Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Saskia Köstlinger

 

Vergleich der digitalen Röntgenuntersuchung mit der computertomographischen Untersuchung des Schädels bei zahnerkrankten Kaninchen

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-104945

title (engl.)

Comparison of digital radiography with computed tomography for examination of the skull in rabbits with dental disease 

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2014

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/koestlingers_ss14.pdf

abstract (deutsch)

Als Liebhabertiere gehaltene Kaninchen und Zwergkaninchen sind sehr häufig von Zahnerkrankungen betroffen. Diese stellen für das Tier, den Patientenbesitzer und den Tierarzt gleichermaßen eine große Herausforderung dar. Aufgrund der lebenslangwachsenden Zähne handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um ein chronisches Krankheitsbild, welches regelmäßiger Kontrolluntersuchungen und Behandlungen bedarf. Aus diesem Grunde spielt die Diagnostik bei diesen Patienten eine elementare Rolle. Die hypselodonten Kaninchenzähne befinden sich zum Großteil intraalveolär, weshalb für eine aussagekräftige Diagnose, die den ganzen Zahn berücksichtigt, stets auch bildgebende Verfahren eingesetzt werden müssen. Standard ist hierbei die Röntgenuntersuchung des Schädels in mindestens drei Ebenen. In jüngster Zeit wurde auch gelegentlich über den Einsatz der Computertomographie bei zahnerkrankten Heimtieren berichtet. In dieser Studie wurden die röntgenologische und die computertomographische Untersuchung in Hinblick auf Zahnerkrankungen beim Kaninchen verglichen und Vor- und Nachteile der jeweiligen Methode herausgearbeitet. Von 30 zahnerkrankten Kaninchen, die in einem Zeitraum von 25 Monaten in der Heimtiersprechstunde der Klinik für Heimtiere, Reptilien, Zier- und Wildvögel der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vorgestellt wurden, sind in Allgemeinanästhesie Röntgenaufnahmen in laterolateralem, dorsoventralem und schräg-verkipptem Strahlengang angefertigt worden. Im Anschluss wurde eine Computertomographie (CT) des Schädels durchgeführt. Zuvor wurden zur Beurteilung der Narkosefähigkeit der Patienten eine gründliche Allgemeinuntersuchung sowie eine Blutuntersuchung durchgeführt. Anhand der Röntgen- und CT-Aufnahmen wurden je Zahn 24 Merkmale betrachtet und bezüglich der Zahnstruktur und –form, des apikalen Bereichs, des Periodontalspalts (PDS) und einer eventuellen Abszessbeteiligung bewertet. Je Zahn wurde dokumentiert, ob eine Veränderung des entsprechenden Merkmals vorlag. allerdings wurde nicht nach Schweregrad der Veränderung gewichtet. Entscheidend für die Vergabe eines positiven Befundes war das Vorliegen einer vom physiologischen Zustand abweichenden Veränderung. Bei der anschließenden Evaluation der Befundbögen wurden zwei Aspekte berücksichtigt: Die jeweiligen gesamten Befundhäufigkeiten eines jeden Merkmals und jeder Zahnposition der Röntgen- und der CT-Untersuchungen wurden ebenso verglichen wie die individuelle Übereinstimmung der Befunde von Röntgen- und CT-Untersuchung bei jedem Tier. Im gesamten Bildmaterial wurden auf den Röntgenaufnahmen 2696 Veränderungen und auf den CT-Aufnahmen 2828 Veränderungen an den Zähnen festgestellt. Die Zähne des Unterkiefers wiesen durchschnittlich mehr Veränderungen auf als die des Oberkiefers. Besonders häufig waren die Prämolaren und der erste Molar von Veränderungen betroffen. Im Ergebnis wurde deutlich, dass die Auswertung der letzten Molaren (M3) auf den Röntgenbildern durch mangelhafte isolierte Darstellung desselben erschwert wurde. 27,7% aller nicht beurteilbaren Einzelbefunde (600) bezogen sich auf die Zahnposition M3. Weitere 54,7% der nicht beurteilbaren Einzelbefunde betrafen die Prämolaren in Ober- und Unterkiefer. Die auffällige Häufung nicht beurteilbarer Einzelmerkmale in Bezug auf die Prämolaren konnte mit den stärkeren Überlagerungen an diesen Zahnpositionen in der Röntgenuntersuchung in Kombination mit einer Häufung von Zahnveränderungen an den entsprechenden Zahnpositionen erklärt werden. In der CT-Untersuchung waren deutlich weniger Einzelmerkmale nicht beurteilbar (115). Diese verteilten sich auf alle vier Quadranten und konnten auf individuelle Umstände bei Einzeltieren zurückgeführt werden. Die Computertomographie erlaubte eine der Röntgenuntersuchung ebenbürtige Beurteilung der Zahnstruktur. Ein in seiner Struktur veränderter Zahn weist stets auch eine Veränderung der Pulpahöhle auf, die auf den CT-Aufnahmen leicht identifizierbar war. Hierdurch konnten strukturelle Abweichungen der Zähnen auf den CT-Aufnahmen erkannt werden, obwohl eine differenzierte Beurteilung der verschiedenen Zahnhartsubstanzen (Dentin, Schmelz und Zement) bedingt durch die technische Auflösung des verwendeten Computertomographen nicht möglich war. Bezüglich der Beurteilung des PDS fiel auf, dass dieser in beiden bildgebenden Verfahren nur mit mäßigem Erfolg zu beurteilen war. 28,2% der nicht beurteilbaren Einzelmerkmale konnten in der Röntgenuntersuchung dem PDS zugerechnet werden; in der CT-Untersuchung waren es 66,1%. Schwierigkeiten bei der Beurteilung des Periodontalspaltes lassen sich dadurch erklären, dass die Darstellbarkeit des PDS sowohl durch Überlagerungen als auch Veränderungen des betroffenen Zahnes oder umliegender Strukturen sehr störanfällig ist. Auf CT-Aufnahmen führt die Ausdehnung des PDS, die unterhalb der Auflösung des verwendeten Computertomographen liegt, zu Schwierigkeiten in der generellen Darstellbarkeit des PDS. Ein zu langer Wurzelbereich wurde in der Röntgenuntersuchung bei 441 Zähnen (16,4%), in der CT-Untersuchung bei 387 Zähnen (13,7%) diagnostiziert. Die tierindividuelle Übereinstimmung lag für das Merkmal überlange Wurzel im Durchschnitt für die Backenzähne bei 63% und für das Merkmal überlange Krone bei 68%. Die geringe Übereinstimmung dieser beiden Merkmale konnte auf das Fehlen anatomischer Bezugspunkte in der Computertomographie zurückgeführt werden, was eine objektive Beurteilung von Kronen- und Wurzellänge in der CT-Untersuchung unmöglich machte. Im betrachteten Patientengut waren nur wenige Zahnfrakturen identifiziert worden (CT: 17, Rö:11). In Bezug auf die Darstellung von Zahnfrakturen kann die Computertomographie der Röntgenuntersuchung als deutlich überlegen angesehen werden. Längs- und Querfrakturen der Backenzähne im koronalen Bereich, die auf den CT-Aufnahmen diagnostiziert wurden, waren in der Röntgenuntersuchung in allen Fällen nicht darstellbar, da diese Zahnbereiche nicht isoliert dargestellt werden können. Die tierindividuelle Übereinstimmung der Abszessmerkmale war mit 87% Übereinstimmung an den Zahnpositionen, die am häufigsten in ein Abszessgeschehen mit involviert waren, geringer als im Mittel (97%). Auch der Krümmungszustand der Backenzähne wies mit 59% eine überraschend geringe tierindividuelle Übereinstimmung auf. Anhand der Ergebnisse konnte gezeigt werden, dass die Beurteilbarkeit der Zahnstruktur, des Periodontalspaltes und des apikalen Bereichs auf Röntgen- und CT-Aufnahmen gleichwertig war. Die Computertomographie war der Röntgenuntersuchung bei der Identifikation von fehlenden Zähnen und der Evaluierung der alveolären Kortikalis, von Zahnfrakturen und von Abszessgeschehen deutlich überlegen. Daraus kann geschlossen werden, dass eine CTUntersuchung stets dann indiziert ist, wenn knöcherne Strukturen und Weichteilgewebe gleichermaßen in den Krankheitsprozess mit einbezogen sind und wenn ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Erkennen der räumlichen Verhältnisse ausschlaggebend für den OPErfolg sein kann, geplant ist. Zudem ergeben sich vor allem für die Erstuntersuchung Vorteile der CT: bei der Beurteilung computertomographischer Aufnahmen werden häufig Befunde entdeckt, die in der röntgenologischen Untersuchung nicht darstellbar sind oder aufgrund der zweidimensionalen Darstellung wie beschrieben leicht übersehen werden können. Daher ist die CT-Untersuchung für die Erstdiagnostik eines Zahnpatienten die beste Möglichkeit einen vollständigen Befundstatus zu erheben.

abstract (englisch)

Dental disorders are common in rabbits kept as companion animals, which is a constant challenge for pet owners as well as for the responsible veterinarian. Due to their continuously growing teeth, most cases show a chronical disease pattern, which requires periodic checkups and frequent treatment. Diagnostics play a key role for those patients. Rabbit teeth are hypsodont with a major part of the tooth located within the alveolus. Thus, a thorough diagnosis of the whole tooth requires medical imaging. Apart from conventional radiography, the use of computed tomography for pets with dental disease has been reported recently. In this study, radiography and computed tomography were compared as to their advantages and disadvantages with respect to dental diseases in rabbits. Cases of dental disease were collected over a period of 25 months in the consultation of the Department of Exotic Pets, Reptiles, Domestic and Wild Birds, University of Veterinary Medicine Hannover. Laterolateral, dorsoventral and oblique radiographs were obtained from 30 rabbits with dental diseases under general anesthesia. Subsequently, a computed tomography of the skull was performed. Each patient underwent a thorough general examination and a blood test beforehand to determine the individual anesthetic risk. A predefined set of 24 parameters was recorded for each tooth. Images were interpreted regarding the dental shape and structure, the periapical structure, the periodontal space (PDS) and potential involvement in an abcessformation. Irregularities were documented for each tooth individually. An attribute was assigned as finding in case of significant difference from physiological condition, however the degree of an irregularity was not taken into account. For subsequent evaluation, two aspects were considered: total findings frequency, incidence per attribute and per tooth position for radiography and computed tomography as well as congruence of findings for each animal for both methods. Overall analysis of the images showed a total of 2696 irregularities for radiography and 2828 for computed tomography. Mandibular teeth showed more deviations from physiological state than maxillary teeth. Incidence was exceptionally high for premolars and the first molar. For radiography, evaluation of the last molar (M3) turned out to be difficult because of superimposition. Thus, 27.7% of all non-evaluable attributes (600) applied to position M3. Maxillary and mandibular premolars contributed another 54.7% of all non-evaluable attributes. Site-specific superimpositon in radiographs in combination with an accumulation of tooth-irregularities at this position led to a noticeable accumulation of non evaluable attributes at the premolars. Computed tomography resulted in a significantly lower number of non-evaluable attributes distributed over all four quadrants. All cases could be tracked down to individual changes of one of the subjects. Even though it is not possible to distinguish hard tooth tissue such as dentin, enamel and cementum in a computed tomogram due to technically limited resolution, the quality of dental structure definition was comparable to radiography. Structural changes were identified by a simultaneous change of the dimensions of the pulp. Evaluation of attributes concerning the periodontal space was limited within both methods. 28.2% of all non-evaluable attributes in radiographs applied to the periodontal space, compared to 66.1% in the CT-scan. Structural interpretation of the PDS is frequently restricted due to superimpositions and changes of the particular tooth or the surrounding tissue. The clearance of the PDS is below the technical resolution of the computed tomography, leading to poor overall representation of the PDS on tomograms. Elongated roots were radiologically found in 441 teeth (16.4%) and in CT in 387 teeth (13.7%) respectively. Regarding the cheek teeth, congruence for both methods was on average 63% for the parameter elongated root and 68% for the parameter elongated tooth crown. Poor congruence of those parameters was found to be due to lacking clearly defined anatomical landmarks for objectified evaluation of crowns and roots in computed tomography. Few fractured teeth were identified in the patient population (CT: 17, CR:11). Still, computed tomography imaging is clearly superior to radiology concerning fractured teeth, as none of the longitudinal and transversal fractures in the coronal part of teeth, clearly identified in computed tomogams, were found on radiographs. Individual congruence of abcess parameters was lower at tooth positions that were involved into abscessformation (87%) compared to the average (97%). Individual congruence regarding curvature of cheek teeth was unexpectedly low (59 %). In conclusion, computed tomograpy is particularly indicated in cases where bone and soft tissue both are affected of a pathological process and if detailed three dimensional information is required for successfull surgery.

 

keywords

Kaninchen, Zahnerkrankungen, Computertomographie, rabbits, dental disease, computed tomography 

kb

3.731