Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Jennifer Eubel

 

Orientierende Untersuchungen zum Einflusses von Haltung, Hygiene und Luftqualität auf die Atemwegsgesundheit von Fohlen in vier deutschen Zuchtbetrieben

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-88386

title (engl.)

Orientating investigation on the influence of housing, hygiene and air quality on the respiratory health of foals in four German studs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2004

text

/dissertations/eubelj_ss04.pdf

abstract (deutsch)

Luftverunreinigungen wie Staub, Mikroorganismen und Gase spielen bei der Entstehung von Atemwegserkrankungen des Pferdes eine entscheidende Rolle. Auch die Temperatur und relative Feuchte der Luft bei Stallhaltung können einen erheblichen Einfluss nehmen. Bisher wurden Untersuchungen zur Luftqualität in Pferdeställen vorwiegend in Betrieben mit adulten Tieren wie zum Beispiel Reit- oder Rennställen durchgeführt. Untersuchungen in Fohlenställen sind dagegen eher sporadisch, obwohl gerade junge Tiere als besonders empfindlich gegenüber "schlechter Stallluft" und Luftverunreinigungen gelten.

In der vorliegenden Arbeit wird daher die Luftqualität (Temperatur, relative Feuchte, Kohlendioxid, Ammoniak, Staub, Endotoxine und Mikroorganismen) direkt (25-30 cm) über der Einstreu im Einatembereich des liegenden Fohlens in vier verschiedenen Praxisbetrieben untersucht.

Für die Temperatur und Luftfeuchtigkeit wurde jede Stunde in jedem Stall ein Messwert über den gesamten Beobachtungszeitraum bestimmt. Kohlendioxid, Ammoniak, Staub, Endotoxine und Mikroorganismen wurden jeweils alle vier Wochen stets zur selben Tageszeit vor Beginn der Stallarbeiten (7.00-8.30 Uhr) ermittelt. Zusätzlich wurden Kriterien des Stallbaus und des Managements in den vier Betrieben erfasst. Alle Fohlen wurden regelmäßig klinisch untersucht und die jeweils durchgeführten Therapien registriert. Luftqualität, Haltungsbedingungen, Management und Erkrankungshäufigkeit wurden versucht in Beziehung zu setzen.

In Betrieb 1 mit Boxen von nur 13 m2 Größe und mit 59 m3 Luftvolumen pro Mutterstute mit Fohlen sowie einer Matratzeneinstreu, die nur einmal pro Jahr ausgeräumt wurde, wiesen alle Fohlen Erkrankungen der Atemwege auf. Die Boxen von Betrieb 2 hatten zwar mit 12 m2 die geringste Größe, wiesen aber ein Luftvolumen von 66 m3 je Mutterstute mit Fohlen auf. Nasse Einstreu und Kot wurden täglich entfernt und der Boxenboden gefegt. Dennoch erkrankten auch hier alle Fohlen an Affektionen der oberen Atemwege mit Husten und Nasenausfluss. In den Betrieben 3 und 4 standen den Tieren mit 16 m2 und 19 m2 je Box und 66 m3 und 95 m3 Luftvolumen je Mutterstute mit Fohlen eine jeweils deutlich größere Fläche und ein größeres Stallraumvolumen zur Verfügung. Das Reinigungsregime sah die tägliche vollständige Entfernung von Kot und Harn vor. In diesen Betrieben erkrankte kein Fohlen an Atemwegsbeschwerden. Allerdings wurden in den Betrieben auch nur wenige Tiere gehalten und es herrschte dort kein Deckbetrieb, so dass von einer weitgehenden Abschirmung der Fohlen von Fremdeinflüssen gesprochen werden kann.

Die höchsten Gesamtstaubkonzentrationen wurden in Betrieb 1 mit im Mittel 2,13 mg/m3 angetroffen. Dagegen wurden in den übrigen drei Betrieben nur Mittelwerte bis 0,55 mg/m3 (Betrieb 2: 0,32 mg/m3; Betrieb 3: 0,18 mg/m3; Betrieb 4: 0,55 mg/m3) gemessen.

In Betrieb 1 wurde auch der höchste mittlere Keimgehalt mit 145.055 KbE/m3 ermittelt. Die übrigen Betriebe wiesen 7.453 KbE/m3 (Betrieb 2), 17.793 KbE/m3 (Betrieb 3) und 47.422 KbE/m3 ( Betrieb 4) auf.

Die Ammoniakkonzentrationen lagen in den Betrieben zwischen 1 und 10 ppm mit Ausnahme von Betrieb 3 in den warmen Sommermonaten (erreichte Werte bis maximal 14 ppm) und blieben damit unter dem allgemein empfohlenen Richtwert von 10 ppm. Maximale Kohlendioxidkonzentrationen von 0,06 Vol %, die in den Sommermonaten in den Betrieben 2, 3 und 4 erreicht worden sind, lagen weit unter den von ZEITLER et al. (1984) als oberen Grenzwert für Pferdeställe geforderten 0,1 Vol %.

Der starke Tierverkehr während der Zuchtsaison in den Betrieben 1 und 2 mit Kontakten zu betriebsfremden Tieren hat vermutlich das Infektionsgeschehen bei den Fohlen nachteilig beeinflusst, obwohl diese Tiere in anderen Stallkomplexen untergebracht waren. Sie wurden aber vom gleichen Stallpersonal betreut.

Die schwerwiegensten Erkrankungen der Atmungsorgane traten in Betrieb 1 auf. 13 Fohlen (etwa 1/3 des Bestandes) wiesen auch eine Infektion der unteren Atemwege auf, in deren Verlauf es zu einem Todesfall kam. In Betrieb 2 waren alle Fohlen altersunabhängig im Spätsommer bis Herbst an einer Infektion der oberen Atemwege erkrankt, die eher nicht schwerwiegend verlief. Es ist davon auszugehen, dass in beiden Betrieben die direkte Übertragung von Tier zu Tier den Hauptinfektionsweg darstellt. Atemwegserkrankungen stellten dagegen in den Betrieben 3 und 4 keinerlei Probleme dar.

Als Erkenntnis dieser einfachen Felderhebung ist zur Vermeidung von Atemwegs-erkrankungen bei Fohlen eine konsequente Stallhygiene mit regelmäßigem, mindestens täglichem Entfernen von Kot und nasser Einstreu, keine Matratzenhaltung, Schaffung einer ausreichenden Frischluftversorgung im Einatembereich der liegenden Fohlen und ganz wesentlich die Ausschaltung des Kontakts der jungen Fohlen mit Tieren aus Fremdbeständen – auch nicht indirekt über Stallpersonal, Kleidung und ähnliche Überträge – dringend empfohlen.

 

abstract (englisch)

Air pollutions such as dust, microorganisms and gases have an important influence on the formation of respiratory diseases of the horse. The same is true for inadequate temperature and relative humidity of the air in horse stables. Most air quality investigations took place in stables with adult horses such as sport or racing horses. On the other hand especially young foals are sensitive against poor air quality and air pollutants.

Therefore, in this study air quality (temperature, relative humidity, carbon dioxide, ammonia, dust, endotoxins and microorganisms) was directly assessed above the bedding (25-30 cm), in the inhalation zone of the lying foal. The study was carried out in four different German studs under practical conditions.

 

Temperature and humidity were measured on an hourly basis in each of the four stables throughout the study period. Measurements of carbon dioxide, ammonia, dust, endotoxins and microorganisms were carried out every four weeks at the same time of the day (7.00-8.30 a.m.) in the morning before the cleaning and horse handling started. All typical characteristics of construction and management of the stables were regarded. The health status of the foals was regularly inspected and all necessary treatments were recorded. Air quality, housing conditions, management and the disease prevalence were put in relation.

 

In stud 1 with box sizes of only 13 m2 and an air volume of 59 m3 per mare and foal and a mat bedding, which is completely taken out only once a year, all foals showed respiratory problems. Stud 2 had the smallest box sizes of 12 m2 only, but showed an air volume of 66 m3 per mare and foal. Wet bedding and faeces were removed daily and the floor was carefully sweeped. Nevertheless, all foals developed infections of the upper respiratory system with coughing and nasal discharge. In stud 3 and 4 having box sizes of 16 m2 respectively 19 m2 per mare and foal and 66 m3 respectively 95 m3 air volume a distinctly larger area and stable volume was available for the animals. The cleaning management provided a daily removal of faeces and urine. In these studs no respiratory diseases of the foals appeared. However in these studs there were just a few animals and no covering took place, which was a good shielding to strange influences.

 

The highest total dust concentrations in the air have been found in stud 1 with an average of 2,13 mg/m3, compared to the other studs displaying mean values of dust up to 0,55 mg/m3 (stud 2: 0,32 mg/m3; stud 3: 0,18 mg/m3; Stud 4: 0,55 mg/m3).

In stud 1 also the highest average number of airborne microorganisms with 145.055 CFU/m3 were found compared to other studs showing 7.453 CFU/m3 (stud 2), 17.793 CFU/m3 (stud 3) and 47.422 CFU/m3 (stud 4).

The concentration of ammonia in all studs was between 1 and 10 ppm with an exception of stud 1 during the warm summer months (maximum concentrations of 14 ppm) and so remained below the recommended guide value of 10 ppm. Maximum carbon dioxide concentrations of 0,06 Vol.% which were reached during the summer months in stud 2,3 and 4 were still far under the for horse stables demanded 0,1 Vol.% (ZEITLER et al., 1984).

The frequent visits of horses from other studs during the breeding season in stud 1 and 2 had presumably a negative influence on the health of the foals although the animals have been accommodated in different stables. But they had been looked after by the same staff.

In stud 1 the most serious diseases of the respiratory system were observed. 13 foals (about 1/3 of the foals) showed infections of the lower respiratory tract, one foal died. In stud 2 all foals developed a medium severe infection of the upper respiratory tract during the late summer and autumn independent of their age, none was serious. In both studs (1 and 2) the direct contact from animal to animal could been seen as the major route of infection. Respiratory tract diseases have been no problem in stud 3 and 4.

The results of this orientating study can be summarized as follows: In order to avoid respiratory diseases in foals it is crucial to implement regular hygiene regimes including removal of faeces and wet bedding. Mat bedding should be avoided especially for foals. Provide fresh air in the inhalation area of the lying foal and avoid the contact of the young foal with animals of other stocks. It is equally important that no indirect contact through staff, clothes and similar carrier takes place.

 

keywords

Fohlen, Luftqualität, Atemwegserkrankungen, foals, air quality, respiratory diseases

kb

446