Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine
Hannover / Library
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Ute Elisabeth Schulze
Sievert |
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Ein
Beitrag zur tiergerechten Haltung der Mongolischen Wüstenrennmaus anhand der
Literatur |
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title (engl.) |
A contribution to animal welfare in Mongolian
gerbil husbandry - a literature review |
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publication |
Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2002 |
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text |
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abstract (deutsch) |
Mongolische Wüstenrennmäuse wurden im 19. Jahrhundert in China
entdeckt. Einige Jahrzehnte später wurde aus einigen Wildfängen zunächst in
Japan und in den USA eine Zuchtkolonie für Forschungszwecke aufgebaut. In den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Tierart auch in Europa
eingeführt. Das freundliche zutrauliche Wesen, die relative Freiheit von
spontanen Erkrankungen und die problemlose Nachzucht in Gefangenschaft machen
die Mongolische Wüstenrennmaus zu einer interessanten Tierart sowohl für die
Forschung als auch für die Haltung als Heimtier. In begrenztem Umfang werden auch nahe verwandte Arten der Mongolischen
Wüstenrennmaus als Heim- und Versuchstiere gehalten. Der Schwerpunkt dieser
Arbeit liegt jedoch auf den Haltungsbedingungen der Mongolischen
Wüstenrennmaus. Konkrete gesetzliche
Vorschriften über Haltung und Pflege der Mongolischen Wüstenrennmaus
existieren weder für die Haltung als Versuchstier noch für die Haltung im
Tierheim, in der Zoohandlung oder für die Heimtierhaltung. Lediglich die
allgemeinen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes sowie allgemeine Richtwerte
und Empfehlungen im Bereich der Versuchstierhaltung bilden eine gesetzliche
Grundlage. Daneben existieren zahlreiche Empfehlungen zu den
unterschiedlichen Haltungsstrukturen, die zumeist auf Erfahrungen und
praktischen Aspekten beruhen und zum Teil erheblich voneinander abweichen. Ziel dieser Arbeit ist es, den
derzeitigen Wissensstand über Haltung und Pflege der Mongolischen
Wüstenrennmaus zusammenzutragen, mit Hilfe ethologischer Erkenntnisse auf
Tiergerechtheit zu überprüfen und Haltungsempfehlungen daraus abzuleiten. Die
verwendete Literatur stammt vorrangig aus dem deutsch- und englischsprachigen
Bereich. Als Grundlage dient das
Tierschutzgesetz und die Erläuterung der darin genannten Schlüsselbegriffe.
Dabei handelt es sich um Empfindungen, die nicht eindeutig definiert sind und
nicht unmittelbar nachgewiesen werden können. Der wissenschaftlich exakte und
repräsentative Nachweis von Befindlichkeiten kann mit Hilfe ethologischer
Konzepte erfolgen. Die Bezugsbasis liefert das tierartspezifische Ethogramm,
mit dessen Hilfe Verhaltensabweichungen erkannt werden können. Daneben werden
eine Reihe weiterer Indikatoren aus den Bereichen der Physiologie und
Pathologie für die Beurteilung der Tiergerechtheit von Haltungsbedingungen
hinzugezogen. Im natürlichen
Verbreitungsgebiet leben Mongolische Wüstenrennmäuse in Familienverbänden
innerhalb festgelegter Territorien. Als Schutz vor Feinden und unangenehmen
klimatischen Bedinungen sowie als Nahrungsspeicher und Nest für den Nachwuchs
graben die Tiere unterirdische Bauanlagen. Die Ernährung erfolgt durch
verschiedene Pflanzenarten, deren Samen als Futtervorrat für den Winter
gehortet werden. Der Wasserbedarf wird vorrangig durch den Metabolismus des
Futters gedeckt. Die Haltung in Gefangenschaft
hat zahlreiche Auswirkungen auf das Verhalten und auf die Gesundheit der
Tiere. Bei der Mongolischen Wüstenrennmaus werden vor allem unter
Laborbedingungen Gitternagen und stereotypes Graben beobachtet. Negative
Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier werden zum Teil durch
entsprechende Hygienemaßnahmen vermieden. Dem intensiven
Bewegungsbedürfnis der Mongolischen Wüstenrennmaus ist durch einer
ausreichend großen Käfigfläche und einer dreidimensionalen Gestaltung
Rechnung zu tragen. Die Zuteilung der benötigten Käfigfläche hängt ab von der
Besatzdichte und der Strukturierung der Umgebung. Das ausgeprägte
Explorationsbedürfnis fordert eine reizreiche Raumgestaltung, wobei die Balance
zwischen einer sicheren Umgebung und dem Angebot neuer Reize als Stimulus
gehalten werden muss. Auch unter natürlichen Bedingungen sind die Tiere
ständig neuen Reizen ausgesetzt, an die sie sich im Laufe der Evolution
anpassen mussten. Eine reizarme Umgebung dagegen bedeutet für die Tiere
Unsicherheit und Kontrollverlust und ist deshalb nicht tiergerecht. Um das Grabebedürfnis zu
befriedigen, ist eine adäquate Einstreu in ausreichender Menge zur Verfügung
zu stellen. Das Nagebedürfnis wird duch Zugabe von Nagematerial wie Ästen,
Heu und Stroh befriedigt. Heu und Stroh dienen zugleich als Nistmaterial und
ermöglichen adäquates Nestbauverhalten. Dem Bedürfnis nach Futtersuche und
-bevorratung wird das Angebot von Futter direkt auf die Einstreu gerecht. Trotz
der Adaptation an Dürreperioden benötigen Mongolische Wüstenrennmäuse
jederzeit Zugang zu Trinkwasser. In diesem Punkt führt die Übertragung des
Wildtierverhaltens auf die Mongolische Wüstenrennmaus als Heim- und
Versuchstier zu einer Fehlinterpretation, da Klimafaktoren und Art der
Ernährung bei der Haltung in Gefangenschaft zum Teil erheblich von den
natürlichen Bedingungen abweichen. Das Bedürfnis nach sozialer Lebensweise erfordert die Paar- oder
Gruppenhaltung. Die Vergesellschaftung fremder Tiere führt zu aggressiven
Verhaltensweisen und ist nur unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen
möglich. Haltungsdefizite in der Heimtierhaltung werden vor allem durch
Unwissenheit der Besitzer verursacht. In der Versuchstierhaltung stehen
Praktikabilität, Wirtschaftlichkeit und die Notwendigkeit zur
Standardisierung der Haltungsbedingungen im Vordergrund, was vor allem
Defizite bei der geforderten reizreichen Umgebung und ein fehlendes Angebot
adäquater Rückzugsmöglichkeiten zur Folge hat. Insgesamt beruhen die gegenwärtig verwendeten Haltungseinrichtungen
eher auf gesammelten Erfahrungen als auf wissenschaftlich gesicherten
Erkenntnissen. Über die spezifischen Bedürfnisse der Mongolischen
Wüstenrennmaus und über die Ethologie dieser Tierart ist kaum etwas bekannt,
so dass hier grundsätzlich Forschungsbedarf besteht. |
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abstract (englisch) |
The Mongolian gerbil
was discovered in the 19th century in China and reached the European
continent in the sixties of the last century. Because of its friendly nature,
its healthiness and good results in reproduction it was first used as a
laboratory animal. Later on it became a pet as well. There are some other
related species used as laboratory animals or pets, but they did not reach
the importance of the Mongolian gerbil. Therefore this study set priorities
about husbandry and welfare of the Mongolian gerbil. Presently there
are no specific laws or regulations about husbandry and care of Mongolian
gerbils. There are only some general rules laid down in the
“Tierschutzgesetz” and in the European Convention for the protection of
vertebrate animals used for experimental and other scientific purposes. In
addition to this, numerous recommendations about the different housing
conditions are available. These were to a great extent based on experience
and practice, and in some points they differ considerably. The aim of this
study is the compilation of the present level of knowledge about husbandry
and care of the Mongolian gerbil, and to verify this in order to meet the
requirements of this species with the help of ethological methods.
Recommendations for ideal husbandry conditions are derived from this finally.
Informations gathered on this subject derives from literature written in
English or German. As a basis serves
the “Tierschutzgesetz” together with the explanation of the keywords
contained therein. This law mainly deals with feelings that are not defined
and hard to prove. With the help of ethological methods it is possible to
prove good or poor welfare in a scientific and representative way. Apart from
ethological characteristics the judgement of the husbandry conditions takes
place through physiological and pathological characteristics. In the natural
habitat Mongolian gerbils live in familiy groups in a defined territory.
Subterranean burrows offer protection against enemies and unpleasant climate conditions.
Beside this these burrows also serve as a food storage and as a nest for the
newborn. The natural food consists of a variety of plants. The demand for
water is mainly covered by food metabolism. In captivity the
housing conditions influence the behavioral patterns and the state of health.
Mainly under laboratory conditions stereotypic bar-chewing and stereotypic
digging is noticed. Some negative effects on the state of health can be
avoided by maintaining a regular cleaning schedule. The intensive
activity of the Mongolian gerbil underlines the need of enough space and
three-dimensional design. Environmental enrichment satisfies the marked
exploration behaviour. There is a strong need for a variety of stimuli,
otherwise the animal feels insecure and unable to control its environment.
Adequate type and amount of bedding satisfy the need for digging. Some
branches, hay and straw help the animal to gnaw, which is another existential
need. Hay and straw also serve as nesting material. To hide some food in the
cage induces the search for food and hoarding it. Mongolian gerbils always
need access to fresh drinking water in spite of the natural adaption to
drought conditions. Because of the social way of life they have to be kept in
groups or in monogamous pair formations. Animals unfamiliar with each other
become extremely aggressive when kept together. Deficiencies in
housing conditions of Mongolian gerbils as pets mainly emerge out of
ignorance. Under laboratory conditions special emphasis is given to practical
reasons, economic efficiency and the need to standardize. Because of this the
need for environmental enrichment is not always considered. The currently used
housing equipment is more likely developed on the basis of collected
experiences rather than based upon scientifically justified findings. There is only
little knowledge available about the specific needs and ethology of the
Mongolian gerbil. Therefore a need for more research in this field does
exist. |
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keywords |
Mongolische Wüstenrennmäuse, Tierschutz, Tierhaltung, Mongolian gerbil, animal welfare, animal husbandry |
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kb |
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