Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Vergleichende Untersuchungen von Pferden in zeitweiliger Anbindehaltung, Einzelboxenhaltung und Gruppenhaltung unter besonderer Berücksichtigung des Liegeverhaltens

Wille, Edith

The aim of this study was to compare individual housing in tie stalls for horses with group housing and housing in individual boxes regarding the wellbeing. Eight horses were kept for 16 days in the three different ways of housing mentioned above. To adapt the horses to the investigated form of housing each trial started two weeks after the horses were brought into the new form of housing. In all trials the horses were kept on a paddock for four and half hour each day. The behavior of the animals was analyzed continuously with the help of video recording. In every trial, 12 days between 10pm and 6am were evaluated in a continuously video analysis. The computer program used allowed the manual capture of the frequency and period of time of the behaviours shown by the horses. Additionally, the movement activity and the periods of duration of recumbency were collected with the help of ALT-pedometer over 12 days between 4pm and 7am. To evaluate stress the amount of cortisol metabolites in the faeces was measures. All faeces samples were taken from the rectum of the horses over 16 days between 8:30pm and 9:30pm. While the fraction of the resting behaviour compared the overall behaviour stayed the same in three trial, the different forms of housing showed major differences concerning the periods of laying down. Housing in tie stalls showed significant shorter periods of laying down compared to group housing (28,63 minutes resp. 81,25 minutes/ 15 hours). The duration of recumbency were also shorter in the housing in individual boxes (45,25 minutes/ 15 hours), but all horses showed resting behaviour and laid down, whereas two horses did not lay down at all in tie stalls. In both housing in tie stalls and housing in individual boxes sternal position (tie stalls: 45,42 minutes, individual box: 40,94 minutes, group housing: 77,35 minutes per eight hours) and also lateral position (tie stalls: 1,12 minutes, individual box: 0,96 minutes, group housing: 7,32 minutes per eight hours) were taken up significantly shorter compared to group housing. The time in which movement behaviour was shown decreased in the sequence group housing, housing in individual boxes and housing in tie stalls (2948, 2415 and 2215 movement impulses per 15 hours). While no significant differences were found in relation to the period of time in which rolling behaviour was shown, no complete rolling over the back of a horse was observed in the housing in tie stalls. One horse showed the abnormal behaviour of crib-biting. The longest period of time in which this behaviour was shown was while the horse was kept in tie stalls (tie stalls 247,08 ± 20,92 minutes, individual box: 172,92 ± 49,01 minutes, group housing: 175,68 ± 63,85 minutes per 15 hours). During the housing in tie stalls the median concentration of cortisol metabolites in the faeces was highest; compared to the group housing the difference was significant (tie stalls: 22,85ng/g faeces, individual box: 17,65ng/g faeces, group housing: 16,45ng/g faeces). The study demonstrates that the standard behaviour is restricted most in housing in tie stalls. Especially resting, movement and comfort behaviour were affected. The results were supported by the finding of a higher stress factor during housing in tie stalls. Housing in individual boxes did not show a pivotal improvement for most of the horses. Resting behaviour was reduced as well, moving space was still limited and no social behaviour could be executed. In contrast to housing in tie stalls all horses laid down to rest, so some individuals had an advantage by housing in individual boxes. Group housing showed most indicators for wellbeing. Apart from the longest lay down time, the longest movement acitivity and the lowest concentration of cortisol metabolites were found. The horses were able to show social behaviour according to their hierarchy. The criteria for a housing doing justice to the animals were mostly met in group housing, while the other two forms of individual housing showed deficits regarding rest, movement and comfort behaviour.

Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Anbindehaltung vergleichend zur Gruppenhaltung und zur Einzelboxenhaltung von Pferden im Hinblick auf das Wohlbefinden zu überprüfen. Zu diesem Zweck wurden acht Pferde jeweils über einen Zeitraum von 16 Tagen in den drei verschiedenen Haltungssystemen aufgestallt. Vor jedem Versuchsdurchgang wurden die Pferde zwei Wochen lang an die zu untersuchende Haltung gewöhnt. Täglich verbrachten die Pferde viereinhalb Stunden außerhalb des Stalls in einem Gemeinschaftsauslauf. Mit Hilfe von Videoaufzeichnungen wurde das Verhalten der Pferde im kontinuierlichen Verfahren analysiert. In jeder Versuchsvariante wurden 12 Tage, jeweils in der Zeit zwischen 22 und sechs Uhr, im kontinuierlichen Analyseverfahren ausgewertet. Das verwendete Computerprogramm ermöglichte die manuelle Erfassung der Häufigkeit und Zeitdauer der Verhaltensweisen der Pferde. Zudem wurden über 12 Tage, jeweils im Zeitraum von 16 bis sieben Uhr, die Bewegungsaktivität und die Liegezeitdauer durch ALT-Pedometer ermittelt. Als ergänzende Methode zur Beurteilung der Stressbelastung diente die quantitative Bestimmung von Kortisolmetaboliten im Kot. Die Kotproben wurden über 16 Tage täglich im Zeitraum von 20.30 – 21.30 Uhr aus dem Rektum der Pferde entnommen. Während der Anteil des Ruheverhaltens am gesamten Verhalten in den drei Versuchsvarianten nahezu gleich ausfiel, ergaben sich in der Liegezeitdauer deutliche Unterschiede zwischen den Haltungsformen. In der Anbindehaltung wurden im Vergleich zur Gruppenhaltung signifikant kürzere Liegezeiten ermittelt (28,63 Minuten bzw. 81,25 Minuten/ 15 Stunden). Die Liegezeiten waren auch in der Einzelboxenhaltung erniedrigt (45,25 Minuten/ 15 Stunden), es zeigten jedoch alle Pferde Ruheverhalten im Liegen, während sich zwei Pferde in der Anbindehaltung überhaupt nicht ablegten. In beiden Formen der Einzelhaltung wurden sowohl die Bauchlage (Anbindung: 45,42 Minuten, Einzelbox: 40,94 Minuten, Gruppenbox: 77,35 Minuten je 8 Stunden) und auch die Seitenlage (Anbindung: 1,12 Minuten, Einzelbox: 0,96 Minuten, Gruppenbox: 7,32 Minuten je 8 Stunden) gegenüber der Gruppenhaltung signifikant kürzer eingenommen. Das Bewegungsverhalten wurde in der Reihenfolge Gruppen-, Einzelboxen- und Anbindehaltung zunehmend eingeschränkt gezeigt (2948, 2415 bzw. 2215 Bewegungsimpulse je 15 Stunden). Während hinsichtlich der Zeitdauer der Ausübung des Komfortverhaltens keine signifikanten Unterschiede zwischen den Haltungsvarianten festgestellt wurden, wurde in der Anbindehaltung kein einziger vollständiger Wälzvorgang beobachtet. Die von einem Pferd gezeigte Verhaltensstörung Koppen trat in der Anbindehaltung signifikant am längsten auf (Anbindung 247,08 ± 20,92 Minuten, Einzelbox:172,92 ± 49,01 Minuten, Gruppenbox: 175,68 ± 63,85 Minuten je 15 Stunden). In der Anbindehaltung war die mediane Konzentration der fäkalen Kortisolmetaboliten im Haltungsvergleich am höchsten; gegenüber der Gruppenhaltung bestand ein signifikanter Unterschied (Anbindung: 22,85ng/ g Kot, Einzelbox: 17,65ng/ g Kot, Gruppe: 16,45ng/ g Kot). Zusammenfassend wurde das arttypische Verhalten der Pferde am stärksten in der Anbindehaltung eingeschränkt. Insbesondere die Funktionskreise Ruhe-, Bewegungs- und Komfortverhalten waren hiervon betroffen. Diese Ergebnisse wurden durch die nachweislich vermehrte Stressbelastung in der Anbindehaltung unterstützt. Die Einzelboxenhaltung stellte für den Großteil der Pferde keine entscheidende Verbesserung dar. Das Ruheverhalten war ebenfalls reduziert, die Bewegungsfreiheit war nach wie vor eingeschränkt und Sozialverhalten konnte nicht ausgeführt werden. Im Gegensatz zur Anbindehaltung ruhten jedoch alle Pferde im Liegen, sodass sich für Einzeltiere ein deutlicher Vorteil ergab. In der Gruppenhaltung wurden die meisten Indikatoren für das Wohlbefinden der Pferde gefunden. Neben der höchsten Liegezeitdauer wurden die stärkste Bewegungsaktivität und die geringste Stressbelastung verzeichnet. Zudem konnten die Pferde ihrer Rangordnung entsprechend soziale Kontakte pflegen oder einander ausweichen. Die Kriterien einer tiergerechten Unterbringung waren in der Gruppenhaltung weitgehend erfüllt, während beide Formen der Einzelhaltung verschiedene Defizite insbesondere bezüglich des Ruhe-, Bewegungs-, Komfort- und Sozialverhaltens aufwiesen.

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Wille, Edith: Vergleichende Untersuchungen von Pferden in zeitweiliger Anbindehaltung, Einzelboxenhaltung und Gruppenhaltung unter besonderer Berücksichtigung des Liegeverhaltens. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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