Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

 

 Christina Veit

 

 Influence of raw material and weaning management on the occurrence of tail-biting in undocked pigs

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-108651

title (ger.)

Einfluss von Beschäftigungsmaterial und Absetzmanagement auf das Auftreten von Schwanzbeißen bei unkupierten Schweinen

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/veitc_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Das Ziel der vorliegenden Dissertation war die Evaluierung von Schwanzbeißverhalten beim Schwein um weitergehende Informationen über die Ursachen und zugrundeliegenden Mechanismen des Fehlverhaltens zu erlangen. Hierfür wurden unter Praxisbedingungen zwei verschiedene Studien mit den Schwerpunkten Beschäftigungsmaterial und Absetzmanagement durchgeführt. Der Fokus der ersten Studie lag auf dem Effekt von manipulierbarem Material für unkupierte Schweine. Im Gegensatz zu früheren Studien in diesem Forschungsgebiet wurden die Säuge- und Aufzuchtsphase, anstelle der Mastperiode untersucht. Zwei verschiedene Materialien, getrocknete Maissilage (SG, n = 245) und Luzerneheu (AG, n = 245) wurden den Ferkeln zweimal täglich von der zweiten Lebenswoche bis zum Ende der Aufzucht angeboten. Eine Kontrolle (CG, n = 231) wurde ohne zusätzliches Beschäftigungsmaterial gehalten. Der Fokus der zweiten Studie lag auf dem Absetzmanagement, weil zuverlässige Informationen zum Einfluss auf Schwanzbeißen fehlen. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Vermeidung von Stress durch Mischen nach dem Absetzen positive Effekte auf die Manifestierung von Verhaltensstörungen hat. Insgesamt wurden 478 unkupierte Ferkel in zwei Gruppen geteilt, 240 Ferkel wurden wurfweise aufgestallt (LG), während 238 Ferkel aus mindestens drei Würfen gemischt wurden (MG). In beiden Studien wurden die Daten mit Hilfe eines Boniturschemas wöchentlich aufgenommen, dabei wurden Schwanzverletzungen und -verluste durch einen vierstufigen Schlüssel bewertet (0 = keine Verletzungen/ Originallänge bis 3 = großflächige Verletzung/ Komplettverlust des Schwanzes). In der Studie zum Beschäftigungsmaterial wurden zusätzlich Videobeobachtungen von 99 Ferkeln in der Säugephase und 188 Ferkeln in der Aufzucht erhoben und lieferten Daten über das Aktivitätsverhalten auf Buchtenebene und die Beschäftigung der Ferkel mit dem angebotenen Material. Der Fokus der Videobeobachtungen in der Absetzmanagementstudie lag auf manipulativen Verhaltensweisen und dem Schweineverhalten vor einem Schwanzbeißausbruch. Aufgenommenes Videomaterial von fünf Buchten (60 Ferkel) wurde mittels „Instantaneous scan sampling“ und kontinuierlicher Beobachtung ausgewertet. Auf der Grundlage der Häufigkeiten des ausgeübten manipulativen Verhaltens erhielt jedes Ferkel einen Charakterschlüssel, welcher eine Klassifizierung in Ausführender bzw. Empfänger von manipulativen Verhaltensweisen oder neutraler Charakter ermöglichte.Der Effekt der Woche nach dem Absetzen auf Schwanzverletzungen und –verluste war in beiden Studien ähnlich. Schwanzbeißen begann im Schnitt zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen, gefolgt von Schwanzverlusten ein bis zwei Wochen später. Eine Erkenntnis, die durch verschiedene Veränderungen erklärt werden kann, mit der die Ferkel durch das Absetzen konfrontiert sind. Die Trennung von der Muttersau und die Anpassung an eine neue Umgebung (sozial und räumlich) tragen zu einer belastenden Situation für die Ferkel bei. Falls es ihnen nicht gelingt, diese Herausforderungen zu bewältigen, könnten die Ferkel Schwanzbeißverhalten entwickeln. In der Studie zum Beschäftigungsmaterial nahm die Zahl der Schwanzverluste mit der Anzahl der Durchgänge ab (96.4 % im ersten Durchgang vs. 7.4 % im zehnten Durchgang). Dies kann durch eine verbesserte und präzisere Tierbeobachtung durch das Stallpersonal erklärt werden und stellt einen Lernprozess im Verlauf der Studie dar. Ferkel aus allen Durchgängen hatten die meisten Schwanzverluste am Ende der Aufzucht in CGs (50.4 %) zu verzeichnen, gefolgt von AGs (49.2 %) und SGs (30.2 %). Kurative Maßnahmen wurden im Falle von Schwanzbeißausbrüchen auch in CGs durchgeführt, um schwerwiegende Verletzungen und Einschränkungen des Tierwohls zu vermeiden. Dementsprechend wurden CGs verfälscht, was möglicherweise zu einer Annährung von Raufuttergruppen und Kontrollgruppen geführt hat. Die Zahl der Schwanzverletzungen und -verluste in der Absetzmanagementstudie unterschieden sich ohne einen deutlichen Trend zwischen den Versuchsgruppen und den Durchgängen. Diese Feststellung konnte durch die verschiedenen Formen von Schwanzbeißen erklärt werden. „Zweistufiges Beißen“ stellt einen länger andauernden Prozess dar als „plötzlich-gewaltsames Beißen“; möglicherweise war die erste Form dadurch sicherer durch die wöchentliche Bonitur festzustellen. Darüber hinaus könnten Ausfälle in der Wasser- und Futterversorgung oder Veränderungen im Abteilklima die Verhaltensstörung ausgelöst haben. Die täglichen Zunahmen folgten keinem klaren Trend über die Versuchsgruppen und die Durchgänge und konnten in keiner der beiden Studien mit der wöchentlichen Bonitur von Schwanzverletzungen und –verlusten in Verbindung gebracht werden. In der Studie zum Beschäftigungsmaterial blieb Maissilage während der gesamten Beobachtungsperiode attraktiv für die Ferkel, während die Akzeptanz von Luzerneheu gegen Ende der Ferkelaufzucht abnahm. Dies könnte mit einer besseren Schmackhaftigkeit der Maissilage durch eine höhere Konzentration von Kohlenhydraten und einem geringeren Trockenmassegehalt erklärt werden. Es konnte kein klarer Trend zwischen dem Aktivitätsverhalten und dem Schwanzbeißniveau innerhalb der Durchgänge festgestellt werden. Das gegen Buchtengenossen gerichtete Verhalten “Tail exploration” in der Absetzmanagementstudie stieg fünf Tage vor einem bonitierten Schwanzbeißausbruch an. Die Häufigkeiten von „Belly Nosing“ waren am höchsten in der Bucht, die am nächsten zum Absetzen beobachtet wurde, was eine Verbindung zum Absetzprozess vermuten lässt. Die Empfänger von „Nosing“ lagen häufiger als die Ausüber dieses Verhaltens, dementsprechend reagierten sie weniger defensiv und tolerierten die Manipulationen mit der Schnauze häufiger, während die Ausführenden eine höhere Gesamtaktivität zeigten. Ein Angebot von Raufutter ab der zweiten Lebenswoche bis zum Ende der Ferkelaufzucht und ein Verzicht auf das Mischen von Würfen nach dem Absetzen kann Schwanzbeißen nicht verhindern. Die Aufzucht von unkupierten Schweinen erfordert eine intensive Tierbeobachtung und sofortiges Eingreifen im Falle von Schwanzbeißausbrüchen, das Angebot von Raufutter, als manipulierbares Material, ist von Nutzen. Es gab klare Unterschiede im individuellen Charakter der Schweine und es muss beachtet werden, dass jedes Ferkel verschiedene Bewältigungsstrategien besitzt, um auf Änderungen seiner Umwelt zu reagieren. Die heutigen Haltungssysteme könnten diese Anpassungsfähigkeit der Ferkel überfordern. Demnach sollten die Haltungsbedingungen weiter angepasst werden, um Schweinen ein Verhalten zu ermöglichen, das ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht.

 

abstract (englisch)

The aim of the present thesis was the evaluation of tail-biting behaviour in pigs in order to gain further information on the causes and the underlying mechanism of this abnormal behaviour. Therefore, two different experimental set-ups concerning environmental enrichment and weaning management were carried out under practical conditions. The focus of the environmental enrichment study was on the effect of manipulable material provided for long-tailed piglets. In addition to former studies in this research field, the focus was given to the farrowing and rearing phases instead of the fattening period. Two different substrates, dried corn silage (SG, n = 245) and alfalfa hay (AG, n = 245) were provided to the piglets twice per day from the second week of life until the end of rearing. A control (CG, n = 231) were kept without provision of additional raw material. The focus of the second study was on weaning management, since reliable information of its effect on tail-biting is still missing. The hypothesis proposed was that the avoidance of stress through mixing after weaning has positive effects on the manifestation of behavioural disorders. In total, 478 long-tailed piglets were divided into two groups, 240 piglets were housed in litter groups (LG), whereas 238 piglets were mixed at least out of three different litters (MG). The data in both studies were collected with a scoring scheme regarding tail lesions/ tail losses once per week with a four-point score (0 = no damage/ original length of tail to 3 = severe damage/ total loss of tail). In the environmental enrichment study, video observations of 99 piglets during farrowing and 188 piglets during rearing delivered additional data on the activity behaviour at group level and the piglets’ occupation with the material provided. The focus of video observation in the weaning management study was on manipulative behavioural patterns and piglets’ behaviour prior to a tail-biting outbreak. Recorded video material of five pens (60 piglets) was under analysis by instantaneous scan sampling and continuous observation. Based on the frequencies of the manipulative behaviour performed, each piglet produced a character score, which enabled it to be classified as a performer, neutral or a receiver of manipulative behavioural patterns. The results in both studies were similar regarding the tested effect of week after weaning on tail lesions and tail losses. Tail-biting started on average two to three weeks after weaning, followed by tail losses one to two weeks later. A finding which can be explained by several conversions piglets are faced with during the weaning process. Separation from the sow and adaption to a new environment (social and spatial) contribute to stressful situations for the piglets. If they fail to cope with these challenges, piglets could develop tail-biting behaviour. In the environmental enrichment study, the amount of tail losses decreased with the number of batches (96.4 % in batch one vs. 7.4 % in batch ten). This can be explained by an enhanced and more precise animal observation by stable staff and points out the learning process in the course of the study. Piglets out of all batches lost their tails to the greatest extent in CGs (50.4 %), followed by AGs (49.2 %) and SGs (30.2 %) at the end of rearing. Curative measures were also carried out in CGs to avoid severe injuries and welfare problems in the case of tail-biting outbreaks. Thus, CGs were falsified, which could have led to an approximation of raw material groups and control groups. The number of tail lesions and tail losses in the weaning management study differed without a clear trend between the treatment groups and the batches. This finding could be explained by the different forms of tail-biting. Two stage tail-biting is longer lasting than sudden forceful tail-biting, thus, the first form was probably detected more securely during weekly scoring. Furthermore, dysfunctions in water or feed accessibility or climate variations within the units could have provoked behavioural disorder. The daily weight gain of the piglets showed no clear trend over treatment groups and batches and could not be connected with the weekly scoring of tail lesions and tail losses in both studies. Corn silage stayed attractive for the piglets during the whole observation period in the environmental enrichment study, whereas the acceptance of alfalfa hay decreased towards the end of rearing. This could be explained by a better palatability of corn silage due to higher concentrations of carbohydrates and lower dry-matter content. There was no clear trend between activity behaviour and the level of tail-biting within the batches. The pen mate-directed behaviour tail exploration in the weaning management study increased over five days prior to a scored tail-biting outbreak. The frequencies of belly nosing were highest in the pen which was observed closest to weaning, which indicates a connection to the weaning process. The receivers of nosing behaviour lay more frequently than the performers, thus, they reacted less defensively and tolerated manipulations with the snout more frequently, whereas performers showed higher general activity. A provision of raw material from the second week of life until the end of rearing and a renunciation of mixing after weaning cannot prevent tail-biting during rearing. Rearing of long-tailed pigs requires intensive animal observation and direct intervention in the case of tail-biting outbreaks, provision of raw material as manipulable material is useful. There were clear differences in individual pig characters and it needs to be taken into account that every piglet has different coping strategies to react to environmental changes. Today’s conventional husbandry systems could overtax this adaptive capacity of the piglets. Therefore, housing should be adapted further in a way which meets the demands of natural behaviour in pigs.

 

keywords

Schweine, Schwanzbeißen, Videobeobachtungen, pigs, tail-biting, video observation

kb

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