Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Feldstudie zum Einfluss herdenspezifischer Risikofaktoren für die Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae bei Saugferkeln in Norddeutschland

Wöste, Henrike

Mycoplasma hyopneumoniae is the etiological agent of enzootic pneumonia, a disease which is considered to be endemic in regions with intensive pig production. It causes considerable economic losses due to reduced growth rate, a lower feed-conversion ratio and increased antibiotic treatment. Deficits in herd management and housing are deemed to be the major risk factors for enzootic pneumonia. In most herds, the bacterium is transmitted from the sow to her offspring or between the weaners and fatting pigs. The transmission of the agent from the sow to the piglet is not regarded as the primary route, but as it marks the beginning of the distribution within the herd, it must be seen as an important one. While vaccination may reduce the effects of an outbreak of the disease, it cannot prevent the infection of the pigs with Mycoplasma hyopneumoniae; thus supplementary measures aimed at reducing the transmission must be implemented. Risk factors that enhance the transmission of the agent from the sow to the piglet have not often been investigated; even though it is hoped, that by their reduction the dispersal of infection will be stopped at the very beginning. The aim of the present work was to assess the initial prevalence of M. hyopneumoniae in suckling pigs on the verge of weaning. Subsequent herd specific risk factors were analyzed, which increase the risk of transmission of the agent to the sucking pigs. In all 125 piglet-producing or farrow-to-finish farms were included in the survey. The farms were investigated by means of a questionnaire and sampling the suckling piglets for Mycoplasma hyopneumoniae. Nasal swabs were taken on each farm from 20 suckling piglets out of 10 litters and were analyzed via real-time PCR concerning the occurrence of specific genomic fragments of M. hyopneumoniae. Mycoplasma hyopneumoniae was found in an average of 3.9% (98/2500) in the piglets. In 36.8% (46/125) of the herds at least one piglet tested positive for Mycoplasma hyopneumoniae. 14.8% (16/108) of the livestock owners, who took part in an optional sampling via swab of their own nasal mucosa, were tested positive for M. hyopneumoniae. Data that characterize management and housing of the pigs were analyzed via univariate and multivariate logistic regressional models in order to find a possible association with the target variable (i.e. the possibility of suckling piglets testing positive for M. hyopneumoniae). An increased risk of infection was associated with groups farrowing in a rhythm other than 1 or 3 weeks, for compartments with more than 15 farrowing pens and for herds buying more than 120 gilts per year. The findings of this study agree with research from other countries, which state that there is a low prevalence of M. hyopneumoniae in suckling pigs on the verge of weaning. Besides this, further hypotheses regarding the transmission within the herds showed that a consequent separation of different production groups and of age groups as well as a suitable integration of gilts are important protective measures. The present study shows for the first time that herd-specific factors have a significant influence over the occurrence of M. hyopneumoniae in suckling pigs. Compliance with the above-named factors should lead to a reduction of the vertical transmission of M. hyopneumoniae and should therefore reduce the dispersion of the agent within the herd.

Mycoplasma (M.) hyopneumoniae ist der ätiologische Erreger der Enzootischen Pneumonie (EP) und nahezu weltweit, besonders in Regionen mit intensiver Schweinehaltung, endemisch verbreitet. Die Enzootische Pneumonie, eine multifaktoriell bedingte Erkrankung der Atemwege, führt bei betroffenen Schweinen zu einer geringen Wachstumsrate, einem reduzierten Futterumsatz und zu erhöhten Kosten durch vermehrte Arzneimittelanwendung. Die Folge sind erhebliche ökonomische Schäden in der Schweineindustrie. Insbesondere Mängel in der Haltung und im Management der Schweineherden werden als Risikofaktoren für die Enzootische Pneumonie angesehen. In den meisten Herden wird der Erreger von der Sau auf ihre Ferkel oder zwischen den Absetzferkeln bzw. Mastschweinen übertragen. Die Übertragung von der Sau auf ihre Ferkel wird zwar als eher selten angesehen, gilt jedoch als Ausgangspunkt der Infektionskette und ist daher von großer Bedeutung für eine spätere Ausbreitung von M. hyopneumoniae bei den Absatzferkeln resp. bei den Mastschweinen. Da eine Impfung der Tiere zwar die Ausprägung der Erkrankung reduzieren kann, eine Infektion mit M. hyopneumoniae jedoch nicht verhindert, ist für eine langfristige Bekämpfung wichtig, zusätzliche Maßnahmen gegen jede Art der Ausbreitung umzusetzen. Risikofaktoren, die eine Übertragung des Erregers von der Sau auf ihre Ferkel fördern, sind bislang wenig untersucht, wenngleich gerade ihre Reduktion hoffen lässt, dass die Infektionskette bereits zu Beginn unterbrochen wird. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war, zunächst die Prävalenz von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln kurz vor dem Zeitpunkt des Absetzens festzustellen. Im Anschluss wurden herdenspezifische Risikofaktoren analysiert, die eine Übertragung des Erregers auf die Saugferkel begünstigen. Insgesamt wurden 125 Ferkelerzeugerbestände bzw. Ferkelerzeugerbestände mit angeschlossener Mast in die Untersuchung einbezogen. Die Bestände wurden mit Hilfe eines Fragebogens epidemiologisch charakterisiert und hinsichtlich des Vorkommens von Mycoplasma hyopneumoniae bei Saugferkeln untersucht. Hierzu wurden in jedem Bestand von 20 Saugferkeln aus je 10 unterschiedlichen Würfen Nasentupfer entnommen und mittels realtime-PCR auf das Vorkommen spezifischer Genomfragmente von M. hyopneumoniae untersucht. M. hyopneumoniae wurde bei 3,9 % (98/2500) aller Saugferkel nachgewiesen. Der Anteil der Herden, in denen M. hyopneumoniae bei mindestens einem Ferkel kurz vor dem Absetzen nachzuweisen war, betrug 36,8 % (46/125). Daneben wurde bei 14,8 % (16/108) der Tierhalter, die freiwillig an einer Probenentnahme mittels Abstrich von ihrer eigenen Nasenschleimhaut an dieser Untersuchung teilnahmen, M. hyopneumoniae nachgewiesen. Daten, die das Management und die Haltung der Schweine in den Beständen beschreiben, wurden sowohl in univariablen als auch in multivariablen Regressionsanalysen betrachtet, um einzelne Faktoren mit einer möglichen Assoziation zur Zielvariable (Nachweis von M. hyopneumoniae bei mindestens einem Saugferkeln im Bestand) zu identifizieren und ihren Einfluss zu quantifizieren. Ein erhöhtes Risiko für das Vorkommen von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln konnte in multivariablen Modellen für Bestände nachgewiesen werden, in denen die Gruppenabferkelung nicht im 1- oder 3-wöchigen Rhythmus stattfinden. Außerdem war in solchen Herden das Risiko erhöht, in denen Abferkelabteile mit mehr als 15 Abferkelplätzen vorkamen, oder mehr als 120 Jungsauen pro Jahr zugekauft wurden. Die Ergebnisse dieser Arbeit stimmen mit Studien aus anderen Ländern überein, nach denen die Prävalenz von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln kurz vor dem Zeitpunkt des Absetzens eher gering ist. Außerdem konnten frühere Hypothesen zur Erregerübertragungen innerhalb von Herden bestätigt werden, die eine konsequente Trennung unterschiedlicher Produktions- und Altersgruppen sowie eine adäquate Eingliederung von Jungsauen als maßgebliche Risikofaktoren vermuten ließen. In der vorliegenden Arbeit konnte erstmals gezeigt werden, dass herdenspezifische Faktoren einen signifikanten Einfluss auf das Vorkommen von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln haben. Eine Eliminierung oben genannte Risikofaktoren sollte zu einer Reduktion der vertikalen Übertragung von M. hyopneumoniae führen und damit mittel- und langfristig die Ausbreitung des Erregers im Bestand vermindern.

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Wöste, Henrike: Feldstudie zum Einfluss herdenspezifischer Risikofaktoren für die Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae bei Saugferkeln in Norddeutschland. Hannover 2011. Tierärztliche Hochschule.

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