Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Einfluss einer Inhalationsnarkose, Injektionsanästhesie und hohen Epiduralanästhesie auf die postoperative Entwicklung von Kälbern

Fischer, Jessica

The objective of this study was to evaluate the postoperative recovery in calves after inhalation-, injection- or high volume caudal epidural anaesthesia in a prospective, randomised experimental study. Twenty-nine healthy Holstein Friesian calves with a mean (± SD) age 45.5 ± 5.9 days and mean weight 66.2 ± 6.3 kg were randomly assigned to three groups. Group INH received inhalation anaesthesia (induced by 0.1 mg kg-1 xylazine IM and 2 mg kg-1 ketamine IV, maintained by isoflurane), group INJ underwent surgery on the basis of anaesthesia by injection (0.2 mg kg-1 xylazine IM and 5 mg kg -1 ketamine IV, maintained by ketamine bolus injections every 15 minutes) and group EPI received epidural anaesthesia (0.2 mg kg -1 xylazine diluted with procaine to a final volume of 0.6 ml kg -1). All calves received local infiltration and preemptive and postsurgical NSAID (2.2 mg kg -1 flunixine-meglumine) and underwent umbilical surgery in dorsal recumbency. To evaluate the postoperative development of the calves with emphasis on pulmonary health (chapter 1) feed intake and weight gain were assessed daily, clinical examination with emphasis on the respiratory tract and behavioural monitoring (Multiple pain and discomfort score, MPDS) was performed twice daily during study period of 5 days before to 6 days after surgery. Furthermore, venous cortisol concentration and arterial blood gases were analysed and ultrasonographic examinations of the lungs were performed before surgery and on day 1, 3 and 5 after surgery. Feed intake and daily weight gain in the INJ group decreased significantly to before surgery (0.29 MJ ME to 0.25 MJ ME, 910 g d -1 to 322 g d -1). Signs of respiratory affection and discomfort were most pronounced in the INJ group, followed by EPI and INH. Postoperative pulmonary complications in calves occured depending on the anaesthetic regime and may lead to significant impairment of well-being and decrease in daily weight gain, most pronounced after injection of xylazine and ketamine. In conclusion, high volume epidural anaesthesia, in combination with infiltration of the incision line, is an efficient anaesthetic alternative in calves for umbilical surgery in the field. It is independent of the complex equipment of inhalation anaesthesia and has shown to lead to less side effects and a smoother recovery than bolus injection of xylazine and ketamine. To evaluate the impact of circumstances associated with the event of umbilical surgery and different anesthetic regimes on gastrointestinal integrity red blood cell count, hematocrit, hemoglobin and platelets were assessed one day prior to surgery and on day 1, 3 and 5 after surgery. Serum pepsinogen concentration and occult blood in feces were determined one day prior to surgery and daily after surgery. Furthermore, clinical examination, including the assessment of respiratory rate, heart rate color of mucous membranes and feces was performed daily. Results indicated that mild gastrointestinal bleeding occured after surgery independent of the anesthetic regime used and without having an impact on postoperative development. Two calves of the studie population suffered from perforated abomasal ulceration after umbilical surgery, a third showed symptoms of bleeding ulceration. Thereby, clinical signs proved to be of greater diagnostic value than laboratory parameters. It is to consider that ulcer promoting factors, like stress and fasting accumulate around surgery and should therefore be minimized to a most possible degree.

Grundlage dieser Arbeit war die Untersuchung der postoperativen Entwicklung von Kälbern nach einer Inhalations-, einer Injektions- und einer hohen Epiduralanästhesie in einer prospektiven, randomisierten, experimentellen Studie. Insgesamt 29 gesunde Holstein Friesian Kälber in einem durchschnittlichen Alter von 45.5 ± 5.9 Tagen und mit einem durchschnittlichen Gewicht von 66.2 ± 6.3 kg wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt. Die INH Gruppe erhielt eine Inhalationsnarkose, eingeleitet mit 0.1 mg kg-1 Xylazin IM und 2 mg kg-1 Ketamin IV und fortgeführt mit dem Inhalationsanästhetikum Isofluran in Sauerstoff nach Wirkung. Der INJ Gruppe wurde eine Injektionsanästhesie verabreicht (0.2 mg kg-1 Xylazin IM und 5 mg kg -1 Ketamin IV, erhalten durch Ketamin-Bolus-Injektionen in 15 Minuten-Abständen. Gruppe EPI wurde unter einer hohen Epiduralanästhesie operiert (0.2 mg kg -1 Xylazin kombiniert mit Procain zu einem endgültigen Volumen von 0.6 ml kg -1). Außerdem wurde bei allen Kälbern eine lokale Infiltrationsanästhesie des OP-Feldes durchgeführt und sowohl prä- als auch postoperativ NSAIDs (2.2 mg kg -1 Flunixin-Meglumin) verabreicht. Alle Studientiere durchliefen das gleiche OP - Protokoll einer Nabeloperation in Rückenlage. Um die postoperative Entwicklung der Kälber unter Berücksichtigung der Lungengesundheit zu überprüfen (Kapitel 1), wurden während eines Studiendurchlaufs (von 5 Tagen vor der OP bis 6 Tage nach der OP) täglich Futteraufnahme und Gewichtszunahme bestimmt. Jeweils zweimal täglich wurden die Kälber klinisch untersucht, was unter anderem eine ausführliche Erhebung respiratorischer Parameter sowie Verhaltensbeobachtungen (Multiple pain and discomfort score, MPDS) beinhaltete. Weiterhin wurden prä operationem und an Tag 1, 3 und 5 post operationem Kortisolkonzentrationen im venösen Blut bestimmt und Blutgasanalysen im arteriellen Blut sowie ultrasonographische Untersuchungen der Lunge durchgeführt. In der INJ Gruppe sank die Futteraufnahme und die tägliche Gewichtszunahme in den ersten sechs Tagen post operationem signifikant im Vergleich zum pre operationem ermittelten Basiswert (von 0.29 MJ ME auf 0.25 MJ ME bzw. von 910 g d -1 auf 322 g d -1). Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Lungengesundheit (Respiratorischer Score und Auskultationsscore) sowie Anzeichen von Unwohlsein (MPDS) waren am deutlichsten in der INJ Gruppe ausgeprägt, gefolgt von EPI und INH. Postoperative pulmonale Komplikationen traten also abhängig von der Anästhesiemethode auf und führten zu einer signifikanten Beeinträchtigung des Wohlbefindens und Einbußen in den Gewichtszunahmen, vor allem nach einer Injektionsanästhesie. Nach den Ergebnissen dieser Studie erwies sich die hohe, kaudale Epiduralanästhesie, in Kombination mit einer Infiltration des OP-Feldes, als eine effiziente, praxisrelevante Anästhesiealternative für Nabeloperationen am Kalb. Sie ist unabhängig vom technischen Aufwand der Inhalationsnarkose und zeigte geringere postoperative Nebenwirkungen als die Bolus-Injektion von Xylazin (IM) und Ketamin (IV). Um den Einfluss der Nabeloperation und der unterschiedlichen Anästhesieverfahren auf die Integrität des Magen-Darm-Traktes zu beurteilen, wurde die Erythrozyten- und Thrombozytenzahl sowie der Hämatokrit- und Hämoglobinwert am Tag vor der Operation und an Tag 1, 3 und 5 nach der Operation bestimmt. Die Serum-Pepsinogen Konzentration und okkultes Blut im Kot wurden täglich bis zum 6. Tag nach der Operation bestimmt. Außerdem wurde täglich eine klinische Untersuchung einschließlich der Ermittlung der Atem- und Herzfrequenz sowie der Farbe der Schleimhaut und des Kotes durchgeführt. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass unabhängig von dem verwendeten Anästhesieverfahren nach der Operation milde Blutungen auftraten, die aber keinen Einfluss auf die postoperative Entwicklung der Kälber hatten. Während der postoperativen Studienperiode entwickelten zwei Kälber ein perforierendes Labmagengeschwür, ein weiteres zeigte Symptome einer stark blutenden Ulzeration im Magen-Darm-Trakt. Dabei war die klinische Symptomatik von größerem diagnostischem Wert im Vergleich zu den verschiedenen labordiagnostisch ermittelten Parametern. Es ist hierbei zu bedenken, dass im Zuge eines operativen Eingriffs verschiedene, die Ulkusentstehung fördernde Faktoren, wie z.B. Stress und lange Fastenperioden zusammenwirken, und dass diese Einflüsse deshalb, soweit möglich, reduziert werden sollten.

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Fischer, Jessica: Einfluss einer Inhalationsnarkose, Injektionsanästhesie und hohen Epiduralanästhesie auf die postoperative Entwicklung von Kälbern. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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