Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Thorsten Steinmann

Untersuchungen zur Standardisierung der pathologisch-anatomischen Befunderhebung an Lungen von Mastschweinen auf unterschiedlichen Schlachthöfen im Rahmen der Einführung der risikoorientierten Schlachttier- und Fleischuntersuchung

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-111644

title (eng.)

Investigations on standardization of pathologic-anatomic lung scoring of fattening pigs at different abattoirs in the framework of the implementation of the risk-based meat inspection

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2018

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/steinmannt_ss18.pdf

abstract (deutsch)

Durch Änderungen der europäischen Gesetzgebung in der Fleischhygiene seit 2004 mit dem sogenannten Hygienepaket und insbesondere durch die Verordnung (EU) Nr. 219 aus dem Jahr 2014, hat die Relevanz pathologisch-anatomischer Organbefunde als amtliche, landwirtschaftliche sowie tierärztliche Bewertungsgrundlage für die Herdengesundheit von Nutztierbeständen deutlich zugenommen. Auf der Grundlage standardisiert erfasster Organbefunde innerhalb kontinuierlicher Befunddatenrückmeldungen an die Landwirte und die bestandsbetreuenden Tierärzte besteht die Möglichkeit, die Lebensmittelsicherheit, die Herdengesundheit und das Tierwohl zu verbessern. Darüber hinaus haben die erhobenen Organbefunde einen Einfluss auf die grundlegenden amtlichen Entscheidungen zur bevorstehenden Untersuchungsintensität erneuter Schlachtungen von Nutztieren eines Bestandes.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind Untersuchungen zur standortübergreifenden Standardisierung amtlicher Lungenbefunderhebungen bei Mastschweinen an zwei industriellen Schlachthöfen in Deutschland und Maßnahmen zu ihrer Verbesserung. Die vorliegende Arbeit wurde in insgesamt fünf verschiedenen Phasen durchgeführt: (1) Status-Quo-Untersuchungen (2) Entwicklung und Überprüfung eines Bewertungsstandards für oberflächenassoziierte Lungenläsionen („Rule-of-Tens“) (3) Entwicklung und Überprüfung eines Schulungs- und Trainingsprogramm für amtliche Fachassistenten (4) standortinterne und standortübergreifende Post-Training-Untersuchungen und (5) Literaturbewertung.

Die Status-Quo- sowie Post-Training-Erhebungen untersuchen die zum Untersuchungszeitpunkt unter industriellen Bedingungen im operativen Feld erhobenen amtlichen Lungenbefunde an zwei Schlachtstandorten im Hinblick auf ausreichende standortinterne und -übergreifende Objektivität und Reproduzierbarkeit. Die Untersuchungen erfolgten jeweils durch parallele Doppelbefunderhebungen zwischen wechselnden amtlichen Fachassistenten eines Fleischuntersuchungsstellenteams sowie dem Autor als qualifizierte Referenz.

Sowohl Status-Quo-Untersuchungsergebnisse als auch Post-Training-Ergebnisse zeigen dabei im Vergleich zum Referenzbefunder an beiden Schlachthöfen z.T. hohe Befundabweichungen der kumulativ ausgewerteten Daten für einzelne Tage. Die Auswertung dieser Daten über größere zusammenhängende Zeiträume, wie den Gesamterfassungszeitraum (d.h. hier zusammengefasste Untersuchungstage pro Untersuchungsphase), zeigen demgegenüber geringere Abweichungen.

Ausgehend von der Status-Quo-Untersuchung beinhalten die vorliegenden Arbeiten die Überprüfung des selbst entwickelten, vereinfachten Bewertungsstandards für oberflächenassoziierte Lungenläsionen („Rule-of-Tens“) in Verbindung mit einem Schulungs- und Trainingsprogramm für amtliche Fachassistenten. Anhand der Erfahrungen und im Wissen um standortspezifische Defizite sowie den Ergebnissen der Status-Quo-Untersuchungen wurde das Trainingsprogramm vor seiner Durchführung problemorientiert angepasst und auf die standortspezifischen Unterschiede bedarfsgerecht abgestimmt. Besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang bestand in der Vermittlung der richtigen Differenzierung zwischen Schlachtartefakten und pneumonisch bedingten Lungenveränderungen unter Berücksichtigung der lokal unterschiedlichen Schlachttechniken.

Die vergleichenden Doppelbefunderhebungen der Post-Training-Untersuchung beider Schlachthöfe haben das für diese Arbeit entwickelte Schulungs- und Trainingsprogramm (in Verbindung mit dem entwickelten Lungenbewertungsstandard) auf potentielle Optimierungseffekte in Form reduzierter Abweichungen des amtlichen Personals gegenüber dem Autor als qualifizierte Referenz geprüft. Insgesamt konnte eine generelle Aussage zur standortinternen und -übergreifenden Standardisierungsfähigkeit der gegenwärtigen amtlichen Lungenbefunderhebung getroffen werden. Die gegenüber dem Referenzbefunder abweichenden Erhebungen der amtlichen Fachassistenten reduzierten sich nach Auswertung der Post-Training-Untersuchungen in allen pathologischen Befundschlüsseln sowohl standortintern als auch standortübergreifend um etwa die Hälfte. Im Vergleich zu den z.T. hohen und sehr unterschiedlichen Ausgangsleistungen der Status-Quo-Untersuchungen beider Schlachtstandorte variieren die Abweichungen abschließend auf einem deutlich niedrigeren und somit verbesserten Niveau. Darüber hinaus belegen die Erhebungen je nach Standort sowohl relevante als auch statistisch signifikante Reduktionen in den Befundabweichungen gegenüber dem Referenzbefunder.

Das vorgelegte Standardisierungsprogramm für die amtliche Lungenbefund-erhebungen bei Mastschweinen (Einführung eines einheitlichen Lungenbefundungsschema in Verbindung mit theoretischer Schulung und gezieltem praktischen Training) hat sich nach den vorgelegten Daten als effektiv erwiesen. Die Thematisierung der wichtigen tiergesundheitlichen Relevanz amtlicher Befunderhebungen als Voraussetzung für eine valide Tiergesundheitsbewertung von Schweinebeständen könnte dabei insgesamt die Sensibilität und Beurteilungsfähigkeit der amtlichen Fachassistenten mithilfe der quantitativ graduierenden Erfassungsform pathologischer Lungenbefunde deutlich erhöht haben. Die erhobenen Daten legen nahe, dass das gesamte Optimierungskonzept die Vergleichspräzision und damit die Homogenität in der Lungenbefunderhebung im industriell operierenden Feld deutlich gesteigert hat. Es eignet sich darüber hinaus, im Rahmen notwendiger und kontinuierlicher Qualitätssicherung bedarfsbezogen herangezogen zu werden. Um letztlich objektive Aussagen zur Variabilität zwischen Schlachthöfen tätigen zu können, ist die Einführung einer qualifizierten Referenz (Tierarzt) notwendig. Standortübergreifende, objektive Vergleiche werden in diesem Zusammenhang erst durch seine Erhebungen ermöglicht.

Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse unterstützen zum einen den Anspruch auf ein einheitliches Vorgehen bei der Standardisierung der amtlichen Lungenbefunderhebung in Deutschland. Sie sind im Zusammenhang mit einer generellen Forderung nach Verbesserungen in der Aus- sowie Fort- und Weiterbildung des mit der Lungenbefunderhebung betrauten amtlichen Fleischuntersuchungspersonals zu sehen. Zum anderen ist erst eine standortübergreifend einheitliche Verwendung eines Lungenstandards in Verbindung mit einer standortübergreifend einheitlichen und zielgerichteten Schulung und der Begleitung durch eine qualifizierte Referenz in der Lage, eine bessere Vergleichbarkeit der Lungenbefunderhebung auf nationaler Ebene zu erreichen.

abstract (englisch)

Due to modifications of the European legislation in meat hygiene since 2004 by means of the so called Hygiene Package, in particular with the Regulation (EC) No. 219 from 2014, pathological-anatomical slaughter findings increased in relevance as evaluation basis for official veterinarians, farmers as well as their consulting veterinarians in the view of herd health. Based on standardized assessments, organ findings are to be reported continuously to the farmers and their consulting veterinarians and, thus, improve food safety, herd health as well as animal welfare. Furthermore, organ findings have an impact on official decisions regarding the intensity of meat inspections of a given livestock.

Objectives of the present research are investigations and improvements of the cross-facility standardization of official lung lesion recording during post-mortem inspection of fattening pigs under industrialized conditions at two different abattoirs in Germany.

The study is including five different stages: (1) Status-quo-investigations (2) Development and validation of a simplified evaluation system for surface-related lung lesions (“rule-of-tens“) (3) Development and validation of a theoretical and hands-on training program for official auxiliaries (Reg. (EC) No. 854/2004) (4) Single facility and multi facility post-training-investigations (5) Review of the literature.

The status-quo- as well as the post-training-assessments investigated in objectivity and reproducibility of the official lung lesion evaluations across two different abattoirs during operating working conditions in an industrialized setting. For this purpose the lung examinations were conducted with parallel lung lesion scoring by changing official auxiliaries of each meat inspection team and the author as qualified reference.

At both abattoirs, the daily cumulated data of the status-quo- as well as post-training-investigations showed partially high deviations from the reference. In contrast, cumulated data of longer terms (i.e. collective assessment days per investigation period) showed minor deviations from the reference.

Starting from the status quo investigation, the present research is including the development and validation of a simplified evaluation system for surface-related lung lesions (“Rule-of-tens”) combined with a theoretical and hands-on training program for official auxiliaries. Before the training program was carried out, it was adjusted by facility-specific experiences and results including identified status quo deficits. Specific local differences were adapted adequately. It was important to exercise the correct distinction between artifacts, caused by different local slaughter techniques and inflammatory lung lesions.

In a post-training-period, deviations in lung lesion scoring of the official auxiliaries from the author scoring as a qualified reference have been rechecked. Overall, the capability of the system to standardize lung lesion scoring was proven, regarding both, the single facility and the multi facility analysis. If post-training results were compared to the reference, deviations were reduced by half in all diagnostic keys. In comparison to the partially high and very heterogenic performance at the beginning of the status-quo- assessment, the deviations on both slaughterhouses varied on a distinctly lower level. This holds for both, the single facility and the multi facility analysis. Furthermore, the results per facility demonstrated relevant and significant reductions in the deviations of lung lesion findings from the reference.

Data suggest that the present lung lesion standardization procedure (introduction of a unified lung lesion evaluation system for fattened pigs in addition with theoretical education and targeted training) has demonstrated its efficacy in improving official lung lesion scoring. Thematisation of the relevance of a valid valuation of herd health of pig stock seemed to have significantly increased the awareness of the official auxiliaries, especially the importance of a quantitative scoring system on pneumonia. Results suggest that the overall concept of optimization raised the lung lesion evaluation reproducibility and thereby its homogeneity in an industrial operating setting. Furthermore, the concept is suitable for the use in the framework of necessary and continuous quality assurance. Finally, for objective statements on inter-abattoir variability, the implementation of a qualified reference (veterinarian) is necessary. Objective cross-facility comparisons are realizable by his evaluations only.

On one hand, the current investigations are underlining the demand for improvements by standardization in the official lung lesion scoring in Germany. This mandate is in close association with general improvements on apprenticeship, further education as well as specific training of personnel involved in official meat inspections. On the other hand, the unified use of a cross-facility standard to score lung lesions across abattoirs in association with unified and targeted training backed up by a reference opens the possibility to standardize on a national level.

keywords

Lunge, risikoorientierte Schlachttier- und Fleischuntersuchung, Schwein ; lung, risk-based meat inspection, pig

kb

1.326