Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Katja Pfeil

 

Langzeitergebnisse nach Tibiaplateau Leveling Osteotomie

zur Behandlung der Ruptur des Ligamentum cruciatum craniale beim Hund

- retrospektive Erhebungen bei 93 Fällen -

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-106738

title (engl.)

Long-term results after Tibial Plateau Leveling Osteotomy according to B. Slocum for treatment of cranial cruciate rupture in the dog – retrospective investigation in 93 cases.

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2015

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/pfeilk_ss15.pdf

abstract (deutsch)

Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit ist die Umstellungsosteotomie nach B. Slocum (TPLO), wobei wenn nötig im Rahmen der Umstellungsosteotomie eine Achsenkorrektur vorgenommen worde.

 

Die TPLO stellt eine der am häufigsten angewandten Operationsmethoden zur Therapie einer kranialen Kreuzbandruptur dar. Ziel dieser Arbeit war die Darstellung der Langzeitergebnisse nach TPLO mit besonderem Schwerpunkt auf die Entwicklung der Sekundärarthrosen. Des Weiteren wurden mögliche Einflussfaktoren auf die Arthrosen untersucht sowie die Auswirkungen der Arthrosen auf die Klinik des Tieres. Insbesondere sollte die Möglichkeit einer Vorhersagbarkeit postoperativer Sekundärarthrosen anhand prä- und postoperativer Einflussfaktoren untersucht werden.

 

Im Rahmen der retrospektiven Studie wurden 93 Kniegelenke klinisch-orthopädisch und röntgenologisch untersucht. Die Untersuchungen der Kniegelenke erfolgten prä- und postoperativ sowie abhängig vom Zeitpunkt der Kontrolluntersuchung zwischen 13 und 80 Monaten postoperativ. Entsprechend dieses Beobachtungszeitraumes erfolgte eine Einteilung der Patienten in zwei Altersgruppen. Ergänzend an die klinisch-orthopädische und röntgenologische Untersuchung wurde zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Befragung der Besitzer mittels eines Fragebogens durchgeführt. Das Therapieergebnis ergibt sich aus der Summation der klinischen und röntgenologischen Befunde sowie durch den vom Besitzer ausgefüllten Fragebogen.

 

Die funktionellen Ergebnisse zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung mit einer Lahmheitsfreiheit bei 69 Kniegelenken (74,2 %) sind zufriedenstellend. Die in 50 Fällen dokumentierten parallelen Erkrankungen verfälschen mit hoher Wahrscheinlichkeit das lahmheitsfreie Ergebnis. Die durch parallele Erkrankungen verursachten Lahmheiten konnten im Rahmen der Nachuntersuchung nicht von den Knie-assoziierten Lahmheiten unterschieden werden. Zu bemerken ist dennoch, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung 81 Kniegelenke (87,0 %) schmerzfrei waren.

 

Der positive Sitztest und die damit im Zusammenhang stehende positive Beugehemmung eines TPLO-operierten Kniegelenkes sind klinisch hinweisend auf eine mittel- bis hochgradige Gonotrochlose.

 

Die Winkeländerung des TPW zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung im Vergleich zum postoperativen Tibiaplateauwinkel beruht auf einer rückläufigen Rotation des proximalen Osteotomiesegmentes und auf Knochenumbauvorgängen. Hypothetisch stellt sich anhand dieser Veränderung die Frage nach der Richtigkeit des festgesetzen Winkels.

 

Die Dauer der präoperativen Lahmheit beeinflusst den Grad und die Progression der Gonarthrose. Dem entgegen steht, dass Kniegelenke, die präoperativ keine arthrotischen Veränderungen aufwiesen, eine statistisch signifikante Erhöhung des Gonarthrosegrades um einen Grad aufzeigen.

 

Die gezielte Korrektur der Gliedmaßenachse im Rahmen der TPLO führt zu niedrigeren Arthroseindizes. Umgekehrt erhöht die Korrektur einer Gliedmaßenfehlstellung den Grad der Gonotrochlose prozentual.

 

Die Bildung der Osteophyten korreliert dabei nicht mit dem Grad der Osteoarthrose und steht zudem in keinem Zusammenhang mit der Entzündung des Gelenkes. Im Vergleich der Knochenpunkte wurden die größten Osteophyten an der Tuberositas tibiae, am medialen Kondylus des Femurs, dem Tibiaplateau und der Fossa intercondylaris festgestellt.

Der deutliche Zuwachs an Osteophyten am Tibiaplateau sowie in der Fossa intercondylaris lässt vermuten, dass der MR zur Progression der Gonarthrose beiträgt.

 

Der mechanische Verlauf des Sägeschnittes korreliert nicht mit den Osteophyten. Vielmehr sind die Änderung des Drehpunktes und damit die biomechanischen Kräfte ausschlaggebend für die variierende Osteophytenbildung abhängig vom Sägeschnitt.

 

Ein deutlicher Einfluss des MR auf die Progression der Gonarthrose im Gegensatz zur Gonotrochloseprogression zeigte sich statistisch im direkten Vergleich beider. Es bedarf weiterer Untersuchungen, um den Einfluss des MR auf die funktionellen Ergebnisse darzustellen, insbesondere auf die postoperative Lahmheit. In der vorliegenden Arbeit wurde der MR routinemäßig bei jeder TPLO durchgeführt.

 

In den eigenen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Progression der arthrotischen Veränderungen des Femorotibial- und des Femoropatellargelenkes sich untereinander beeinflussen. Eine Zunahme der Gonotrochlose resultiert unter anderem aus einem niedrigen postoperativen Tibiaplateauwinkel, der den Druck auf die Patella erhöht.

Ein Winkel unter 9,0 Grad erhöht den Grad der Gonotrochlose und umgekehrt führt ein Winkel über 9,0 Grad zu einer geringeren Ausprägung der Gonotrochlose. Die erhöhte Gonotrochloseentwicklung bewirkt folgend eine vermehrte Gonarthroseentwicklung.

Die winkelabhängige Arthroseentwicklung wirft die Frage auf, ob der derzeit gelehrte Winkel von 6,5° der „Richtige“ ist. Um diese Frage zu beantworten, sind weitere Studien notwendig.

 

Abschließend kommen wir bei der Beurteilung der Langzeitergebnisse zu einer Erfolgsquote von 92,2% in Gruppe 1 und 96,2% in Gruppe 2.

abstract (englisch)

Focus of this work is the Tibial Plateau Leveling Osteotomy according to B. Slocum (TPLO),

with concurrent correcture of the axis limbs when necessary.

 

TPLO is one of the most frequently used surgical methods for cranial cruciate ligament rupture therapy. Objective of this work has been to show the longterm results of TPLO with focus in secondary arthrosis development. Additionally influencing factors on arthrosis development as well as ramifications for arthrosis development for the animals clinic have been examinated.

 

Notably the predictability of postoperative secondary arthrosis formation by means of pre- and post-operative influencing factors was to be examined.

 

For this retrospective study we clinical-orthopedically examined as well as radiographed 93 stifle joints.

The stifle joints were examined pre- and post-operative as well as – depending on time of follow up examination – 13 to 80 month postoperatively.

Based on the observation period patients were grouped into two different groups of age groups.

Complementary to the clinical-orthopedic and radiographic examination patient owners were given standardized questionnaire.

 

The functional results at the time of reassessment showed 69 joints (74,2%) free of lameness which is satisfactory. In 50 cases parallel occuring pathologies have been identified which with high likelyhood falsifies the lameness free results. It was not possible to accurately distinguish between parallel-pathology- or stifle-joint-induced lameness in the follow up examinations, however 81 stifle joints (87%) were free of pain during time of reassessment.

 

The positive sit test and the related positive flexion inhibition of a TPLO operated stifle joint are clinically indicative for medium to high grade gonotrochlosis.

 

The angular adjustment of the tibial plateau angle (TPW) at the time of reassessment compared to the post operative TPW is caused by a backward rotation of the proximal osteotomy segment and bone remodeling. Hypothetically this poses the question whether the correct angle has been chosen.

 

The period of pre-operative lameness will influence grade and progression of gonarthrosis.

Contrary to this, joints with no preoperative signs of arthrosis will show a statistically relevant increase of the gonathrosis severeness for one grade.

 

The correcture of the limb axis during TPLO leads to reduced signs of arthrosis, whereas the grade of gonotrochlosis will increase.

 

Osteophyte formations does not correlate with the grade of osteoarthrosis and will not show reaction to joint inflammation. Comparing different anatomical landmarks the biggest osteophytes were found on the tuberositas tibiae, the medial femoral condyle, the tibial plateau and the fossa intercondylaris.

 

The marked increase of osteophytes on the tibial plateau and the fossa intercondylaris leads to the assumption that the meniscal release may be contributing to the progression of gonarthrosis.

 

The course of the saw cut did not correlate with osteophytes. However changes to the pivot point – and with that the biomechanic forces were crucial for varying osteophyte formation depending on the saw cut.

 

A marked influence of the meniscal release on the progression of gonarthrosis in contrast to the progression of gonotrochlosis can be shown by direct statistical comparison. Further investigations are necessary to show the influence of meniscal release on the functional results, notably the lameness. In this work, meniscal release was routinely performed with TPLO.

 

In our own examinations we could show that the progression of the arthritic changes of the femorotibial- and femoropatellar- joints have impact on each other. A progression of gonotrochlosis results amongst other reasons in a low postoperatively tibial plateau angle, which raises the pressure on the patella. An angle below 9 degrees increases the degree of gonotrochlosis whereas an angle above 9 degree will lead to a lower grade of gonotrochlosis. An elevated grade of gonotrochlosis will lead to increased levels of gonarthrosis. The angle-dependent arthrosis development leads to the questions, whether the currently angle of 6,5° is correct. There is a need for more studies to answer this question.

 

Assessing the long time results we had a sucess rate of 92,2% in group 1 and 96,2% in

group 2.

keywords

TPLO, Langzeitergebnisse, Arthrose, langterm results, arthrosis

kb

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