Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zur Intra-Herdenprävalenz und Kolonisationsdynamik von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus beim Schwein und zur Wirksamkeit von Staubmasken zur Senkung der MRSA-Exposition von Tierärzten in der Bestandsbetreuung von Schweinebeständen

Nathaus, Rolf

In part one the study presents data on the intra-herd prevalence and colonisation dynamics of Methicillin-resistant (MRSA) and Methicillin-sensible (MSSA) Staphylococcus aureus in two independent pig herds located in the Northwest of Germany. Swabs taken from the nasal cavity of sows and piglets, from the udder of the sows and from the direct environment of the pigs were tested microbiologically for MRSA and MSSA. The piglets were identified individually, tested at birth and then swabbed again every 3 weeks from birth to sale at the end of nursery with 25 kg (farm A), and at slaughter respectively (farm B). The intra-herd prevalence differed between the two farms remarkably. In addition, both farms differed concerning the point in time of the first detection of MRSA in piglets: While MRSA was detected in piglets on farm A within three days after farrowing, positive results in piglets did not occur before three weeks of life on farm B. An MRSA-positive result of the sow increased the number of MRSA-positive piglets on days 1–3. Moreover the results of this study support the suggestion, that an early colonisation of the piglets with Methicillin-sensitive S. aureus (MSSA) has a protective effect. Over time, the pigs changed their microbiological status of colonisation. Samples from the surroundings of the pigs revealed that the proper cleaning and disinfection on one of the study farms had a reducing effect on the MRSA occurrence in the farrowing pens and in the flat deck. In part two the study presents first experiences on the controlled use of respiratory masks against Methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) in a multi-person veterinary pig practice. Seven veterinarians entered the trial (five wearing masks, two wearing no masks) after the veterinarians had performed a decolonisation protocol. The pig herds were visited regularly by the veterinarians during the study period. The five “trial” veterinarians wore gloves and respiratory masks for at least 30 days and 30 farm visits. The two “control” veterinarians wore gloves only. Nasal swabs were collected at a seven day interval. Swabs and ten masks per “trial” veterinarian were bacteriologically tested for MRSA including MLST- and spa-typing. The study showed a high MRSA-exposure for the veterinarians, since 68% of the masks were tested positive for MRSA. However, four vets stayed MRSA-negative while using the masks. Only one of the “trial” veterinarians became positive after two weeks. After the masks were not worn any more, two veterinarians returned to colonisation soon again. The two “control” veterinarians turned positive after 26 and 54 days, respectively. The high finding-rates of MRSA in the masks proof an enormous risk of nasal colonisation during routine work. The results of our study do not proof the potential of respiratory masks to prevent nasal colonisation of veterinarians with MRSA. However, there are no hints, that the proper use of masks could be a risk factor for becoming colonised. Further details of the proper use of masks and the quantification of their protective potential need further studies on a larger scale.

Die Arbeit stellt im ersten Teil Ergebnisse von Untersuchungen zur Intra-Herdenprävalenz und der Kolonisationsdynamik von Methicillin-resistenten (MRSA) und Methicillin-sensiblen (MSSA) Staphylococcus aureus in zwei unterschiedlichen und unabhängig voneinander wirtschaftenden Schweinebeständen in Nordwestdeutschland vor. Es wurden Nasentupfer von Sauen und Ferkeln, Wischproben von Gesäugen und von der direkten Umwelt der Schweine mikrobiologisch auf MRSA und MSSA untersucht. Die individuell gekennzeichneten Saugferkel wurden im Abstand von 3 Wochen wiederholt bis zum Ende des Flatdecks (Bestand A) bzw. bis zum Ende der Mast (Bestand B) untersucht. Die Intra-Herdenprävalenzen der beiden Bestände unterschieden sich zu den jeweiligen Untersuchungszeitpunkten in hohem Maße. Auch die Zeitpunkte der  Erstbesiedelung der Ferkel mit MRSA waren in beiden Beständen sehr unterschiedlich: Während im Bestand A die Ferkel zum Zeitpunkt der ersten Beprobung am Tag 1—3 häufig MRSA-positiv waren, konnten im Bestand B erst ab dem 21. Lebenstag MRSA-positive Ferkel identifiziert werden. Ein MRSA-positives Ergebnis bei den Sauen führte zu einem wesentlich höheren Anteil von MRSA-positiven Ferkeln zum Zeitpunkt der Geburt. Die Untersuchungsergebnisse unterstützen weiterhin die Annahme, dass eine frühe Kolonisation der Ferkel mit Methicillin-sensiblen S. aureus (MSSA) einen protektiven Effekt gegen MRSA-Kolonisation aufweist. Im Laufe des Lebens der Tiere wechselte ihr MRSA-Kolonisationsstatus in vielen Fällen wiederholt. Die Untersuchungsergebnisse der Wischproben von der Umgebung der Tiere zeigen, dass eine ordnungsgemäß durchgeführte Reinigung und Desinfektion von Ställen und Buchten in einem der Bestände in der Lage war, das Vorkommen von MRSA in der Tierumwelt drastisch zu reduzieren. In einer zweiten Untersuchung wurden erste Erfahrungen zum kontrollierten Einsatz von Staubmasken gegen eine nasale Besiedelung von auf die Tierart Schwein spezialisierten Tierärzten mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gesammelt. Die Untersuchung wurde als Praxisversuch in die tägliche Routine einer tierärztlichen Praxis für Schweine integriert. Nach Erhebung des MRSA-Status und Abschluss eines definierten Dekolonisationsprotokolls traten sieben Tierärzte in den Versuch ein (fünf mit Masken, zwei Kontrollen ohne Maske). Die fünf „Versuchstierärzte“ benutzten Handschuhe und Staubmasken über mindestens 30 Kalendertage und 30 Betriebsbesuche. Die beiden „Kontrolltierärzte“ trugen nur Handschuhe. In einem Intervall von sieben Tagen wurden Nasenabstriche entnommen. Die Nasenabstriche und zehn Staubmasken pro Tierarzt wurden zunächst bakteriologisch untersucht. Anschließend wurden die Stämme molekularbiologisch typisiert. Die Studie konnte zeigen, dass eine hohe MRSA-Exposition bestand. 68 % der Staubmasken waren MRSA-positiv. Während des gesamten Einsatzes der Staubmasken konnte bei vier Versuchstierärzten keine nasale Besiedelung mit MRSA nachgewiesen werden. Nur im Nasentupfer eines Versuchstierarztes waren MRSA trotz Maske nach zwei Wochen nachweisbar. Nach dem Ablegen der Masken wurden zwei Tierärzte rasch wieder mit MRSA besiedelt. Bei den beiden Kontrolltierärzten traten positive Nasentupfer erst nach 26 und 54 Tagen auf. Die hohe MRSA-Findungsrate an den Masken spricht für eine hohe Wahrscheinlichkeit, während der Routinearbeit in Schweinebeständen nasal mit MRSA besiedelt zu werden. Ob die Staubmasken das Potenzial haben, eine Besiedelung der Tierärzte mit MRSA zu vermeiden geht aus den Ergebnissen nicht hervor. Jedoch bestehen auch keine Hinweise, dass die geeignete Anwendung von Masken einen Risikofaktor für die nasale Besiedelung mit MRSA darstellt. Weitere Untersuchungen zum geeigneten Umgang mit Staubmasken und zur Quantifizierung ihrer protektiven Wirkung sind erforderlich.

Quote

Citation style:

Nathaus, Rolf: Untersuchungen zur Intra-Herdenprävalenz und Kolonisationsdynamik von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus beim Schwein und zur Wirksamkeit von Staubmasken zur Senkung der MRSA-Exposition von Tierärzten in der Bestandsbetreuung von Schweinebeständen. Hannover 2011. Tierärztliche Hochschule.

Rights

Use and reproduction:
All rights reserved

Export