Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Victoria Ruhe

 

Diagnostik und Therapie des kaninen Hypoadrenokortizismus

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-94809

title (engl.)

Diagnosis and therapy of canine hypoadrenocorticism

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2007

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/ruhev_ws07.pdf

abstract (deutsch)

Der Hypoadrenokortizismus ist eine seltene Endokrinopathie des Hundes. Infolge seiner unspezifischen Symptomatik erfolgt bei betroffenen Tieren die differentialdiagnostische Berücksichtigung anderer, mit größerer Häufigkeit auftretender Erkrankungen. Dagegen wird die Verdachtsdiagnose einer Nebennierenrindeninsuffizienz nur selten erhoben. Da es sich um eine progressive, potentiell lebensbedrohliche Erkrankung handelt, kann eine unterbleibende Behandlung zu einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens bis hin zum Versterben des Patienten führen.

Ziel dieser Studie war es, solche klinischen und diagnostischen Parameter zu erheben, die bei an einem Hypoadrenokortizismus erkrankten Hunden häufig verändert sind und zukünftig der Verbesserung seiner Erkennung dienen können. Zu diesem Zweck wurde an der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover ein großes Patientenkollektiv, das sich aus idiopathischen (n=79) sowie iatrogenen (n=21) Erkrankungsfällen zusammensetzte, ausgewertet. Der Schwerpunkt der Betrachtung lag auf der Anamnese sowie den Ergebnissen der hämatologischen, röntgenologischen, ultrasonographischen, elektrokardiographischen und endokrinologischen Untersuchungen. Indessen fanden der Krankheitsverlauf und Therapieerfolg nur in begrenztem Umfang Eingang in die Arbeit. Unter vergleichender Betrachtung der Aldosteronkonzentrationen nebennierenrindeninsuffizienter und gesunder Hunde wurde darüber hinaus ein möglicher Nutzen der Hormonbestimmung in der Diagnostik des Hypoadrenokortizismus diskutiert.

In der Gruppe der an einer idiopathischen Nebennierenrindenunterfunktion erkrankten Hunde konnte eine höhere Prävalenz verschiedener Terrierrassen festgestellt werden. Unter ihnen war der West Highland White Terrier mit 11,4 Prozent der Erkrankten am häufigsten vertreten. Der Anteil weiblicher Hunde überwog mit 64,6 Prozent gegenüber dem der Männlichen. Die Patienten gehörten der jungen bis mittleren Altersgruppe (Median: 5 Jahre) an. Der Krankheitsverlauf war chronisch progressiv, wobei die Tiere anamnestisch Schwäche, nachlassende Kondition, Apathie und Zittern zeigten. Außerdem litten mehr als 80 Prozent der Hunde unter gastrointestinalen Symptomen, die in Anorexie, Gewichtsverlust, Vomitus und Diarrhö bestanden. In der klinischen Allgemeinuntersuchung wurden Mattigkeit, Schwäche, Apathie, Zittern, Gewichtsverlust und Dehydratation festgestellt. Das breite Spektrum weiterführender Diagnostik deckte eine Vielzahl zum Teil unbeständig auftretender Veränderungen auf. Abweichende Befunde konnten mit großer Übereinstimmung in der hämatologischen Untersuchung festgestellt werden. Im Differentialblutbild zeigten sich eine Leukozytose, Lymphozytose, Eosinophilie und Neutrophilie sowie eine Anämie. Mehr als
90 Prozent der Hunde wiesen eine Hyponatriämie, Hyperkaliämie sowie ein verringertes Natrium-Kalium-Verhältnis (Median: 18,1) auf. Eine Azotämie bestand bei über 90 Prozent der Erkrankten, wobei die Harnstoffkonzentrationen häufiger und gravierender als die des Kreatinins verändert waren. Die Verdachtsdiagnose eines Hypoadrenokortizismus konnte mit Hilfe des Nebennierenrindenstimulationstests bestätigt werden. Die basalen Kortisolkonzentrationen stellten sich verringert dar, der Konzentrationsanstieg nach Applikation des exogenen Adrenokortikotropen Hormons unterblieb oder war geringer als physiologisch. Die Konzentrationsmessung des endogenen Adrenokortikotropen Hormons (ACTH) untermauerte bei allen in dieser Studie diesbezüglich untersuchten Hunden die Diagnose einer primären Nebennierenrindenunterfunktion.

Die in dieser Studie ermittelte mediane Überlebenszeit nebennierenrindeninsuffizienter Hunde betrug 667 Tage (1,8 Jahre). Von den hinsichtlich ihres Einflusses auf die Überlebenszeit untersuchten Parametern erwies sich die Natriumionenkonzentration als signifikant (p=0,020). Bei einer Natriumionenkonzentration von unter 129 mmol/l war die Überlebenszeit (455 Tage) signifikant kürzer (p=0,0175) als bei einer Konzentration von über 129 mmol/l (2275 Tage).

Die in dieser Arbeit ermittelten Unterschiede zwischen den an einem idiopathischen und iatrogenen Hypoadrenokortizismus erkrankten Hunden erstreckten sich auf die Rasse- und Altersverteilung. Die an der iatrogenen Form erkrankten Tiere gehörten vorrangig der Rasse Pudel an (38,1%) und waren älter (Median: 9 Jahre). Hingegen zeigten die Patienten beider Erkrankungsgruppen sowohl anamnestisch, als auch in der klinischen Untersuchung eine vergleichbare Symptomatik. Bei den iatrogenen Erkrankungsfällen traten ebenfalls eine Veränderung der Elektrolytkonzentrationen und eine Azotämie auf. Die Häufigkeit des Vorkommens und das Ausmaß dieser pathologischen Veränderungen lagen jedoch signifikant unter dem der idiopathischen Erkrankungsgruppe. Die Absicherung der Verdachtsdiagnose eines Hypoadrenokortizismus wurde auch bei diesen Tieren mittels des Stimulationstests vorgenommen. Zwar zeigten die an der iatrogenen Form erkrankten Hunde höhere Kortisolkonzentrationen, der Konzentrationsanstieg blieb jedoch ebenfalls unter der Norm.

Die Messung der Aldosteronkonzentration im Nebennierenrindenstimulationstest erwies sich bei den in dieser Studie untersuchten idiopathischen Krankheitsfällen von klinischem Nutzen. Die basalen und stimulierten Hormonkonzentrationen der nebennierenrindeninsuffizienten Hunde (Median: 1,0 bzw. 1,0 ng/dl) stellten sich infolge der auch die mineralokortikoidsynthetisierenden Zone der Nebennierenrinde betreffenden Schädigung deutlich niedriger dar als die in der gesunden Kontrollgruppe (Median: 3,35 bzw. 21,1 ng/dl) erhobenen.

Die vorliegende Studie verdeutlicht, dass die Verdachtsdiagnose des idiopathischen und iatrogenen Hypoadrenokortizismus basierend auf einer sorgsamen Anamnese, klinischen sowie hämatologischen und chemischen Untersuchungen erhoben werden kann. Ihre Absicherung kann unter Durchführung des Nebennierenrindenstimulationstests, im Rahmen dessen sowohl die Kortisol-, als auch die Aldosteronkonzentrationen gemessen werden können, mit großer Sicherheit erfolgen.

Weitere Studien sind erforderlich, um die Ergebnisse dieser Studie zu bestätigen.

 

abstract (englisch)

Hypoadrenocorticism is a rare endocrine disorder in dogs. Due to its unspecific clinical symptoms, other more commonly encountered conditions are considered in the differential diagnoses. Only rarely the suspicion of adrenal insufficiency is raised. Because of the progressive and potentially lethal course of this disease, delayed diagnosis and treatment may lead to a further worsening of symptoms or even the death of the patient.

The aim of this study was to investigate the clinical and diagnostic parameters in dogs with hypoadrenocorticism in order to improve the diagnostic efficacy. A population of 100 hypoadrenal dogs were examined at the Small Animal Clinic of the University of Veterinary Medicine, Hanover. The data of the population, divided in an idiopathic (n=79) and iatrogenic (n=21) group, were analysed. The main attention was paid on the anamnesis as well as the results of the haematological, radiological, sonographic, electrocardiographic and endocrinologic investigations. Process of the disease and therapeutic success was discussed to a limited extent in this study. The potential benefits of the evaluation of aldosterone levels in the diagnosis of hypoadrenocorticism has been discussed, comparing aldosterone concentrations of hypoadrenal and healthy dogs.

In the group of dogs with idiopathic adrenal insufficiency, a higher prevalence in members of the terrier breed was found. From the affected animals the West Highland White Terrier, was most frequently encountered (11.4%). The majority of dogs were of female gender (64.6%) and of young or middle age (median: 5 years). The aetiopathology was chronically progressive with a history of weakness, decreasing physical fitness, lethargy and tremors. In addition, more than 80% showed gastro-intestinal symptoms such as anorexia, weight loss, vomiting and diarrhoea.

On general examination, faintness, weakness, apathy, tremors, weight loss and dehydration were found. Further investigations revealed a number of variable findings. On the haematological examinations, highly consistent abnormal findings were encountered. The complete blood count showed leukocytosis, lymphocytosis, eosinophilia and neutrophilia. More than 90% of the affected dogs were hyponatraemic and hyperkalaemic wih a decreased sodium-potassium ratio (median: 18.1). Azotaemia was encountered in 90% of the patients, urea concentrations were more commonly and severely increased than those of creatinine. The suspected diagnosis of hypoadrenocorticism was confirmed by adrenal cortical stimulation tests. Basal cortisol concentrations were decreased, with no or subphysiological increase after the application of exogenic adrenocorticotropic hormone (ACTH). Measurement of the concentrations of endogenic adrenocorticotrophic hormone supported the diagnosis of primary adrenal insufficiency in all cases tested in this study.

The median survival time of dogs with primary idiopathic hypoadrenocorticism, as established in this study, was 667 days. As a significant parameter influencing the survival time(p=0.020), the sodium ion concentration was evaluated. A sodium concentration at the time of diagnosis of less than 129,0 mmol/l was related to a significantly (p=0.0175) reduced survival time (455 days) compared to concentrations above 129,0 mmol/l (2275 days).

The differences between idiopathic and iatrogenic hypoadrenocorticism in dogs, outlined in this research, concerned the distribution of breed and age. Animals suffering from the iatrogenic form belonged mainly to the poodle breed (38.1%) and were older (median:
9 years). However, concerning anamnesis and clinical examination, both groups showed a similar pathology. Also in iatrogenic hypoadrenocorticism, abnormalities in electrolyte levels and azotaemia were found. However, prevalence and extent of these pathological changes were significantly lower than those encountered in the idiopathic form. Like the other group, the hypoadrenocorticism was confirmed by adrenal cortical stimulation tests. Although the cortisol concentrations were higher in iatrogenic cases, the increase in concentration remained subnormal, too.

The measurements of aldosterone concentrations by means of adrenal stimulation tests were of clinical value. As far as the adrenal mineralocortico-synthesising zone is also affected, the basal and stimulated hormone concentrations of the hypoadrenal dogs (median:
1.0 ng/dl) were notable lower than those of the healthy control group (median: 3.35 and 21.1 ng/dl respectively).

The present study suggests that a tentative diagnosis of idiopathic and iatrogenic hypoadrenocorticism, based on a careful anamesis as well as clinical, haematological and chemical investigations, is possible. Adrenal cortical stimulation tests and evaluation of both cortisol and aldosterone levels allows a definite diagnosis.

Further studies are required to underline these findings.

 

keywords

Hypoadrenokortizismus, Hund, Diagnostik; Hypoadrenocorticism, dog, diagnosis

kb

1.243