Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die Erfassung von Verbrauchsmengen für Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren vor dem Hintergrund der tierärztlichen Betreuung

Hegger-Gravenhorst, Christine

The use of antibiotics in veterinary medicine is essential for the therapy and maintenance of the health of animals and livestock. The treatment of infectious diseases is carried out not only in terms of animal welfare, but also against the background of consumer protection. The avoidance of unsafe residues in foods, preventing the transmission of bacterial resistance and especially the prevention of zoonoses are the main focus. Thus, the preservation of effective antibiotics in veterinary medicine is of importance for humans and animals. On the basis of zoonoses 2003/99/EC of the European commission, EU Member States are required to monitor antimicrobial resistance in zoonotic bacteria, and a monitoring of consumption should be implemented. In some Member States, like Denmark and Sweden, the implementation has already occurred. In Germany, the establishment of resistance and consumption quantity monitoring is also necessary. A direct transfer of other existing systems in Europe is not possible due to structural differences. In the study presented, the feasibility of monitoring the amount of antibiotic use in food-producing animals was investigated. For the analysis of data obtained in the project, additional structural information on agriculture and veterinary care was necessary. While the majority of agricultural data was available from statistical reporting, the information needed for the structure of veterinary practices was collected through a postal survey. The consumption rate has been monitored in 24 veterinary practices, whose main activity was in the livestock sector, conducted in the districts of Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Nienburg and Vechta. For data collection a central database system was used. The database used the drug application and issue documents, which was recorded on site and entered into the central database. The analysis of the recorded antibiotics showed that in the participating practices the most frequently used antibiotic was tetracyclines (50 %), followed by the ß-lactams (23 %) and sulfonamides (9 %). This distribution was found in the species of pork and beef. In the poultry sector the most frequently used were polypeptides (37 %) and then the ß-lactams (32 %). For the collection of structural information from livestock veterinary practices, 99 practices were given a questionnaire in the study region, which were answered by 38 practices. 20 of these practices were also participants in the monitoring of consumption, therefore making comparisons of participating and non participating practices possible. The livestock share of the surveyed practices averaged 72.6 %, with no differences between participants and non-monitoring stations established. Almost all practices said that they treated pigs and cattle. The proportions of practices that take care of poultry are seemingly under-represented in this study with only 13 %. On average the surveyed practices managed 91 livestock farmers, while there were only slight differences between participants and non-participants. The determination of the size of the practices showed that about 60 % of the practices were small and 40 % could be regarded as large practices. It was found that mainly small practices participated in the survey. The representativeness of the participating practices was examined under aspects not fully given, but not a necessary prerequisite for a feasibility study. In most surveyed clinics, the documentation for the application and dispensing of medicines is done by computer. Practices that still do manuscript documenting by hand were almost entirely small practices. The feasibility of a monitoring program for antibiotic consumption rates in livestock could be detected. The tested system is consistent with the pharmacologic and technical requirements. In veterinary practices the technical prerequisite for electronic data collection and transmission for a later monitoring is largely in place. A collection of information on the structure of veterinary practices is necessary for a representative sampling plan. A postal survey is suitable to capture this information. For the evaluation of drug use in the future, the exact number of animals per supervised survey and the average farm size should be recorded.

Der Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin ist essentiell und unverzichtbar für die Therapie und Gesunderhaltung von Tieren und Tierbeständen. Die Behandlung von Infektionskrankheiten erfolgt dabei nicht nur im Sinne des Tierschutzes, sondern auch vor dem Hintergrund des Verbraucherschutzes. Die Vermeidung von gesundheitlich bedenklichen Rückständen in Lebensmitteln und vor allem die Verhinderung der Übertragung bakterieller Resistenzen stehen dabei im Mittelpunkt. So ist der Erhalt wirksamer Antibiotika in der Veterinärmedizin bedeutend für Mensch und Tier. Auf Grundlage der Zoonoserichtlinie 2003/99/EG der Europäischen Kommission sind die EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet ein Monitoring der Antibiotikaresistenzen von Zoonoseerregern umzusetzen, in dessen Rahmen aufgrund bestehender Zusammenhänge ein Monitoring der Verbrauchsmengen implementiert sein sollte. In einigen Mitgliedsstaaten, wie Dänemark und Schweden, hat die Umsetzung bereits stattgefunden. Auch in Deutschland ist die Etablierung eines Resistenz- und Verbrauchsmengenmonitorings notwendig. Eine direkte Übertragung anderer in Europa bereits bestehender Systeme ist aufgrund struktureller Unterschiede allerdings nicht möglich. In der hier vorgelegten Untersuchung wurde die Machbarkeit eines Monitorings von Antibiotikaverbrauchsmengen bei Lebensmittel liefernden Tieren untersucht. Für die Auswertung der im Projekt gewonnenen Daten waren zusätzliche strukturelle Informationen zur Landwirtschaft sowie zur tierärztlichen Betreuung notwendig. Während Angaben zur landwirtschaftlichen Struktur größtenteils aus der statistischen Berichterstattung vorlagen, mussten die Informationen zur Struktur von Tierarztpraxen durch eine postalische Befragung erhoben werden. Das Verbrauchsmengenmonitoring wurde in 24 Tierarztpraxen, deren Schwerpunkttätigkeit im Nutztierbereich lag, in den Landkreisen Cloppenburg, Diepholz, Emsland, Nienburg und Vechta durchgeführt. Für die Datenerhebung wurde ein zentrales Datenbanksystem genutzt. Als Datengrundlage dienten die Arzneimittel-Anwendungs- und Abgabebelege (AuAs), die vor Ort erfasst und in die zentrale Datenbank eingegeben wurde. Die Auswertung der erfassten Antibiotikagaben zeigte, dass in den teilnehmenden Praxen am häufigsten Tetrazykline (50 %), gefolgt von den ß-Lactamen (23 %) und den Sulfonamiden (9 %) eingesetzt wurden. Diese Verteilung fand sich bei den Tierarten Schwein und Rind, während im Geflügelbereich in erster Linie die Polypeptide (37 %) sowie die ß-Lactame (32 %) eingesetzt wurden. Für die Erhebung von strukturellen Informationen von Tierarztpraxen erhielten 99 Nutztierpraxen in der Studienregion einen Fragebogen, der von 38 Praxen beantwortet wurde. 20 dieser Praxen waren auch gleichzeitig Teilnehmer der Verbrauchsmengenerfassung, wodurch Vergleiche der teilnehmenden und der nicht teilnehmenden Praxen möglich waren. Der Nutztieranteil der befragten Praxen lag bei durchschnittlich 72,6 %, wobei keine Unterschiede zwischen den Monitoring-Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern festgestellt werden konnten. Fast alle Praxen gaben an, Schweine und Rinder zu behandeln. Der Anteil an Praxen, die Geflügel betreuen, schien in dieser Studie mit nur 13 % unterrepräsentiert zu sein. Im Durchschnitt betreuten die befragten Praxen 91 Nutztiere haltende Betriebe, dabei waren die Unterschiede zwischen Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern nur geringfügig. Die Bestimmung der Praxisgröße ergab, dass ca. 60 % der Praxen als klein und 40 % als große Praxen angesehen werden konnten. Dabei zeigte sich, dass an der Studie vor allem kleine Praxen teilgenommen hatten. Die Repräsentativität der teilnehmenden Praxen war unter den untersuchten Aspekten nicht uneingeschränkt gegeben, aber auch keine notwendige Voraussetzung für eine Machbarkeitsstudie. Die Dokumentation der Anwendung und Abgabe von Arzneimitteln erfolgt in den meisten befragten Praxen per Computer. Die noch handschriftlich dokumentierenden Praxen waren fast ausschließlich kleine Praxen. Die Machbarkeit eines Monitorings für Antibiotikaverbrauchsmengen bei Lebensmittel liefernden Tieren in Deutschland konnte nachgewiesen werden. Das erprobte System entspricht den pharmakologischen und technischen Voraussetzungen. In den Tierarztpraxen sind die technischen Voraussetzungen für eine elektronische Datenerfassung und -übertragung für ein späteres Monitoring größtenteils vorhanden. Eine Erhebung von Informationen zur Struktur tierärztlicher Praxen ist notwendig für einen repräsentativen Stichprobenplan. Eine postalische Befragung ist geeignet diese Informationen zu erfassen. Für die Bewertung des Arzneimitteleinsatzes sollte zukünftig zusätzlich die genaue Anzahl der betreuten Tiere pro Praxis sowie die durchschnittliche Betriebsgröße erfasst werden.

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Hegger-Gravenhorst, Christine: Die Erfassung von Verbrauchsmengen für Antibiotika bei Lebensmittel liefernden Tieren vor dem Hintergrund der tierärztlichen Betreuung. Hannover 2012. Tierärztliche Hochschule.

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