Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Katja Riedel

Niedersächsischer Wesenstest seit Abschaffung der Rasseliste von Oktober 2003 bis März 2013 –

Eine Analyse der „auffälligen“ Rassen

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-105201

title (engl.)

Temper Test in Lower Saxony since the abolition of categorizing certain dog breeds as considered dangerous from October 2003 to March 2013 – an analysis of “biting” dogs 

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/riedelk_ss14.pdf

abstract (deutsch)

In der vorliegenden Studie wurden 127 Hunde verschiedener Rassen sowie Mischlinge untersucht, die von Oktober 2003 bis März 2013 zu einem Wesenstest an der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgestellt worden sind. Ziel war es zu analysieren, inwieweit eine Rassehäufung erkennbar ist und welche weiteren gemeinsamen Faktoren „auffällige“ Hunde aufweisen. Es wurden alle Gutachten der entsprechenden Wesenstests ausgewertet und auf Rassezugehörigkeit, Alter, Geschlecht, zugrundeliegenden Beißvorfall sowie Verhalten der Hunde in den einzelnen Situationen analysiert. Aufgrund der geringen Anzahl der einzelnen Rassevertreter wurden Kategorien modifiziert nach RÄBER (1995) gebildet, in denen mehrere Rassen, vor allem basierend auf der ursprünglichen Verwendung der Hunde, zu einer Kategorie zusammengefasst wurden. In den Ergebnissen konnte kein Zusammenhang zwischen der Rasse des Hundes und der Vorstellung des jeweiligen Hundes zu einem Wesenstest an der Tierärztlichen Hochschule in den letzten 10 Jahren festgestellt werden. Mischlinge waren höchstsignifikant häufiger vertreten als sämtliche vorgestellte Rassen. Erst nach Gruppierung mehrerer Rassen in Kategorien konnten signifikante Unterschiede festgestellt werden. Auffällig war hier die Kategorie der „Bauern-, Hirten- und Treibhunde“, mit den häufigsten Rassevertretern „Deutscher Schäferhund“ sowie „Rottweiler“. Die Analyse der Wesenstests zeigte ebenfalls keine Rassehäufung unter den Hunden mit inadäquat oder gestört aggressivem Verhalten. Auffällig war eine Häufung männlicher Hunde unter allen vorgestellten Hunden sowie unter den Hunden mit inadäquat oder gestört aggressivem Verhalten im Vergleich zu weiblichen Hunden. Der Anteil an Hunden mit inadäquat oder gestört aggressivem Verhalten war mit ungefähr 21 % mehr als viermal so hoch wie bei MITTMANN (2002: 4,8%). Es handelte sich jedoch in der vorliegenden Studie im Vergleich zu MITTMANN (2002) um zuvor durch einen Beißvorfall „auffällig“ gewordene Hunde. Der zugrundeliegende Beißvorfall gegenüber bekannten oder unbekannten Menschen wies einen Zusammenhang zu dem vermehrten Auftreten gestört aggressiven Verhaltens auf. Zudem zeigte sich, dass gestört aggressives Verhalten fast ausschließlich in Situationen mit schnellen und plötzlichen Bewegungen auftrat. Hierbei spielten Rasseeinflüsse keine Rolle. Diese Ergebnisse zeigen, dass rasseunabhängigen Faktoren wie der Sozialisierung der Welpen und der mangelnden Sachkunde in der Hundehaltung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Rassevertreter von Rasselisten der übrigen Bundesländer mussten weder häufiger einen Wesenstest aufgrund Auffälligkeit bzw. Gefährlichkeitsfeststellung absolvieren, noch zeigten diese Hunde häufiger inadäquat oder gestört aggressives Verhalten als andere Rassen. „Listenhunde“ aus der Kategorie der „Doggenartigen“ und Hunde der Rasse „Staffordshire Bullterrier“ zeigten sogar niemals aggressive Annäherung, sondern maximal Drohverhalten. Die Annahme einer gesteigerten Aggressivität bestimmter Rassen ist nach den Ergebnissen dieser Untersuchung nicht gerechtfertigt.

abstract (englisch)

In the present study, 127 dogs of various breeds and crossbreeds were examined that have been presented to a temper test at the University of Veterinary Medicine Hannover in fulfillment of the Dogs Act of Lower Saxony (NMELF 2002, ML 2003, NHundG) from October 2003 to March 2013. The aim was to analyze if there is an association with the breed and possibly other factors common in all tested dogs. All temper tests were evaluated and analyzed for breed, age, gender, biting history and behavior of the dogs in the various situations. Due to the small number of individual representative of the breed categories were formed modified after RÄBER (1995) in which several breeds were combined into one category, especially based on the original use of the dogs. In the results no correlation between the breed of dog and the presentation of each dog to the temper test was found. With high significance crossbreeds occurred most frequently at the mental tests in the past 10 years. At most, after grouping of several breeds into categories, significant differences were found. It was noticeable here the category of "livestock guarding and herding dogs" with the most common breed representatives "German Shepherd" and "Rottweiler ". The analysis of the behavioral tests also showed that there was no significant difference between the various breeds concerning inadequate or disordered aggressive behavior. There was a remarkable accumulation of male dogs among all presented dogs and among the dogs with inadequate or disordered aggressive behavior compared to female dogs. The amount of dogs with inadequate or disordered aggressive behavior was more than four times as high as found by MITTMANN (2002: 4.8%) with about 21 %. However compared to MITTMANN (2002) the dogs in the present study were presented due to a biting history. Dogs that showed biting to humans in the past, showed disordered aggressive behavior with highest frequency. Situations, in which such disordered aggressive behavior was displayed, were almost exclusively those with sudden and rapid movements. No breed dependence was found. For this reason more attention should be paid to factors independent of breed such as the socialization period of puppies and the competence in dog ownership. Representatives of supposed dangerous breeds in the other German states were presented neither more frequently to a temper test due to a biting history, nor showed these dogs more frequent inadequate or disordered aggressive behavior than other breeds. Notably disorders in aggressive behavior were not registered within the Staffordshire Bullterrier breed or dogs out of the Mastiff-like- dogs. These dogs even showed never an aggressive approach, but displayed at most threatening behavior. According to the results of the present study the assumption of an increased aggressiveness of certain breeds is not justified.

keywords

Wesenstest, Aggressionsverhalten, Rasseliste, Temper Test, Aggressive Behavior, Dangerous Dog Legislation 

kb

2.755