Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

 

Stefanie Markowski

 

Tierart- und erregerspezifische Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitsmanagements

für nordamerikanische Säugetiere in Zoologischen Gärten

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-103304

title (engl.)

Animal- and agent specific measurements for optimizing the health management for North American mammals in zoological gardens

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2013

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/markowskis_ss13.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der Arbeit war es, durch Auswertung von 5389 Untersuchungsfällen bei acht nordamerikanischen Tierarten in Zoologischen Gärten, ergänzt durch entsprechende Literaturstudien, die wichtigsten bakteriologischen, parasitologischen und virologischen Infektionserreger zu bestimmen, um entsprechende tiermedizinische Überwachungs – und Kontrollprogramme zu optimieren.

Mit den Ergebnissen der Literaturstudie lassen sich bedeutende Erreger bei den untersuchten Tierarten eingrenzen. Häufig traten verschiedene Enterobacteriaceae, bei Wölfen, Luchsen und Elchen auch Salmonellainfektionen, auf. Ebenfalls zahlreich waren Clostridien, Brucellainfektionen und Leptospirosen, bei Robben auch Streptokokkeninfektionen dokumentiert. Dominierende parasitäre Infektionen waren durch Askaridoidea, Ankylostomatoidea, Strongyloidea, Tricho- und Metastrongyloidea sowie Trichuris bei den Elchen induziert. Cestodainfektionen waren vor allem bei Luchs und Wolf, Trematodanachweise bei Bibern und Wölfen beschrieben. Zu den bedeutenden in der Literatur genannten Virusinfektionen zählen vor allem Distempervirusinfektionen. Ebenfalls häufig traten Parvo – und Tollwutvirusinfektionen auf. Bei den Hirschen dominierten Infektionen mit Erregern des Katarrhalfiebers, der Bovinen Virusdiarrhoe sowie mit dem Bovinen Herpesvirus 1.

Die Auswertung der 5389 Untersuchungsfälle zeigte, dass bei allen acht beteiligten Tierarten Vertreter der Enterobacteriaceae in großer Zahl den größten Anteil der nachgewiesenen Bakterien ausmachten. Ebenfalls häufig waren Streptokokken und Clostridien dokumentiert. Ähnlich den Ergebnissen der Literaturstudie wurden Askaridoidea und Trichuris (bei den Elchen) als wichtige parasitologische Erreger  identifiziert. Staupevirusinfektionen traten am häufigsten bei Robben auf, Parvovirusinfektionen bei Wölfen und Luchsen. Das Virus der Bovinen Virusdiarrhoe wurde für beide Hirscharten nachgewiesen. Bei Elchen wurden Infektionen mit einem Erreger des Katarrhalfiebers, bei Rentieren mit dem Bovinen Herpesvirus 1 und Rotaviren dokumentiert. Für Biber besaßen Virusinfektionen eine untergeordnete Bedeutung, für Bären erfolgte in keinem Untersuchungsfall ein positiver Virusnachweis.

Schlussfolgernd aus den Ergebnissen der Literaturstudie und den Auswertungen der Untersuchungsfälle sind die für die jeweilige Tierart bedeutenden Infektionserreger identifiziert worden. Möglichkeiten und Empfehlungen zu Diagnostik, Prophylaxe und Therapie werden im Diskussionsteil erörtert. Enterobacteriaceae bilden bei allen Tierarten die bedeutendste bakterielle Erregergruppe, speziesabhängig gefolgt von Streptokokken, Staphylokokken, Salmonellen und Clostridien. Folglich sollte bei prophylaktischen Untersuchungsmaßnahmen eine Untersuchung auf darmpathogene Keime erfolgen sowie bei den entsprechenden Tierarten im Verdachtsfall auf angesprochene Bakterien getestet werden. Askaridoidea und Ankylostomatoidea sind bei Wölfen, Bären und Luchsen die häufigsten Parasiten. Wölfe sollten außerdem auf das Vorkommen verschiedener Cestodaarten untersucht werden. Strongyloidea und Trichostrongyloidea zählen zu den bedeutenden parasitären Erregern bei Bibern. Bei Robben dominierten die nicht weiter differenzierten Nematoda, bei den Hirschen Infektionen mit Trichuris (Elch) und Capillaria (Rentier). Für alle untersuchten Tierarten sollte folglich eine Untersuchung mittels Flotationsverfahren, teilweise ergänzt durch das Larvenauswanderverfahren durchgeführt werden. Trematoda besitzen Bedeutung für Wolf und Biber und werden mit Hilfe des Sedimentationsverfahrens erweiternd bei diesen Tierarten diagnostiziert. Virusinfektionen sind für Biber und Bären entsprechend den Ergebnissen dieser Arbeit von untergeordneter Bedeutung. Parvovirusinfektionen können Wölfe und Luchse in Zoologischen Gärten gefährden, so dass eine aktive Immunisierung bei diesen Tierarten anzuraten ist. Luchse sind außerdem anfällig für das Feline Leukosevirus, so dass auch eine Schutzimpfung gegen diesen Erreger abhängig von Kontaktmöglichkeiten zu Überträgertieren sinnvoll erscheint. Die bedeutendste Virusinfektion der Robben wird durch das Staupevirus induziert, allerdings ist das Infektionsrisiko unter Zoobedingungen als gering einzuschätzen. Viruserkrankungen mit BVDV und BHV -1 können bei beiden Hirscharten dieser Arbeit auftreten. Der Einsatz eines Impfstoffes sollte allerdings für jeden Einzelfall gut abgewogen werden und bedarf bei der BVDV – Prophylaxe der behördlichen Genehmigung. Ebenfalls bedeutend, insbesondere bei Elchen, sind Infektionen mit Erregern des Katarrhalfiebers, wobei eine Schutzimpfung leider nicht möglich ist.

Eine zusammenfassende Tabelle für jede beteiligte Tierart ermöglicht einen Überblick über die wichtigsten Infektionserreger sowie über empfohlene Diagnostik- , Prophylaxe- ,Therapie– und Desinfektionsmaßnahmen und deren unmittelbare Anwendung in der tiergartenbiologischen Praxis.

 

abstract (englisch)

The objective of this study was to optimize veterinary monitoring and control programs for specific North American species kept in zoological gardens by identifying most important bacteriological, parasitological, and virological agents. Once these agents have been identified, monitoring and control programs may be more specifically targeted on these pathogens. For this purpose 5389 case reports relating to eight Northern American animal species were analyzed and related literature was reviewed.

The reviewed literature allowed to determine relevant pathogens for the animal species in question. According to literature, there is frequent occurrence of various Enterobacteriaceae in all of these animal species under investigation. Wolves, lynxes, and mooses are frequently infected with Salmonella. Likewise, incidences of Clostridia, infections with Brucella, and Leptospirae are numerous. It has also been documented that infections with Strepptococcus were numerous in seals. Dominant parasitic infections are induced by Ascaridoidea, Ancylostomatoidea, Strongyloidea, Tricho- and Metastrongyloidea, as well as Trichuris in mooses. Infections with Cestodes were predominantly documented in lynxes and wolves, while evidence for incidences of Trematodes was provided for beavers and wolves. Amongst the most important viral infections cited in literature was Distemper. Infections caused by Parvovirus and Lyssa virus were frequent as well. Malignant catarrhal fever, Bovine virus diarrhea, as well as Bovine Herpes virus 1 were prevalent infections in mooses and reindeers.

Analyses of 5389 case reports showed Enterobacteriaceae in large numbers to form the major group amongst all bacteria that were detected, followed by Streptococcus and Clostridia with likewise frequent occurrences. Consistent with literature review, Ascaridoidea and (in mooses) Trichuris were identified as important parasitological agents. Infections with the Distemper virus were documented most frequently in seals, infections with Parvo virus in wolves and lynxes. Bovine Virus diarrhea was detected in both species of deer. In mooses infections with malignant catarrhal fever and in reindeer infections with Bovine Herpes virus 1 and Rota virus were documented. Infections with viruses are only of minor importance with regard to beavers and as far as bears are concerned, no positive evidence of infections with viruses was established at all.

By drawing conclusions from both, reviewed literature and analysis of case reports, the relevant pathogens for each animal species were identified. In a next step, different options for diagnostics, prophylaxis, and therapy were discussed and certain approaches recommended.

Enterobacteriaceae were the prevalent bacterial group of pathogens, followed - depending on the respective species - by Streptococcus, Staphylococcus, Salmonella and Clostridia. Therefore, it is recommended to focus prophylaxis on intestinal pathogens. In suspected cases and if the respective animal species is concerned, tests targeting the bacteria identified in this study should be performed. Ascaridoidea and Ancylostomatoidea were the most common parasites in wolves, bears, and lynxes. It is recommended that wolves are examined for incidences of various types of Cestodes. Strongyloidea and Trichostrongyloidea were amongst the most important parasitical agents in beavers. In seals Nematodes - that were not further differentiated - and in deer infections with Trichuris (moose) and Capillaria (reindeer) were dominant. Consequently, flotation techniques - in part supplemented by larvae migration techniques - should be applied to all host species examined in this study. Trematodes were relevant with regard to wolves and beavers and were diagnosed by means of sedimentation processes. According to this study, virus infections were of only minor importance for beavers and bears. Infections with Parvo viruses may endanger wolves and lynxes in zoological gardens; therefore, active immunization is recommended for these species. Lynxes are susceptible to Feline Leucose virus, thus, it seems reasonable to vaccinate against this pathogen independent of potential exposure to animals carrying the pathogen. The most important virus infection in seals is induced by the Distemper virus, albeit, with risk of infection in a zoological environment being rather modest. Virus diseases attributable to BVDV and BHV - 1 might occur in both types of deer taken under scrutiny in this study. Benefits and risks of using a vaccine should, however, be carefully weighed up against each other in each single case of a BVDV or BHV - 1 infection; it should be noted that using a vaccine for BVDV prophylaxis requires approval by the competent public authority. Furthermore, while infections with pathogenic agents of Malignant catarrhal fever are equally important, no vaccination is available yet.

In conclusion, the most important pathogenic agents for each animal species as well as the recommended measures for diagnosis, prophylaxis, therapy, and disinfection are listed in a schedule for quick reference and immediate application in zoobiological management.

 

keywords

Infektionskrankheiten, Nordamerikanische Säugetiere, Gesundheitsmanagement, Infectious diseases, North American mammals, Health management

kb

5.395