Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Untersuchungen zu Vorkommen und Verbreitung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und Methicillin-resistenten Staphylococcus pseudintermedius (MRSP) bei Hund und Katze

Nienhoff, Ulrike Barbara

During Sep 2007 – Jan 2009, dogs admitted to the Small Animal Clinic of the University of Veterinary Medicine Hannover, Germany, were screened for the presence of methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) and methicillin-resistant Staphylococcus pseudintermedius (MRSP). Swabs were taken from the nose and the pharyngeal region as well as from the perineum and also from possible skin infections of dogs and cats before they entered the clinic. A questionnaire for background information on the sampled pet and the pet owner was completed on a voluntary basis. The MRSA isolates of the two cases for which sufficient background data were available and 85 MRSP isolates were subjected to molecular analysis. A first screening for possible risk factors for MRSP carriage was performed by means of unifactorial contingency tables and CART analysis. The MRSA isolates were characterized by multilocus sequence typing (MLST), spa typing, as well as macrorestriction analysis with SmaI and ApaI. Moreover, the isolates were subjected to PCR-directed SCCmec typing and detection of the PVL toxin genes lukS-PV and lukF-PV. The MRSP isolates were characterized by SCCmec typing and PFGE. Isolates from cats were also subjected to spa and dru typing. The antimicrobial susceptibility status was determined by broth microdilution according to CLSI standards. In case 1, a healthy dog carried an MRSA isolate (ST398, t034) which was non-typeable by SmaI but typeable by ApaI. The strain was PVL negative, carried a SCCmec type V cassette and was resistant to β-lactam antibiotics, erythromycin, clindamycin, and tetracycline. The dog owner, a specialist veterinarian in swine diseases, showed nasal colonization by a strain which showed the same characteristics. In case 2, a dog was positive for an MRSA isolate (ST225, t014). The isolate was PVL negative, harboured a SCCmec type II cassette and was resistant to β-lactam antibiotics, erythromycin, clindamycin, and enrofloxacin. The dog had regular contact to the dog owner’s 85-year-old mother-in-law who lived in the same household and received nursing care at home because of an infected decubital ulcer on her foot. An MRSA isolate, indistinguishable from that of the dog, was isolated from the decubital ulcer of the dog owner’s mother-in-law. 814 dogs were sampled. Three dogs were positive for MRSA (0.4%), 60 dogs were positive for MRSP (7.4%). Fifteen different SmaI patterns were observed. The major factors that clustered with MRSP carriage were former hospitalization and antibiotic treatment within the last six months before sampling. MRSP in cats was found less frequently (3/131; 2.3%). All six MRSP isolates harboured SCCmec type II-III and belonged to the spa type t02. dru-Typing was used for further characterisation. It could be shown that feline MRSP isolates are typable with this method. All isolates belonged to the same dru-type dt9a.  The isolates of the cats also showed resistance to various antimicrobial agents. Isolates from the same cat showed indistinguishable PFGE patterns. The occurrence of MRSA in dogs in this study was rare. The two case reports show that MRSA strains of different sequence types are readily transferred between humans and pets living in the same household. MRSP occurrence in dogs is higher, in cats also rare. The data from our surveillance regarding MRSP demonstrates that the main risk factors for MRSP carriage in dogs are prior antibiotic therapy and in-patient treatment. Therefore infection control measures such as routine screening in veterinary clinics should be born in mind and the necessity of antimicrobial therapy should be carefully balanced in every single case.

Von September 2007 bis Januar 2009 wurden Hunde und Katzen, die in der Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgestellt wurden, auf das Vorkommen von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und Methicillin-resistenten Staphylococcus pseudintermedius (MRSP) untersucht. Hierzu wurden bereits im Wartebereich Tupferproben aus dem Nasen-/ Rachenraum, vom Perineum und,  wenn vorhanden, von Wunden und Hautinfektionen entnommen. Ein Fragebogen für Hintergrundinformationen zu jedem Tier und dessen Besitzer wurde auf freiwilliger Basis ausgefüllt. Die MRSA- und MRSP-Isolate wurden einer eingehenden Analyse unterzogen. Mögliche Risikofaktoren für MRSP-Trägerschaft bei Hunden wurden durch einfaktorielle Kontingenztafeln und CART-Analyse ermittelt. Die MRSA Isolate wurden mittels Multi-Locus Sequenz Typisierung (MLST), spa Typisierung und Makro-Restriktionsanalyse mit den Restriktionsenzymen SmaI und ApaI charakterisiert. Darüber hinaus wurden mit Hilfe einer PCR-Methode die SCCmec Typen bestimmt und auf das Vorhandensein der PVL Toxin-Gene lukS-PV und lukF-PV untersucht. Die MRSP Isolate wurden mittels SCCmec Typisierung und PFGE charakterisiert. Bei MRSP-Isolaten von Katzen wurde zusätzlich die spa und die dru Typisierung durchgeführt. Die Resistenzbestimmung erfolgte im Mikrodilutionsverfahren  gemäß CLSI Standard. Im ersten Fallbericht trug ein gesunder Hund ein MRSA Isolat (ST398, t034) welches nicht mittels SmaI, aber mit ApaI typisierbar war. Der Stamm war PVL negativ, trug eine SCCmec Typ V Kassette und war resistent gegenüber β-Laktamen, Erythromycin, Clindamycin und Tetracyclin. Der Besitzer des Hundes, ein Fachtierarzt für Schweine, zeigte eine nasale Kolonisation mit einem Stamm, der die gleichen Charakteristika zeigte. Im zweiten Fallbericht konnte bei einem Hund ein MRSA Isolat (ST225, t014) im Nasen/Rachenraum nachgewiesen werden. Das Isolat war PVL negativ, trug eine SCCmec Typ II Kassette und war resistent gegenüber β-Laktamen, Erythromycin, Clindamycin und Enrofloxacin. Der Hund hatte regelmäßigen Kontakt zu der 85 Jahre alten Schwiegermutter der Patientenbesitzerin, welche im selben Haushalt wohnte und aufgrund eines infizierten Dekubitus am Fuß ambulante Pflege erhielt. Ein MRSA Isolat mit gleichen Charakteristika konnte aus dem Dekubitus der alten Frau isoliert werden. Unter den 814 beprobten Hunden wurden drei (0,4%) MRSA-Träger und 60 (7,4%) MRSP Träger identifiziert. Alle MRSP Isolate beherbergten die SCCmec Gen-Kassette des Typs II-III und zeigten eine ausgeprägte Resistenz gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen. 15 verschiedene PFGE-Muster konnten identifiziert werden. Die Hauptfaktoren im Zusammenhang mit MRSP-Trägertum waren vorangegangene stationäre Aufenthalte und antibiotische Behandlung innerhalb der letzten sechs Monate vor Beprobung. Bei den untersuchten Katzen wurde MRSP weniger häufig gefunden (3/131; 2,3%). Alle sechs Isolate der drei Katzen trugen eine SCCmec Gen-Kassette des Typs II-III und konnten dem spa-Typ t02 zugeordnet werden. Die Isolate wurden zur weiteren Charakterisierung einer dru-Typisierung unterzogen. Es konnte gezeigt werden, dass sich feline MRSP-Isolate mit dieser Methode typisieren lassen. Alle Isolate gehörten zum dru-Typ dt9a. Auch die MRSP Isolate der Katzen zeigten zahlreiche Resistenzen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen. Die Isolate derselben Katze zeigten jeweils identische PFGE-Muster. Das Auftreten von MRSA bei Hunden in dieser Studie war gering. Die beiden Fallberichte zeigen, dass MRSA Stämme verschiedener Sequenztypen scheinbar leicht zwischen Menschen und deren Haustieren zu übertragen sind. Das Auftreten von MRSP bei Hunden im Rahmen dieser Arbeit war höher, bei Katzen jedoch gering. Die Daten aus den Untersuchungen bezüglich MRSP demonstrieren, dass die Hauptindizien für Risikofaktoren für eine Kolonisierung mit MRSP bei Hunden vorangegangene stationäre Aufenthalte und antibiotische Behandlung sind. Aus diesem Grund sollten Hygienemaßnahmen in Tierarztpraxen und Kliniken höchste Priorität haben und die Notwendigkeit einer antibiotischen Therapie sollte für jeden einzelnen Patienten sorgfältig geprüft werden.

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Zitierform:

Nienhoff, Ulrike Barbara: Untersuchungen zu Vorkommen und Verbreitung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) und Methicillin-resistenten Staphylococcus pseudintermedius (MRSP) bei Hund und Katze. Hannover 2011. Tierärztliche Hochschule.

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