Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Evaluierung des Tonovet-Reboundtonometers im Vergleich zum Tonopen Vet-Applanationstonometer in der klinischen Anwendung bei augengesunden und augenerkrankten Hunden und Katzen

Spiessen, Lena Katharina

In recent years, the Tonovet® rebound tonometer has been used with increasing popularity next to the well established Tonopen Vet® applanation tonometer for the assessment of intraocular pressure (IOP) in dogs and cats. In light of this development the present prospective, clinical trial pursued the aim of evaluating the Tonovet® in comparison to the Tonopen Vet® in 100 ophthalmologically healthy dogs and cats. For the Tonovet® the potential impact of handling errors likely to occur in a clinical setting was examined in detail. Furthermore, 26 glaucomatous globes were used to compare measurement performance of both tonometers in the hypertensive pressure range while interference of focal corneal pathology on measurement results was assessed for both the Tonovet® and the Tonopen Vet® in 29 patients. The comparison of the two tonometers yielded results matching those of previous studies regarding clinical applicability and measurement performance in healthy canine and feline individuals. Based on the subjects studied, the Tonovet® yielded mean IOP values of 13,7 mmHg in dogs and 16,7 mmHg in cats. Mean IOP as measured by the Tonopen Vet® was 12,9 mmHg in dogs and 17,3 mmHg in cats. The difference in measurement results between the two tonometers was of high statistical significance in dogs. Incorrect positioning of the Tonovet® significantly affects measurement results. Compared to reference measurement, directing the Tonovet® onto the peripheral cornea (approximately 1,5 mm from the limbus) as well as reducing the measuring distance to less than 4 mm resulted in IOP readings elevated by a mean of 0,9 and 1,7 mmHg respectively. Substantial underestimation of IOP occurs with angular deviation of the measuring axis. An impact angle of 45° yielded IOP values reduced by a mean of 6,5mmHg. These observations should be taken into account by the examiner, who will often find himself confronted with spontaneous movement of the head or bulbi in an unsedated animal. In a larger number of glaucomatous eyes, the Tonovet® consistently yielded higher values of IOP than the Tonopen Vet® as can be quantified by the regression equation IOP(Tonovet®) [mmHg] = 1,12 * IOP(Tonopen Vet®) [mmHg] + 11,5. An increase in the divergence of measurement results could be observed with increasing IOP. In eyes with focal corneal pathology (e.g. corneal scarring, edema, pigmentation) the deviation in IOP resulting from measurements on altered cornea ranged from -6 to 16 mmHg for the Tonovet® and -7 to 20 mmHg for the Tonopen Vet® respectively, depending on the type and degree of corneal pathology. On average, the effect of corneal disease on IOP measurements was lower for the Tonovet® by 1,14 mmHg. Altogether the present study was able to confirm the Tonovet® reboundtonometer in its role as a valuable alternative to established applanation tonometry for the clinical use in dogs and cats. When using the Tonovet® in a clinical setting, correct positioning of the device should be attempted to avoid false IOP readings. Particular care should be taken to avoid tilting the measuring axis, while the effect of distance and localisation appears to be within clinically acceptable limits. Corneal pathology has considerable influence on both tonometers due to the alteration of biomechanical properties of the cornea inflicted by various corneal pathologies. Therefore IOP measurements with any of the two tonometers should be conducted on healthy corneal tissue where possible. In patients suffering from glaucoma, the same type of tonometer should be used for follow-up examinations, as measurement results of the Tonovet® and the Tonopen Vet® differ substantially with increasing IOP.

Zur Messung des Augeninnendrucks bei Hund und Katze kommt in den letzten Jahren neben dem bereits etablierten Tonopen Vet®-Applanationstonometer zunehmend das Tonovet®-Reboundtonometer zur Anwendung. Angesichts dieser Entwicklung war es Ziel der vorliegenden Studie, das Tonovet® in einer prospektiven, klinischen Untersuchung hinsichtlich seiner Anwendung bei 100 augengesunden Hunden und Katzen im Vergleich zum Tonopen Vet® zu evaluieren. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf eine mögliche Beeinflussung der Messungen mittels Tonovet® durch ein von der Herstellerempfehlung abweichendes Handling des Gerätes gerichtet, wie es unter Praxisbedingungen leicht vorkommen kann. Darüber hinaus wurde das Messverhalten beider Tonometer an 26 Glaukompatienten sowie hinsichtlich des Einflusses einer veränderten Hornhautstruktur an 29 Hunden und Katzen mit fokaler Korneapathologie untersucht. Im Vergleich der beiden Geräte konnten Ergebnisse vorangegangener Untersuchungen bestätigt werden. Es zeigte sich, dass  sich die Messwerte beider Tonometer statistisch hochsignifikant unterscheiden. Anhand der untersuchten Hundepopulation ergaben sich für das Tonovet® Augeninnendruckwerte, die im Mittel bei 13,7 mmHg und damit um 0,8 mmHg höher lagen, als die Werte des Tonopen Vet®. Im Gegensatz hierzu lagen die Messwerte des Tonovet® für die untersuchte Katzenpopulation im Mittel bei 16,7 mmHg, für den Tonopen Vet® bei 17,3 mmHg. Ein von der Herstellerempfehlung abweichendes Handling des Tonovet® beeinflusst die Messung des Augeninnendrucks höchst signifikant. Im Vergleich zur Referenzmessung ergeben sich für periphere Messlokalisationen und einen verringerten Messabstand mittlere Abweichungen von 0,9 bzw. 1,7 mmHg nach oben. Hingegen führt das Abkippen der Messachse zu einer klinisch relevanten Reduktion der Augeninnendruckwerte. Für einen  Auftreffwinkel von 45° liegt der Differenzbetrag im Mittel bei 6,5 mmHg. Dies ist in der Anwendungssituation am unsedierten Patienten vom Untersucher hinsichtlich der Interpretation der gemessenen Druckwerte zu beachten. Die vergleichenden Messungen an klinisch glaukomerkrankten Augen konnten zeigen, dass die Messwerte der beiden Tonometer mit steigendem Augeninnendruck stark divergieren. Hierbei ergaben sich mittels Tonovet® durchgehend höhere Messwerte als mit dem Tonopen Vet®. Dieser Sachverhalt wird anhand der Regressionsgleichung IOD(Tonovet®)[mmHg] =  1,12 * IOD(Tonopen Vet®)[mmHg] + 11,5 veranschaulicht. Bei Patienten mit fokal ausgeprägten Korneaveränderungen (z.B. Ödem, Narbe, Pigmentierung) ergaben sich abhängig von Art und Ausmaß der Veränderungen für die Messungen auf pathologischer Kornea Abweichungen von -6 bis 16 mmHg für den Tonovet® und -7 bis 20 mmHg für den Tonopen Vet® im Vergleich zu den Ergebnissen der Referenzmessung auf unveränderter Hornhaut. Im Mittel war der Effekt der veränderten Kornea auf die Messwerte beim Tonovet® um 1,14 mmHg kleiner. Insgesamt konnte die vorliegende Arbeit den Tonovet® in seiner Rolle als praktikable Alternative zum bereits etablierten Tonopen Vet® in der Anwendung bei Hund und Katze bestätigen. Jedoch ist im Rahmen der klinischen Anwendung zu bedenken, dass eine von den Vorgaben des Herstellers abweichende Positionierung des Gerätes eine mitunter relevante Beeinflussung der Messergebnisse zur Folge haben kann. Für beide Tonometer ist zu beachten, dass bei veränderter Korneastruktur, wie sie im Rahmen von bestimmten okulären Krankheitsbildern auftritt, mit einer Verfälschung der Messwerte gerechnet werden muss. Daher ist die Augeninnendruckmessung nach Möglichkeit auf unveränderter Kornea vorzunehmen. Für die Diagnostik und Kontrolle des Therapieerfolges beim Glaukompatienten sollte immer der gleiche Tonometertyp  verwendet werden, da ein direkter Vergleich der Messwerte von Tonovet® und Tonopen Vet® insbesondere im hypertensiven Bereich nicht möglich ist.

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Spiessen, Lena Katharina: Evaluierung des Tonovet-Reboundtonometers im Vergleich zum Tonopen Vet-Applanationstonometer in der klinischen Anwendung bei augengesunden und augenerkrankten Hunden und Katzen. Hannover 2012. Tierärztliche Hochschule.

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