Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Kathrin König

Epidemiologische Untersuchungen zum Auftreten von Kannibalismus in der Ferkelaufzucht und der Schweinemast

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109934

title (eng.)

Epidemiological study of tail biting among weaned piglets and fattening pigs

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2017

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/koenigk_ss17.pdf

abstract (deutsch)

In diesem empirischen Forschungsprojekt erfolgte in zwei an der Studie teilnehmenden Betrieben die Erfassung und Bewertung von Haltungs- und Betreuungsbedingungen sowie des Tiergesundheits- und Hygienestatus, um Risikofaktoren für das Auftreten von Caudophagie zu identifizieren. Darüber hinaus wurde im Rahmen einer sogenannten „Nullrunde“, bei der ohne Einsatz von Maßnahmen ausschließlich auf das Kupieren der Schwänze verzichtet wurde, in jedem Betrieb getestet, ob und in welchem Ausmaß Schwanzbeißen auftreten würde. Anhand dieser Daten wurden schließlich gezielt für diese zwei Betriebe Maßnahmenpakete erarbeitet und mit dem Ziel, auf das Schwänzekupieren der Ferkel verzichten zu können, angewendet. Das Hauptaugenmerk bei der Erarbeitung der Maßnahmenpakete sollte dabei auf den Einsatz von Beschäftigungsmaterial/-objekten gelegt werden, um für die Betriebe eine kostengünstige Lösung (z.B. ohne die Veränderung baulicher Gegebenheiten) gewährleisten zu können.

Im Verlauf der Arbeit konnten so insgesamt 28 Versuchsreihen durchgeführt werden, bei denen die Tiere von der Einstallung in das Flatdeck bis zur Austallung aus der Mast begleitet wurden.

Dabei konnten folgende Beobachtungen gemacht werden:

 

- Unter Anwendung von Maßnahmenpaketen war es möglich, bei der Mehrzahl der Versuchsreihen das Auftreten von Caudophagie zeitlich hinauszuzögern. In 5 Versuchsreihen und 2 Teilgruppen konnte ein Auftreten von Caudophagie vollständig verhindert werden.

- Die Verhinderung von Caudophagie ist mit Beschäftigungsobjekten/-material allein nicht möglich.

- Das in diesem Projekt genutzte Beschäftigungsmaterial (Stroh, Dinkel, Papier) konnte das Interesse der Tiere z.T. deutlich stärker wecken als die angebotenen Objekte. Darüber hinaus konnte der Effekt der Gewöhnung an das Hilfsmittel im Gegensatz zu den Objekten beim Material in geringerer Ausprägung beobachtet werden.

- Ein ständiger Austausch/Wechsel der Hilfsmittel ist zur Vermeidung der Gewöhnung und zum Aufrechterhalten des Interesses der Tiere am Hilfsmittel notwendig.

- Maßnahmenpakete mit den Komponenten Tier-Fressplatz-Verhältnis, Beschäftigungsmaterial und Belegdichte waren vielversprechend.

- Optimale Haltungsbedingungen, u.a. die Tiergesundheit, die Fütterung, die Tränkwasserversorgung und das Stallklima betreffend, scheinen eine Grundvoraussetzung für den Erfolg der Bestrebungen darzustellen.

- Eine verstärkte Tierbeobachtung und -betreuung wird im Rahmen eines Kupierverzichtes erforderlich sein, um frühzeitig Caudophagieanzeichen entdecken und schnellstmöglich Sofortmaßnahmen ergreifen zu können.
In diesem Zusammenhang müssen insbesondere Extrabuchten vorgehalten werden, um gebissene und beißende Tiere frühzeitig separieren zu können.

- Landwirte müssen es als beruflichen Erfolg empfinden, wenn Schweinehaltung ohne Schwänzekupieren möglich ist.

abstract (englisch)

The incidence of tail biting indicates for stress factors during animal husbandry and commonly used countermeasures like docking of tails are often less effective or in conflict with current animal welfare. In the present empirical study two independent commercial pig farms were investigated to determine tail biting risk factors. Data were collected on animal husbandry conditions and the care of health. From individual data, specific and cost-efficient procedures against tail biting were developed to achieve a permanent replacement of arresting the tails.

 

First investigations established the reference. Therefore docking of tails was omitted and time points and degrees of damage were evaluated. Thereafter 28 series of experiments could be performed from animal housing until turnout with the following results:

 

- In 5 series and 2 additional subgroups, combinations of different procedures against tail biting were successful to completely avoid it

- In the majority of series, combinations of different procedures against tail biting could delay the onset of tail biting.

- The use of only activity objects/materials could not prevent tail biting.

- Additionally introduced activity material like straw, spelt, and paper were more efficient to arouse animal activities than the offered activity objects.

- Activity materials showed a delayed habituation than activity objects.

- To avoid habituation, a constant exchange of activity objects/materials is required

 

An inevitable fundament for the success of cost-efficient procedures against tail biting is an optimal animal husbandry environment comprising feeding, water supply, animal health, space allowance and air conditions. For the permanent replacement of docking tails, an increased animal observation will be essential for the detection of tail biting signs enabling immediate countermeasures. Therefore it is recommended to keep extra pens for the immediate separation of biting and bitten animals. Involved employees should be able to recognize the permanent replacement of docking tails as an earned success in their profession.

keywords

Schwein, Schwanzbeißen, Haltungsbedingungen / pig, tail biting, husbandry conditions

kb

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