Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Julia-Charlott Seiler

 

Epidemiologische Untersuchungen zur Identifizierung von Determinanten des Antibiotikaeinsatzes pro Tier in ausgewählten Schweinebeständen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-106910

title (engl.)

Epidemiologic investigation to identify factors determining the use of antibiotics per animal in chosen pig herds

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2015

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/seilerj_ss15.pdf

abstract (deutsch)

Neben der Behandlung von Infektionskrankheiten ist der Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin im Sinne des Tierschutzes, der Herstellung von sicheren und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln sowie der Vermeidung der Übertragung von Zoonosen auf den Menschen unerlässlich.

Dennoch steht der Einsatz von Antibiotika, insbesondere bei Lebensmittel liefernden Tieren, zunehmend in der Kritik, da jeder Einsatz von Antibiotika mit einer Entwicklung von Resistenzen einhergehen kann.

Daher ist es unerlässlich, den Verbrauch von Antibiotika in der Nutztierhaltung zu erfassen. Monitoringprogramme lassen eine semi-quantitative Bewertung des Antibiotikaeinsatzes zu.

Um jedoch eine betrieblichen Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in Tierbeständen mit überdurchschnittlich hohen Antibiotikagaben erreichen zu können, ist eine gezielte qualitative Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Antibiotikaanwendung und Betriebstruktur, Tierbetreuung, Tiergesundheitsstatus, Indikationsstellung und Therapieform erforderlich.

In der vorliegenden Arbeit sind, ausgewählt auf Grundlage des QS-Antibiotikamonitorings, 15 Schweinemastbetriebe mit einem sehr niedrigen Therapieindex von unter fünf und 15 Betriebe mit einem sehr hohen Therapieindex von über zwanzig untersucht und Aussagen zu den Ursachen des hohen bzw. geringen Antibiotikaeinsatzes in ausgewählten Mastschweine haltenden Betrieben erarbeitet worden, um betriebliche Optimierungsmöglichkeiten abzuleiten und bei gleichzeitiger Verbesserung der Tiergesundheit schrittweise den Antibiotikaeinsatz in Betrieben mit hohem Antibiotikaverbrauch senken zu können. Nach Auswertung der relativ gut quantifizierbaren Faktoren wie die Betriebsdaten, Tiergesundheitsstatus, Bestandshygiene, Indikationsstellung und Therapieform, gab es - mit Ausnahme von der Anzahl der Ferkelherkünfte - keine signifikanten Ergebnisse bezüglich der Höhe des betrieblichen Antibiotikaeinsatzes.

Es hat sich gezeigt, dass sich der Einfluss auf den Antibiotikaeinsatz in Mastschweine haltenden Betrieben aus zwei völlig unterschiedlichen Komponenten zusammensetzt. Ein Punktesystem wurde entwickelt, um Faktoren wie die Qualität der Tierbetreuung, Tierbeobachtung, die Reaktionsschwelle der Landwirte bei beginnenden Erkrankungen der Tiere, die Sorgfalt bei der Arbeit, die Beratungsoffenheit der Betriebsleiter, Belastungen außerhalb der Tierbetreuung, die Motivation und ein Festhalten an alten Strukturen semi-quantitativ beurteilen zu können. Das Punktesystem von 9 bis 45 wurde so gestaltet, dass, je niedriger die erreichte Punktzahl ist, umso positiver werden die ermittelten sogenannten „Soft Skills“ bewertet, das heißt: niedrige Punktzahlen signalisieren eine gute Tierbetreuung und eine bereits vorhandene Sensibilisierung bezüglich eines sorgsamen Umgangs mit Antibiotika beim betreffenden Landwirt.

Zu berücksichtigen ist auch, dass es unvorhersehbare und im Vorfeld schlecht zu beeinflussende Umstände gibt, die den Therapieindex plötzlich steigen lassen können. Dies kann, wie im Verlauf der Studie geschehen, z.B. ein Dysenterieeinbruch in einem Betrieb sein, der vor dem Krankheitseinbruch über lange Zeit einen sehr niedrigen Therapieindex hatte. Wichtig ist zu beachten, dass kranke Tiere behandelt werden müssen und es auf Grund von Krankheitseinbrüchen zu temporär hohen Antibiotikagaben kommen kann, diese Betriebe jedoch keinesfalls „schlechte“ Betriebe sind. Eine Betrachtung des Therapieindexes über längere Zeiträume ist deshalb ratsam, um dauerhafte „Hochverbrauchsbetriebe“ identifizieren zu können, die letztendlich die Zielgruppe für einzuleitende Maßnahmen darstellen.

Betriebe, die im Verlauf der Studie den Antibiotikaeinsatz reduziert haben, wären ohne tierärztliche Hilfe und Beratung sowie ohne die Aufklärung über die vorherrschende Resistenzproblematik kaum bereit gewesen, etwas zu ändern. Aus diesem Grund ist es für eine Antibiotikareduktion in Betrieben mit dauerhaft hohem Therapieindex unerlässlich, die betreuenden Hoftierärzte und andere Beratungsinstitutionen wie z.B. die Schweinegesundheitsdienste als Partner zu gewinnen.

Es gibt keine auf alle Betriebe allgemein anzuwendende Patentlösung, um den Antibiotikaeinsatz dauerhaft zu reduzieren. Jeder Betrieb und vor allem jeder Betriebsleiter ist anders und nicht miteinander zu vergleichen. Nur eine sachliche Analyse der betriebsspezifischen Defizite, eine anschließende Aufklärung der Landwirte sowie eine tierärztliche Beratung zu möglichen betriebsindividuellen Optimierungsmöglichkeiten auch unter Berücksichtigung der identifizierten „Soft Skills“ der Landwirte stellen die Grundlage dar, um den Antibiotikaeinsatz in Schweine haltenden Betrieben schrittweise minimieren zu können, ohne den Tiergesundheitsstatus des Bestandes zu beeinträchtigen.

abstract (englisch)

Apart from treating infectious diseases antibiotics are applicated for the purpose of animal welfare, producing safe food of real quality and avoiding communication of zoonosis to human beings.

Nevertheless the use of antibiotics, especially in food-producing animals, is criticized increasingly because the use of antibiotics can be accompanied with the development of resistance.

Therefor it is necessary to gather consumption of antibiotics in livestock animals. An assessment by monitoring programs admits a semi-quantitive evaluation.

Nevertheless a qualitative evaluation of relationships between the use of antibiotics and dates of farm, animal health status, hygiene, indications and therapy is necessary for decrease therapy index in farms with a very high use of antibiotics.

On the basis of the QS antibiotics monitoring 15 farms with a very low therapy index and 15 farms with a very high therapy index were examined in this presented investigation. Conclusions concerning causes for a high or low therapy index were made for inferring optimization measures and coincident reducing antibiotics usage with an improvement of animal health in herds with a high therapy index.

After the evaluation of relatively good quantifiable factors like basic dates of farm, animal health status, hygiene, indications and therapy, there were no significant results concerning the height of therapy index.

It has shown that the influence on the therapy index in pig fattening farms is composed of two entirely different components. It became more and more obvious, that hard to quantifiable factors like quality of animal care, observation of animals, the farmers´ reaction rate in case of diseased animals, the diligence of working, being accessible for consultation, burdens beyond animal care, the motivation and holding on practice of behaving are able to influence the usage of antibiotics in a negative or a positive way.

A scoring system was developed for evaluating these factors in a semi-quantitative way. The scoring system from 9 to 45 was arranged the lower the achieved point score is, the more positive the so called “Soft Skills” are rated.

That means: very low point scores indicate a good observation of animals and the presence of sensitization concerning a conscientious handling with antibiotics.

You have to take into consideration that there can be unpredictable and uninfluenceable circumstances which can rise the therapy index suddenly. This can be, as happened in this investigation, for example pigs suffering from swine dysentery on a farm which used to have a very low therapy index before this disease.

It is important that diseased animals are medicated and because of diseases there always can be a high temporary therapy index. In this case these farms are not “bad working” farms. Therefore an ascertainment of therapy index over a long interval of time is advisable to identify farms with a very high therapy index which are eventually the target group for actions to be taken.

Farms which had decreased their therapy index would not have been willing to change without any help, advice and enlightenment from their veterinarian.

Therefore to decrease the therapy index in farms with a very high use of antibiotics for a long period of time it is essential to have partners like veterinarians or other consultants.

There is no patent remedy for all farms how to decrease therapy index. Every farm and especially every farmer is different and imcomparable. Only an objective analysis of deficits with a following enlightenment of the farmer and veterinary advice about optimizing possibilities considering the farmers´ Soft Skills are the foundations for decreasing therapy index with an improvement of animal health in pig herds.

keywords

Determinanten, Antibiotikaeinsatz, Schweinemast, determinants, use of antibiotics, fattening pigs

kb

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