Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Klinische Anwendbarkeit und Praktikabilität der Alfaxalon-Anästhesie bei der Hauskatze

Bösing, Britta

Objective of this clinical study was to assess the anaesthetic quality and utility of short term anaesthesia with alfaxalone up to two hours in cats. Quality of induction and maintenance of anaesthesia as well as recovery were evaluated. In addition, the possible influence on haematologic and blood chemistry parameters were assessed. Sixty feline patients (ASA classification 1–4) presented for various surgical or diagnostic procedures were included in a prospective, randomised, clinical trial. The cats were allocated to three groups (n=20). In the first group (S) the total intravenous anaesthesia (TIVA) with alfaxalone was given by a syringe pump. In the second group (D) the TIVA was administered by a volume control microdrip intravenous administration set. Anaesthesia in group three (K) was maintained by intermittent bolus injections as required. Thirty minutes before anaesthetic induction each cat was premedicated with 0.02 mg/kg buprenorphine (Buprenovet®, Bayer Healthcare, 51368 Leverkusen) i.m. In group S and D, 23 cats received 0.05 mg/kg acepromacine i.m. (Vetranquil® 1 %, Albrecht GmbH, 88326 Aulendorf) in addition to buprenorphine. These animals were separated according to their premedication in group AB (acepromacine and buprenorphine) and B (buprenorphine) for further statistical analysis. An anaesthetic induction dose of 4–5 mg/kg alfaxalone was needed for endotracheal intubation in group AB and B. Pure oxygen was given via a semiclosed anaesthetic system. The infusion rate of the TIVA started with 8 mg/kg/h. The dose was adapted to the individual requirement over the course of anaesthesia. Cats in group K were not intubated and an induction dose of 2 mg/kg alfaxalone was sufficient for deep sedation or light anaesthesia. A bolus dose of 1 mg/kg alfaxalone was given to deepen or maintain anaesthesia as needed. Oxygen was administered to these patients via facemask. Heartrate, breathing rate, end tidal CO2 partial pressure, arterial oxygen saturation and body temperature were measured and recorded every 10 min during anaesthesia. The mean arterial blood pressure was measured and recorded every 15 min. Before, directly after and 6 h after anaesthesia venous blood samples were taken and blood chemistry and haematological parameters were determined. The length of anaesthesia and the required dose of alfaxalone were recorded. Recovery time was taken from the end of TIVA or the last alfaxalone injection until cats were able to maintain sternal recumbency by themselves. Quality of recovery were assessed by a numerical score. For statistics an analyses of variance followed by t-test was used. All procedures were performed with SAS 9.2. The anaesthetic induction with alfaxalone was smooth and fast in cats. Spontaneous breathing was maintained in all cats. High heart rates occured after induction of anaesthesia which normalized over 10 to 20 min. Single haematology and blood chemistry parameters changed with statistical significance over the course of anaesthesia, however, the magnitude of changes was without clinical relevance. Recovery was smooth and without any complications but recovery time was prolonged after anaesthesia times over 1 h, independent of the premedication used, indicating possible cumulation of alfaxalone. There was no difference in the amount of alfaxalone used up between infusion via syringe pump or microdrip set. In conclusion, alfaxalone produced stable, clinically tolerable cardiorespiratory conditions with good induction and recovery quality. Alfaxalone can be used for sedation, short time anaesthesia and longer surgical procedures up to two hours in cats. However, signs of drug cumulation occurred after infusion and need to be considered when planning anaesthesia protocols. Both the handling of the infusion pump and the volume control microdrip administration set was easy and practical.

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Praktikabilität und die Anwendbarkeit des Injektionsanästhetikums Alfaxalon für kurze Eingriffe und Operationen von bis zu zwei Stunden zu evaluieren. Die Verträglichkeit von Alfaxalon, mögliche kumulative Effekte, sowie Veränderungen in den blutchemischen Parametern und dem Blutbild sollten nachgewiesen werden. Ebenso wurden die Einleitungs- und Aufwachcharakteristika beurteilt. An der prospektiv randomisierten klinischen Studie nahmen 60 feline Patienten mit einer ASA Klassifikation von 1 bis 4, die zu verschiedenen diagnostischen und chirurgischen Eingriffen und Behandlungen vorgestellt wurden, teil. Die Katzen wurden, je nach Länge des Eingriffs und der angewandten Applikationsart des Alfaxalon (Alfaxan®, Vétoquinol GmbH, 88212 Ravensburg) in drei Gruppen zu jeweils 20 Tieren eingeteilt. Die erste Gruppe (S) erhielt eine Total Intravenöse Anästhesie (TIVA) mit Alfaxalon über eine Spritzenpumpe. Die zweite Gruppe (D) erhielt ebenfalls eine TIVA mit Alfaxalon über ein Schwerkraftinfusionsgerät. Bei Tieren der Gruppe drei (K) wurde die Anästhesie mit Alfaxalon-Bolusgaben aufrecht erhalten. Alle Katzen wurden ca. 30 Minuten vor der Narkoseeinleitung mit 0,02 mg/kg KM Buprenorphin (Buprenovet®, Bayer Healthcare, 51368 Leverkusen) i.m. prämediziert. 23 Tiere der Gruppen D und S erhielten zusätzlich 0,05 mg/kg KM Acepromazin (Vetranquil® 1 %, Albrecht GmbH, 88326 Aulendorf) i.m. in einer Kombinationsspritze mit dem Buprenorphin verabreicht. Diese Tiere wurden zur statistischen Auswertung nach der jeweiligen Prämedikation in die Gruppen AB (Acepromazin und Buprenorphin) und B (Buprenorphin) eingeteilt. Nach einer Narkoseeinleitungsdosis von 4–5 mg/kg KM Alfaxalon waren die Katzen der Gruppen AB und B in einem intubationsfähigen Zustand. Nach der endotrachealen Intubation wurde den Patienten 100 % Sauerstoff über ein halbgeschlossenes Narkosekreissystem zugeführt. Die TIVA wurde zunächst mit einer Infusionsgeschwindigkeit von 8 mg/kg/h Alfaxalon verabreicht. Die Dosierung wurde im Laufe der Zeit den jeweiligen Bedürfnissen der Tiere individuell angepasst. Die Katzen der Gruppe K wurden nicht intubiert. Hier war eine Einleitungsdosis von 2 mg/kg KM Alfaxalon ausreichend, um eine tiefe Sedation bzw. Anästhesie zu erreichen. Die Anästhesie wurde mit Bolusgaben von 1 mg/kg KM aufrecht erhalten. Über eine Atemmaske wurde auch diesen Patienten 100 % Sauerstoff zugeführt. Während der Eingriffe wurden alle 10 min die Herz- und Atemfrequenz, der endexspiratorische Kohlendioxidpartialdruck, die periphere Sauerstoffsättigung und die Körperinnentemperatur gemessen und protokolliert. Der mittlere arterielle Blutdruck wurde alle 15 min bestimmt. Direkt vor, unmittelbar nach und 6 Stunden nach der Anästhesie wurden Blutproben entnommen und sowohl blutchemisch als auch hämatologisch untersucht. Die Aufwachphase wurde bis zur selbstständigen Einnahme der Brust-Bauch-Lage überwacht und nach einem numerischen Score bewertet. Zusätzlich wurde die Länge der Anästhesie und die benötigte Menge an Alfaxalon protokolliert. Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SAS 9.2. Die Daten wurden mit Hilfe einer Varianzanalyse für wiederholte Messungen, gefolgt von gepaarten t-Tests ausgewertet. Bei allen Tieren verlief die Einleitungsphase ruhig und komplikationslos. Ebenso blieb bei allen die Spontanatmung erhalten und es war keine manuelle Beatmung notwendig. Auffällig waren initial hohe Herzfrequenzen nach der Narkoseeinleitung, die in den ersten Minuten erhöht blieben. In den hämatologischen- und blutchemischen Laborparametern kam es vereinzelt zu statistisch signifikant veränderten Werten (p<0,05) die sich klinisch jedoch als nicht relevant und transient darstellten. Die Aufwachphase verlief überwiegend ruhig und komplikationslos. Bei Eingriffen, die über 1 h hinaus andauerten zeigte sich ein langer Nachschlaf der Katzen, unabhängig von der jeweiligen Prämedikation. Dies spricht für eine mögliche Kumulation des Alfaxalon bei der Katze. Bezüglich der Applikationsart konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede im Alfaxalonverbrauch festgestellt werden. Durch den schnellen Wirkeintritt lässt sich die Anästhesie gezielt und sehr genau steuern. Auch die Handhabung der Spritzenpumpe und des Schwerkraftinfusionsgerätes hat sich in der vorliegenden Studie als einfach und praktikabel herausgestellt. Durch sein offensichtlich geringes Potential kardio- und atemdepressive Effekte auszulösen, stellt Alfaxalon nicht nur für gesunde, sondern auch für im Allgemeinbefinden stark eingeschränkte feline Patienten ein geeignetes Injektionsanästhetikum dar. Sowohl für kurze diagnostische Eingriffe in tiefer Sedation, für Kurzzeitanästhesien und für operative Eingriffe von bis zu zwei Stunden ist die Anwendung von Alfaxalon durch Bolusgaben oder einer TIVA geeignet.

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Bösing, Britta: Klinische Anwendbarkeit und Praktikabilität der Alfaxalon-Anästhesie bei der Hauskatze. Hannover 2012. Tierärztliche Hochschule.

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