Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Sabine Wenting

 

Untersuchungen zur Prävalenz der Lawsonia intracellularis-Infektion bei Absetzferkeln

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-103650

title (engl.)

Prevalence of Lawsonia intracellularis-infections in weaned pigs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/wentings_ss13.pdf

abstract (deutsch)

Das gram-negative, obligat intrazelluläre Bakterium Lawsonia intracellularis (LI) ist Auslöser der porzinen proliferativen Enteropathie (PPE), einer Darmerkrankung des Schweins mit weltweiter Verbreitung. Der Erreger verursacht nicht nur Durchfallerkrankungen, sondern die Infektion tritt v. a. subklinisch auf und führt zu großen ökonomischen Schäden aufgrund einer verminderten Resorptionsfähigkeit der pathologisch veränderten Darmschleimhaut. Zwar ist eine Manifestation zwischen der 6. und 20. LW beschrieben, aber die PPE in ihrer chronischen und subklinischen Form stellt vorwiegend ein Problem der älteren Läuferschweine sowie der jüngeren Masttiere dar. Eine Serokonversion als Nachweis einer LI-Infektion ist oftmals erst ab der 12. - 14. LW zu beobachten, wobei die Ak-Titer bei Masttieren größtenteils bis zur Schlachtung (ca. mit 26 LW) messbar sind.

Die vorliegende Arbeit sollte Aufschluss darüber geben, wie weit eine frühzeitige Infektion mit LI bei Absetzferkeln in deutschen Schweinebeständen verbreitet ist.

Zur Untersuchung dieser Prävalenz wurden 99 Sauen haltende Betriebe mit einem Sauenbestand von mindestens 100 Tieren sowie 3 reine Aufzuchtbetriebe bei einem einmaligen Besuch beprobt. In jedem dieser Bestände wurden 20 Absetzferkel in einem Alter von ungefähr 10 - 12 LW auf den Flatdecks anhand ihres geschätzten Gewichts, das für die Einstufung in diese Altersgruppe bei ca. 25 kg angesetzt war, zur Blutprobenentnahme ausgewählt. Es wurden insgesamt 2040 Blutproben für die weitere Auswertung gesammelt. Diese Serumproben wurden anschließend mittels blocking ELISA auf das Vorhandensein von LI-spezifischen Ak untersucht. Außerdem sollte durch eine Kotprobenentnahme von Saugferkeln kurz vor dem Absetzen kontrolliert werden, ob LI-Infektionen auch schon bei Saugferkeln auftreten und zur Verbreitung im Aufzuchtbereich beitragen. Pro Betrieb wurden dafür je 2 Saugferkel aus 5 verschiedenen Würfen zufällig ausgewählt und kurz vor dem Absetzen beprobt. Von den insgesamt 1020 gesammelten Kottupferproben wurden anschließend 600 mittels nested PCR untersucht. Außerdem wurde zusammen mit den jeweiligen Landwirten ein Fragebogen ausgefüllt, der Daten zum Betrieb, zur Fruchtbarkeitsleistung der Sauen und zum Management (Fütterung, Haltung, Hygiene, Prophylaxe- und Behandlungsmaßnahmen) erhebt. Mittels der erhobenen Daten sollten mögliche Einflussfaktoren, die eine frühzeitige LI-Infektion begünstigen oder verhindern, mit Hilfe statistischer Auswertungsverfahren identifiziert werden.

Insgesamt konnten bei 105 Absetzferkeln (5,2 %) LI-spezifische Ak im Serum nachgewiesen werden. Betrachtet man den Infektionsstatus auf Herdenebene, so konnte 40 Beständen (39,2 %) mindestens ein serologisch positives Tier zugeordnet werden. In der Mehrzahl der positiven Betriebe (n=26) konnte unter den untersuchten Absetzferkeln lediglich ein Seroreagent festgestellt werden. Dieses Ergebnis zeigt, insbesondere für nordwestdeutsche Sauenhaltungen, dass LI-Infektionen im Aufzuchtbereich existieren, aber nicht die Regel sind. Aufgrund der Daten lässt sich vermuten, dass es sich in der überwiegenden Zahl um beginnende Infektionen kurz vor dem Umstallen in die Mast handelte. Eine Impfung gegen LI kurz nach dem Absetzen sollte daher in den meisten Betrieben rechtzeitig zu einer belastbaren Immunität führen.

Eine Infektion von Saugferkeln mit LI konnte insgesamt bei je einer Saugferkelkotprobe aus 4 Betrieben (0,7 %) nachgewiesen werden und scheint damit eher selten vorzukommen, zumal die Kotproben aus allen 40 seropositiven Betrieben sowie Proben aus je 10 zufällig ausgewählten serologisch fraglichen und negativen Beständen untersucht wurden. Die Ergebnisse belegen jedoch, dass eine Einschleppung des Erregers in den Flatdeckbereich auf diesem Wege möglich ist und hinsichtlich prophylaktischer Maßnahmen, v. a. einer Impfung, berücksichtigt werden sollte. Die positiven Erregernachweise entfielen auf eine Herde mit positivem Ak-Ergebnis sowie auf 3 Bestände mit serologisch fraglichen Resultaten.

Die erhobenen Fragebogendaten wurden unter Berücksichtigung der serologischen Untersuchungsbefunde ausgewertet, um mögliche Risikofaktoren zu definieren, die einen Einfluss auf das Auftreten einer frühzeitigen LI-Infektion haben können. Eine regelmäßige antibiotische Behandlung der Ferkel kurz nach dem Absetzen zeigte dabei einen signifikanten Effekt (p<0,05) auf den Infektionsstatus des Aufzuchtbereichs. Da der Einsatz von Antibiotika den Infektionszeitpunkt zumeist nur zeitlich verschiebt, ist eine Vakzination nach dem Absetzen als sinnvoller anzusehen.

Weitere Parameter wiesen nur tendenzielle Effekte oder einen signifikanten Einfluss bzgl. des Nachweises von mehr als einem Seroreagenten im Betrieb auf. Dies gilt für das Vorhandensein von Mastabteilen auf den untersuchten Betrieben, wobei die Masttiere möglicherweise als Erregerreservoir fungieren und der Erreger von dort aus in andere Stallbereiche wie z. B. die Flatdecks verschleppt wird. Auch der Remontierung von JS und Ebern aus dem eigenen Bestand sowie einem späten Absetzen der Ferkel kommen eine entsprechende Bedeutung als Risikofaktor zu. Bei den quantitativen Merkmalen konnte belegt werden, dass Betriebe mit geringer Anzahl an Impfungen bei den Sauen sowie Betriebe mit einer erhöhten Remontierungsrate häufiger mehr als einen Seroreagenten aufwiesen.

 

abstract (englisch)

The gram-negative, obligate intracellular bacterium Lawsonia intracellularis (LI) is the cause of porcine proliferative enteropathy (PPE), which is a disease of the porcine intestine with worldwide distribution. This pathogen does not only cause diarrhoea, but often leads to subclinical manifestation and is responsible for high economic losses due to poor growth caused by a reduced absorption rate of the pathologically changed intestinal mucosa. Although the manifestation is described in 6 to 20 weeks old pigs, the PPE with its chronic and subclinical form is a predominant problem of elder weaner and grower pigs. First seroconversion as an evidence of a LI-infection most often occurred in pigs 12 - 14 weeks old and antibody titres are detectable until slaughtering (week 26).

The objective of the present study was to investigate the prevalence of early LI-infections of weaned pigs in German pig herds.

For this purpose 99 sow herds with at least 100 sows as well as 3 baby pig herds were investigated during a single visit. In every herd 20 weaned pigs 10 to 12 weeks old with an estimated weight of 25 kg were selected randomly for blood sampling. A total number of 2040 blood serum samples were collected and were analysed by a blocking ELISA for the presence of antibodies against LI. To find out, whether LI-infections appear in suckling pigs and may account for a distribution among weaner pigs, additionally 10 faecal samples were collected randomly in every herd from 2 suckling pigs of 5 different litters shortly before weaning. Out of these 1020 collected faeces samplings 600 were analysed by nested PCR. Furthermore, the farmers completed a questionnaire asking for information about farm and reproductive data as well as herd management (housing, feeding, measures with regard to hygiene, prophylaxis and treatment). Based on compiled information potential risk factors for an early LI-infection should be identified by a statistical analysis.

LI-specific antibodies could be detected in the sera of 105 weaners (5,2 %). At herd-level 40 farms (39,2 %) include at least one serologically positive weaned pig. In the majority of the positive herds (n=26) there was only one serologically positive pig among the tested weaners. These results show, particularly with regard sow breeding herds in Northwestern Germany, that LI-infections exist in the group of weaning pigs, but not in general.

Based on the results it can hypothezised, that in the majority of cases beginning infections were diagnosed shortly before moving the pigs to the fattening units. Therefore a vaccination against LI shortly after weaning thus should lead to a sufficient active immunity in most of the herds in time.

A LI-infection could be detected by nested PCR in 4 out of 600 faecal samples of suckling pigs (0,7 %). Though it seems to be a rare event, the findings show, that a carry-over of the pathogen into the rearing units is possible this way and it should be accounted for preventive measures.

The compiled information of the questionnaires was analysed in consideration of the  findings of the serological examination to define possible risk factors, which could have an influence on the apperarance of early LI-infections. A routine antimicrobial treatment of the piglets after weaning showed a significant effect (p<0,05) on the state of infection among weaned pigs. Nevertheless a vaccination after weaning seems to be more useful, because the antibiotic treatment often just shifts the time of infection. Further parameters only showed tendencies or a significant influence relating to the occurrence of more than one sero-reagent per herd. This applies to the existence of fattening units on the explored farms at which the fattening pigs possibly act as pathogen reservoir and the pathogen can be carried-over to other areas of the farm such as into the rearing units. Also the replacement of gilts and boars out of the own livestock as well as a late weaning time were identified as possible risk factors. Regarding the quantitative parameters it could be documented, that farms with a low number of indications of sow vaccinations as well as farms with a higher replacement rate more often had more than one sero-reagent.

 

keywords

Lawsonia intracellularis, Prävalenz, Absetzferkel, Ileitis, Lawsonia intracellularis, prevalence weaned pigs, ileitis

kb

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