Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

 

 Marco Ziesch   

 

 

 

Identifikation und Therapie klinischer Mastitiden von Milchkühen mit schlechter bakteriologischer Heilungsprognose

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-108814

title (engl.)

Identification and treatment of clinical mastitis in dairy cows expecting a poor probability of bacteriological cure

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/zieschm_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Ziel dieser Arbeit war es, eine zuverlässige Möglichkeit zu erarbeiten um Tiere mit einer schlechten bakteriologischen Heilungschance bei Auftreten einer klinischen Mastitis identifizieren zu können. Durch eine frühzeitige Erkennung solcher Kühe könnte die Entscheidungsfindung im Umgang mit diesen Tieren erleichtert und eine nutzlose Anwendung von Antibiotika verhindert werden.

Im ersten Teil wurde ein Datensatz mit bakteriologischen Heilungsdaten von klinisch kranken und antibiotisch behandelten Eutervierteln zusammengestellt. Mögliche Einflussfaktoren auf die bakteriologische Heilung der Fälle wurden ergänzt. Mit Hilfe statistischer Analysen wurden Faktoren, welche mit der bakteriologischen Heilung assoziiert sind, bestimmt.

Als tierspezifische Faktoren waren die Individualsumme-200-7, die Milchleistung in der letzten MLP-Untersuchung vor Auftreten des Falls und die Mastitisvorgeschichte in der aktuellen Laktation mit der bakteriologischen Heilung assoziiert. Klinische Mastitisfälle von Kühen mit hohen somatischen Zellzahlen, basierend auf den letzten sieben MLP-Untersuchungen vor der Behandlung (Individualsumme-200-7), und hohen Milchleistungen, in der letzten MLP-Untersuchung vor Auftreten des Falls, zeigten eine verringerte Wahrscheinlichkeit auf bakteriologische Heilung. Außerdem ist mit einer niedrigeren bakteriologischen Heilungsrate zu rechnen, wenn eine Kuh zuvor bereits an mehr als einem klinischen Mastitisfall in der aktuellen Laktation gelitten hat.

Die Spezies/Gattung und die Ausscheidungsrate der in der Milchprobe vor Behandlung kultivierten Mikroorganismen zeigten als erregerspezifische Faktoren eine signifikante Assoziation zur bakteriologischen Heilung. Dabei verringerte sich die bakteriologische Heilungsrate in klinischen Mastitisfällen, bei denen Staphylokokken in der Milchprobe vor Behandlung kultiviert wurden, signifikant im Vergleich zu Fällen die durch Enterobakterien, Streptokokken und andere Erreger ausgelöst wurden. Dies resultierte speziell aus der niedrigen Heilungsrate von Fällen mit Beteiligung von Staphylococcus aureus (46,7%). Eine hohe Anzahl ausgeschiedener Erreger in der Milchprobe vor Behandlung war mit einer reduzierten Wahrscheinlichkeit auf bakteriologische Heilung verbunden.

Im zweiten Teil sollte die Wirksamkeit einer nichtantibiotischen Therapie als Behandlung von milden bis moderaten klinischen Mastitiden mit schlechter bakteriologischer Heilungsprognose untersucht werden. Dazu wurde eine unverblindete, positiv-kontrollierte, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie durchgeführt. Die alleinige intramammäre Behandlung mit Masti Veyxym® (3 Applikationen im Abstand von 12 Stunden) und die kombinierte Behandlung von Masti Veyxym® und Antibiotika, die wie üblich im Betrieb gemäß der Zulassung des verwendeten Präparats angewendet wurden, wurden mit der ausschließlichen Antibiotikaapplikation als Referenzbehandlung verglichen.

Als primäre Zielvariablen wurden die klinische Heilung und das Nicht-Wiederkehren klinischer Mastitisfälle innerhalb von 60 Tagen nach Behandlungsende auf Euterviertelebene betrachtet. Die bakteriologische Heilung stellte die sekundäre Zielvariable dar. Die zwei Testbehandlungen zeigten keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zur Referenzgruppe für alle Zielvariablen. Die alleinige Therapie mit Masti Veyxym® resultierte in einer nummerisch geringeren Wahrscheinlichkeit auf bakteriologische Heilung, jedoch ohne signifikante Unterschiede zur Referenzgruppe. Die kombinierte Behandlung zeigte eine zahlenmäßig höhere Nicht-Wiederkehrrate als die beiden anderen Therapiegruppen und es wurde die Nichtunterlegenheit im Vergleich zur Referenzgruppe bestätigt. Die Studienergebnisse deuten an, dass die alleinige Behandlung mit Masti Veyxym® in milden bis moderaten klinischen Mastitisfällen von Kühen mit bereits länger andauernden Eutergesundheitsstörungen eine alternative Therapie darstellen kann um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Es gibt keine Hinweise, dass die Testbehandlungen der Referenztherapie unterlegen sind. Jedoch sind weitere Untersuchungen mit einer größeren Stichprobe erforderlich, um die Studienresultate zu bestätigen und eine genaue Aussage über die Nichtunterlegenheit treffen zu können.

Mit Hilfe der im ersten Teil bestimmten Faktoren wurden die für die Nichtunterlegenheitsstudie geeigneten Tiere ausgewählt. Dabei waren die beiden Variablen, Verlauf der Gesamtgemelkszellzahlen und die Mastitisvorgeschichte der einzelnen Kuh, als am belastbarsten einzustufen und am einfachsten zu bestimmen. Wenn eine Kuh mindestens in den letzten drei aufeinanderfolgenden MLP-Untersuchungen eine somatische Zellzahl von über 400.000 Zellen/ml aufwies und/oder bereits mindestens zwei klinische Mastitisfälle in der aktuellen Laktation hatte, wurden folgende klinische Mastitiden dieser Kuh als bakteriologisch schlecht heilbar angesehen und dieses Tier war für die Aufnahme in die Studie geeignet. Die Resultate der Untersuchungen zeigten insgesamt deutlich geringere bakteriologische Heilungsraten und höhere Rezidivraten als frühere Studien mit antibiotisch behandelten Mastitiden. Das deutet darauf hin, dass die verwendeten Auswahlkriterien geeignet sind, um Kühe mit klinischen Mastitiden mit einer schlechten bakteriologischen Heilungsprognose zu identifizieren.

Es wird empfohlen solche Tiere bei Gelegenheit aus der Herde zu entfernen. Tritt bis dahin eine milde bis moderate klinische Mastitis auf, sollte keine antibiotische Therapie angewendet werden. Es kann Masti Veyxym® oder ein entzündungshemmendes Medikament (z.B. NSAID) zur Unterstützung der Heilung appliziert werden.

 

abstract (englisch)

The aim of these efforts was the investigation of a reliable method to identify cows suffering from clinical mastitis with a low probability of bacteriological cure. The decision making to deal with such animals could be facilitated if these cows were recognized early and it could help to avoid useless antibiotic treatment.

In the first part, a data set with information on bacteriological cure results of clinically diseased and antibiotic treated udder quarters was compiled. Possible factors influencing bacteriological cure of the cases were supplemented. Factors showing relationship to the bacteriological cure were determined using statistical analysis.

As pathogen-related variables individual sum-200-7, milk yield of the last Dairy Herd Improvement (DHI) test day before clinical mastitis occurrence and mastitis history in current lactation were associated to the bacteriological cure. Clinical mastitis cases of cows with high somatic cell counts, based on the seven DHI test days before treatment (individual sum-200-7), and high milk yield in the final DHI test before CM occurrence showed a decreased probability of bacteriological cure. Moreover, a lower bacteriological cure rate is expected if a cow has previously suffered from more than one clinical mastitis case in current lactation.

As pathogen-related factors, species/genus and shedding rate of the pathogen cultured pre-treatment showed significant associations to bacteriological cure. The likelihood of BC decreased significantly in clinical mastitis cases where staphylococci were cultured in pre-treatment samples, especially due to the low bacteriological cure rate of Staphylococcus aureus (46.7%), compared to clinical mastitis cases caused by Enterobacteriaceae, streptococci or other pathogens. The probability of bacteriological cure decreased with an increasing amount of the pathogen excreted pre-treatment.

In the second part, the efficacy of a non-antibiotic therapy in the treatment of mild to moderate clinical mastitis cases with a poor prognosis of bacteriological cure should be investigated. For this a non-blinded, positively controlled, randomized non-inferiority trial was conducted. The solely intramammary treatment with Masti Veyxym® (3 applications, 12 hours apart) and the combined treatment with Masti Veyxym® and antibiotics as usual in the farm according to the label of the respective product were compared with the reference treatment of solely antibiotic therapy.

Primary outcomes were clinical cure and no clinical mastitis recurrence within 60 days after the end of treatment. Bacteriological cure was chosen as secondary outcome due to an expected low probability of bacteriological cure for selected cows. There were no significant differences between the two test treatments in comparison to the reference treatment regarding all outcome variables. The solely Masti Veyxym® therapy resulted in a numerically lower likelihood of bacteriological cure without significant differences to the reference treatment. The combined therapy group showed a numerically higher no recurrence rate than the two other treatment groups and non-inferiority compared to the reference treatment was proven. The study findings indicated that sole treatment with Masti Veyxym® in non-severe clinical mastitis cases in dairy cows with longer lasting udder diseases constitutes an alternative therapy to reduce antibiotics. However, non-inferiority evaluations were mostly inconclusive. Further investigations with a larger sample size are required to confirm the study results and to make a clear statement on non-inferiority.

Suitable animals for the non-inferiority trial were selected using the factors determined in the first part. Whereby, the variables cow somatic cell count and mastitis history of the cow constitute the most important and most easily achievable factors. If a cow had had at least three consecutive high cow somatic cell counts (over 400,000 somatic cells/ml) in the three previous months and/or at least two clinical mastitis cases in the current lactation directly before the regarded case, a poor probability of bacteriological cure for following clinical mastitis cases was expected and the cow was admitted for inclusion in the study. The results of this investigation showed overall considerably lower bacteriological cure rates and higher recurrence rates compared to previous studies examining antibiotic treated clinical mastitis cases. This indicates that the used selection criteria are suitable to identify cows with clinical mastitis expecting a poor probability of bacteriological cure.

It is recommended to remove such cows from the herd if possible. In the case a mild to moderate clinical mastitis arises, treatment with antibiotics should be avoided. As alternative therapy, Masti Veyxym® or an anti-inflammatory drug (i.e. NSAID) can be applied to support the recovery and cure.

 

keywords

Mastitis, bakteriologische Heilung, nichtantibiotische Therapie, mastitis, bacteriological cure, non-antibiotic therapy

kb

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