Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Judith Lindner

Untersuchungen zur bestandsbezogenen Häufigkeit

tierschutzrelevanter Befunde

bei der amtlichen Schlachttieruntersuchung von Rindern

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-110695

title (eng.)

Investigations into origin-related frequency relevant to animal welfare results during the official inspection of cattle  

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/lindnerj_ws17.pdf

abstract (deutsch)

Da es für den Verbraucher in der gegenwärtigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, dass das „Lebensmittel Tier“ art- und tiergerecht gehalten wird, aber auch weil es zum Berufscodex der Tierärzteschaft gehört, das Wohlbefinden der Tiere zu erhalten, zu verbessern oder generell zu gewährleisten, ist es erforderlich, auch bei der Rinderschlachtung bestandsbezogene Daten zu tierorientierten Tierschutzindikatoren zu erheben, um dann in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern oder auch über direkte Rückmeldungen an die Landwirte das Wohlbefinden der Rinder zu verbessern. Bei der hier vorliegenden Arbeit war das ursprüngliche Ziel, eine tierschutzbezogene Lieferantenbewertung zu erstellen, die sich sowohl auf die Tiertransporteure als auch auf die Bestände beziehen sollte. Dazu wurden die Rinder während der amtlichen Schlachttieruntersuchung neben den nach VO (EG) Nr. 853/2004 und VO (EG) Nr. 854/2004 vorgeschriebenen Untersuchungen auch auf die tierschutzrelevanten Befunde untersucht, die unter die Grenze einer Ordnungswidrigkeit bzw. Straftat fallen. Dies waren vor allem gering- bis mittelgradige Lahmheiten und abgemagerte Tiere. Schon nach den ersten Wochen der Datenerfassung zeichnete sich jedoch deutlich ab, dass der Tierschutz bei Schlachtrindern, insbesondere bei der Milchkuh defizitär ist, jedoch nicht in Hinsicht auf die Transporte, sondern die Haltung der Milchkühe aber auch Mastbullen. In Anbetracht dessen, dass über 90 % der Bullen unter einer Altersgrenze von 24 Monaten geschlachtet werden, sind 8,3 % Lahmheiten aller auf tierschutzrelevante Befunde untersuchten Bullen in der Mastbullenhaltung und 15,9 % Lahmheiten bei Milchkühen Anteile, die als wesentlich zu hoch einzustufen sind. Auch der schlechte Ernährungszustand (BCS ≤ 2,5), der bei den auf tierschutzrelevanten Befunden untersuchten Kühen ein Viertel der Befunde ausmachte, deutet darauf hin, dass das Wohlbefinden der Kühe in den Herkunftsbeständen gestört sein muss. Um die Ergebnisse dieser Studie zu verifizieren, wäre eine systematische Erweiterung der Untersuchungen in Beständen, bei denen tierschutzrelevante Befunde erhoben werden, sinnvoll, um sicherzustellen, dass die am Schlachthof festgestellten Befunde tatsächlich die Tierschutzproblematik in dem jeweiligen Tierbestand widerspiegeln. Einerseits kann durch die geringen Anzahlen der Anlieferungen bei der Rinderschlachtung (im Gegensatz zu den Anlieferungen bei der Schweineschlachtungen) nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass gravierende Tierschutzmängel in dem Herkunftsbetrieb vorherrschen, andererseits kann nicht weiter hingenommen werden, dass die Kuh grundsätzlich als „Krankschlachtung“ an den Schlachthof abgegeben wird, ohne dass daraus eine Konsequenz resultiert. In der Regel erfolgt beim Feststellen von schwerstem Tierleid während der amtlichen Überwachung des Schlachtprozesses Strafanzeige gegen den Verursacher, es scheint nach den Untersuchungen dieser Studie wichtig zu sein, nicht nur strafbewahrte Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu ahnden, sondern auch die pathologischen Veränderungen zu erfassen, die unterhalb der Grenze zu einer Ordnungswidrigkeit bzw. Straftat stehen, die aber darauf schließen lassen, dass eine Tierschutzproblematik im Herkunftsbetrieb besteht. Nur in enger Zusammenarbeit zwischen den Veterinärämtern und den amtlichen Tierärzten am Schlachthof, aber auch mit den Schlachtunternehmen wird es in Zukunft möglich sein, tierschutzbezogene Befunde am Rinderschlachthof zu erheben und elektronisch weiter zu verarbeiten um Tierbestände mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Tierschutzdefiziten erkennen zu können, so dass es möglich wird, den Tierschutz des Rindes, aber insbesondere den der Milchkuh, Schritt für Schritt zu verbessern.

abstract (englisch)

Since animal welfare requirements are getting more and more important for consumers, and since it is a major goal of veterinary ethics to preserve, to enhance or generally ensure animal welfare, it is necessary to ascertain origin-related results during cattle slaughter to upgrade cattle welfare either in cooperative work with veterinary inspection office or feedback to farmers. Primordial aim of this investigation was to develop animal-welfare related criteria suppliers benchmark, which should refer for both carrying business and livestock. Considering that cattle was analyzed for animal-welfare related criteria additional to VO (EG) No. 853/2004 and VO (EG) No. 854/2004 prescipted investigation during the official inspection, which did not pass the limit of public nuisance or offence. First and foremost these were low-grade to middle-grade lamenesses and emaciated cattle. Even after a few weeks of data capture it became apparent that animal welfare of cattle - especially of the dairy cow - is deficient, but not with regard to animal transport, but rather to livestock farming. Considering that 90% of all bulls are slaughtered younger than 24 months and 8,3%, which are analyzed for animal-welfare related criteria, are lame is an apparently tolerated problem in bull herds and 15,9% lame cows are “daily routine in milking parlour“. Even the bad body condition (BCS ≤ 2,5) of dairy cattle, which represents 25% kine of cattle that was analyzed for animal-welfare related criteria, indicates that animal welfare of dairy cattle is seriously disturbed in herds of origin. To verify the results of this investigation continuation of animal-welfare related criteria analysis would be suggestive to ascertain that animal-welfare related criteria analysis had not been individual results but had reflected situation of livestock. On the one hand it is not possible to assume that with certainty for the reason that limited amounts of cattle are delivered. On the other hand it is not acceptable that dairy cows are always delivered as “emergency slaughtery“ without getting any consequences for the farmer. As a rule, severe violation of animal welfare are penalized but as this investigation shows it is likewise important not only to punish obvious animal suffering but also to record pathological alterations, which indicate that there is a problem with animal welfare in the herds of origin. Merely in close cooperation with veterinary inspection office and official veterinarians at slaughtery but also with the company of slaughter in the future it is possible to collect data about animal-welfare related criteria and to process these data to be able to identify herds with potential animal welfare deficiencies with the result to initiate gradually animal welfare improvement procedures, especially of the dairy cow.

keywords

Tierschutz, Schlachttieruntersuchung, bestandsbezogen, animal welfare, inspection of cattle, origin-related

kb

94.938