Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Thiaminbestimmung und toxikologisches Screening bei zentralvestibulärer Symptomatik und Krampfgeschehen bei der Katze

Leithäuser, Carola

Thiamine is an important component for energy supply in the central nervous system. Both, in men or animals a thiamine deficiency causes an encephalopathy. Particularly in cats, central vestibular signs are common. Up to now, the presumptive diagnosis of a thiamine deficiency is based upon measuring both, transketolase activity or pyruvate levels in combination with clinical signs. Little experience exists with direct measurement of thiamine in blood plasma. Therefore, the aim of the study was to directly measure thiamin concentration using high pressure liquid chromatography and to establish a method already existing in large animal medicine. Blood samples were taken from 193 cats, divided in 6 groups: healthy cats (n = 21), cats with diseases of the gastrointestinal tract (n = 32), cats with different traumas (n = 89), cats with inappetence (n = 36), cats with central vestibular signs of other causes than thiamine deficiency (e.g. encephalitis, intracranial tumor) (n = 7), cats with central vestibular signs and low values of thiamine  without any other reasons for neurological deficits, with complete remission of clinical signs after thiamine application in some animals. In this group, a thiamine deficiency was postulated (n = 8). In the last group the lowest values of thiamin were measured. The lowest values of suspected hypovitaminosis were 48,2 µg/l for total thiamine, or 39,2 µg/l for TDP, respectively. In two cats of the last group total thiamine values of 67,0 µg/l or 73,1 µg/l were found. Both of them recovered after thiamine application. A spontaneous recovery cannot be ruled out in these animals. Prophylactic substitution of thiamine in animals with values of total thiamine of 50-70 µg/l can be recommended. However, further studies are warranted. In the second part of the study an intoxication with permethrin was confirmed by toxicological screening. These intoxications are common and treatment is often successful. However, verification of poisoning and confirmation of a suspected diagnosis is important, especially in forensic cases and to define diagnostic or therapeutic standards. Urine is preferred for this particular examination and should be taken 12-24 hours after presumed exposure or at the time of beginning of clinical signs. In conclusion, toxicological screening should be considered routinely in cases of presumed intoxication.

Thiamin ist ein wichtiger Baustein der Energiebereitstellung im zentralen Nervensystem. Thiaminmangel führt bei Menschen und Tieren zu einer Enzephalopathie, wobei Katzen vor allem zentralvestibuläre Defizite aufweisen. Eine Verdachtsdiagnose wurde bisher anhand des Transketolase-Tests und der Messung des Pyruvats in Verbindung mit der charakteristischen Symptomatik gestellt. Zur direkten Bestimmung des Thiamins liegt nur wenig Erfahrung vor. Ziel dieser Studie war daher, Thiaminwerte bei verschiedenen Krankheitsgruppen zu bestimmen und eine Methode zur Thiaminbestimmung, die bereits in der Großtiermedizin geprüft wurde, für die Kleintiermedizin zu etablieren. Hierfür wurden bei 193 Katzen Blutproben entnommen und einer reversed phase High Pressure Liquid Chromatographie zugeführt. Bestimmt wurden Thiaminmonophosphat, Thiamindiphosphat, nicht phosphoriliertes Thiamin und das Gesamtthiamin. Zur Evaluierung eines Mangels eignen sich Thiamindiphosphat und Gesamtthiamin. Die Katzen wurden in 6 verschiedene Gruppen eingeteilt: internistisch/neurologisch gesunde Tiere (n = 21), Tiere mit Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und der Leber (n = 32), Tiere nach Traumata (n = 89), Tiere mit Inappetenz als unspezifisches Symptom einer nicht gastrointestinalen Erkrankung (n = 36), Tiere mit zentralvestibulärer Symptomatik, bei denen eine andere Ursache als Thiaminmangel diagnostiziert wurde (Enzephalitis, Gehirntumor) (n = 7), Tiere mit zentralvestibulären Symptomen und erniedrigten Thiaminwerten (n = 8). Eine Ursache für die neurologischen Ausfälle wurde bei der letzten Gruppe nicht gefunden, ein Teil der Tiere zeigte nach Thiaminapplikation Spontanheilung. Ein Thiaminmangel wurde in dieser Gruppe vermutet. In dieser Gruppe wurden die niedrigsten Thiaminwerte gemessen. Als unterer kritischer Wert kann ein Thiamingesamtwert von 48,2 µg/l und für Thiamindiphosphat von 39,2 µg/l angesehen werden. Das Vorliegen einer Hypovitaminose ist wahrscheinlich. Zwei Katzen aus dieser Gruppe hatten Gesamtthiaminwerte von 67,0 µg/l und 73,1 µg/l. Sie erholten sich nach Thiaminapplikation. Eine Spontanheilung einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung kann nicht ausgeschlossen werden, eine prophylaktische Thiaminsupplementierung im Grenzbreich von 50-70 µg/l erscheint sinnvoll. Im zweiten Teil der Arbeit wurde anhand eines toxikologischen Screenings eine Permethrinintoxikation bei einer Katze diagnostiziert. Diese Vergiftungen kommen häufig vor und können auch meist erfolgreich behandelt werden. Der definitive Nachweis des Giftes und somit eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose spielt eine bedeutende Rolle, besonders in forensischen Fragestellungen, aber auch, um therapeutische und prophylaktische Maßnahmen gezielt einsetzen zu können. Letztlich ist nur der direkte Toxinnachweis beweisend für eine exakte Diagnosestellung. Harn stellt das Untersuchungsmaterial der Wahl dar und sollte 12-24 Stunden nach Giftexposition bzw. nach Einsetzen der Vergiftungserscheinungen entnommen werden. Ein toxikologisches Screening sollte in die Routinediagnostik bei Vergiftungsverdacht mit einfließen.

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Leithäuser, Carola: Thiaminbestimmung und toxikologisches Screening bei zentralvestibulärer Symptomatik und Krampfgeschehen bei der Katze. Hannover 2011. Tierärztliche Hochschule.

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