Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Zur Bedeutung einer unterschiedlichen Mischfutterstruktur (Vermahlungsart/-intensität, Konfektionierung) für die Leistung, Verdaulichkeit des Futters und Morphologie des Gastrointestinaltraktes bei Masthähnchen

Witte, Maximilian

The aim of this study was to investigate the effects of the feed structure on the performance of broilers as well as the digestibility of nutrients. At the same time, possible effects on the health of the gastrointestinal tract (focussed on morphological and histological changes) should be examined on the aforementioned animals. Finally, the results of this study should help to give recommendations concerning feed structure in the field (considering performance and health). In three consecutive trials, a total of 300 male broilers (Ross 708) were randomly allotted into 4 groups à 25 animals at day 7 after hatch and fed four differently structured diets. All individuals were weighed weekly, feed and water intake were measured daily (group basis). In two of these trials, altogether 10 birds of each group were individually kept in metabolic cages from day 27 to 35 in order to determine apparent digestibility rates (organic matter and starch) of the four different diets at ad libitum feeding. The four diets (based on 64 % wheat and 30 % soy bean meal; without enzymes, coccidiostats or acids) that were used in these trials were chemically and botanically the same, but differed markedly regarding their particle size distribution: At day 21, seven birds were randomly taken out of each group and dissected, the rest were slaughtered at day 35. Gizzard and pancreas of all birds were weighed; samples from intestinal content were taken as well as tissue samples from several parts of the GIT for pathohistological analyses. Furthermore, abnormalities – like dilatations of the proventriculus (PD) – were evaluated macroscopically and examined histologically. The main results of these trials are summarized in the following passages: Performance: ·        no significant differences concerning feed intake were observed (tendentially lowest/ highest amounts of feed per day: pellet whole grain/ pellet coarse) ·        distinct differences regarding bodyweight were detected: broilers fed the diets “pellet fine” and “pellet whole grain” were significantly heavier ·        the values for FCR pointed no significant differences between the groups, but the finely ground diets showed more favourable values (about 0.1 lower) Apparent digestibility of nutrients (OM, starch): ·        nearly identical values for the apparent digestibility of organic matter despite the marked differences concerning feed structure between the groups ·        although birds from the group “pellet whole grain” showed high performances, the apparent digestibility for starch determined in this group was the lowest. Morphology/health of the gastrointestinal tract: ·        the strongest development of the mass of the gizzard was seen in group “pellet coarse”, but this was not due to a thicker Tunica muscularis of the gizzard ·        significant differences concerning the relative mass of the pancreas were detected, these values corresponded to the values of the gizzard (physiological linkage?) ·        the highest occurrence of dilatation of the proventriculus (a disease associated to a fine feed structure) was evaluated in group “pellet fine”. Furthermore, atrophy of the deep glands and fibrosis were detected in this group Conclusions: Dealing with the results from this study, young broilers (older than 7 days) can utilize a diet with a coarser feed structure effectively, in other words convert it into performance. The different feed structure did not only affect the performances, but also the anatomy (related to bodyweight), the function (see pancreas) and the health (dysfunction/dilatation) of the gastrointestinal tract. According to older descriptions, the diet that showed the finest feed structure caused a high frequency of proventricular dilatation as well as the worst manifestations of this disease. Probably proventricular dilatation is not recognized in many cases in the field, because “sudden death in terms of cardiovascular collaps” is often diagnosed without dissection. Thinking about possible savings in feed production when parts of the diet are used unground, the currently common feed structure (finely ground and afterwards pelleted) has to be checked critically. Prospectively, a coarser feed structure or the incorporation of whole/unground grain into the diet before compaction could be an alternative.

Ziel der hier vorliegenden Studie waren Aussagen zum Einfluss der Futterstruktur auf die Leistung der Tiere sowie die Verdaulichkeit des Futters. Parallel dazu sollten an denselben Tieren auch mögliche Effekte auf die Gesundheit des Gastrointestinaltraktes geprüft werden, und zwar fokussiert auf etwaige morphologische und histologische Veränderungen. Letztendlich zielte die vorliegende Studie auf Empfehlungen zur Futterstruktur für die Praxis (unter gleichzeitiger Berücksichtigung von Leistung und Gesundheit). Es wurden insgesamt 300 männlichen Broilern (Linie Ross 708) in 3 aufeinanderfolgenden Durchgängen (je 4 Gruppen à 25 Tiere) von Lebenstag 8-35 eine der weiter unten beschriebenen Mischfuttervarianten angeboten. Täglich wurden die Futter- und Wasseraufnahme (je Gruppe), wöchentlich die Körpermasse (KM; individuelle Werte) bestimmt. Zwischen LT 27-35 wurden insgesamt 10 Tiere pro MF-Variante in 2 aufeinanderfolgenden Studien zur Bestimmung der Verdaulichkeit (organische Substanz, Stärke) unter den Bedingungen einer ad libitum-Fütterung einzeln aufgestallt. Es kamen insgesamt 4 Mischfuttermittel (MF; Basis: 64 % Weizen und 30 % Sojaextraktionsschrot; ohne Enzymzusätze, ohne Kokzidiostatikum, ohne Säuren) zum Einsatz, die botanisch und chemisch identisch waren, sich aber hinsichtlich ihrer „Struktur“ deutlich unterschieden: Am LT 21 wurden 7 Tiere pro Gruppe, die verbliebenen Tiere am Mastende (Tag 35) entnommen und seziert. Von allen Tieren wurden die Massen des Muskelmagens und Pankreas bestimmt, sowie Chymus- und Gewebeproben für histologische Untersuchungen aus verschiedenen Abschnitten des GIT entnommen. Zusätzlich wurden Auffälligkeiten - wie etwa Dilatationen des Drüsenmagens (DM) - makroskopisch bewertet und histomorphologisch näher untersucht. Die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit werden im Folgenden zusammengefasst: Leistung der Tiere: · Bezüglich der Futteraufnahme ergaben sich keine signifikanten Unterschiede, (tendenziell höchste/ niedrigste Werte: Pellet mit Korn/ Pellet grob). · Hinsichtlich der Körpermasse waren deutliche Unterschiede zu erkennen, Tiere aus den Gruppen „Pellet mit Korn“ und „Pellet fein“ waren signifikant schwerer. · Der Futteraufwand unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant, jedoch wiesen die fein vermahlenen MF-Varianten einen um etwa 0,1 günstigeren Wert auf. Verdaulichkeit (VQ) von Nährstoffen (oS, Stärke): · Nahezu identische Verdaulichkeit der organischen Substanz in den verschiedenen Gruppen trotz erheblicher Unterschiede in der Futterstruktur · Obwohl Tiere aus der Gruppe „Pellet mit Korn“ hohe Leistungen zeigten, wies diese Gruppe den niedrigsten Wert bezüglich der Stärkeverdaulichkeit auf. Morphologie/ Gesundheit des Magen-Darm-Traktes: · Stärkste Entwicklung der Muskelmagenmasse bei Tieren der Gruppe „Pellet grob“; dies beruhte aber nicht auf einer einfachen Zunahme der Tunica muscularis, sondern betraf das Organ insgesamt. · Signifikante Unterschiede in der Pankreasmasse, die Werte korrelierten u.a. mit denen des Muskelmagens (physiologische Kopplung?) · Häufiges Vorkommen von Drüsenmagendilatationen (= mit feinster Futterstruktur assoziierter Krankheitskomplex) in der Gruppe “Pellet fein”, dort zeigte sich v.a. eine Atrophie der tiefen Propriadrüsen mit darauf folgender Fibrose. Schlussfolgerungen: Junge Broiler (ab der 2. Lebenswoche) sind nach den vorliegenden Untersuchungen sehr wohl in der Lage, auch ein „gröberes“ Mischfutter effektiv zu verwerten, d.h. in Leistung umzusetzen. Die unterschiedliche Futterstruktur beeinflusste dabei aber nicht nur die Leistung, sondern in erheblichem Maße auch den Magen-Darm-Trakt insgesamt, d.h. in seiner anatomischen Ausprägung (in Relation zur Körpermasse), seiner Funktion (s. Pankreas) und in der Gesundheit (Dysfunktion/ Dilatation). Wie schon vor Jahrzehnten erstmalig beschrieben, führte die strukturell „feinste“ MF-Variante zu einer erheblichen Frequenz und Ausprägung der PD, die vermutlich in der Praxis nicht selten übersehen wird (unterbliebene Sektion von plötzlich in der letzten Mastwoche verendeten Broilern). Bedenkt man zusätzlich die möglichen Einsparungen, wenn erhebliche Anteile des Mischfutters unbearbeitet genutzt werden, so ist die bisher übliche Mischfutterstruktur (erst feinste Vermahlung, dann Pelletierung) zumindest kritisch zu hinterfragen. Eine zukunftsträchtige Alternative liegt vielleicht in einer insgesamt gröberen MF-Struktur bzw. der Einbringung ganzen/ intakten Getreides in das MF vor der eigentlichen Kompaktierung.

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Witte, Maximilian: Zur Bedeutung einer unterschiedlichen Mischfutterstruktur (Vermahlungsart/-intensität, Konfektionierung) für die Leistung, Verdaulichkeit des Futters und Morphologie des Gastrointestinaltraktes bei Masthähnchen. Hannover 2012. Tierärztliche Hochschule.

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