Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Feldstudie zum Einfluss einzeltierspezifischer Risikofaktoren für die Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae bei Saugferkeln in Norddeutschland

Döhring, Stefanie

The aim of the present study was to identify risk factors with potential of influencing the infection status with Mycoplasma hyopneumoniae of suckling pigs at the age of weaning. Overall, data from 1,136 piglets of three herds were collected. In order to identify suitable herds for this study, a previous study was conducted, where 132 herds were examined for the occurrence of M. hyopneumoniae in suckling pigs by taking nasal swabs from 20 piglets each per herd and analyzing by multiplex real-time PCR (WOESTE 2011). Piglets were at least 18 days old. Exclusion criteria were the size of the sow herds (only herds with more than 120 sows) as well as the vaccination of sows against M. hyopneumoniae. Herds were qualified for the present study if detection of M. hyopneumoniae was possible in at least 15% of piglets. Data were collected from the three selected herds between December 2009 and June 2010. The herds which were included in the study were of conventional husbandry. The intention to investigate 15 litters each from three subsequent farrowing groups per herd failed because of the cross-fostering procedures during the suckling period and the poor organization of batch farrowing in one of the three herds. Litters in which piglets were cross-fostered from different litters were excluded due to an unknown infection risk. Overall, data from 1,136 piglets from 112 individual litters were collected. In total, 3.6% of nasal swabs were tested positive for M. hyopneumoniae by multiplex real-time PCR at the age of weaning. In contrast, 5 weeks after weaning a detection of M. hyopneumoniae was only possible in 1.2%. Provided that there is no further exposition to the pathogen, these results were indicating a self-limiting infection during the nursing period. Extrapolating the results to the general spread of the infection during nursing period is difficult because of the hypothesis that the transmission rate of M. hyopneumoniae is influenced by infection dose. It is likely that a higher infection dose increases the transmission rate of M. hyopneumoniae. The examined factors include management measures (e.g. vaccination program), individual parameters of sows and piglets during the suckling period (e.g. diseases, used teat), temperature during the suckling period (outside as well as in the environment of animals) and diagnostic investigations (direct detection of M. hyopneumoniae and detection of antibodies against M. hyopneumoniae). The infection status regarding M. hyopneumoniae of piglets at the age of weaning was the outcome-variable for statistical analyses. Data were analyzed via Poisson regression model in order to detect association with the outcome-variable. The results (incidence rate ratio IRR and p-value) allowed an assessment about the potential of the various factors in influencing the infection-status of piglets at the age of weaning. Relating to the management factors, an increased probability for the detection of M. hyopneumoniae was identified, when only one iron injection was applied, the clipping of the teeth was neglected, or when piglets were vaccinated against PCV2 associated diseases as well as in case of absence of a treatment with M. hyopneumoniae effective antibiotics during the suckling period. A considerable effect at the infection status was identified for the temperature during the suckling period. A low outside temperature as well as low temperature in the piglet nest at the time of birth and also seven and fourteen days after birth increase the probability of M. hyopneumoniae detection. An association with the outcome variable was also identified for the daily weight gain (the lower the daily weight gain the higher the probability of a detection), the duration of the suckling period (the longer the suckling period the higher the probability of a detection) as well as for the increasing number of totally born piglets. The identified risk factors of this study provide an informative basis to create measures for intervention against the transmission of M. hyopneumoniae from sows to their offspring. Based on these results, it is possible for further studies within this field of research to focus on the selection of study parameters prior to start.

Die vorliegende Untersuchung wurde mit dem Ziel durchgeführt, Risikofaktoren für das Vorkommen von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln zum Zeitpunkt des Absetzens zu identifizieren. Die Untersuchung erfolgte an insgesamt 1136 Ferkeln aus drei Beständen. Für die Auswahl der Bestände wurden mittels Vorversuch 132 Bestände in Nord-West-Deutschland, einem Gebiet mit sehr hoher Schweinedichte, auf das Vorkommen von M. hyopneumoniae bei Saugferkeln untersucht. Dazu wurden von jeweils zwei, mindestens 18 Tage alten Ferkeln aus jeweils zehn Würfen Nasentupfer mittels multiplex realtime PCR untersucht (WOESTE 2011). Als Ausschlusskriterium war die Impfung der Sauenherde gegen M. hyopneumoniae festgelegt worden, da dies die Beurteilung des Infektionsstatus der Sauen verhindert und die Konzentration maternaler Antikörper im Ferkel beeinflusst hätte. Weiterhin wurden Betriebe ausgeschlossen, deren Sauenherde aus weniger als 120 Tieren bestanden bzw. die keine Ferkelaufzucht (Flatdeck) hatten. Ein Bestand galt als geeignet, wenn außerdem im Vorversuch in mindestens 15 % der Ferkel ein Erregernachweis möglich war. Für die Hauptuntersuchungen wurden drei Bestände mit konventioneller Schweinehaltung ausgewählt. Die Untersuchungen der Bestände wurden nacheinander in der Zeit von Dezember 2009 bis Juni 2010 durchgeführt. Das ursprüngliche Vorhaben, von jedem der drei Bestände 15 Würfe aus drei aufeinander folgenden Abferkelgruppen zu untersuchen, ließ sich in der Praxis aufgrund des Zusetzens von Ferkeln aus nicht in die Studie eingeschlossenen Würfen nicht konsequent umsetzen. Diese Würfe waren infolgedessen aufgrund des Zugangs von Ferkeln mit unbekanntem Infektionsrisiko für die Studie nicht mehr geeignet und wurden nachträglich ausgeschlossen. Insgesamt konnten Daten von 1136 Ferkeln aus 112 Würfen ausgewertet werden. Der Anteil M. hyopneumoniae-positiver Ferkel zum Zeitpunkt des Absetzens lag bei 3,6 %. Bei einer weiteren Untersuchung von Nasentupfern nach einer fünfwöchigen Aufzucht konnte ein Anteil positiver Ferkel von lediglich 1,2 % ermittelt werden. Unter der Voraussetzung, dass keine erneute Exposition erfolgte, lässt dieses Ergebnis auf einen selbstlimitierenden Verlauf während der Aufzucht im Flatdeck schließen. Eine Übertragung dieses Ergebnisses auf die allgemeine Verbreitung der Infektion während der Aufzucht wird durch die Vermutung erschwert, dass die Verbreitungsrate des Erregers mit zunehmender Infektionsdosis gesteigert werden kann. Die untersuchten Parameter, bei denen es sich um potentielle Risikofaktoren für die Infektion mit M. hyopneumoniae handelt, setzten sich aus managementbedingten Maßnahmen (z.B. zootechnische Maßnahmen und Vakzinationen), Beobachtungen der Ferkel und Sauen während der Säugezeit (z.B. Erkrankungen und Feststellung der genutzten Zitze), den Temperaturverhältnissen während der Säugezeit (Außentemperatur und Temperatur in Tierumgebung) sowie labordiagnostischen Untersuchungen (direkter Erregernachweis und Ermittlung der Konzentration von Antikörpern gegen M. hyopneumoniae) zusammen. Als sogenannte Outcome-variable galt der M. hyopneumoniae-Status der Ferkel zum Zeitpunkt des Absetzens, der über die Untersuchung von Nasentupfern mittels multiplex realtime PCR ermittelt wurde. Die Daten wurden mittels Poisson-Regression auf eine Assoziation mit der Outcome-variable untersucht. Die Ergebnisse (incidence rate ratio, IRR und p-Wert) erlauben eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Parameter den M. hyopneumoniae- Status zum Zeitpunkt des Absetzens beeinflusst. Eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für den Nachweis von M. hyopneumoniae wurde bezüglich der Parameter zum Bestandsmanagement für die Verabreichung nur einer Eiseninjektion während der Säugezeit, dem Verzicht auf die Prozedur des Zähneschleifens, die Durchführung einer Vakzination gegen PCV2-assoziierte Erkrankungen während der Säugezeit sowie für das Unterbleiben einer Behandlung mit M. hyopneumoniae-wirksamen Antibiotika während der Säugezeit ermittelt. Ein sehr deutlicher Einfluss auf die Detektion von M. hyopneumoniae zum Zeitpunkt des Absetzens konnte für die Temperaturverhältnisse während der Säugezeit ermittelt werden. Niedrige Außentemperaturen und niedrige Temperaturen im Ferkelnest zum Zeitpunkt der Geburt bzw. sieben sowie 14 Tage nach Geburt erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Erregernachweises. Eine Assoziation mit der Outcome-variable konnte außerdem für die Parameter der täglichen Gewichtszunahme (je geringer die tägliche Gewichtszunahme, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Erregernachweises), die Dauer der Säugeperiode (je länger die Säugeperiode, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Erregernachweises) sowie die zunehmende Anzahl gesamt geborener Ferkel der Muttersau innerhalb dieses Wurfes nachgewiesen werden. Die in dieser Studie festgestellten Risikofaktoren geben Anhaltspunkte für Interventionsmaßnahmen, die geeignet scheinen eine Übertragung von M. hyopneumoniae von der Sau auf ihre Ferkel zu reduzieren. Auf der Basis hier vorgestellter Ergebnisse ist es ebenfalls möglich, in zukünftigen Studien mit ähnlichen Fragestellungen schon im Vorfeld die Auswahl von Untersuchungsparametern zu fokussieren.

Zitieren

Zitierform:

Döhring, Stefanie: Feldstudie zum Einfluss einzeltierspezifischer Risikofaktoren für die Infektion mit Mycoplasma hyopneumoniae bei Saugferkeln in Norddeutschland. Hannover 2012. Tierärztliche Hochschule.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export