lahmheiten, besonders bei pluriparen Tieren mit höheren Testtag-Milchleistungen, 100-Tage-Leistungen und 305-Tage-Leistungen einhergingen. Lahmheitsnoten >2 hatten aber wiederum keinen nachweisbaren Effekt auf die Milchleistung. Bei der Untersuchung des somatischen Zellgehaltes der Milch ließ sich ein Zusam­menhang zwischen Lahmheit und erhöhtem Zellgehalt nachweisen. Unabhängig vom Betriebseffekt und von der Laktationsgruppe wiesen Kühe mit Lahmheitsnoten >2 zu Beginn der Laktation (erster bis 30. Laktationstag) wie auch in der späteren Laktation (241. bis 300. Tag) höhere Zellgehalte als die Tieren mit Lahmheitsnoten ≤2 auf. Weiterhin gelang in dieser Untersuchung der Nachweis des negativen Effektes von Lahmheit auf die Fruchtbarkeit. Kühe, die im 1. und 3. Laktationsmonat lahm (Lahm­heitsnoten >1 oder >2) gingen, zeigten im Mittel um vier bis fünf Tage längere Rast­zeiten als die nicht lahmen Tiere. Um 15 Tage längere Güstzeiten wiesen Kühe auf, die zwischen dem 61. und dem 90. Laktationstag Lahmheitsnoten >1 erhalten hatten. Bei der Untersuchung der Gesamtträchtigkeitsrate wurde deutlich, dass Lahmheits­noten >1 oder >2 innerhalb der ersten 120 Laktationstage negative Auswirkungen auf die Konzeption hatten. Wiesen die Kühe zwischen dem 31. und 60. Laktationstag Lahmheitsnoten >1 auf, wurde auch der Erstbesamungserfolg deutlich beeinträchtigt. Ein Nachweis, dass Lahmheiten sich auf den Trächtigkeitsindex auswirkten, gelang in dieser Untersuchung nicht. Innerhalb einiger Laktationsmonate wurde deutlich, dass Lahmheitsnoten >1 oder >2 mit gehäuftem Auftreten von Mastitiden oder Fruchtbarkeitsstörungen einhergingen. Des Weiteren wurde untersucht, ob Lahmheiten, die in den ersten 30 Laktationstagen auftraten, Konsequenzen für die Krankheitshäufigkeiten im weiteren Verlauf der Laktation hatten. Lahmheitsnoten >1 gingen insgesamt mit deutlich häu­figeren Mastitiserkrankungen einher. Besonders bei den primiparen Tieren zeigte sich, dass Tiere mit Lahmheitsnoten >1 anfälliger für Fruchtbarkeitsstörungen waren. Bei dem Vergleich von Krankheitshäufigkeiten zwischen Tieren mit Lahmheitsno­ten ≤2 und >2 in den ersten 30 Tagen wurde ebenfalls deutlich, dass lahme Kühe häufiger an Mastitiden und Fruchtbarkeitsstörungen erkrankten. In der vorliegenden Studie konnte gezeigt werden, dass schon geringgradige Lahm­heiten deutlich negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Milchkühen haben können. Besonders bei den primiparen Tieren führten geringgradige Lahmheiten zu Einbußen in der Fruchtbarkeit. Diese Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit einer regelmäßigen Kon­trolle der Klauengesundheit und einer frühzeitigen konsequenten Behandlung von Klauenerkrankungen in einer Herde, um den Tieren eine gute Allgemeingesundheit zu gewährleisten und von ihnen gute Reproduktionsleistungen abzuverlangen.

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Orgel, Corina: Regelmäßige Beurteilung von Lahmheiten bei Milchkühen und die Auswirkung von Lahmheit auf die Milchleistung, die Fruchtbarkeit und den Gesundheitsstatus in verschiedenen Milchviehbetrieben. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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