Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Svenja Sepeur

 

Comparison of laying hens with intact and trimmed beaks kept in deep litter systems in commercial farms

regarding the animal health as well as the occurrence of feather pecking and cannibalism

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-108542

title (ger.)

Vergleich von Legehennen mit intakten und gekürzten Schnäbeln in Bodenhaltung in Praxisbetrieben bezüglich der Tiergesundheit sowie des Auftretens von Federpicken und Kannibalismus

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/sepeurs_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Das Ziel der vorliegenden Studie war es zu prüfen, welchen Einfluss die Haltung von Legehennen mit intakten und gekürzten Schnäbeln in Praxisbetrieben auf das Auftreten von Federpick- und Kannibalismusverletzungen hat.

 

Die Untersuchung umfasste insgesamt 16 Herden in elf Praxisbetrieben (fünf Aufzuchtbetriebe und sechs Legebetriebe). Davon hatten die Tiere von acht Herden einen intakten Schnabel und die Tiere der anderen acht Herden einen gekürzten Schnabel. Zum direkten Vergleich hielt jeder Betrieb zeitgleich eine Herde mit Legehennen mit ungekürzten Schnäbeln sowie eine Herde mit Legehennen mit gekürzten Schnäbeln. Mit Ausnahme des Beschäftigungsmaterials, dass nur den Tieren mit intakten Schnäbeln angeboten wurde, wurden beide Herden eines Betriebes unter identischen Managementbedingungen gehalten. Als Beschäftigungsmaterial wurden Sandbäder, Pickblöcke, Stroh- und Heuballen sowie bunte Plastikteile verwendet, wobei in den verschiedenen Herden jeweils nur eine Auswahl dieser Materialien eingesetzt wurde. Während zwei Herden in klassischer Bodenhaltung gehalten wurden, waren die restlichen Herden in Volieren untergebracht. Mit Ausnahme von zwei Herden, die aus der Legelinie Dekalb White (DW) bestanden, umfassten die anderen Herden Tiere aus dem Stamm Lohmann Brown (LB). Insgesamt waren sieben regelmäßige Besuche geplant. Der erste Besuch wurde zwischen der 14. und 16. Lebenswoche am Ende der Aufzuchtphase durchgeführt. Die Herden wurden nach der Umstallung (17. bis 23. Lebenswoche) und während der Legespitze (26. bis 29. Lebenswoche) besucht. Die folgenden Besuche wurden jeweils in den Lebenswochen 40 bis 41, 52 bis 55 und 64 bis 65 durchgeführt. Die letzte Untersuchung der Herden fand am Ende der Legeperiode (71. bis 77. Lebenswoche) statt. Im Fall eines Kannibalismusausbruchs wurden zusätzliche Betriebsbesuche durchgeführt.

 

Während der Betriebsbesuche wurden 50 Legehennen pro Herde zufällig ausgesucht und beurteilt. Die erfassten Parameter umfassten das Lebendgewicht, die Beschädigung und den Verlust des Gefieders sowie das Vorkommen und Ausmaß von Hautverletzungen.

 

Der Schnabelzustand wurde als fixer Effekt für die Analyse des Gefiederzustandes und der Hautverletzungen angesehen. Zwischen den Legehennen mit intaktem und gekürztem Schnabel wurden keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Lebendgewichtes, des grundsätzlichen Auftretens von Kannibalismus und des Legehennenalters zum Zeitpunkt des Kannibalismusausbruchs festgestellt.

 

Während der gesamten Studie war der Gefiederzustand der Tiere mit intakten Schnäbeln signifikant schlechter als der ihrer schnabelgekürzten Artgenossen. Allerdings hatte auch das Alter der Legehennen einen signifikanten Einfluss auf den Gefiederzustand. Generell nahmen mit zunehmendem Alter der Legehennen die Gefiederbeschädigungen und die Gefiederverlustes zu. Erste Anzeichen von Federpicken konnten bereits bei den Junghennen am Ende der Aufzuchtphase (14. bis 16. Lebenswoche) festgestellt werden.

 

Während der Schnabelzustand keinen signifikanten Einfluss auf das Lebendgewicht (Durchschnittsgewicht 1824 g intakter Schnabel vs. 1844 g gekürzter Schnabel am Ende der Legeperiode) und auf das generelle Auftreten von Kannibalismus hatte, war das Ausmaß der Hautverletzungen zum Zeitpunkt eines Kannibalismusausbruchs signifikant höher (P=0,0004) in den Herden mit ungekürzten Schnäbeln verglichen mit den schnabelgekürzten Herden. Zum Zeitpunkt eines Kannibalismusausbruchs war die Anzahl der Hennen mit Hautverletzungen größer als 5 mm 14% höher in den Herden mit Tieren mit intakten Schnäbeln als in den Herden mit Tieren mit gekürzten Schnäbeln. Auch wenn der Effekt des Legehennenalters insgesamt keinen signifikanten Einfluss auf den Zeitpunkt des Kannibalismusausbruchs zeigte, waren die Legehennen mit intakten Schnäbeln (43,5 Lebenswochen) zehn Wochen früher betroffen als die Legehennen mit gekürzten Schnäbeln (53,3 Lebenswochen).

 

Im Fall von Kannibalismusausbrüchen konnten Notfallmaßnahmen wie die Anreicherung des Trinkwassers mit Kochsalz oder Magnesium, die Lichtreduktion sowie wie der Einsatz von weiterem Beschäftigungsmaterial, die einzeln und in Kombination eingesetzt wurden, die Situation beruhigen.

 

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie lassen schlussfolgern, dass eine Haltung von Legehennen mit intakten Schnäbeln durchaus möglich erscheint. Da der Schnabelzustand nicht das generelle Auftreten von Federpicken und Kannibalismus beeinflusst, allerdings ein ungekürzter Schnabel ein höheres Ausmaß der Gefiederschäden und Hautverletzungen begünstigt, sollten für die erfolgreiche Legehennenhaltung die Managementbedingungen optimiert werden. Vor allem eine regelmäßige Tierkontrolle durch qualifiziertes Personal ist notwendig um erste Anzeichen von beginnenden Verhaltensstörungen zu bemerken und darauf unverzüglich mit angemessenen Gegenmaßnahmen zu reagieren.

 

Es besteht weiterhin Forschungsbedarf zum Verhalten von Jung- und Legehennen unter dem standardisierten Einsatz von Beschäftigungsmaterial sowie zum Einfluss des Stallklimas mittels kontinuierlicher Messungen.

abstract (englisch)

The aim of the present thesis was to compare laying hens with intact and trimmed beaks regarding the occurrence of feather pecking and cannibalism.

 

The investigation included 16 flocks of eleven commercial laying hen farms (five rearing farms and six laying farms). Birds from eight of the flocks were beak trimmed and those of the other eight flocks had an intact beak. Every farm kept one flock of hens with intact beaks and one flock with trimmed beaks at the same time for comparison. With the exception of manipulable materials, which were provided in flocks comprising hens with an intact beak, both of the flocks per farm were kept under identical management conditions. Sand baths, pecking blocks, straw and hay bales as well as colourful plastic objects were used as manipulable materials, whereby a variety of these materials were given to the several flocks of layers with intact beaks. Two flocks were housed in a classical litter and wire system, while all other flocks were kept in aviaries. With the exception of two flocks comprising birds of the layer line Dekalb White (DW), all of the flocks consisted of hens of the Lohmann Brown (LB) strain. Seven visits were planned in regular intervals. The first visit was carried out between the 14th and 16th week of age at the end of the rearing period. Flocks were visited after their rehousing to the laying farm (17th to 23rd week of age) and during the peak of the laying period (26th to 29th week of age). Following visits were carried out in flocks aged 40 to 41, 52 to 55 and 64 to 65 weeks, respectively. Last examinations of flocks took place at the end of the laying period (71st to 77th week of age). In the case of cannibalism or feather pecking outbreaks, farms were visited additionally.

 

Within the farm visits, a total of 50 randomly chosen laying hens per flock were scored for several traits regarding animal welfare. The investigated parameters comprised the live weight, the damage and loss of plumage as well as the skin injuries.

 

The beak status was regarded as a fixed effect for the analysis of plumage condition and skin injuries. No significant differences between layers with intact and trimmed beaks were detected for the live weight, the basic occurrence of cannibalism and the laying hens’ age at the time of cannibalism outbreaks.

 

Within the whole study period, the plumage condition of birds with intact beaks was significantly worse compared to their beak-trimmed conspecifics. However, the laying hens’ age had a significant influence on the plumage condition too. We detected an increase of plumage damage and plumage loss with the increasing age of layers. First signs of feather pecking could be detected already in pullets at the end of the rearing period (14th to 16th weeks of age).

 

While the status of beak had no significant influence on the live weights (average weight 1824g intact beaks vs. 1844g trimmed beaks at the end of the laying period) and the basic occurrence of cannibalism, the extent of skin injuries was significantly higher (P=0.0004) in flocks with untrimmed beaks compared to the beak-trimmed flocks at the time of cannibalism outbreak. When cannibalism occurred, the number of injured hens with skin lesions greater than 5 mm was approximately 14% higher within flocks of untrimmed hens than those comprising birds with trimmed beaks. Although the overall effect of age had no significant influence on the time of cannibalism outbreak, flocks comprising hens with intact beaks (43.5 weeks of age) were affected ten weeks earlier than the beak-trimmed laying hen flocks (53.3 weeks of age).

 

In cases of cannibalism outbreaks, emergency procedures like the enrichment of drinking water with sodium chloride or magnesium, reduction of light intensity as well as the use of further foraging material could calmed the situation and reduced damaging pecking.

 

In conclusion, the results of the present thesis indicate that it seems to be possible to keep laying hens with intact beaks. While the beak status showed no influence on the basic occurrence of feather pecking and cannibalism, the extent of plumage damage and skin injuries increased by the untrimmed beak. For that reason, the management conditions should be optimized for a successful laying hen husbandry. In particular, regular inspections of qualified staff are necessary to recognize first signs of the behavioural disorders and react immediately with suitable countermeasures.

 

Further research under standardised use of manipulable materials and continuous measurements of climate is recommended.

keywords

Schnabelkürzen, Federpicken, Kannibalismus, beak trimming, feather pecking, cannibalism

kb

356