Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Anna Wendt

 

 

One Health Surveillance:

Möglichkeiten und Grenzen einer

Vernetzung vorhandener Daten im Zoonosekontext

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-108700

title (engl.)

One Health Surveillance: Challenges and benefits of cross-sectoral data integration for zoonotic diseases

 

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/wendta_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Derzeit, aber auch in Zukunft werden bei der Surveillance von Zoonosen Herausforderungen zu bewältigen sein. Neu auftretende Erreger, die unvorhersehbare Ausbrüche verursachen, aber auch bekannte, weit verbreitete zoonotische Erreger sind verantwortlich für Infektionen bei Mensch und Tier und die damit einhergehenden Leiden und Verluste. Um diese Erreger zu kontrollieren und zu bekämpfen, ist eine funktionierende Überwachung von großer Bedeutung. Auch wenn Zoonoseerreger sowohl Menschen als auch Tiere betreffen und wechselseitig zwischen ihnen übertragen werden können, erfolgt die Surveillance derzeit meist getrennt voneinander. Sowohl global gesehen als auch in Deutschland besteht eine Fragmentierung der Datenlage, d. h. die vorhandenen Surveillance Systeme sammeln entweder Daten zu zoonotischen Infektionen beim Menschen oder bei Tieren bzw. zu Kontaminationen von Lebensmitteln tierische Herkunft. Um der Komplexität zoonotischer Infektionsgeschehen und der wechselseitigen Übertragung Rechnung zu tragen, wird immer wieder gefordert, die vorhandenen Informationen von Mensch und Tier übergreifend zu nutzen, indem die Daten integriert werden. Zu dieser integrierten Form der Surveillance, häufig als One Health Surveillance bezeichnet, gibt es jedoch bisher wenige veröffentlichte Erfahrungen.

 

Ziel dieser Arbeit war es daher die Möglichkeiten und Grenzen einer Vernetzung vorhandener Daten im Zoonosekontext in Deutschland abzuwägen. Dazu sollte zum einen ein Überblick geschaffen werden, welche Systeme weltweit derzeit One Health Surveillance betreiben, um aus den vorhandenen Erfahrungen zu lernen. Zum anderen sollte beantwortet werden, inwiefern die in Deutschland derzeit gesammelten Routinedaten für eine One Health Surveillance bereits inhaltlich nutzbar sind und eine sinnvolle Integration erlauben.

 

Mit Hilfe einer Literaturrecherche wurden vorhandene One Health Surveillance Systeme zusammengetragen und ihre Ansätze und Eigenschaften beschrieben. Es zeigte sich, dass weltweit derzeit schon einige Systeme einen integrativen Ansatz verfolgen. Im zweiten Teil dieser Arbeit wurden Möglichkeiten für eine One Health Surveillance in Deutschland betrachtet. Hierfür wurden durch Gespräche mit Beteiligten der Zoonoseüberwachung mögliche Anwendungsbereiche identifiziert, für die derzeit ein Bedarf an One Health Surveillance gesehen wird. Außerdem erfolgte eine Bestandsaufnahme der derzeit vorhandenen Daten zu Zoonosen, die routinemäßig für Mensch, Tier und Lebensmittel gesammelt werden. Anschließend wurde untersucht, ob die vorhandenen Routinedaten für

 

diese Bereiche geeignet sind und ob eine Datenintegration zum Beispiel dazu beitragen könnte, Infektionsgeschehen früher zu erkennen. Dabei zeigte sich, dass für die untersuchten Fragestellungen die derzeit vorhandenen Daten kaum ausreichen

 

Aber auch wenn die Möglichkeiten einer solchen Zusammenführung derzeit noch begrenzt sind, beleuchtet diese Arbeit viele Aspekte, die in der aktuellen Diskussion zum Thema One Health Surveillance eine Rolle spielen. Der Blick auf die Situation in Deutschland zeigt, dass es sowohl Bedarf als auch Potential einer sektorenübergreifenden Surveillance gibt – vor allem bei der Früherkennung und um Zusammenhänge zoonotischer Infektionen besser zu verstehen. Außerdem zeigte sich, wie wichtig ein Sektoren und Disziplinen übergreifender Austausch und eine funktionierende Zusammenarbeit sind, um eine Datenintegration in Zukunft überhaupt zu ermöglichen. All dies – die möglichen Ziele von One Health Surveillance sowie die hierfür benötigten Daten und Voraussetzungen – sind Themen, die derzeit in einer neu gegründeten Arbeitsgruppe der International Society for Disease Surveillance zu One Health Surveillance diskutiert werden.

 

Um für diese Diskussionen das nötige Wissen zu generieren und One Health Surveillance in Zukunft weiter voranzubringen, bedarf es detaillierter Einblicke in die Funktion der vorhandenen One Health Surveillance Systeme. Darüber hinaus sollten Überlegungen zu Datasharing und einer sekundären Datennutzung breiter diskutiert werden, da diese Themen eng mit einer Vernetzung schon vorhandene Daten für One Health Surveillance verbunden sind. Für Deutschland zeigte sich außerdem, dass als erster Schritt hin zu One Health Surveillance eine engere Zusammenarbeit in der Zoonoseüberwachung benötigt wird. Um diese zu fördern, sollten vorhandene Kommunikationsstrukturen ausgebaut und erweitert werden, so dass die jeweiligen Ansprechpartner bekannt sind, regelmäßig Informationen zwischen den Beteiligten ausgetauscht und vorhandene Möglichkeiten einer sektorenübergreifenden Surveillance gemeinsam erarbeitet werden. Soll in Zukunft eine Integration von Surveillancedaten von Mensch und Tier ermöglicht werden, ist der erste Schritt, ein Bewusstsein für die Voraussetzungen und Herausforderungen zu schaffen, die One Health Surveillance, aber auch eine interdisziplinären Zusammenarbeit, mit sich bringen.

 

abstract (englisch)

The surveillance of zoonotic diseases is and will be challenging. New and emerging pathogens as well as well-known endemic agents cause infections in humans and animals and are responsible for great suffering and losses. To prevent and control infectious diseases, surveillance is a major and necessary component. Even though zoonotic diseases are important for humans and animals and are transmitted between both, the established surveillance systems currently operate mostly separated from each other; they only collect data from either humans or animals or regarding foodstuffs. Bearing in mind the often complex nature of zoonotic infections and their spread, there are growing demands to integrate information from humans and animals to provide a more holistic view for this surveillance. This integrated form of surveillance is often referred to as One Health Surveillance. As this research began, peer reviewed literature or otherwise published knowledge of experiences with One Health Surveillance was sparse.

 

The first objective of the present study was to provide an overview of existing systems throughout the world that already conduct One Health Surveillance and to learn from their experiences. Second, it was examined whether the data collected on a national level in Germany for humans, animals and food could be effectively linked, thereby adding value to the surveillance of zoonotic diseases.

 

Through a literature review, One Health Surveillance systems were identified and described. The review revealed that there are already quite a few systems attempting to integrate human and animal data on zoonoses for better prevention and control.

 

Within a second part of this research the possibilities of One Health Surveillance in Germany were examined. First, areas and needs for One Health Surveillance were identified through conversations with individuals working in zoonotic disease surveillance. Second, the existing data on zoonoses, routinely collected on humans, animals and food, were described in an inventory. Taking into account the identified surveillance needs, the suitability of already existing data was examined. This included, for example, an evaluation as to whether early detection of food born zoonoses or emerging diseases could be improved by integrating the data collected routinely from different databases. Even though there exist many different databases in Germany, the current data is hardly suitable to be integrated for the evaluated surveillance objectives.

 

Even though this research revealed the unsuitability of the routine data for present integration, it does discuss key issues for One Health Surveillance. Taking Germany as an example, it became obvious that there is a need for cross-sectoral surveillance. Though the primary benefit from a One Health approach is expected to be the early detection of disease threats, it will also offer a broader understanding of disease occurrence and transmission between different populations. Finally, this research revealed the importance of exchanging information on zoonotic disease events between the different sectors and disciplines and to establish working collaborations as a basis for future data integration. All these issues - the objectives and benefits of One Health Surveillance as well as the data needs and other requirements- are currently being discussed in the newly established Working Group on One Health Surveillance organized by the International Society for Disease Surveillance.

 

To generate the knowledge needed and to evaluate further possibilities for One Health Surveillance, an overview of the surveillance systems that already follow this approach and insight into their function will be essential. In addition, a broader discussion on data sharing and secondary data use will also be necessary, as these two areas matter greatly for successful One Health Surveillance data integration. The evaluation of the situation in Germany also revealed that the first step required toward One Health Surveillance must be a more profound collaboration between the different participants and parties involved in zoonotic disease surveillance. First and foremost, the existing communication pathways should be intensified. The respective contact partners must be known, regular information exchange must be established, and a facilitated discussion centered on the possibilities and use cases for One Health Surveillance must begin. That said, before further steps towards the integration of surveillance data from humans and animals can commence, awareness and further research on the challenges and requirements of One Health Surveillance as well as research on interdisciplinary collaboration are desperately needed.

 

keywords

One Health, Zoonoseüberwachung, Sekundärdatennutzung, One Health, disease surveillance, secondary data use

kb

990