Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Elvira Ziegler

 

Histologische Veränderungen nach verschiedenen Blutentnahmemethoden bei der Maus

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-102644

title (engl.)

Histological changes of the mouses after different blood-sampling techniques

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2012

text

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abstract (deutsch)

In Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden die von der GV-SOLAS für Mäuse empfohlenen Blutentnahmemethoden hinsichtlich histologisch feststellbarer Folgeschäden untersucht. Folgende sechs Blutentnahmemethoden wurden verglichen: retrobulbäre Blutentnahme mit dicker Kapillare (1,5 -1,6 mm Durchmesser) oder mit dünner Kapillare (1,2 mm Durchmesser), Blutentnahme aus der Schwanzvene, Vena saphena oder Vena facialis sowie die Entnahme aus dem Venenwinkel. Bei zwei Untersuchungsgruppen (retrobulbäre Blutentnahme mit dünner Kapillare, Venenwinkelpunktion) wurde die Entnahme bei den Tieren unter Ether-Narkose durchgeführt. Die Proben für die histologischen Untersuchungen an in Paraffin eingebettetem Material wurden am ersten, dritten oder vierzehnten Tag nach der Blutgewinnung im Rahmen von Euthanasie gewonnen. Insgesamt wurden 72 Tiere (12 pro Gruppe) untersucht. Parallel zu den morphologischen Untersuchungen zum Verhalten des Tieres, Untersuchungen im Open Field und Stresshormonbestimmungen (SCHLICHTING 2010).

Bei den histologischen Untersuchungen wurden im wesentlichen Blutungen und Thrombosierungen, interstitielle Ödeme, Gewebsdegenerationen und – nekrosen sowie Infiltrationen mit verschiedenen Entzündungszellen (polymorphkernig, mononukleär, gemischtzellig) beobachtet. Bei einzelnen Tieren wurden auch granulamatöse Veränderungen festgestellt, die meistens mit Haarschaftimplantationen einhergingen. Diese Veränderungen wurden über ein Scoresystem graduell beurteilt und den verschiedenen Gewebestrukturen und Untersuchungszeitpunkten zugeordnet.

Die retrobulbäre Blutentnahme sowohl mit dicker als auch mit dünner Kapillare und die Blutentnahme aus der Vena saphena wurden von SCHLICHTING (2010) als die Methoden, die am wenigsten Stress verursachen, etabliert. Bei den histologischen Untersuchungen zeigten sich Veränderungen verschiedenen Grades. Bei der retrobulbären Blutentnahme mit dicker Kapillare wurden oft Haargranulome und Degenerationen gesehen. Auch kamen Entzündungszellinfiltrate und Fibroblastenproliferation häufiger vor. Besonders betroffen waren das retrobulbäre Bindegewebe und die HARDERsche Drüse. Sogar am Auge und am Nervus opticus wurden Degeneration und Nekrose beobachtet. Ein Tier zeigte eine Panophthalmitis. Die retrobulbäre Blutentnahme mit dünner Kapillare zeigte im Vergleich zur retrobulbären Blutentnahme mit dicker Kapillare weniger Veränderungen, obwohl auch hier Degeneration und Nekrose an so einem sensiblen Organ wie dem Auge beobachtet wurden. Bei der Blutentnahme aus der Vena saphena wurden ebenfalls Degeneration/Nekrose, Entzündungszellinfiltrate, Fibroblastenproliferation im subkutanen Binde/Fettgewebe, der Muskulatur, der Haut und den Blutgefäßen gefunden. Im Vergleich zum Auge oder zum Nervus opticus bei der retrobulbäre Blutentnahme sind solche Veränderungen jedoch als nicht so gravierend anzusehen. Somit kann man die Blutentnahme aus der Vena saphena als Methode der Wahl ansehen.

Die Blutentnahme aus der Schwanzvene wurde als die Methode, die die meiste Zeit in Anspruch nahm, gefunden (SCHLICHTING, 2010). Zusätzlich wurden die Mäuse vor der Blutentnahme erwärmt, was den Stoffwechsel beeinflusst und zusätzlich zu Stress führen kann. Auch hier wurden bei den Tieren Hämatome beobachtet. Die histologischen Untersuchungen ergaben geringere  Veränderungen im Vergleich zur den anderen Gruppen, obwohl auch hier Degeneration und Nekrose in der Haut, den Blutgefäßen und im subkutanen Binde/Fettgewebe beobachtet wurden.

Nach der Punktion der Vena facialis und des Venenwinkels wurden histologische Veränderungen in etwa ähnlicher Häufigkeit protokolliert. Dabei wurden nach der Punktion der Vena facialis auch histologische Veränderungen am Sinnesorgan dem Auge gesehen. Zeitlich konnte die Punktion der Vena facialis schneller als die Punktion des Venenwinkels durchgeführt werden, da für die Punktion des Venenwinkels die Tiere in Narkose gelegt werden mussten. Die weiteren Ergebnisse, wie die Corticosteron-Konzentration und das Verhalten nach der Blutentnahme und in Open Field Test, sprechen dafür, dass diese beiden Techniken im Vergleich zu den anderen Methoden mehr Stress und Schmerzen für die Maus verursachen.

Die Blutentnahme aus der Vena saphena zeigte viele Veränderungen im Vergleich zur anderen Methoden, gefolgt von der retrobulbären Blutentnahme mit dicker Kapillare. Aber der Grad der Veränderungen ist unterschiedlich bei diesen beiden Methoden. Nach der retrobulbären Blutentnahme kamen Veränderungen im Bereich des Sinnorgans Auge vor. Nach der Punktion der Vena saphena kamen die Veränderungen hingegen im Bereich der Muskulatur vor. Laut SCHLICHTING (2010) ist die Punktion der Vena saphena -  die Methode der Wahl, da sie weniger Stress hervorruft. Die retrobulbäre Blutentnahme mit dünner Kapillare zeigte die wenigsten Veränderungen und wird auch von SCHLICHTING (2010) als Methode, die wenig Stress hervorruft, angegeben.


 

abstract (englisch)

In the course of the present study the blood-sampling techniques recommended for mice by GV-SOLAS were being examined regarding histologically noticeable consequential damages. The following six blood-sampling techniques were compared: retrobulbar blood-sampling with a thick capillary (diameter 1,5 – 1,6 mm) or with a thin capillary (diameter 1,2 mm), blood-sampling from tail-vein, Vena saphena or Vena facialis as well as sampling from the jugular vein pool. From two examinated groups (retrobulbar blood-sample with a thin capillary, jugular vein pool) the sampling was taken under ether-narcosis. The samples for the histological examinations of material embedded in paraffin were recovered on the first, third or fourteenth day after the blood-sampling in the course of euthanasia. 72 animals (12 per group) were tested altogether. Alongside the morphological examinations, examinations on the animal’s behaviour, examinations in the Open Field and determinations of the stress hormone were executed (SCHLICHTING 2010).

After the histological examinations mainly bleedings and tendencies to develop thrombosis, interstitial oedemas, tissue degenerations and necroses were found as well as infiltrations with various inflamed cells (polymorphnuclear, mononuclear, mixed cellularity type). Individual animals also showed granulomatous changes, which coincided mostly with implantations of hairstems. These changes were evaluated by degrees via a score system and then matched with the different tissue structures and time of examination.       

Retrobulbar blood-sampling both by means of a thick as well as a thin capillary from the Vena saphena were declared by SCHLICHTING (2010) as the methods causing the least stress. The histological examinations showed changes of various degrees. After the retrobulbar blood-sampling with a thick capillary, often hair-granuloma and degenerations could be seen.  Also, infiltration of inflamed cells and proliferation of fibroblasts occurred more frequently. Especially the retrobulbar connective tissue and the harderian gland were afflicted. Even in the eye and on the  Nervus opticus degeneration and necrosis were found.  One animal showed a panophthalmia. In comparison with retrobulbar blood-sampling with a thick capillary, the retrobulbar blood-sampling with a thin capillary showed fewer changes, although here too, degeneration and necrosis affecting such a sensitive organ as the eye were observed. When blood-sampling from the Vena saphena, degeneration and necrosis, infiltration of inflamed cells, proliferation of fibroblasts in the subcutaneous connective/fat tissue, musculature, skin and blood vessels were found.  However, compared with the eye e.g. or the Nervus opticus such changes are not to be considered as severe. Thus, blood-sampling from the Vena saphena can be considered as the method of choice.

Blood-sampling from the tail-vein was found to be the, most time-consuming method (SCHLICHTING  2010). Additionally, the  mice were warmed up before the blood-sampling, which influences metabolism and can also lead to stress. Moreover, haematoma were found in the animals. Histological examinations showed fewer changes than the other groups, even though here too, degenerations and necrosis in skin, blood vessels and subcutaneous connective/fat tissue were observed.

After the puncture of the Vena facialis and the jugular vein pool, histological changes of about the similar frequency were taken to protocol. The puncture of the Vena facialis also resulted in histological changes of the sensory organ of the eye. In terms of time, the puncture of the Vena facialis did not take  as long as the puncture of the jugular vein pool, as for the puncture of the jugular vein pool, the animals had to be put under narcosis. Further results, such as the  Corticosteron-concentration, the behaviour after the blood-sampling and from the Open Field test, give every reason to assume that these two techniques compared with the other methods are causing more stress and pain for the mouse.

The blood-sampling from the Vena saphena showed many changes compared with other methods, followed by the retrobulbar blood-sampling with a thick capillary, but the degree of the  changes is different in these two methods. After the retrobulbar blood-sampling, changes in the area of the sensory organ of the eye occurred. After the puncture of the Vena saphena however, changes occurred in the area of the musculature. According to SCHLICHTING (2010)  the puncture of the Vena saphena is the method  of choice, because it produces less stress. The retrobulbar blood-sampling with thin capillary showed the fewest changes, and is also declared by SCHLICHTING (2010) to be the least stress-causing method.

 

keywords

Histologie, Blutentnahme, Maus, histology, blood-sampling, mouse

kb

167.416