Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Ursula Mischke-Koning

Bedeutung der Pflege- und Haltungsbedingungen für Gesundheit und Wohlbefinden von Hunden als Fund- und Abgabetiere in Tierheimen des Landes Nordrhein-Westfalen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-105779

title (engl.)

Importance of caring and keeping conditions for the health and well-being of found or handed over dogs in animal shelters in North Rhine-Westphalia

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/mischkekoningu_ws14.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der vorliegenden Arbeit war es, einen Überblick über die Haltungsbedingungen für Fund- und Abgabehunde in Tierheimen zu erhalten und die Pflege- und Haltungsbedingungen im Hinblick auf Tiergesundheit und Wohlbefinden der Hunde zu beurteilen. Dabei sollte herausgearbeitet werden, ob sich in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen den ländlich und städtisch gelegenen Tierheimen ermitteln lassen.

 

Mit Hilfe eines eigens dafür konzipierten Fragebogens wurden Daten über die einflussnehmenden Faktoren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Hunde erfasst. Der Fragebogen wurde an die in Nordrhein-Westfalen ansässigen Tierheime verschickt und diente gleichzeitig als Begehungsprotokoll in den 16 besuchten Tierheimen. Insgesamt wurden Daten von 23 Tierheimen, davon neun im ländlichen und 14 im städtischen Einzugsgebiet, ausgewertet. Für die Verhaltensbeobachtungen standen 291 Fund- und Abgabehunde zur Verfügung.

 

In allen befragten Tierheimen war die Grundversorgung der Hunde sichergestellt. Prophylaktische Maßnahmen erfolgten regelmäßig, notwendige medizinische Behandlungen wurden durchgeführt. Alle Haltungssysteme entsprachen den gesetzlichen Anforderungen der TierSchHuV. Kennzeichnend für die Ausstattung der Zwinger waren fehlende Reize und somit ein Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten, dies vor allem mit der Auswirkung auf das Verhalten und die Gesundheit der Hunde. Insbesondere zeigten Hunde in Einzelhaltung vermehrt Verhaltensauffälligkeiten. Einige Hunde litten an Diarrhoe, Gewichtsverlust und wirkten in ihrem Verhalten unruhig, nervös, hektisch und entwickelten mit zunehmender Verweildauer Verhaltensauffälligkeiten. Als belastenden Faktoren können Isolation, hoher Lärmpegel und die hohe Populationsdichte gesehen werden. Vor allem eine isolierte und reizarme Haltung sowie fehlende Sozialkontakte beeinflussten das Wohlbefinden der Hunde.

 

Zwischen den städtischen und ländlichen Einzugsgebieten bestanden Unterschiede in der Personalstärke, dem Fortbildungsinteresse und der Qualifikation der Tierpfleger. Die durchschnittliche Personalstärke in den ländlichen Tierheimen betrug 4,1 Angestellte, in Tierheimen im städtischen Einzugsgebiet 10,8 Mitarbeiter (p=0,0001). Die Auswirkungen des Personalmangels in den ländlich gelegenen Tierheimen spiegelten sich in der Höhe der durchschnittlichen Belastungswerte von 34,30 Punkten, die durch Verhaltensbeobachtung ermittelt wurden, und der durchschnittlichen Verweildauer von 13,84 Monaten wider. Die Durchschnittswerte in Tierheimen im städtischen Einzugsgebiet lagen bei 31,94 Punkten und einer Verweildauer von 12,95 Monaten.

 

Weitere Unterschiede bestanden in der Gesamtzahl der aufgenommenen Hunde (p=0,0284), der aufgenommenen Abgabe- (p=0,0025) und Pensionshunde (p=0,0350), der reglementierten Hunde nach § 3 (p=0,0179) sowie nach § 11 (p=0,0136) des LHundG NRW.

 

Die vorliegende Arbeit verdeutlicht, dass nicht nur das Erfüllen der gesetzlichen Mindestanforderungen entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tierhunde ist, sondern insbesondere eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung sowie Betreuung im Vordergrund stehen sollten, dies unter Berücksichtigung der Rasse und der individuellen Bedürfnisse der Hunde. Jedoch stehen nicht nur die Tierheime in der Pflicht diese Anforderungen zu erfüllen. Verantwortlich sind auch die zuständigen Gemeinden, die die Leistungen der Tierheime zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben in Anspruch nehmen. Eine enge und gute Zusammenarbeit leistet einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes.

abstract (englisch)

The aim of this thesis was to provide an overview over the keeping conditions for found or handed over dogs in animal shelters, and to evaluate the caring and keeping conditions with regard to the health and well-being of the dogs. Moreover, this study analysed possible differences between animal shelters located in rural and urban areas.

 

Gathered by means of a specially drafted questionnaire data about influential parameters for the health and wellbeing of the dogs was recorded. The questionnaire was sent to animal shelters based in North Rhine-Westphalia, and served as an inspection report for 16 visited animal shelters at the same time. Altogether, data of 23 animal shelters, nine in rural and 14 in urban areas, was evaluated. For the behavioural observations, 291 found or handed over dogs were available.

 

Primary health care of the dogs was guaranteed in all evaluated animal shelters. Prophylactic measures were carried out on a regular basis; necessary medicinal treatment was carried out. All keeping equipment was in accordance with legal requirements listed in the TierSchHuV. The designs of the kennels were characterised by missing stimuli and therefore a deficit of occupation possibilities, with consequences for the behaviour and health of the dogs. Especially in single-housed dogs altered behaviour was more often observed. Some dogs suffered from diarrhoea, weight loss and seemed agitated, nervous, hectic, and developed conspicuous behaviour with increasing length of stay. Isolation, high noise level as well as high population density are negative factors. Especially isolated and low stimulus keeping conditions and missing social contacts influence the well-being of the dogs.

 

Between the urban and rural catchment areas differences in the number of staff, interest in further education and the qualification of the animal keepers were apparent. The average number of personnel in rural animal shelters was 4.1 keepers, in urban shelters 10.8 (p=0.0001). Shortage of staff in rural shelters was reflected in the amount of an average stress value assessed by behavioural examinations of 34.30 points, and an average duration of stay of 13.84 months. The average stress value in urban shelters was 31.94 points, and the average duration of stay added up to 12.95 months.

 

More differences existed in the total amount of collected dogs (p=0.0025), found or handed over dogs (p=0.0025), dogs in the kennel (p=0.0350), the regularised dogs according to §3 (p=0.0179) and §11 (p=0.0136) of LHundG NRW.

 

This work clearly shows, that not only the fulfilment of legal minimum requirements are essential for the health and well-being of dogs, but the major importance of species specific and behaviourally correct housing and care taken the dog’s breed and individual needs into account. Not only animal shelters are obliged to meet these necessary requirements. Moreover, the local authorities, using the services of the animal shelters to fulfil public functions have also a clear responsibility. Close and efficient co-operation is a major contribution to improve animal protection in an effective way.

keywords

Haltungsbedingungen, Wohlbefinden, Tierheim; keeping conditions, well-being, animal shelters

kb

1.471