Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Die "Neue Tierpsychologie" und ihre wissenschaftlichen Vertreter

Berg, Britt

The subject of this doctoral thesis deals with the history and development of animal psychology with special reference to the period from 1903-1945. The beginning of the theoretical discussion reaches far back in time to the dawn of civilisation. Animal psychology has its roots in philosophy not in zoology. Therefore, its history is characterized by extreme controversies shown in the acceptance or rejection of animals having a soul. At the beginning of the 20th century this humanisation led to the phenomenon of the “particularly gifted animals” which were taught to solve math problems and gave the answers to questions by tapping with the help of a “tapping alphabet”. Simultaneously, at the End of the 19th century animal psychology was influenced by new experiments to find objective methods for describing animal behaviour. Various concepts were developed parallely which ended up in different “schools”: the mechanists, the purposivists, the vitalists and the behaviourists. Another discipline of animal psychology was founded by Charles Otis Whitman and Oskar Heinroth at the beginning of the 20th century. Konrad Lorenz recognized the significance of the scientific research of all the different “schools”. A new biologically oriented discipline started to arise which departed more and more from the traditional animal psychology. In the 1930th animal protection and animal psychology grew up under the patronage of the Nazi government. After World War II the term “animal psychology” vanished from scientific use, was replaced by “ethology” and “comparative behaviour” but raised up again in the 1990th under new aspects and became actual again.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung der Tierpsychologie, insbesondere im Zeitraum von 1903 bis 1945. Die Tierpsychologie hat ihre Wurzeln nicht in der Zoologie, sondern in der Philosophie. Daher ist ihre Geschichte geprägt von extremen Auseinandersetzungen, die durch Anerkennung oder Ablehnung einer Tierseele gekennzeichnet war und ist. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gipfelte die Vermenschlichung der Tiere in dem kuriosen Phänomen der „rechnenden und zählenden Tiere“. Mit Hilfe eines sog. „Klopfalphabetes“ wurden Pferden und Hunden das Rechnen und Schreiben beigebracht. Ab Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich verschiedene Richtungen (Schulen) der Tierpsychologie heraus, die lange Zeit nebeneinander bestanden und in erbittertem Meinungsstreit miteinander lagen: die Mechanisten, Purposivisten, Vitalisten und die Behavioristen. Daneben begründeten Charles Otis Whitman und Oskar Heinroth Anfang des 20. Jahrhunderts unabhängig voneinander eine weitere Richtung der Tierpsychologie, die der Grundstein für die moderne Verhaltensforschung werden sollte. Konrad Lorenz kommt das Verdienst zu, die Zusammenhänge der Forschungen der einzelnen Schulen der Tierpsychologie erkannt zu haben. Eine neue, biologisch orientierte Wissenschaftsdisziplin begann sich zu entwickeln, die sich von der „klassischen“ Tierpsychologie immer weiter entfernte. Unter den Nationalsozialisten wurde die Tierpsychologie zusammen mit dem Tierschutz stark gefördert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der Terminus Tierpsychologie weitgehend aus dem wissenschaftlichen Sprachgebrauch und wurde von dem Begriff „Ethologie“ bzw. „Vergleichende Verhaltensforschung“ abgelöst, bis er in den 1990er Jahren unter neuen Gesichtspunkten wieder aktuell wurde.

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Berg, Britt: Die "Neue Tierpsychologie" und ihre wissenschaftlichen Vertreter. Hannover 2008. Tierärztliche Hochschule.

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