Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Petra Kruse

Einfluss des Behandlungszeitpunktes bei Ovarialzysten des Rindes auf Therapieerfolg und Fruchtbarkeitsleistung

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-104998

title (engl.)

Influence of treatment time in response to treatment and fertility measures in ovarian cysts in cattle

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/krusep_ss14.pdf

abstract (deutsch)

Ziel der Arbeit war es, festzustellen, ob der Zeitpunkt einer Therapie von Kühen mit Ovarialzysten einen Einfluss auf den Therapieerfolg und die Fruchtbarkeitsleistung ausübt.

Zu diesem Zweck wurden Primipara (n = 346) sowie Pluripara (n = 1347) der Rasse Holstein-Friesian eines Bestandes vom 21. Tag p.p. bis zum 98. Tag p.p. einmal wöchentlich rektal ultrasonographisch auf Ovarialzysten (OZ) hin untersucht. Die Diagnose wurde gestellt, wenn auf einem Ovar zweimal im Abstand von sieben Tagen eine ≥ 2,5 cm große blasige Struktur unter Abwesenheit eines Corpus luteum (C.l.) vorlag.

Die Wanddicke der OZ und der Plasmaprogesterongehalt des Tieres entschieden über die Einteilung in Theka- und Luteinzysten.

Die OZ wurden je nach Entstehungszeitpunkt als „frühe“ OZ (Diagnose bis 56 Tage p.p.) oder als „späte“ OZ (Diagnose ab 63 Tage p.p.) bezeichnet. Die Tiere mit „frühen“ OZ wurden randomisiert in drei Gruppen eingeteilt. Eine dieser Gruppen wurde nicht behandelt (Gruppe A früh), eine Gruppe wurde 14 Tage nach der Diagnose behandelt (Gruppe B früh) und die letzte Gruppe wurde sofort am Tag der Diagnose behandelt (Gruppe C früh). Tiere mit „späten“ OZ wurden in zwei Gruppen eingeteilt und daraufhin am Tag der Diagnose entweder sofort behandelt (Gruppe A spät) oder nicht behandelt (Gruppe B spät).

Das verwendete Behandlungsschema setzte sich aus 0,02 mg Buserelinacetat und 0,5 mg Cloprostenol zusammen. Die Hormone wurden simultan intramuskulär appliziert.

Für die Tiere mit „frühen“ OZ wurden zwei und vier Wochen (bei „späten“ OZ zwei Wochen) nach der Diagnose die Therapieerfolge ermittelt. Die Therapie galt als erfolgreich, wenn am Stichtag die OZ nicht mehr vorhanden und/oder ein C.l. auf einem Ovar vorhanden war.

Für jedes Tier mit OZ wurde zusätzlich aus dem Pool der Studientiere ohne OZ ein in Abkalbemonat, Laktationsnummer und Vaginalbefund übereinstimmendes Kontrolltier ohne OZ ausgewählt.

Anschließend wurden für alle Tiere die Fruchtbarkeitskennzahlen berechnet.

Für Tiere mit ≥ 2,5 cm großen blasigen Strukturen in Abwesenheit von C.l., die in der Folgeuntersuchung eine Woche nach der Erstuntersuchung nicht persistierten (keine Diagnose OZ), wurden ebenfalls die Fruchtbarkeitskennzahlen ermittelt.

 

·         Es konnten 236 Tiere mit Ovarialzysten diagnostiziert werden. Darunter befanden sich 184 Tiere mit „frühen“ Ovarialzysten und 52 Tiere mit „späten“ Ovarialzysten.

·         Bei den Tieren mit „frühen“ Ovarialzysten wirkte sich eine Therapie positiv auf die Heilungsrate der Ovarialzysten aus (Heilungsraten für die Gruppen A früh (unbehandelt), B früh (spät behandelt) und C früh (sofort behandelt): 2 Wochen nach der Diagnose: 56,1 %, 52,5 % vs. 82,5 % (P < 0,05); 4 Wochen nach der Diagnose: 80,7 % vs. 96,6 %, 98,2 % (P < 0,05)). Dabei spielte es keine Rolle, ob das Tier sofort oder 14 Tage nach der Diagnose behandelt worden war. Bei den Tieren mit „späten“ Ovarialzysten hatte die Therapie weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die Heilungsrate.

·         Die Fruchtbarkeitskennzahlen der Tiere mit Ovarialzysten waren signifikant schlechter als die der Kontrolltiere ohne Ovarialzysten (Rastzeit (d), Güstzeit (d) und Konzeptionsrate für die Tiere mit OZ vs. Tiere ohne OZ: 87,8 ± 24,4; 119,1 ± 39,2; 29,3 % vs. 80,7 ± 25,2; 105,6 ± 39,4; 38,4 % (P < 0,05)).

·         Beim Vergleich der Fruchtbarkeitskennzahlen zwischen sofort behandelten, spät behandelten und nicht behandelten Gruppen mit „frühen“ OZ konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden. Die Fruchtbarkeitskennzahlen der behandelten und der nicht behandelten Gruppen mit „späten“ OZ ließen im Vergleich je nach Kennzahl nur unterschiedliche aber uneinheitliche Trends erkennen. Eine Behandlung von Tieren mit OZ, sowohl mit „frühen“ als auch mit „späten“, hatte demzufolge keine signifikante (weder positive noch negative) Auswirkung auf die Fruchtbarkeitskennzahlen.

·         Bei 172 Tieren dieser Studie traten ≥ 2,5 cm große blasige Strukturen in Abwesenheit von C.l. auf, die in der Folgeuntersuchung eine Woche nach der Erstuntersuchung nicht persistierten und bei denen daher keine Diagnose einer Ovarialzyste gestellt werden konnte.

·         Die Fruchtbarkeitskennzahlen dieser Tiere mit großen blasigen Strukturen ohne Persistenz stellten sich signifikant besser dar als diejenigen der Tiere mit OZ. Dagegen unterschieden sie sich nicht signifikant von den Fruchtbarkeitskennzahlen der gesunden Kontrolltiere.

·         Tiere, die eine Ovarialzyste entwickelten, wiesen gegenüber Tieren ohne Ovarialzysten ein 3,3 fach höheres Risiko dafür auf, in der folgenden Laktation erneut an einer Ovarialzyste zu erkranken.

 

Schlussfolgerungen:

Die Ergebnisse der Studie lassen vermuten, dass eine Therapie von Tieren mit OZ („frühe“ sowie „späte“ OZ) mit dem vorliegenden Behandlungsschema im Hinblick auf die Verbesserung der Fruchtbarkeit nicht zu empfehlen ist.

Der Nachuntersuchung von Tieren mit großen blasigen Strukturen kommt bei der Diagnosestellung der OZ eine besondere Bedeutung zu.

Um die Fruchtbarkeit der Tiere mit OZ gegenüber Tieren ohne OZ dennoch zu verbessern, sollte in folgenden Studien geklärt werden, ob eine intensivere Brunstbeobachtung nach einer Therapie oder ein sofort angewendetes Ovsynchprogramm einen Einfluss auf diese Kennzahlen ausübt.

Tiere mit OZ scheinen im Hinblick auf die nächste Laktation subfertil und bedürfen in folgenden Studien daher genauerer Betrachtung.

 

abstract (englisch)

It was the objective of the study to determine whether or not time of treatment had an effect on response to treatment and fertility measures in cows with ovarian cysts.

For this purpose Holstein-Friesian primipara (n = 346) as well as pluripara (n = 1347) were examined from day 21 post partum to day 98 p.p. to detect ovarian cysts. Examinations were done weekly manually using transrectal palpation and ultrasonography. Diagnosis was based on the repeated finding of vesicular structures ≥ 2.5 cm in size at an interval of 7 days, in the absence of a corpus luteum.

Follicular cysts were differentiated from luteal cysts by determination of the wall thickness of the structure, and the progesterone content in plasma.

Depending on the time of first diagnosis ovarian cysts were categorized as “early” cysts (diagnosis up to 56 days p.p.) or “late” cysts (diagnosis from 63 days p.p.). Cows with “early cysts” were allocated to one of the three following groups. Within animals with “early” cysts, the first group was not treated (Group A “early”), the second group was treated 14 days after diagnosis (Group B “early”) and the last group was treated immediately after diagnosis (Group C “early”). Cows having “late” cysts were allocated to one of two following groups. They were either treated immediately (Group A “late”) or were not treated (Group B “late”).

The therapeutic scheme was composed of 0.02 mg buserelin acetate and 0.5 mg cloprostenol. These hormones were administered simultaneously intramuscularly.

Regarding the “early” cysts response to treatment, this was determined at two and four week periods after diagnosis whereas the “late” cysts response to treatment was determined two weeks after diagnosis. Response to treatment was defined as the absence of the ovarian cyst and/or the presence of a corpus luteum.

Every cow with an ovarian cyst was paired with a cow not suffering from the condition serving as a healthy control, coinciding in calving month, number of lactation and endometritis score.

Fertility measures were determined for all cows.

Fertility measures were also calculated for cows having vesicular structures ≥ 2.5 cm in the absence of corpus luteum, which did not show persistence of these structures one week after first detection.

 

·         236 cows with ovarian cysts were diagnosed. Among these were 184 animals with “early” cysts and 52 animals with “late” cysts.

·         Within the animals with “early” cysts treatment had a positive effect on cure rate of ovarian cysts (cure rates for Group A early (not treated), Group B early (late treatment) and Group C early (treatment immediately): 2 weeks after diagnosis: 56.1 %, 52.5 % vs. 82.5 % (P < 0,05); 4 weeks after diagnosis: 80.7 % vs. 96.6 %, 98.2 % (P < 0,05)). It did not make a difference whether or not the cow was treated immediately after diagnosis or 14 days later. Within the animals with “late” cysts, treatment did not show a positive or a negative effect on cure rate.

·         Fertility measures of animals with ovarian cysts were significantly impaired compared to animals without ovarian cysts (time from calving to insemination (d), time from calving to conception (d) and conception rate (pregnant cows / number of inseminations) for cows with ovarian cysts vs. cows without ovarian cysts: 87.8 ± 24.4, 119.1 ± 39.2, 29.3 % vs. 80.7 ± 25.2, 105.6 ± 39.4, 38.4 % (P < 0,05)).

·         Within the three groups of “early” cysts (immediate treatment, late treatment, no treatment) there were no significant differences concerning fertility measures. Fertility measures concerning the two groups of “late” cysts (treated or not treated) revealed different, but heterogeneous trends. Consequently, treatment of both “early” and “late” cysts did not have significant (either positive nor negative) effects on fertility measures.

·         There were 172 animals, in which vesicular structures ≥ 2.5 cm in size were detected in absence of corpus luteum, but which could not be diagnosed as having ovarian cysts due to lacking persistence of the structure one week after first detection.

·         Fertility measures of these animals with large vesicular not persisting structures on the ovary were significantly better than those of animals suffering from ovarian cysts. In contrast, they did not differ significantly from fertility measures of healthy controls.

·         Compared to animals without ovarian cysts, animals with ovarian cysts were 3.3 times higher at risk of developing a new ovarian cyst in following lactation.

 

Conclusion:

With regard to improvement of fertility, the results of this study suggest that treatment of ovarian cysts (“early” cysts as well as “late” cysts) using the present treatment cannot be recommended.

The follow-up examination of animals with large vesicular structures in the context of diagnosing ovarian cysts attains a special importance.

However, to improve fertility of cows with ovarian cysts compared to cows without ovarian cysts additional studies are needed. More intense heat detection after treatment or using ovsynch programs could have an influence on the fertility measurements.

Animals suffering from ovarian cysts seem to be less fertile with regard to the following lactation.

 

keywords

Milchkuh, Ovarialzysten, Therapie; dairy cow, ovarian cysts, treatment

kb

1.562