Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren in landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Kleve

Mollenhauer, Yvonne

In the 2003/99/EC directive of the European Commission a resistance monitoring of resistant organisms is required by all EC Member States. Since the emergence of resistance is closely linked to the use of antibiotics, the directive implies, amongst other things, the regular collection and analysis of antibiotic consumption. In some member states such as Denmark, Netherlands and Sweden, comprehensive monitoring programs already exist. However, since direct transfer of the existing systems to Germany is not possible due to structural and legal differences, the objective of this study is to investigate the possibility of collecting data on antibiotic use for food-producing animals in Germany. In the study, carried out in the district of Kleve, 65 voluntarily participating cattle and pig farms were chosen. The consumption of antibiotics was documented and hence representative results of drug consumption in this part of Germany were created and evaluated. As a data source, the veterinary application and dispensary documents (§ 13 TÄHAV) as well as information about the use of antibiotics documented in the participating farms (ANTHV) was used. Consumption data over the period of one year (1st September 2006 – 31st August 2007) was entered into a central database. For the evaluation, epidemiological data on livestock and animal density were made available, which were collected by questionnaire from the farms taking part in the study as well as by means of the veterinary office of Kleve in anonymous form by the software Balvi®-iP. The analysis of the data showed that 54.27% of all antibiotics consumed (in kg) were tetracylines, followed by the consumption of sulfonamides/trimethoprim, whereas macrolides and beta-lactams shared third place. These consumption figures do not reflect, however, the frequency of use in animal therapy. For 41.1% of all treatments performed in pigs were with beta-lactams, as opposed to only 15.78% with tetracycline. In cattle, 42.5% were treated with beta-lactams and 5.95% with tetracyclines. This discrepancy in consumption levels when compared to the frequency of therapy is due to the different doses applied. With respect to the largest quantity of drugs consumed, these were used in the treatment of respiratory infections in both cattle and pigs. Concerning frequency of treatment, however, pigs were treated most often for skin disease and cattle for mastitis. The EMEA (1999) calls for estimation of the prevalence of antimicrobial resistance, knowledge on the relationship between the antibiotic usage of each animal species on a geographical basis and the animals kept in those countries. This knowledge could be achieved with the example data from the study from the district of Kleve. In the study it was also possible to create the variable “treatment frequency” which corresponds to UDD. Thus, in the future data of other European monitoring programs could be compared regardless of population size or region. Treatment frequency describes the average number of treatment days in one year for a particular age group or usage group and is approximately comparable with the data of DDD (DDDanimal = defined daily doses per animal year) from the Netherlands and the ADD (Defined Animal Daily Dose)) from Denmark. In the feasibility study presented, it could be further shown that the concept investigated fulfils the requirements of data collection antibiotic quantity use and can thus be converted into a routine monitoring system.

In der Zoonoserichtlinie 2003/99/EG von 2003 wird ein Resistenzmonitoring von resistenten Keimen in den Mitgliedsstaaten gefordert. Da die Entstehung von Resistenzen vermutlich an den Einsatz mit Antibiotika geknüpft ist (TEUBER 2001, DE WITH 2004), impliziert die Richtlinie unter anderem die regelmäßige Erfassung und Auswertung des Antibiotikaverbrauchs. In einigen Mitgliedsstaaten wie Dänemark, Niederlanden und Schweden existieren bereits umfassende Monitoringprogramme. Da eine direkte Übertragung der bestehenden Systeme für Deutschland aufgrund struktureller und rechtlicher Unterschiede nicht möglich ist, war das Ziel dieser Studie, die Möglichkeiten einer Datenerhebung zum Antibiotikaverbrauch bei Lebensmittel liefernden Tieren in Deutschland zu untersuchen. In der vorgenommenen Untersuchung im Kreis Kleve wurde in 65 freiwillig teilnehmenden Rinder- und Schweinebetrieben der Verbrauch von antibiotischen Wirkstoffen erfasst, und somit repräsentative Ergebnisse zum Arzneimittelverbrauch in diesem Teil Deutschlands erstellt und ausgewertet. Als Datenquellen wurden die tierärztlichen Anwendungs- und Abgabebelege (§13 TÄHAV) und die Informationen aus Bestandsbüchern (ANTHV) in den teilnehmenden Betrieben herangezogen. Verbrauchsdaten vom Zeitraum eines Jahres (01. September 2006 – 31. August 2007) wurden in einer zentralen Datenbank eingetragen. Für die Auswertung standen zudem epidemiologische Daten zur Vieh- und Bestandsdichte zur Verfügung, welche zum einen auf den Studienbetrieben mittels Fragebogen erhoben wurden und zum anderen vom Veterinäramt Kleve in anonymisierter Form mittels Balvi®-iP bereitgestellt wurden. Die Auswertung der Daten zeigte, dass der Verbrauch (in kg) von Tetracyclinen mit insgesamt 54,27 % am höchsten war, gefolgt vom Verbrauch der Sulfonamide/Trimethoprim, während sich Makrolide und Beta-Laktame Platz drei teilten. Diese Verbrauchszahlen spiegelten allerdings nicht die Häufigkeit des Therapieeinsatzes am Tier wieder, denn 41,1 % aller Behandlungen am Schwein wurden mit Beta-Laktamen, und lediglich 15,78 % mit Tetracyclinen durchgeführt. Beim Rind wurden 42,5 % mit Beta-Laktamen und 5,95 % mit Tetracyclinen behandelt. Diese Diskrepanz der Verbrauchsmengen im Vergleich zur Therapiehäufigkeit ist in der unterschiedlichen Dosierung begründet. Bezüglich der Menge wurden die meisten Wirkstoffe aufgrund von Atemwegsinfektionen sowohl bei Rind als auch beim Schwein verbraucht. Am häufigsten wurden Schweine jedoch aufgrund von Hauterkrankungen und die Rinder aufgrund von Eutererkrankungen therapiert. Die EMEA (1999) fordert zur Abschätzung der Prävalenz von Antibiotikaresistenzen die Kenntnis der Beziehung zwischen dem Antbiotikaverbrauch der jeweiligen Tierspezies auf Länderbasis und der in den Ländern gehaltenen Tieren. Diese Kenntnis konnte mit den Daten der Untersuchung für den Landkreis Kleve exemplarisch erreicht werden. In der Studie war es ferner möglich, mit der Berechnung der Therapiedichte eine Größe zu schaffen, mit welcher ein Vergleich der Daten aus anderen europäischen Monitoringprogramme unabhängig von Populationsgröße oder Region zukünftig möglich ist. Die Therapiedichte beschreibt die Anzahl der durchschnittlichen Behandlungstage einer ausgewählten Alters- und Nutzungsgruppe innerhalb eines Jahres und entspricht somit annährend den Angaben der DDD (DDDanimal = defined daily doses per animal year) aus den Niederlanden und der ADD (Defined Animal Daily Dose)) aus Dänemark. In der vorliegenden Machbarkeitsstudie konnte ferner gezeigt werden, dass das untersuchte Konzept den Anforderungen einer Antibiotikaverbrauchmengenerfassung genügt und in ein regelmäßiges Monitoringsystem überführt werden kann.

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Mollenhauer, Yvonne: Verbrauchsmengenerfassung von Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren in landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Kleve. Hannover 2010. Tierärztliche Hochschule.

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