Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Birgit Zumbrock

 

Untersuchungen zu möglichen Einflüssen der Rasse auf die Futteraufnahme und – verdaulichkeit, Größe und Füllung des Magen-Darm-Traktes sowie zur Chymusqualität bei Kaninchen

(Deutsche Riesen, Neuseeländer und Zwergkaninchen)

 

title (engl.)

Investigations on potential breed influences on the feed intake, digestibility, size and filling of the gastrointestinal tract as well as on the quality of chyme in rabbits (Belgian Giants, New Zealand White and Dwarf Rabbits)

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2002

text

/dissertations/zumbrockb_2002.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der vorliegenden Untersuchungen war die Überprüfung verschiedener ernährungsphysiologischer

Parameter bei großen, mittelgroßen und kleinen Kaninchenrassen. Es sollte

insbesondere eruiert werden, ob in der Verdauungsphysiologie von Zwergkaninchen - im

Vergleich zu größeren Rassen, von denen allgemein Daten für die Ernährung der

Zwergkaninchen zugrunde gelegt werden - Besonderheiten berücksichtigt werden müssen, um

gegebenenfalls Empfehlungen zur Optimierung der Fütterungspraxis geben zu können.

Vor diesem Hintergrund wurde in drei aufeinanderfolgenden Versuchsphasen die Futteraufnahme,

die Futterverdaulichkeit, Größe und Füllung des Gastrointestinaltraktes sowie die

Chymusqualität und –zusammensetzung (sechs Stunden ppr.) von jeweils fünf adulten

weiblichen Kaninchen einer großen (Deutsche Riesen = DR; KM 7,06 – 7,47 kg), mittleren

(Weiße Neuseeländer = NL; KM 3,83 – 5,15 kg) sowie kleinen Rasse (Zwergkaninchen =

ZK; KM 1,58 – 2,32 kg) untersucht. In Versuchsphase A wurde die Futteraufnahme

(Rhythmik, Dauer, Menge) geprüft. Dabei erfolgte das Futterangebot ad libitum. Die

Futteraufnahmerhythmik wurde modellhaft an zwei pelletierten Futtermitteln (pelletiertes

Alleinfutter = AFp, Grasgrünmehlpellets = GGp) sowie an einem Mischfutter auf der Basis

nativer Komponenten (MFn) ermittelt. Für die Untersuchung der Futteraufnahmedauer und -

menge kamen drei pelletierte Futtermittel (AFp, KGp = kräuterreiche Grünmehlpellets, GGp),

die sich in Rohfasergehalt (17/18/25 %, TS) und Pelletdurchmesser (2,30/9,98/6,45 mm)

unterschieden, sowie ein Mischfutter auf der Basis nativer Komponenten (Rfa: 10,5 %, TS)

zum Einsatz. In Versuchsphase B erfolgte das Futterangebot restriktiv (30 g TS/kg KM), um

mögliche Einflüsse einer unterschiedlichen Futtermenge zu vermeiden. In den Faeces wurde

neben den Rohnährstoffgehalten (Weender Analyse) zusätzlich auch die massenmäßige

Verteilung der Trockensubstanz auf die Fraktionen unterschiedlicher Partikelgrößen im

Hartkot (nasse Siebanalyse, 7 Siebe, Maschenweite: 1,4/1,0/0,8/0,56/0,4/0,2/0,1 mm) gemessen.

Neben dem pH-Wert im Chymus wurden als Parameter der mikrobiellen Aktivität die

Ammoniakkonzentration (ionensensitive Elektrode), Flüchtige Fettsäuren (Gaschromatographie)

sowie der Lipopolysaccharidgehalt (LPS; LAL-Test) bestimmt. Die Verdaulichkeit

der Nährstoffe wurde unter standardisierten Bedingungen mit Gewährung sowie mit

Unterbindung der Caecotrophie (Anlegen eines Halskragens) ermittelt. Getestet wurden

pelletierte Futtermittel (AFp, KGp, GGp) sowie Mischfutter auf der Basis nativer

Komponenten. Heu konnte aufgrund seiner nicht befriedigenden Akzeptanz und den damit

verbundenen hohen Körpermasseverlusten nur mit Gewährung der Caecotrophie angeboten

werden. Im letzten Versuchsabschnitt C wurde eine Untersuchung des Magen-Darm-Traktes

sechs Stunden nach Aufnahme einer standardisierten Futtermenge (10 g TS kräuterreicher

Grünmehlpellets/ kg KM) vorgenommen. Dabei wurden die Masse, die Füllung sowie die

Chymusqualität (TS, massenmäßige Verteilung der Trockensubstanz auf Fraktionen

unterschiedlicher Partikelgrößen im Magenchymus: Siebanalyse; 4 Siebe, Maschenweite:

1,0/0,5/0,25/0,125 mm) und - zusammensetzung (pH-Wert, Gehalt an Ammoniak und

Flüchtigen Fettsäuren) ermittelt.

Nachfolgend sind die wesentlichen Ergebnisse aufgeführt:

Futteraufnahme (Futterangebot ad libitum)

- Menge (g TS/KM0,75) : kein Rasseeinfluss

- Rhythmik : bei allen Rassen das gleiche Futteraufnahmemuster

- Dauer (min/g TS) : im Allgemeinen am höchsten bei den Zwergkaninchen

DR: 0,63 (AFp) bis 2,84 (He)

NL: 0,74 (AFp) bis 4,46 (He)

ZK: 1,03 (AFp) bis 6,35 (He)

Futterverdaulichkeit (restriktives Futterangebot: 30 g/kg KM)

- Verdaulichkeit der organischen Substanz (y) in Abhängigkeit vom Rohfasergehalt, der

von 10,5 bis 35,0 % variierte:

DR: y = 81,8 – 1,41 x r = 0,95

NL: y = 84,4 – 1,40 x r = 0,94 signifikanter Unterschied

ZK: y = 89,0 – 1,62 x r = 0,95

Faeces (Art und Zusammensetzung)

- Partikelgröße: im Allgemeinen kleinster Anteil an groben Partikeln bei ZK (und/oder NL)

- Trockensubstanz: im Allgemeinen geringster Gehalt bei DR, bei NL und ZK gleich

- Anteil des Weichkotes am Gesamtkot: generell am höchsten bei ZK (Ausn.: KGp)

Relative Größe/ Gewicht des Magen-Darm-Traktes (leer)

- gesamter Verdauungstrakt (g/100 g KM): 5,93 (NL)/ 5,70 (DR)/ 5,55 (ZK): n.s.

- Magen (g/100 g KM) : 1,80 (NL)/ 1,34 (DR)/ 1,29 (ZK): n.s.

Zusammensetzung des Chymus (Besonderheiten)

- Die Chymusqualität (Trockensubstanz, pH-Wert) sowie die Konzentration an mikrobiell

gebildeten Metaboliten (NH3, Flüchtige Fettsäuren) zeigten keine rasseabhängigen

Unterschiede.

Schlussfolgerung

Bei Angebot identischer Futtermittel (Komponenten, chemische Zusammensetzung,

Konfektionierung bzw. Pelletdurchmesser) sind rasseabhängige Einflüsse allein schon

dadurch zu erwarten, dass bei größeren Tieren auch gröbere Partikel abgeschluckt werden

können, während die kleineren Kaninchen zu einer intensiveren Zerkleinerung im

Kopfdarmbereich gezwungen sind. Diesem Zusammenhang folgend ist ein höherer

Zeitaufwand für die eigentliche Einverleibung – wie hier bei den Zwergkaninchen beobachtet

wurde – nur zu verständlich. Hieraus resultiert auch die tendenziell bzw. signifikant im

Vergleich zu Deutschen Riesen und Neuseeländern höhere Verdaulichkeit bei den

Zwergkaninchen. Vor diesem Hintergrund ist dann allerdings die - im Vergleich zu den

Deutschen Riesen und Neuseeländern – höhere Energieaufnahme bezogen auf die

Körpermasse (kg) eher unerwartet (höherer Zeit-/ Arbeitsaufwand für die Futteraufnahme).

Mit der feineren Vermahlung/ Zerkleinerung des Futters im Kopfdarmbereich ist die generell

höhere Relation Weichkot am Gesamtkot bei den Zwergkaninchen (Ausn.: KGp) in

Zusammenhang zu sehen.

 

abstract (englisch)

The purpose of the present study was to check whether distinct parameters of digestive

physiology of large, middle and dwarf breeds of rabbits are different. From special interest

was, whether there are pediculiarities in physiology of digestion in Dwarf Rabbits - compared

to larger breeds (the nutrition of Dwarf Rabbits has been based on data derived from larger

breeds) - to optimize the feeding Dwarf Rabbits kept as pets.

Behind this background the feed intake, digestibility of different ingredients and diets, size of

the gastrointestinal tract as well as the amount and composition of chyme (6 hours ppr.) of

five adult female rabbits of one large (Belgian Giants = BG; bw 7.06 –7.47 kg), middle (New

Zealand White = NZ; bw 3.83 – 5.15 kg) and small breed (Dwarf Rabbits = DR; bw 1.58 –

2.32 kg) were proved. In period A the feed intake (rhythm, time, amount) was tested. The

feed was offered ad libitum in this period. The rhythm of feed intake was examined when two

pelleted diets (complete diet = AFp, grass meal = GGp) and one mixed feed based on entire

ingredients (MFn) were fed. To check the time and amount of feed intake, three pelleted diets

(AFp, KGp = herbal grass meal, GGp), which were different in crude fiber content (17/18/25

%, dm) and size of the pellets (2.30/9.98/6.45 mm) as well as one mixed feed based on entire

ingredients (CF: 10.5 %, dm) were fed. To test the digestibility (period B) the diets were

offered restrictively (30 g DM/kg bm) indepent on amounts of diet ingested. Dry matter and

chemical composition of the feces (Weende Analysis) as well as the dry matter on proportion

to particle size of the hard feces (wet sieve analysis, 7 sieves, diameter of the mesh:

1.4/1.0/0,8/0.56/0.4/0.2/0.1 mm) were measured. Besides pH parameters of the microbial

activity as ammonia (ion sensitive electrode), short chain fatty acids (gas chromatography) as

well as lipopolysaccharides (LPS; LAL-Test) were recorded. The digestibility was measured

under standard conditions with and without (neck collar) caecotrophy. Pelleted diets (AFp,

KGp, GGp) and one mixed feed based on entire ingredients were tested. Hay was only given

with caecotrophy because of the low palatability and for this reason, a high loss in body mass

occurred. In the last period (C), the gastrointestinal tract was examined six hours after the

rabbits were fed one standard amount of feed (10 g DM KGp/kg bm). Mass, amount and

composition of chyme (dm, dry matter on proportion to particle size of soft feces: wet sieve

analysis, 4 sieves, diameter of the mesh: 1.0/0.5/0.25/0.125 mm) were measured.

Essential results are listed in the below:

Feed intake (diets offered ad libitum)

- amounts (g dm/ bw0,75) : no breed influence

- rhythm : in all breeds identical diurnal feed intake patterns

- time for ingestion/g dm : in general highest values in Dwarf Rabbits

(min/g dm) BG: 0.63 (AFp) up to 2.84 (He)

NZ: 0.74 (AFp) up to 4.46 (He)

DR: 1.03 (AFp) up to 6.35 (He)

Feed digestibility (diets offered restrictively: 30 g/kg bw)

- digestibility of organic matter (y) related to crude fiber content (10.5 - 35.0 %):

BG: y = 81.8 – 1.41 x r = 0.95

NZ: y = 84.4 – 1.40 x r = 0.94 significant differences

DR: y = 89.0 – 1.62 x r = 0.95

Feces (types and composition)

- particle size: in general lowest proportion of large particles in DR (and/or NZ)

- dry matter : in general lowest values in Giants, similar in NZ and DR

- percentage of soft feces related to total feces: in generell highest values in DR

(except: KGp)

Relative size/ mass of the gastrointestinal tract (empty)

- total tract (g/100 g bw): 5.93 (NZ)/ 5.70 (BG)/5.55 (DR): n.s.

- stomach (g/100 g bw) : 1.8 (NZ)/ 1.34 (DR)/ 1.24 (BG) : n.s.

Composition of chyme (pediculiarities)

- The quality of chyme (dry matter, pH) as well as concentrations of microbially formed

metabolites (ammonia, short chain fatty acids) did not show any breed related differences.

Conclusion

When identic (components, chemical composition, confection respectively diameter of the

pellets) diets were offered, breed influences are expected because giant animals can swallow

more coarse particles, whereas small rabbits have to chew the feed more intensely in the oral

part of the gastrointestinal tract. This is the reason, why the time needed for feed intake is

higher – like seen with the Dwarf Rabbits. The result is a higher digestibility of organic

matter in the Dwarf Rabbits. From this background, the high energy intake of Dwarf Rabbits

- in comparison to Belgian Giants and New Zealand White - is unexpected (more time and

working expense for feed intake).

The finely ground in the oral part of gastrointestinal tract can be related to the higher part of

soft feces on total feces with Dwarf Rabbits in general (except: KGp).

 

keywords

Kaninchen, Futteraufnahme, Verdaulichkeit, rabbits, feed intake, digestibility

kb

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