Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Nora Sophie Marita Kuhnt

Anwendung der Computertomographie zur

Charakterisierung der Prostata des kastrierten und

unkastrierten Rüden

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109985

title (eng.)

Computed tomographic characterisation of the prostate of castrated and intact male dogs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/kuhntn_ss17.pdf

abstract (deutsch)

Im fortgeschrittenen Alter leidet ein nicht unerheblicher Anteil Hunderüden an pathologischen Veränderungen der Prostata. Die meisten Prostataerkrankungen treten bei unkastrierten Rüden auf. Hierzu zählen die benigne Prostatahyperplasie, Prostatazysten, Prostatitis und Prostataabszesse. Prostatakarzinome hingegen treten signifikant häufiger beim kastrierten Rüden auf.

Für eine erfolgreiche Therapie der Prostataerkrankung ist es wichtig, eine korrekte Diagnose im Vorhinein zu stellen. Als erstes wird meist eine rektale Palpation durchgeführt und eine Röntgenaufnahme des kaudalen Abdomens angefertigt. Weiterführend ist der Ultraschall ein häufig verwendetes Diagnostikum. Die Computertomographie (CT) bietet darüber hinaus eine überlagerungsfreie Darstellung der Prostata. Mit der Zuhilfenahme von Kontrastmittel kann die Vaskularisierung der Prostata beurteilt werden. Zur Beurteilung der Prostata mittels CT gibt es bisher nur wenige Studien.

Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Prostata von sowohl unkastrierten als auch kastrierten Rüden im CT genauer zu beschreiben. Von jedem Hund lagen sowohl Prä- als auch Postkontrast CT-Bilder vor. Die Rüden wurden nach Beurteilung der CT-Bilder in morphologische Gruppen eingeteilt. Bei den intakten Rüden waren es drei Gruppen: Rüden mit homogenen Prostatae, Prostatae mit Zysten und inhomogenen Prostatae. Bei den Kastraten waren es zwei Gruppen: Rüden mit homogenen Prostatae und veränderten Prostatae. Bei den veränderten Prostatae waren Inhomogenitäten und/ oder Zysten in der Prostata zu finden. Durch zusätzliche Einteilung aller Rüden in drei Altersgruppen (<4 Jahre, 4-8 Jahre, >8 Jahre) sollten Rückschlüsse der morphologischen Eigenschaften in Verbindung mit dem Alter der Tiere gezogen werden. Des Weiteren wurden die Dichte und die Größe der Prostatae der Rüden gemessen und die Ratio der Größe des Organs zur Länge des 6. Lendenwirbels bestimmt. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse der beiden Kastrationsstatus miteinander verglichen.

Ergebnis der vorliegenden Arbeit war, dass sich generell die Prostata von intakten und kastrierten Rüden im CT stark unterscheidet. Insgesamt liegen im CT darstellbare Prostataveränderungen im höheren Alter eher bei unkastrierten Rüden vor. Die Präkontrast-Werte unterschieden sich zwischen kastrierten und unkastrierten Rüden sowie zwischen den morphologischen Gruppen nicht. Die Prä- und Postkontrast-Werte der jeweiligen morphologischen Gruppe wiesen jedoch alle signifikante Unterschiede auf. Bei den Werten der Postkontrast Dichtemessungen wurden folgende signifikante Unterschiede zwischen den morphologischen Gruppen gefunden: homogene Prostatae der Kastraten hatten niedrigere Werte als veränderte Prostatae von unkastrierten Rüden (Prostata mit Zysten und Prostata mit inhomogenem Gewebe), veränderte Prostatae der Kastraten wiesen ebenfalls niedrigere Werte als die Prostatae mit inhomogenem Gewebe der unkastrierten Rüden auf. Innerhalb der Kastrationsstatus gab es Unterschiede zwischen der homogenen und der veränderten Prostata der kastrierten Rüden. Die homogenen Prostatae hatten deutlich niedrigere Werte als die veränderten Prostatae. Ebenso unterschieden sich die Dichtewerte von den unkastrierten Rüden. Die homogenen Prostatae hatten niedrigere Dichtewerte als die inhomogene Prostatae und die inhomogenen Prostatae zeigten höhere als die Prostatae mit Zysten auf.

Hinsichtlich der Größe wurden signifikante Unterschiede zwischen der Ratio der Breite und Länge beider Kastrationsstatus gefunden. Die unkastrierten Rüden wiesen eine größere Prostata als die kastrierten Rüden auf.

Die unterschiedlichen Dichte -und Größenmesswerte der beiden Kastrationsstatus lassen sich durch die kastrationsbedingte Atrophie der Prostata erklären. Darüber hinaus sind auch durch den fehlenden Hormoneinfluss bei den Kastraten Veränderungen im Prostatagewebe nicht so häufig zu sehen wie bei den unkastrierten Rüden. Vor allem bei den unkastrierten Rüden spiegeln sich die mit steigendem Alter vermehrten Inhomogenitäten und Zysten in der Prostata in den Dichtewerten der Rüden wider.

Prostatae einiger Rüden zeigten nach der Kontrastmittelgabe im CT ein verändertes Gewebe, während sie im Ultraschall unauffällig waren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit Hilfe der vorliegenden Arbeit gezeigt werden konnte, dass altersabhängige Veränderungen im Prostatagewebe auch mit Hilfe der CT dargestellt werden können. Die Arbeit bietet Orientierungswerte für Größe, Dichte und Ratio der Prostata sowohl für unkastrierte als auch kastrierte Rüden unterschiedlicher morphologischer Gruppen. Die CT kann als weiterführendes Diagnostikum genutzt werden, um pathologische Veränderungen detaillierter aufzuzeigen und so möglicherweise frühzeitiger mit einer Therapie beginnen zu können.

abstract (englisch)

The frequency of prostatic diseases in dogs increases with age and most of the prostatic disorders occur in intact dogs. This includes benign prostatic hyperplasia, prostatic cysts and prostatic abscesses, which are the most frequent diseases observed. However, the incidence of prostatic carcinoma is significantly higher in castrated dogs.

For an effective therapy of the prostatic diseases a proper diagnosis is indispensable. The first diagnostic agent used is most often rectal palpation and a radiographic survey of the prostate. The ultrasound can provide further information about the internal prostatic structure, while the computed tomography enables an investigation without superimposition of the surrounding organs. Furthermore, by using contrast agent the vascularisation of the prostatic tissue can be investigated. To the best of our knowledge, only few studies have examined the canine prostate with the help of CT.

The present study aimed at describing the prostate of intact and castrated dogs using the CT. Pre- and post-contrast images were evaluated retrospectively. Based on the CT image evaluation, dogs were divided into morphological groups. Intact dogs were classified into three groups: Homogenous prostate, prostate with cysts and inhomogeneous prostate. The morphological groups of castrated dogs were as follows: Homogenous prostate and dogs with a prostate with alterations. The latter group was prostates with inhomogeneities and / or cysts.

By further classifying the dogs according to their age (<4 years; 4-8 years, >8 years), age-related changes in the prostatic tissue were studied. Additionally, the prostatic density in HU and its size were measured and the ratio of the prostatic size to the length of the 6th lumbar vertebra was calculated. All values were compared between intact and castrated dogs.

The findings of the present study revealed that the prostate of intact and castrated dogs had a clearly different appearance in the CT images. Generally, the study found that prostatic alterations were more often detected in older, intact dogs. Between the pre-contrast density values of the different morphological groups and between the intact and castrated dogs no statistically significant differences were found. However, the pre- and post-contrast density values of the different morphological groups differed statistically significantly.

The post- contrast density values were statistically significantly different between the different morphological groups. Castrated dogs with a homogenous prostate had lower density values than intact male dogs with a prostate with alterations (prostate with cysts, inhomogeneous prostate). Additionally, the prostate with alterations of the castrated dogs had lower values than the inhomogeneous prostate of the intact dogs.

Concerning the castrated dogs, the homogenous prostate and the prostate with alterations differed statistically significantly. The density values of the intact dogs with a homogenous prostate had lower values than those with an inhomogeneous prostate and the inhomogeneous prostate showed higher values than the prostate with cysts.

Statistically significantly results were also found between castrated and intact dogs and their ratio of the width and length. The prostate of intact dogs reached higher values.

The differences concerning the prostatic density values and prostatic size between the castrated and intact male dogs could be explained during the atrophy of the prostate after castration. The absence of androgens in the castrated dogs resulted in prostatic alterations not being seen as much as in intact male dogs. Especially in intact male dogs, age-related changes (inhomogeneity and prostatic cysts) were reflected in the density values.

The present study underlines that significant differences were apparent between young and older dogs and between castrated and intact dogs. Furthermore, adding contrast agent in the CT enabled prostatic alterations to be more visible than in the ultrasound examination.

In summary, the present study demonstrated that reference values for the prostatic size, density and ratio of the prostatic size for intact and castrated dogscould be provided using CT. The CT enables detailed examinations to be carried out to evaluate prostatic diseases. By examining the prostate in CT, prostatic changes might be visible earlier.

 

keywords

Computertomographie; Prostata; Hounsfield Unit; prostate; Computed tomograpahy; density

kb

3.704