Dissertation
Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Stephanie Rappold

 

Vergleichende Untersuchungen zur Urolithiasis bei Kaninchen und Meerschweinchen

 

title (engl.)

Comparative investigations of urolithiasis in rabbits and guinea pigs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2001

text

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abstract (orig.)

Im Zeitraum von 1996 bis 2000 wurde bei 23 Kaninchen und 21 Meerschweinchen mit Urolithiasis eine weiterführende Untersuchung in Form von Laboruntersuchungen, Röntgen und Ultraschall durchgeführt und eine Therapie eingeleitet. Das Alter der betroffenen Tiere lag zwischen einem und acht Jahren. Männliche und weibliche Tiere waren bei beiden Tiergruppen gleichermassen betroffen. Hauptsymptome, die bei den Patienten auftraten, waren Inappetenz, Apathie, Gewichtsverlust, Durchfall, Urinveränderungen, Schmerzäußerungen und Probleme beim Harnabsatz.

Bei allen Patienten konnte mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung im Konkrementbereich eine röntgendichte Verschattung dargestellt werden. In der Ultraschalluntersuchung wurde der Bereich der Veränderung lokalisiert und die Nieren vermessen. Die Kaninchen dieser Untersuchung von einem bis zwei Kilogramm Körpergewicht hatten eine Nierenlänge von 23,0 - 32,8 mm, eine Nierenbreite von 13,3 - 20,0 mm und eine Höhe von 11,2 - 20,7 mm. In der Gruppe von zwei bis drei Kilogramm Körpergewicht betrug die Nierenlänge 24,1 - 39,6 mm, die Breite 11,9 - 27,4 mm und die Höhe 14,5 - 24,9 mm. Bei den Meerschweinchen betrugen die Maße der Niere bei dem Tier bis 500g Körpergewicht in der Länge 15,7 - 17,6 mm, in der Breite 10,8 - 12,0 mm und in der Höhe 12,1 - 12,4 mm. Bei den Tieren von 500g bis 1000g Körpergewicht betrug die Nierenlänge 18,9 - 33,3 mm, die Breite 12,0 - 21,5 mm und die Höhe 12,1 - 17,3 mm.

Hauptlokalisation der Harnsteine waren die Harnblase und die Harnröhre, wobei Harnröhrensteine beim Kaninchen häufiger beim männlichen und beim Meerschweinchen häufiger beim weiblichen Tier vorkamen. Harnblasensteine wurden beim Meerschweinchen häufiger beim männlichen Tier nachgewiesen. In der Kaninchengruppe kamen zusätzlich drei Fälle mit Nierensteinen und einer mit einem Harnleiterstein vor. Die Harnsteine waren in der Regel aus zwei Komponenten zusammengesetzt. Kalziumkarbonat und Kalziumphosphat konnten als Hauptbestandteile ermittelt werden. Weitere Komponenten waren Kalziumoxalat und Magnesiumammoniumphosphat.

Bei der hämatologischen Blutuntersuchung fiel ein erniedrigter Hämatokritwert und eine erniedrigte Erythrozytenzahl auf. Im weissen Blutbild gab es bei beiden Tiergruppen Hinweise auf eine Lymphopenie und Granulozytose und bei den Meerschweinchen zusätzlich auf eine Leukozytose. Die Thrombozytenzahl war in beiden Tiergruppen erhöht. In der blutchemischen Untersuchung fiel auf, dass der Harnstoffwert bei beiden Tiergruppen deutlich erhöht war. Bei den Kaninchen war zusätzlich eine Erhöhung des Kreatininwertes festzustellen. Natrium, Kalium, Phosphor und Kalzium lagen weitgehend im Normbereich. Eine Hyperglykämie konnte sowohl bei den Kaninchen, als auch bei den Meerschweinchen festgestellt werden.

Das spezifische Gewicht des Harns der Tiere mit Urolithiasis lag mit 1002 bis 1040 im Normbereich. Auffällig war, dass etwa bei der Hälfte der Tiere der Harn-pH-Wert ins saure Milieu verschoben war. Fast alle Tiere bildeten in unterschiedlicher Ausprägung eine Protein- und Hämoglobinurie aus. Übergangsepithelien der oberen oder tieferen Schichten der harnableitenden Wege konnten bei allen erkrankten Tieren nachgewiesen werden. Bei den 22 mikrobiologisch untersuchten Harnproben konnte in 16 Proben kein Keimgehalt nachgewiesen werden und nur in zwei Fällen war ein mittelgradiger Keimgehalt nachweisbar. Bei den übrigen vier Fällen konnten nur vereinzelt oder geringgradig Keime festgestellt werden.

Durch diese Untersuchung konnte gezeigt weden, dass eine Röntgen- und Ultraschalluntersuchung zur frühzeitigen Diagnose der Urolithiasis bei Kaninchen und Meerschweinchen anzuraten ist. Dies gilt vor dem Hintergrund, dass derart erkrankte Tiere häufig unspezifische Symptome aufweisen. Um eine Aussage über den Schweregrad der Erkrankung machen zu können, ist eine Blutuntersuchung anzuraten, da hier besonders Veränderungen im Blutbild (z.B. Anämien) und der klinischen Chemie (z.B. Harnstoff und Kreatinin) vorkommen und diese für die Prognose wichtig sind.

 

abstract (engl.)

In the period of 1996 to 2000 investigations were performed with laboratory tests, radiography and ultrasound with 23 rabbits and 21 guinea pigs with urolithiasis. After the clinical examination a therapy was started. The age of the animals was between one and eight years. Male and female animals were equally affected. Main symptoms were inappetence, apathy, weight loss, diarrhea, paruria, painful behaviour and problems with urination.

In all patients a radiodense shadow in the area of the concrement could be demonstrated. The area of alteration was located and the size of kidneys was determined by ultrasonography. In this study the left and the right kidney of rabbits with a body weight of one to two kilograms had a length of 23.0 - 32.8 mm, a width of 13.3 - 20.0 mm and a height of 11.2 - 20.7 mm. In the group with a body weight of two to three kilograms the kidney length was 24.1 - 39.6 mm, the width was 11.9 - 27.4 mm and the height was 14.5 - 24.9 mm. The guinea pig with the weight up to 500 grams had a length of 15.7 - 17.6 mm, a width of 10.8 - 12.0 mm and a height of 12.1 - 12.4 mm. The guinea pigs with a body weight 500 grams to 1000 grams had a kidney length of 18.9 - 33.3 mm, a width of 12.0 - 21.5 mm and a height of 12.1 - 17.3 mm.

The main location of uroliths was the urinary bladder and the urethra. Urethral calculi were found frequently in male rabbits while in the guinea pig group they were found more often in females. Cystic calculi were detected mainly in male guinea pigs. In rabbits, three cases of nephroliths and one case of ureterolith were diagnosed. Uroliths were generally composed of two components. Calcium carbonate and calcium phosphate could be ascertained as the main part and calcium oxalate and magnesium ammonium phosphate as minor components.

Main result of the hematological examination were reduced red blood cell counts and hematocrit. There were indications of lymphopenia and granulocytosis in the white blood cell count of both groups of animals and guinea pigs also showed a leukocytosis. The thrombocytes were elevated in both groups of animals. The urea nitrogen of both groups of animals was, as a result of biochemical analysis, clearly elevated. The rabbits showed an additional increase of creatinine. The electrolytes sodium and potassium and phosphor and calcium were found in normal levels. A hypoglycemia could be ascertained in rabbits and in guinea pigs.

The urine specific gravity of animals with urolithiasis was normal (1002 to 1040). It was remarkable that nearly half of the animals had an acidic urine pH. Almost all animals developed proteinuria and hemoglobinuria. Transitional epithelias of the higher and lower layer could be located in all patients. Microbial contaminationwas found in 16 out of 21 urine samples. Only in two cases the bacterial counts were rated out medium, while four cases had only minor bacterial contaminations.

This study has shown the importance of radiographic and ultrasound examination of rabbits and guinea pigs to diagnose urolithiasis. This is especially true because animals often show unspecific symptoms in this diseases. Blood examination is necessary because anemia and elevated urea nitrogen and creatinine have been found frequently, which many affect the prognosis.

 

keywords

Kaninchen, Meerschweinchen, Urolithiasis, rabbits, guinea pigs, urolithiasis

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