Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Anja Rosengarten

 

Untersuchungen zur kurzfristigen Ernährung von Zwergkaninchen und Meerschweinchen über eine orogastrale Sonde bei Variation der Zusammensetzung (Komponenten, Nährstoffgehalt und Energiedichte) des applizierten Futters

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-88887

title (engl.)

Investigations on techniques and diets with variations in composition (ingredients, nutrient content, ernergy density) for a short  term tube feeding (per os) in dwarf rabbits and guinea pigs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2004

text

/dissertations/rosengartena_ss04.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der Untersuchungen war neben einer Optimierung der Sondentechnik (orogastrische Sonde) die Entwicklung einer geeigneten Sondennahrung zur kurzfristigen Versorgung vorübergehend anorektischer Kaninchen und Meerschweinchen. Vor diesem Hintergrund erfolgte in Versuchsphase A die Optimierung der Sondentechnik (Applikations- und Fixationstechnik sowie Applikationsmenge) und in drei aufeinanderfolgenden Versuchsphasen (B, C und D) die Prüfung und Entwicklung verschiedener Sondennahrungen (praxisübliche Mischungen wie auch eigens konzipierte Diäten mit variierenden Protein-, Fett- und Fasergehalten) an jeweils drei bzw. fünf adulten gesunden Kaninchen und Meerschweinchen. Entscheidende Parameter der vorliegenden Untersuchungen waren die Körpermasse-entwicklung, die Kotzusammensetzung und die Verdaulichkeit (Versuchsphase B und D) der einzelnen Diätvariationen. Daneben erfolgte die Überprüfung der Wasseraufnahme und Harnabgabe, wobei bezüglich der Bestimmung der Harnparameter besonders bei den Meerschweinchen auf das Auftreten von Ketonkörpern geachtet wurde. Zusätzlich wurden in Versuchsphase B und D verschiedene Blutparameter vor und nach mehrtägigem Einsatz der Diäten überprüft.

Nachfolgend sind die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst:

 

Sondentechnik

 

1.      Für die problemlose Applikation einer Diät per Sonde hat sich bei Kaninchen die liegende Fixation mit dem Handtuch, bei Meerschweinchen die liegende Fixation ohne Handtuch bewährt. Die Länge des vorzuschiebenden Sondenabschnitts entspricht dem Abstand von der apikalen Maulspalte bis zum kaudalen Rippenbogen.

2.      Die maximal zu tolerierende Füllungsmenge – ohne Reflux aus dem Magen – beträgt bei Zwergkaninchen 5 - 6 ml/100 g Körpermasse bzw. bei Meerschweinchen 6 bis 7 ml/100 g Körpermasse .

3.      Durch die Aufteilung der erforderlichen Futtermenge auf zwei Mahlzeiten am Tag (mittags und abends) konnte ein Reflux verhindert werden. Dabei sollten Volumina von 40 ml/Applikation bei den Zwergkaninchen und 20 ml/Applikation bei den Meerschweinchen nicht überschritten werden (Gefahr der Magenüberladung). Grundsätzlich sollten diese Maßnahmen nicht länger als vier Tage durchgeführt werden, danach kam es zu Schwierigkeiten beim Abschlucken der Sonde, vermutlich infolge einer Schwellung im Kehlkopfbereich.

 

Sondendiät

 

1.      Die praxisüblichen Mischungen auf der Basis kommerzieller Babynahrung (Alete®) erwiesen sich aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung (niedriger Faser- und Energiegehalt) als ungeeignet.

2.        Sowohl von Zwergkaninchen wie auch Meerschweinchen wurden Eiweißgehalte von bis zu 35,3 % in der Trockensubstanz (Variante C1c)  vertragen. Der hohe Proteingehalt bewirkte eine Reduktion der Körpermasseverluste ohne offensichtliche negative Folgen für die Darmgesundheit und Kotqualität.  Aus der Zufütterung von Casein (Bestandteil der Sondennahrung für Katzen) resultierte ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut, wobei in der Kürze des Versuchs keine Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden der Tiere festgestellt  werden konnten.

3.        Die Variation des Rohfaseranteils in der Diät von 6,2 auf 14,5 % in der TS hatte innerhalb des Versuchszeitraums von drei Tagen keinen signifikanten Einfluss auf die überprüften Parameter Kotqualität, Körpermasseentwicklung, Wasseraufnahme und Harnausscheidung.

4.    Ein höherer Rohfettgehalt von 25 % in der Trockensubstanz (angestrebt wegen der höheren Energiedichte; Diätvariante C3a) wurde von  allen Tieren gut vertragen.  Eine weitere Erhöhung des Fettanteils der Ration zog eine forcierte Fettausscheidung (Varianten C3b bzw. C3c) und deutliche Kotkonsistenzänderungen (Diät C3c) nach sich.

5.    Eine Sondennahrung auf Basis von  Sojaproteinisolat,  Apfelmus, Fruchtsaft und Speiseöl (g/100g Sondendiät: 55 Fruchtsaft, 15 Apfelmus, 15 Sojaproteinisolat, 10 Grünmehl und 5 Sonnenblumenöl; im Ausschlussverfahren als beste Diätvariante ermittelt) wurde von gesunden Kaninchen und Meerschweinchen über 10 Tage (orale Applikation) ohne Komplikationen vertragen.

 

Schlussfolgerungen

 

Die Komposition einer „optimalen“, den Bedürfnissen der Tiere in allen Punkten entsprechenden Sondennahrung wurde in der vorliegenden Untersuchung mit geringfügigen Einschränkungen erreicht. Bedingt durch das geringe Sondenlumen mussten vor allem bezüglich des Rohfasergehalts in der Sondennahrung bzw. des Energiebedarfs der Tiere (maximale Mengen: nur 40 ml/pro Applikation bei den Kaninchen und 20 ml/pro Applikation bei den Meerschweinchen) Kompromisse eingegangen werden. Aufgrund von Abschluckproblemen – vermutlich infolge einer Schwellung im Kehlkopfbereich - war die Ernährung mittels einer Sonde sowohl zeitlich wie auch bezüglich ihrer Frequenz (Häufigkeit des Sondenschiebens nur 2 x täglich) begrenzt. Eine Erhöhung der Energiedichte mittels Fettzulagen ist mit Risiken im Hinblick auf die Darmgesundheit (Störung der mikrobiellen Verdauung durch Fettanflutung im Dickdarm und Erhöhung der Passagegeschwindigkeit) verbunden. Der geringe Gehalt an Rohfaser und deren mangelnde Struktur (feine Vermahlung zur Gewährleistung der Sondengängigkeit) wurde jedoch bis auf wenige Ausnahmen (Auftreten von Diarrhoe bei ausschließlicher Verabreichung kommerzieller Babynahrung) gut toleriert. So gelang es, die Tiere über mindestens 4 Tage mit den entsprechenden Diätvariationen zu versorgen und damit das Ziel der Arbeit (eine kurzfristige Überbrückung anorektischer Zustände) zu erreichen. Bei Applikation der Sondennahrung mit einer Spritze direkt ins Maul war eine Ernährung der Tiere auch über 10 Tage mit den Diätvariationen auf Basis kommerzieller Sondennahrung und Grünmehl (B3) bzw. Sojaproteinisolat, Fruchtsaft, Apfelmus und Speiseöl (D1) möglich, jedoch wurde der Energiebedarf nicht gedeckt (insbesondere bei  Meerschweinchen). Anstelle der in dieser Arbeit als Rohfaserquellen verwendeten Produkte, die eine sehr feine Vermahlung erfordern, könnten zukünftig eventuell lösliche und nicht quellende, chemisch definierte Ballaststoffe zum Einatz kommen. Hier wäre dann genügend „Rohfaser“ (= Substrat für die Dickdarmflora) in der Diät enthalten, allerdings sind Konsequenzen fehlender „Struktur“ (= Faser mit gewisser Partikellänge) experimentiell zu überprüfen. 

 

abstract (englisch)

Aim of the investigations was to optimize the technique of orogastric tube feeding as well as to develop suitable diets for oral tube feeding of rabbits and guinea pigs.

Given this background in trial A the optimizing the techniques (application and fixation technique, as well as the amounts for application) and in three simultaneous phases (B,C and D) testing and developing different special tube diets (convential diets as well as specially concipated diets with varying in protein, fat and fibre levels) on three or five adult rabbits and guinea pigs were done. Body weight gains, composition of the faeces as well as digestibility of individual diets (B and D) were proofed. Furthermore the water intake and the urine excretion were measured, whereby the occurrence of ketonbodies was proofed. In Phase B and D various blood parameters were checked before and after applying the diets for several days.

The results can be summarized as followed:

 

tube technique

 

1.  Best results for applying the diets were achieved by rabbit fixation in a lying position with a towel, which is not needed by guinea pigs. The optimal length of the tube section was determinate by span between mouth and caudal costal arch.

2.  The maximum tolerable amount administred per meal was 5 -6 ml/ 100g body weight in rabbits and  6 -7 ml/ 100g body weight in guinea pigs, resp..

1.    Splitting the daily diet amounts in two meals (at noontime and in the evening) it was possible to prevent a reflux. Tube feeding can only be done for four days. The amounts of 40 ml/application (dwarf rabbits) or 20 ml/application (guinea pigs) should not be exceeded (risk of gastric-ornantess). After this period the animals got troubles with swelling of the area of pharynx and larynx followed by problems with swallowing of the tube.

 

tube diet

 

1.  Feeding of conventional diets based on commercial baby food (Alete®) is not recommended, caused of its chemical composition (low fibre and energy content).

2.  Even higher protein levels content up to 35.3% in the dry matter were well tolerated by both species. Besides it caused the reduced losses of body weight without any negative results for the GIT. The addition of caseine (an ingredient of tube feeding for cats) caused increased cholesterol levels. Because of the limited time it was not possible to test these effects of the well-being of the animals for a longer period.

3.  Variations of the fibre content from 6.2 – 14.5 % in the dry matter did not have any significant influence on the following parameters: quality of faeces, body weight gains and urine composition.

4.  A high fat content of more than 25 % in the dry matter was tolerated by rabbits as well as by guinea pigs. A further increase of the fat content had two effects. First, a significant increase of fecal fat excretion (version C3b resp. C3c) and second, a change of the feaces quality (version C3c).

5. A tube feeding based on soy protein isolat, apple puree, fruit juice and plant oil (g/100g tube feeding diet: 55 fruit juice, 15 apple puree, 15 soy protein isolat, 10 grass meal, 5 plant oil) was tolerated without health problems over ten days in rabbits and guinea pigs.

 

Conclusions:

 

In the study presented here a tube diet could be created, that fulfills the needs of dwarf rabbits and guinea pigs. But there are conflicting aims: An intended increased crude fibre supply resulted in reduced energy density of the diet and in problems due to barring the tube; on the other hand it is not possible to increase the diet amounts applicated per meal or the frequency of tube feeding per day. Therefor energy and crude fibre supply were lower than indended, when tube feeding was performed for a longer period. Fat contents in the diet more than 25 % can not be recommended due to negative influences on hindgut fermentation and feces quality. An alternative source of fiber like soluble carbohydrates that was not tested here, should be proofed in further studies to increase the nutrient supply of the hindgut flora. Eventually a combined use of higher protein, fat and fibrous soluble carbohydrates content could be a way out, avoiding problems that occurred here, when typical fiber sources like grass meal or alfalfa meal were used.

 

keywords

Zwergkaninchen, Meerschweinchen, Sonderernährung (per os), dwarf rabbits, guinea pigs, tube feeding (per os)

kb

1.545