Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Nachweis von Ovarrestgewebe bei der Hündin nach unvollständiger Ovarektomie oder Ovariohysterektomie

Buschhaus, Jessica Katrin

The aim of the present study was the development of a reasonable and efficient diagnostic pathway in bitches with suspicion of ovarian remnant tissue. The special matter of concern was to demonstrate that depending on the endocrine activity of the ovarian remnant different diagnostic steps are suitable, which should be used in a defined sequence until the presence or absence has been verified. As final diagnostic option a GnRH-stimulation test was examined regarding its diagnostic value for detecting ovarian remnants. As control group nine genitally healthy intact bitches and seven castrated bitches were available. The intact bitches were examined in the luteal phase (Ø day 25 p.ov), in the transition phase from luteal phase to endometrial reparation (Ø day 70 p.ov., n=8) and in anoestrus (Ø d 137 p.ov., n=7). Twentytwo patient dogs with suspicion of ovarian remnant tissue were included in the study. The intact bitches were examined once per oestrous cycle stage, the others in total once by vaginoscopy and vaginal cytology. In the bitches with suspected ovarian remnant an additional sonography was performed. Thereafter a stimulation test with GnRH was performed according to the following protocol: blood sample 0 (before GnRH), intravenous injection of Buserelin (Receptal®, 120 ng/kg body weight), further blood samples after 30, 60, 90 and 120 minutes. The concentrations of estradiol 17-β (E2) and progesterone (P4) were measured in blood serum. The clinical and endocrinological findings were compared and statistically evaluated between animal groups. In the bitches showing signs of oestrus due to ovarian remnant tissue a clear diagnosis was made by means of the vaginoscopical and cytological findings. In case of an ovarian remnant in luteal stage an accordingly high progesterone concentration (30.2 ± 6.4; 22.9 – 39.4 ng/ml) found before GnRH administration gave a clear additional diagnostic hint. At day 70 after ovulation this was only possible in six out of eight dogs showing P4 values >1.0 ng/ml (1.9 – 5.6 ng/ml). GnRH-stimulation test: In the intact bitches the E2-concentrations measured before and/or after GnRH-injection were above the detection limit (6.0 pg/ml) in all examined stages of the oestrous cycle. The pre-stimulation estradiol levels were highest during luteal phase and increased only moderately after GnRH-injection. By the end of the luetal phase/beginning of endometrial reparation and in anoestrus estradiol before GnRH was not detectable in some bitches but increased markedly thereafter. In contrast E2-values in the castrates remained below the detection limit throughout the test period. In the bitches with suspicion of ovarian remnant tissue two secretion patterns could be distinguished. In ten bitches no increase from <6.0 pg/ml was induced by GnRH, while in 12 bitches elevated E2-concentrations were measured either before or the latest after GnRH-administration. A clear rise in progesterone concentrations after GnRH-injection was observed in only some intact bitches by the end of luteal phase (Ø day 70 p.ov.). In the dogs with suspicion of ovarian remnant tissue and basal P4-values <1.0 ng/ml no increase was detected after GnRH. The results of the present study demonstrate that in the majority of cases ovarian remnant tissue can be diagnosed by means of clinical and cytological findings possibly extended by the blood progesterone concentration. In the remaining cases the GnRH-stimulation test is a reasonable and suitable diagnostic tool for detection of ovarian tissue regardless of its functional status.

Ziel der vorliegenden Studie war es, bei Hündinnen mit Verdacht auf Ovarrestgewebe nach Ovar(iohyster)ektomie eine sinnvolle und zielgerichtete diagnostische Vorgehensweise zu erarbeiten. Das besondere Anliegen bestand darin darzulegen, dass in Abhängigkeit von der hormonellen Aktivität des verbliebenen Ovargewebes unterschiedliche diagnostische Schritte zum Ziel führen können, diese jedoch in einer fest gefügten Sequenz erfolgen sollten bis der Nachweis oder Ausschluss des Ovarrestes erfolgt ist. Als letzte diagnostische Option wurde ein GnRH-Stimulationstest im Hinblick auf seine Aussagekraft zum Nachweis von Ovarrestgewebe erprobt. Als Kontrolltiere standen neun genitalgesunde intakte Hündinnen in der Lutealphase (Ø Tag 25 p.ov), am Übergang von der Lutealphase zur Endometriumreparation (Ø Tag 70 p.ov., n=8) und im Anöstrus (Ø d 137 p.ov., n=7) und sieben kastrierte Hündinnen zur Verfügung. Die Gruppe der Patientenhündinnen mit Verdacht auf Ovarrestgewebe bestand aus 22 Tieren. Die intakten Hündinnen wurden pro Zyklusstadium, alle anderen Hündinnen insgesamt einmal einer vaginoskopischen und vaginalzytologischen Untersuchung unterzogen. Bei den Hündinnen mit Verdacht auf Ovarrestgewebe fand zusätzlich eine sonographische Untersuchung statt. Anschließend wurde ein GnRH-Stimulationstest nach folgendem Protokoll durchgeführt: Blutprobe 0 (vor GnRH-Gabe), intravenöser Injektion von Buserelin (Receptal®, 120 ng/kg KGW), weitere Blutproben nach 30, 60, 90 und 120 Minuten. In den Blutserumproben wurden die Konzentrationen von Östradiol 17-β (E2) und Progesteron (P4) gemessen. Alle in den Tiergruppen erhobenen klinischen und endokrinologischen Befunde wurden miteinander verglichen und statistisch ausgewertet. Bei den Hündinnen, welche aufgrund eines Ovarrestes Läufigkeitssymptome zeigten, konnte die Diagnose bereits eindeutig anhand der vaginoskopischen und vaginalzytologischen Befunde gestellt werden. Befand sich der Ovarrest im Stadium der Lutealphase erbrachte eine entsprechend hohe Progesteronkonzentration (30,2 ± 6,4, 22,9 - 39,4 ng/ml) bereits vor der GnRH-Gabe einen zusätzlichen eindeutigen diagnostischen Hinweis. Am Tag 70 p.ov. war dies nur bei sechs von acht Hündinnen mit P4-Werte > 1,0 ng/ml (1,9 – 5,6 ng/ml) möglich. GnRH-Stimulationstest: Die E2-Konzentrationen lagen bei den intakten Tieren in allen untersuchten Zyklusphasen vor und/oder nach der GnRH-Gabe über der Nachweisbarkeitsgrenze (6,0 pg/ml). Die vor der GnRH-Injektion gemessenen E2-Werte waren in der Lutealphase am höchsten, stiegen anschließend jedoch nur moderat an. Am Übergang von der Lutealphase zur Endometriumreparation sowie im Anöstrus war Östradiol 17-β vor GnRH-Applikation bei einigen Hündinnen nicht nachweisbar, stieg jedoch danach deutlich an. Demgegenüber befanden sich die E2-Konzentrationen bei den kastrierten Tieren während des gesamten Testverlaufs unter der Nachweisbarkeitsgrenze. Bei den Hündinnen mit Verdacht auf Ovarrestgewebe ließen sich zwei Sekretionsmuster unterscheiden. So bewirkte die GnRH-Gabe bei zehn Tieren keinen Anstieg der Östradiol 17-β-Konzentration von <6,0 pg/ml, während bei 12 Tieren entweder bereits vor oder spätestens nach GnRH-Gabe erhöhte E2-Werte gemessen wurden. Die Progesteronwerte zeigten lediglich in der späten Lutealphase (Ø Tag 70 p.ov.) einiger intakter Tiere einen eindeutigen Anstieg nach GnRH-Injektion. Bei den Hündinnen mit Verdacht auf Ovarrestgewebe und basalen Progesteronwerten <1,0 ng/ml war keinerlei Anstieg nach der GnRH-Gabe zu verzeichnen. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass Ovar(rest)gewebe in der Mehrzahl der Fälle anhand klinischer und vaginalzytologischer Befunde, ggf. unter Einbeziehung der Blutprogesteronkonzentration diagnostiziert werden kann. In den verbleibenden Fällen ist der hier beschriebene GnRH-Stimulationstest zur Feststellung eines Ovarrestes unabhängig von dessen Funktionszustand geeignet.

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Buschhaus, Jessica Katrin: Nachweis von Ovarrestgewebe bei der Hündin nach unvollständiger Ovarektomie oder Ovariohysterektomie. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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