Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Katharina Schraven

Tierarzt und Tierärztin im Film

Studien zum Öffentlichkeitsbild des Berufes

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-108520

title (engl.)

Veterinarians in film. Studies on the public image of the profession.

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/schravenk_ss16.pdf

abstract (deutsch)

Diese Arbeit setzt die Dissertationen von Lena Schönbeck[1] und Katrin Borgsen[2] fort, welche sich mit der Darstellung des Tierarztes und der Tierärztin in der Belletristik sowie in der Kinder- und Jugendliteratur auseinandersetzten. In vorliegender Arbeit sollte erforscht werden, welchen Einfluss die modernen Medien wie Film und Fernsehen auf das öffentliche Bild des tierärztlichen Berufes haben. Von besonderem Interesse war hierbei die Frage, ob die vorliegende Untersuchung zum gleichen Ergebnis wie die vorangegangen Forschungen führt. Ist der typische Vertreter des tierärztlichen Berufes immer noch ein männlicher Allrounder, der in seiner eigenen Gemischtpraxis auf dem Land arbeitet und sein Privatleben dem Beruf unterordnet? Hat er weiterhin oft eine Familie, dient er seinen Kindern als Vorbild und sieht er sich dem Tierschutz verpflichtet?

Um diese Fragen zu klären und einen passenden Vergleich zu ermöglichen,  orientierten sich die Analyseschwerpunkte an den Kriterienkatalogen von Schönbeck und Borgsen. Zu den ausgewählten Filmen wurden jeweils eine Handlungs- und eine Figurenanalyse angefertigt. Die Kino- und Fernsehproduktionen wurden ihrem Genre entsprechend in folgende Themengruppen eingeordnet:

·               Gruppe 1: Tierarzt/Tierärztin im Drama und Melodram

·               Gruppe 2: Tierarzt/Tierärztin in der Komödie

·               Gruppe 3: Tierarzt/Tierärztin im Kriminal-, Abenteuer- und Horrorfilm

·               Gruppe 4: Tierarzt/Tierärztin im Pilotfilm

Die insgesamt 24 Filme wurden zwischen 1965 und 2014 erstmals ausgestrahlt. Die meisten Werke stammen jedoch aus dem späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Entscheidend für die Auswahl der Produktionen war, dass einer der Darsteller einen Tierarzt in Haupt- oder Nebenrolle spielt.

Die Frage nach der tierärztlichen Tätigkeit kam zu dem Ergebnis, dass der typische Tiermediziner längst kein Allrounder mehr ist. Zwar gehörte noch ungefähr ein Drittel der Tierarztfiguren zu den ‚Alleskönnern‘, jedoch ist ein Großteil der Tierärzte bereits spezialisiert. Immer noch sind die meisten Tierärzte/Tierärztinnen praktisch tätig, besonders auffällig ist, dass fast ein Viertel von Ihnen Zoo- und Wildtiere behandelt, was nicht der Realität entsprechen kann. Nur 17 % behandeln Kleintiere, während die Statistik der Bundestierärztekammer von 2014 auf 50 % Kleintierpraktiker verweist.[3]

Der zu erwartende Wandel beim Geschlechterverhältnis des Berufsstandes bleibt dagegen aus. Nach Schönbecks‘ Aussage von 2009 „Tierärztinnen treten nur selten und erst seit vergleichsweise kurzer Zeit als Hauptpersonen von Romanen auf“[4], kam Borgsen 2015 zu der Erkenntnis „Die tierärztliche Tätigkeit wird sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt“[5]. Obwohl auch in Borgsens Untersuchung tendenziell mehr männliche Berufsvertreter zu finden waren, ließ dies eine Wende in Richtung Realität erwarten, die den Anteil von weiblichen Tiermedizinern mit 58 %[6] beziffert. Die vorliegende Untersuchung kam jedoch zu dem Ergebnis, dass im Film nur 30 % Tierärztinnen vertreten sind.

Die Wertvorstellungen der Berufsgruppe sind überwiegend gleich geblieben. Die Tierärzte/Tierärztinnen sehen sich größtenteils dem Tierschutz verpflichtet, sie sind freundlich und einfühlsam und meist rund um die Uhr für Mensch und Tier da. Ihr Charakter ist gelassen und selbstsicher, nicht nur ihr attraktives Äußeres, sondern auch ihre Wortgewandtheit verleiht ihnen ein kompetentes Auftreten, trotz teilweise mangelnder fachlicher Korrektheit. Die finanzielle Sicherheit ist bei den meisten Tierärzten/Tierärztinnen gegeben, das Thema ‚Einkommen‘ wird aber nur selten angesprochen.

Das Privatleben und der Beziehungsstatus erfahren bei vielen Tierärzten/Tierärztinnen innerhalb der Geschichte einen Wandel. Früher oder später befinden sich aber fast alle in einer festen Partnerschaft.

Zusammenfassend ergibt sich für die untersuchten Filme folgendes Tierarztbild:

  • Die tierärztlichen Tätigkeiten sind vielseitig, die Mehrzahl der Tierärzte/Tierärztinnen ist aber auf ein Gebiet spezialisiert.
  • Ein Großteil der Tiermediziner ist praktisch tätig.
  • Alle Tierärzte/Tierärztinnen sind fachlich und sprachlich kompetent.
  • Viele der Tierärzte/Tierärztinnen leben in einer festen Beziehung.
  • Die meisten Tierärzte/Tierärztinnen fühlen sich dem Tierschutz verpflichtet.
  • Die Tierärzte/Tierärztinnen sind zum größten Teil finanziell abgesichert.
  • Die Tierärzte/Tierärztinnen verhalten sich überwiegend ethisch korrekt.
  • Der typische tierärztliche Charakter ist einfühlsam, gelassen und selbstsicher.
  • Mehr als ¾ der Tierärzte/Tierärztinnen haben ein attraktives äußeres Erscheinungsbild.
  • Die Tierärzte/Tierärztinnen zeigen allesamt ein überwiegend freundliches Auftreten.
  • Die Tierärzte/Tierärztinnen sind nicht selten stets für ihre Kunden erreichbar.

Aus der Diskrepanz zwischen fiktionaler Fernsehwelt und berufsständischer Realität kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass dringend Handlungsbedarf besteht. Nur wenn die Studierenden mit realistischen Erwartungen das Studium beginnen und später in den Beruf starten, kann dem Nachwuchsmangel in den vielseitigen Sparten des tierärztlichen Berufes entgegengewirkt werden.

Das Potenzial, welches der Film mit seinen Darstellungsmöglichkeiten birgt, wird bereits berufspolitisch genutzt. Die Bundestierärztekammer schreibt bereits zum fünften Mal den Medienpreis für Arbeiten aus, die ein reales und zeitgemäßes Bild des tierärztlichen Berufes zeichnen.[7] Vor diesem Hintergrund wäre auch eine genauere Untersuchung von Dokumentationen und Dokumentarfilmen, die sich mit dem tierärztlichen Beruf befassen, sinnvoll und wünschenswert.

abstract (englisch)

This doctoral thesis carries in the dissertations of Lena Schönbeck[8] and Katrin Borgsen[9] which deals with the description of veterinarians who analyse literature for children and young People as well as (in)-fiction and poetry concerning the influence of modern medias– cinema or television – on the public view to a veterinarian profession. Especially interesting was the question if the already present results of former researches in this sector are the same.  Is even nowadays the typical representation of a veterinarian profession still a male allrounder who works together with other colleagues in the country subordinating his private life to his profession? Can he carry on having a family and be of use to his children as kind of example and does he feel to the protection of animals obliged?

In order to settle these questions and to facilitate a suitable compansion, the following analysis is principally concentrated on the Schönbeck’s and Borgsen’s criteria catalogues. According to the selected films a character analysis was made. The cinema and TV production concerning their genre were classified into the following topics:

·         Group 1: male/female veterinarian in drama and melodrama

·         Group 2: male/female veterinarian in comedy

·         Group 3: male/female veterinarian in crime thriller, adventure- and horror film

·         Group 4: male/female veterinarian in pilot film

The altogether 24 films were all broadcasted between 1965 and 2014 for the very first time. Most of them, however, date from the late 20th and 21st century. The important reason for the selection of productions was, that one of the actors had to play a veterinarian – main role or supporting role-.

One question concerning the field of a veterinarian’s activity results in the recognition that the typical veterinarian is no more an allrounder. Although nearly one third of them is still regarded as someone who is able to manage everything, nowadays most of them are specialized and working practically. Quite noticeable is that it is said that nearly ¼ of the veterinarians do treat animals of/in a zoo and also wild animals, which seems no to be in accordance with reality. Only 17 % treat small animals – where as the statistic of the “Bundestierärztekammer” from 2014 says that there are full 50 %.[10]

Whereas the expectable change concerning the male/female proportion of veterinarians has still failed to materialize.  According to Schönbeck’s statement from 2009 comparably we find very seldom female veterinarians as central figure in a novel.[11] In 2015 Borgsen establishes that “the veterinarian activity is practiced by men as well as by women”.[12] Also in Borgsen’s text there appear more male professionals nevertheless it seems that we may expect a real change which numbers the share of female veterinarians with 58 %.[13]

 

The present test however results in the fact that in films there are only 30 % female veterinarians. The moral concepts of the occupational group have remained mostly the same.

 

The veterinarians feel obliged mainly to the protection of animals; they are kind, empathetic and mostly present right around the clock – for men and animals.

 

They keep calm and selfconfident; it is not only their attractiveness but also their eloquency that gives them a competent appearance – in spite of a sometimes lacking special correctness.

 

Mostly there is no problem concerning the financial security ant the subject income in scarcely mentioned.

 

Nowadays mostly there is a general change concerning the veterinarians’ private life and the status of relationship. But sooner or later nearly all of them find a solid partnership.

 

The following résumé of the examined films results in the picture of veterinarians below:

 

  • The veterinarian’s job activities are many-sided, most of them are concentrated on a special field.
  • Most of them work practically.
  • All veterinarians – male and female – are professionally competent.
  • Many of them live in a solid relation.
  • Most of all veterinarians feel obliged to the protection of animals.
  • Most of the veterinarians are financially protected.
  • Predominantly veterinarians behave ethically correct.
  • Empathy, calmness and self-confidence belong to the characteristics of the typical veterinarian.
  • The appearance of more than ¾ of the veterinarians is attractive.
  • All of the veterinarians show a predominant friendly behavior.
  • Quite often the veterinarians are always accessable for their customers.

 

Having a look at the discrepancy between the fictional TV-world and reality we can conclude that there is an urgent need of action.

 

Only if student start their studies with realistic expectations and later begin their work, then the lack of young people in many branches of the veterinarian profession can be counteracted.

 

The potential existing within a film and its diverse possibilities of dramatic art form is being used already in a professional political way.

 

For the fifth time the “Bundestierärztekammer” offers the media award for reports which reveal a true up-to-date picture of the veterinarian profession.[14] Against this background it would be useful and desirable to deal with the profession of the veterinarian.

1 Schönbeck 2009 (wie Anm. 10), 220.

2 Borgsen  2015 (wie Anm. 11), 13.

3 Bundestierärztekammer 2015 (wie Anm. 255).

4 Schönbeck 2009 (wie Anm. 10), 195.

5 Borgsen  2015 (wie Anm. 11), 205.

6 Bundestierärztekammer 2015 (wie Anm. 255).

7 Pfister 2015 (wie Anm. 2).

8 Schönbeck 2009 (wie Anm. 10), 220.

9 Borgsen  2015 (wie Anm. 11), 13.

10 Bundestierärztekammer 2015 (wie Anm. 255).

11 Schönbeck 2009 (wie Anm. 10), 195.

12 Borgsen  2015 (wie Anm. 11), 205.

13 Bundestierärztekammer 2015 (wie Anm. 255).

14 Pfister 2015 (wie Anm. 2).

 

keywords

Tierarzt, Film, Öffentlichkeitsbild, Veterinarian, film, public image

kb

4.498

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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