Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Helena Marien

Untersuchung zum Verlauf des Puerperiums und zur Fruchtbarkeit nach Anwendung des iVET® -Systems zur Geburtsüberwachung bei Färsen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-110753

title (eng.)

Survey on the course of puerperium and on fertility after implementation of the iVET birth monitoring system in heifers

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/marienh_ws17.pdf

abstract (deutsch)

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Auswirkung einer Geburtsüberwachung mit Hilfe des Geburtsmeldesystems iVET® auf die Puerperalphase sowie auf die Milch- und Fruchtbarkeitsleistung der Muttertiere in der nachfolgenden Laktation zu untersuchen. In einem größeren Milchviehbetrieb in Sachsen-Anhalt wurde die visuelle Geburtsüberwachung bei Färsen durch den Einsatz des automatisierten Geburtsmeldesystems iVET® ergänzt.

 

Das Geburtsüberwachungssystem iVET®  besteht aus einem Sender, der bei den zu überwachenden Tieren intravaginal appliziert wird, und einem zugehörigen Empfänger, der über dem Abkalbebereich installiert werden muss. Im Geburtsverlauf wird der Sender aus der Vagina herausgepresst und sendet ein Signal an den Empfänger, der nun das zuständige Personal per SMS oder Anruf über die Meldung informieren kann.

 

192 Färsen wurden der Kontrollgruppe zugeordnet, in der sie in gleicher Weise wie vor Beginn der Studie durch das Betriebspersonal überwacht wurden, und 167 Färsen der iVET®-Gruppe (Versuchsgruppe), in der das iVET®-System zur Anwendung kam. Zusätzlich wurde in dieser Gruppe danach unterschieden, ob die Tiere den Sensor vor der Abkalbung länger oder kürzer als 24 Stunden getragen hatten. Die Versuchsphase begann jeweils mit der Erfassung des Geburtsverlaufs und endete an Tag 200 p. p..

 

In der iVET®-Gruppe kalbten signifikant weniger Tiere ohne Hilfestellung ab, außerdem kam es signifikant häufiger zu schweren Geburtsverläufen. Bei der Erfassung von Geburtsverletzungen wiesen die Färsen der iVET®-Gruppe mehr und schwerere Verletzungen und einen schlechteren Heilungsverlauf auf. Außerdem entwickelten diese Tiere signifikant häufiger eine Endometritis, die auch bei signifikant mehr Tieren bis zum Ende des Puerperiums an Tag 42 p. p. bestand. Auf die Häufigkeit von Nachgeburtsverhaltung, das Auftreten einer Metritis und die Entwicklung des BCS hatte die Versuchsanordnung keinen Einfluss.

 

Innerhalb der iVET®-Gruppe hatten die Tiere, die den Sensor länger als 24 Stunden getragen hatten, signifikant häufiger schwere Geburtsverläufe und signifikant seltener ohne Hilfestellung gekalbt als die Tiere mit kürzerer Sensorverweildauer. Auch bei einigen Untersuchungen im Puerperium schnitten diese Tiere schlechter ab.

 

Um die Fruchtbarkeit der Färsen zu beurteilen, wurde zunächst das Einsetzen der Zyklusaktivität anhand von Ultraschalluntersuchungen der Ovarien festgestellt. Hier zeigten in der Kontrollgruppe signifikant mehr Tiere eine Zyklusaktivität im Frühpuerperium, bei den späteren Untersuchungen gab es keine signifikanten Unterschiede mehr. In der iVET®-Gruppe war der Zeitraum bis zur ersten Besamung länger, die Tiere nahmen aber schneller auf als die Tiere der Kontrollgruppe, so dass die Güstzeit und die erwartete Zwischenkalbezeit in beiden Gruppe nahezu gleich war. Bei den übrigen Fruchtbarkeitskennzahlen gab es keine signifikanten Unterschiede. Für einige Auswertungen bezüglich der Fruchtbarkeit schnitten in der iVET®-Gruppe die Tiere mit langer Verweildauer schlechter ab als diejenigen mit kurzer Verweildauer, die Unterschiede waren aber in keinem Fall signifikant.

 

Die 100-Tage-Milchleistung war in der iVET®-Gruppe bei den Färsen mit langer Verweildauer signifikant niedriger als bei denen mit kurzer Verweildauer, während die Leistung der Kontrollgruppe dazwischen lag. In der Gruppe mit langer Verweildauer wurden dreimal mehr Tiere gemerzt als in den anderen Gruppen.

 

Die veränderte Form der Geburtsüberwachung durch das automatisierte Geburtsmeldesystem iVET® führte auf dem Versuchsbetrieb nicht zu einem verbesserten Puerperalverlauf oder zu einer besseren Fruchtbarkeitsleistung. Aufgrund der Auswertung des Geburtsverlaufs und der Untersuchungen im Puerperium kann für die Verwendung des Sensors bei Färsen eine Verweildauer von mehr als 24 Stunden nicht empfohlen werden. Diese Einschränkung macht den Einsatz des Geburtsmelders problematisch, da eine so genaue Vorhersage des Geburtsbeginns mit akzeptablem Arbeitsaufwand unter Praxisbedingungen kaum möglich ist.

abstract (englisch)

The objective of this study was to investigate the influence of the birth monitoring system iVET® on the puerperium as well as on the milk yield and on the fertility of the dam in the subsequent lactation. On a large dairy farm in Saxony-Anhalt, the visual birth monitoring of the heifers was complemented by the automated iVET® birth monitoring system.

 

The iVET® birth monitoring system consists of two components: of a transmitter which is inserted into the vagina of the animals to be monitored and of a receiver that must be installed above the calving pen. During the birth process, the transmitter is forced out of the vagina and sends a signal to the receiver which then triggers an SMS or phone call to the person in charge.

 

192 heifers were assigned to the control group in which birth monitoring was performed by farm personnel in the same way as before the start of the study. 167 heifers were assigned to the iVET® group (study group) in which the iVET® system was used. Additionally, in the iVET® group a distinction was made between the animals in which the transmitter remained longer or shorter than 24 hours. The experimental phase started with the recording of the calving process and ended at day 200 p. p..

 

In the iVET® group, significantly fewer animals calved without assistance. Also, there were significantly more calvings with extreme difficulty. The heifers of the iVET® group suffered a higher number of injuries, the injuries were more severe, and the healing progressed more slowly. Furthermore, these animals developed an endometritis significantly more frequently, and it lasted significantly more often until the end of puerperium on day 42 p. p.. The experimental arrangement did not reveal any influence on the frequency of retained placenta, on the occurrence of metritis, and on the trend of BCS. Within the iVET® group, animals in which the transmitter remained longer than 24 hours significantly more often had extreme calving difficulties, and they significantly less often calved without assistance than the animals in which the transmitter remained for less than 24 hours. Additionally, they showed a poorer performance in some examinations during puerperium.

 

To assess the heifer’s fertility, the onset of ovarian activity was determined by ultrasound examination of the ovaries. In the control group, significantly more animals had active ovaries when they were first examined on day 10 p. p.. Later examinations showed no significant difference between the groups. Animals of the iVET® group took a longer time to first insemination than animals of the control group, but became pregnant more quickly. So the calving-to-conception interval and the expected calving interval were almost equal in both groups. Concerning the other measures of fertility, there were no significant differences. Comparisons of some fertility analyses showed that the animals of the iVET® group with a longer retention time of the transmitter did not perform as well as those with a shorter retention time. But these differences were not significant.

 

In the group of heifers with the longer retention time, the milk yield of the first 100 days p. p. was significantly lower than in the group with the shorter retention time. The yield of the control group was between the yields of the other two groups.  The number of animals that had to be culled was three times higher in the group with the longer retention time than in the other two groups.

 

Birth monitoring by means of the iVET® system did not improve the course of the puerperium or the fertility of the heifers. The evaluation of calving ease and the examinations during puerperium showed that a retention time of transmitters in heifers of more than 24 hours cannot be recommended.

 

This limitation makes the use of the birth monitoring system problematic; under real-life conditions it is hardly possible to predict the beginning of birth with sufficient accuracy with an acceptable amount of effort.

keywords

Geburtsüberwachung, Puerperium, Färse, birth monitoring, puerperium, heifer

kb

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