Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Katrin Pill

Untersuchungen zur Verwendung von klinischen und pathologisch/anatomischen Befunden am Schlachthof für die Einschätzung der Tiergesundheit und des Tierschutzes in Schweine– und Rinderbeständen

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-105167

title (engl.)

Studies regarding clinical and pathological/anatomical findings at the slaughterhouse to serve in the evaluation of animal health and animal welfare in the swine and cattle livestock.

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/pillk_ss14.pdf

abstract (deutsch)

Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und Bestandstierärzten ist ein wichtiges Instrument der Tiergesundheit. Mit Hilfe der Erfassung und Rückmeldung der Schlachtbefunde an die Landwirte bzw. deren Bestandstierärzte können bestehende tiergesundheitliche und tierschutzrechtliche Defizite in den landwirtschaftlichen Betrieben semiquantitativ bewertet werden und in Form von Betriebsvergleichen (Betriebsranking) zwischen den an einen Schlachthof anliefernden Betrieben zur gezielten Beratung für Verbesserungen von Tiergesundheit und Tierschutz, und wenn nötig, für risikoorientierte amtliche Kontrollen in Fällen hartnäckiger „Nicht-Compliance“, herangezogen werden.

 

Ziel der vorliegenden Studie war es, bei der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung an einem Schlachthof tierbezogene Tierschutzkriterien bei Rindern und Schweinen zu erheben, um diese für die Einschätzung der Tiergesundheit und des Tierschutzes in den Herkunftsbetrieben zu verwenden. Die Untersuchungen erfolgten an einem Schlachthof in Süddeutschland in der Zeit von September 2011 bis einschließlich September 2012. Dabei wurden von insgesamt 45.440 geschlachteten Schweinen 8737 Tiere bonitiert und von 4956 geschlachteten Rindern 2130 Tiere bonitiert. Die Untersuchungsdauer von 13 Monaten sollte saisonale Tendenzen der Schlachtbefunde zeigen.

 

Bei der amtlichen Schlachttieruntersuchung war eine herkunftsbezogene Auswertung der Befunde nicht möglich. Während bei den Schweinen Verschmutzungen, Kannibalismus und Othämatome vorrangig auftraten, wurden bei den Rindern neben Verschmutzungen häufig Lahmheiten festgestellt. An Schweinen, die in den Wintermonaten geschlachtet wurden, waren Formen des Kannibalismus verstärkt festzustellen. Auffällig war ebenfalls der deutlich geringere Anteil der äußerlichen Verschmutzungen bei Schweinen, die in den Wintermonaten geschlachtet wurden.

Die Ergebnisse bei der amtlichen Fleischuntersuchung konnten dagegen lieferantenbezogen ausgewertet werden. Grundlage für die Erhebung von Organveränderungen war der Befundschlüssel nach BLAHA und BLAHA (1995). Die höchste Organbefundhäufigkeit konnte an Rinder- und Schweinelungen festgestellt werden. Insgesamt 77% der Schweinelungen und 44% der Rinderlungen waren pathologisch/anatomisch verändert. Da Pneumonien häufig mit Pleuritiden (Pl) und Pericarditiden (Pc) vergesellschaftet sind, traten diese Befunde bei Schweinen mit Pl 18% und Pc 5% und bei Rindern mit Pl 11% und Pc 1% entsprechend häufig auf. Pneumonien wurden bei Rindern und Schweinen im gesamten Erhebungszeitraum festgestellt. Bei den in den Sommermonaten geschlachteten Schweinen war der Anteil der hochgradig veränderten Lungen höher. Bei den in den Sommermonaten geschlachteten Rindern war eine leichte Zunahme der geringgradigen Lungenveränderungen festzustellen.

Weitere tierschutzrelevante Organbefunde bei den Schweinen waren Hautverletzungen mit einer Befundhäufigkeit von 59% und die Ascaridose mit einer Befundhäufigkeit von 16%. Beim Spulwurmbefall waren saisonale Tendenzen zu erkennen. So war der Anteil hochgradig befallener Lebern (L3) von Schweinen, die in den Wintermonaten geschlachtet wurden, deutlich geringer.

Bei den Rindern waren 7% der Lebern parasitär durchsetzt und weitere 7% der Lebern pathologisch/anatomisch verändert. Hierbei handelte es sich oftmals um Perihepatitiden aufgrund einer Fremdkörperreaktion.

 

Eine weitere tierschutzrelevante und gegenwärtig sehr umstrittene Problematik waren gravide Schlachtrinder. Die bei der amtlichen Fleischuntersuchung erfassten Graviditäten ließen nach einer rechnerischen Abschätzung auf einen prozentualen Anteil von 3,3% der weiblichen Schlachtrinder schließen.

 

Ein weiterer Grundgedanke dieser Arbeit war, die eigens für diese Untersuchung dokumentierten Organbefunde mit denen des amtlichen Untersuchungspersonals zu vergleichen. Die Ergebnisse beider Dokumentationen wichen zum Teil erheblich voneinander ab. Der Befundkatalog des Schlachthofs enthielt wesentliche tierschutzrelevante Schlachtbefunde, wie Graviditäten, Verletzungen und Nierenveränderungen, nicht.

 

Anhand der erfassten Organveränderungen wurde mit Hilfe des Bewertungsschlüssels für Organveränderungen nach BLAHA und BLAHA (1995) ein Betriebsranking der größten Zulieferbetriebe erstellt. Dazu wurden alle Daten anonymisiert. Wie die eigene Untersuchung zeigt, traten zwischen den einzelnen Zulieferbetrieben erhebliche Unterschiede auf. Es gab Betriebe mit geringeren und mit höheren Organbefundhäufigkeiten.

 

Die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen machen deutlich, dass aufgrund der, zum Teil sehr hohen, festgestellten Organbefundhäufigkeiten, der Befunderfassung auf dem Schlachthof eine zentrale Bedeutung für die Qualitätsüberwachung in der Fleischerzeugung zukommt. Zwischen den einzelnen Produktionsstufen und den Konsumenten bietet der Schlachthof als Verbindungsglied eine große Chance, die Schlachtbefunde über die Zeit pro Zulieferbetrieb zu kumulieren und die Tiergesundheit in den Beständen über einen längeren Zeitraum semiquantitativ einzuschätzen. Trotz des retrospektiven Charakters tierbezogener Tierschutzkriterien am Schlachthof ist die Aussagekraft der Organveränderungen immens. Nur durch gleichmäßige und kontinuierliche Erfassung und Rückmeldung der Befunde an die Tierhalter und die Anwendung von Benchmarkingsystemen kann bei den Landwirten ein Problembewusstsein geschaffen werden, langfristig die Tiergesundheit und das Tierwohl und damit auch die Lebensmittelqualität zu verbessern.

abstract (englisch)

A tight cooperation between farmers and their veterinarians is an important instrument regarding animal health. Present deficiencies concerning animal health and animal welfare in livestock husbandry can be addressed and understood by analyzing results of slaughtering and reporting these to the farmers and to the their respective veterinarians.

 

The focus of this study was to collect data within the official inspection at the slaughterhouse regarding animal-related criteria of animal welfare in cattle and pigs. Furthermore, the importance of a data based assessment of animal health and welfare of the herds of origin was to be demonstrated.

 

Various data were collected at a slaughterhouse in Southern Germany from September 2011 until September 2012. During this period, a total of 45,440 pigs slaughtered, 8,737 were evaluated. Out of 4,956 cattle slaughtered, there were 2,130 evaluated. Throughout the 13-month period of collecting data, seasonal variations could be assessed.

 

During the official inspection an origin-related evaluation of results was not possible.

The rate of dirty animals, cannibalism and ear hematoma in pigs appeared rampant, while in cattle, beside dirty animals, lameness was most frequently observed.

During winter, pigs that were slaughtered showed an increase in cannibalism while the frequency of dirtiness was noticeably decreased.

 

In contrast, the results of the official meat inspection at the slaughter line could be evaluated supplier-based. The collection of data about organ lesions was based on the slaughter check system of BLAHA and BLAHA (1995). The highest frequency of lesions was found in the lungs of cattle and also pigs. In total, 77 % of the pigs’ lungs and 44 % of the bovine lungs showed pathological/anatomical alterations. In the course of pneumonia often associated to pleurisy (Pl) and pericarditis (Pc), accordingly often, these findings appeared in pigs with Pl- 18 % and Pc- 5 % and in cattle with Pl -11 % and Pc – 1 %. Pneumonia in cattle and pigs was detected throughout the entire period of data-collection. There was an increase in number of highly affected lungs detected in pigs slaughtered in summer. While in cattle, a slight increase of low-grade lung-alterations was detected.

 

Furthermore, lesions in pigs relevant to animal welfare were skin lesions with a frequency of 59%, and Ascariasis with 16 %. Seasonal variations were detected with the infestation of round worm. The percentage of high-grade affected livers (L3) of pigs that were slaughtered during winter was considerably lower.

7 % of the bovine livers were interspersed parasitically. Another 7 % of the livers were altered pathologically/anatomically. Here it often was a matter of Perihepatitis as a result of foreign bodies.

 

Another difficulty relevant to animal welfare were gravid heifers and cows. Currently, this is a controversial issue. Based on calculation the percentage of gravid heifers and cows documented while the official inspection is projected at 3.3%.

 

Another fundamental idea of this study was to compare the results of this research about the documented organ-findings with those made by the official personnel. These results were not in accordance to each other. The current slaughterhouse-catalogue of findings does not include significant findings with respect to animal welfare. These would be gravidity, injuries and renal changes.

Explicitly for this research there was a ranking developed for the major suppliers. This ranking was stated on the recorded lesions evaluated with the slaughter check system of BLAHA and BLAHA (1995). For this purpose all of the recorded data were anonymized. As the own study shows there were remarkable differences between the suppliers. There were herds of origin with lower and others with higher frequencies of lesions.

 

The results of the own studies reveal that due to the partly very high, detected frequency of lesions at the slaughterhouse, the recording of findings is essentially relevant to a quality control of the meat production. The slaughterhouse, as a “bottleneck” of the several steps of production and the consumer, provides a great chance to aggregate lesions per herd and to monitor animal health within the livestock husbandries over a long period of time. Although the detection of animal-related criteria of animal welfare is rather retrospective, the informative value of the organ-alterations is essential. Only a continuous recording of the results, and the feedback to the animal owners, as well as benchmarking-systems, can create an awareness of the problems among the farmers - the awareness to improve animal health and animal welfare in the long term, and with this, also the quality of food.

keywords

Tiergesundheit, Tierschutz, Schlachtbefunde, animal health, animal welfare, slaughterhouse

kb

21.534