Dissertation

Tierärztliche Hochschule Hannover / Bibliothek – School of Veterinary Medicine Hannover / Library

Anne Elsbeth Edith Kalies

Effektivität eines strohgefüllten Wühlturmes zur

Vermeidung von Schwanzverletzungen bei

unkupierten Mastschweinen

in einem konventionellen Haltungssystem

 

NBN-Prüfziffer

urn:nbn:de:gbv:95-109208

title (eng.)

The effect of straw provided in rooting towers on behaviour of fattening pigs with intact tails kept in conventional fattening pens

publication

Hannover, Tierärztliche Hochschule, Dissertation, 2016

text

http://elib.tiho-hannover.de/dissertations/kaliesa_ws16.pdf

abstract (deutsch)

Das Auftreten von Schwanzbeißen unter Schweinen ist, ungeachtet ob Tiere mit gekürzten oder ungekürzten Schwänzen gehalten werden, eine große Herausforderung in der Schweineproduktion. Obwohl die europäische Richtlinie das routinemäßige Kürzen der Schwänze untersagt (RL 2008/120/EG, 2008), haben in der EU über 90% der Schweine kupierte Schwänze (EFSA, 2007).

Der multifaktorielle Ursprung des Schwanzbeißens wurde in stallspezifischen Risikoanalysen aufgegriffen (Madey, 2014). Dabei stellten sich der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten und damit verbunden ein Defizit in der Ausübung artspezifischer Verhaltensweisen als wichtiger Risikofaktor dar. Beschäftigungsmöglichkeiten, die befestigt oder hängend statt lose auf dem Boden präsentiert werden, werden als attraktiver für die Schweine bewertet (Blackshaw et al., 1997; Scott et al., 2006; Trickett et al., 2009). Stroh erlaubt als Beschäftigungsmaterial besonders gut die Ausübung artspezifischen Verhaltens, es kann helfen, gegen Buchtgenossen gerichtetes Verhalten zu reduzieren (Fraser et al., 1991; Moinard et al., 2003) und behält bei ständiger Erneuerung die nötige Attraktivität (Scott et al., 2006).

 

Ziel dieser Arbeit war es, den Effekt eines strohgefüllten, beweglichen Wühlturmes („Düsser Wühlturm“) auf das Wühlverhalten, das gegen andere Buchtengenossen gerichtete Verhalten und das Auftreten von Schwanzläsionen zu bewerten. Anhand der Ergebnisse wurde die Effektivität des Wühlturmes bewertet, das Auftreten von Schwanzbeißen bei Tieren mit ungekürzten Schwänzen zu verhindern. Hierfür wurden von Mai 2013 bis Juni 2014 im Rahmen einer Feldstudie 325 Mastschweine in drei Mastdurchgängen mit unkupierten Schwänzen in einer konventionellen Schweinemastanlage untersucht. In einem Vorversuch wurde der Stall mittels einer Risikoanalyse beurteilt und die optimale Strohlänge zum Befüllen des Turms ermittelt.

Während die Studiengruppe in Buchten mit strohgefüllten Wühltürmen eingestallt wurde, erhielt die Kontrollgruppe eine ungefüllte, befestigte Variante des Turmes (Attrappe). Die Beurteilung der Tiere erfolgte über eine Videobeobachtung nach Erstellen eines Ethogrammes im zweiwöchigen Intervall und einer wöchentlichen Schwanzbonitur bezüglich Verletzungen, Frischegrad von Wunden, Schwellung und des Teilverlustes der Schwänze.

 

Über die ganze Mastperiode kam es bei 25 % (2/8) der mit einem strohgefüllten Turm ausgestatteten Buchten zu Schwanzbeißausbrüchen, während in den Kontrollgruppen 80% (4/5) der Buchten betroffen waren. Frische Schwanzverletzungen traten in beiden Gruppen während der ganzen Mastperiode auf. Signifikanzen zwischen den Gruppen bezüglich des Schwanzbeißverhaltens konnten nicht dargestellt werden, auch wenn signifikant mehr Kopfmanipulationen als Schwanzmanipulationen in den Buchten mit strohgefülltem Wühlturm auftraten. Generell schien der Turm während der ganzen Mastperiode für die Schweine attraktiv zu sein und wurde in beiden Gruppen häufiger während der Fütterungszeiten benutzt als in den Zeiten zwischen den Fütterungen.

Die Bewertung der Effektivität des Wühlturmes schloss nicht nur die Beurteilung seines Einflusses auf die Tiergesundheit und die Anregung des artspezifischen Verhaltens ein, sondern auch die Anwendbarkeit in der Praxis sowie die Wirtschaftlichkeit des Produktionssystems bei Einsatz eines strohgefüllten Wühlturmes als Beschäftigungsmöglichkeit.

Grundsätzlich vereint der strohgefüllte Wühlturm die Vorteile eines Objektes und die von Beschäftigungsmaterialien wie Stroh und ist in konventionellen Haltungssystemen mit Vollspaltenboden einsetzbar. Obwohl das Interesse der Schweine während der ganzen Mastperiode am Turm nicht abnimmt und der Turm das Kriterium der Neuartigkeit durch das tägliche Füllen mit Stroh erfüllt, ist er nicht geeignet, das Schwanzbeißverhalten bei Schweinen mit unkupierten Schwänzen zu verhindern.

Der strohgefüllte Wühlturm ist zur Vermeidung von Schwanzverletzungen bei Schweinen mit intakten Schwänzen in konventionellen Haltungssystemen nicht effektiv.

abstract (englisch)

Up to now a high incidence of tail biting in pigs, regardless whether they have docked or undocked tails, is a challenging welfare issue in pig husbandry. Although Council Directive 2008/120/EC stated, that tail docking is the last possible measure to prevent tail biting, more than 90% of all fattening pigs in the EU have docked tails (EFSA, 2007).

By farm centred computer-aided analyses of risk factors the multifactorial origin of tail biting became obvious (Madey, 2014). The lack of environmental enrichment combined with the deficiency of inborn explorative behaviour is one of the most commonly found risk factors. Environmental enrichment seems to be more attractive when suspended or hanging than when presented loose on the floor (Scott et al. 2006; Trickett et al. 2009; Blackshaw et al. 1997). Straw was assessed as adequate enrichment material which could reduce pen-mate directed behaviour (Fraser et al., 1991; Moinard et al., 2003). In general continuous replenishment preserved the attractiveness of straw for pigs (Scott et al., 2006).

 

The aim of this study was to examine the effect of a straw-filled and movable rooting tower (`Düsser Wühlturm`) onto rooting behaviour, pen-mate directed behaviour and the incidence of tail biting on a conventional farm. The rooting tower was assessed for its effectiveness to reduce tail biting in pigs with intact tails. In total, 325 pigs with intact tails were introduced in a conventional fattening stable during three fattening periods from May 2013 until June 2014. Prior to starting the study, the stable was evaluated by a software based tail biting intervention tool and the optimal lengths of straw was identified.

The study group was provided with a straw-filled rooting tower while the control group was provided with an empty and fixed rooting tower as place holders.

Animal behaviour was evaluated retrospectively by video surveillance every second week, while the incidence of tail lesions including tail lesions, fresh bleedings, tail swelling and tail losses were checked once a week.

 

Tail biting outbreaks occurred in 25% (2/8) of pens equipped with a straw-filled rooting tower (experimental group) and in 80% (4/5) of pens without straw enrichment (control group). Fresh tail lesions were observed throughout the whole fattening period. Differences in tail biting behaviour between both groups were not significant. Head manipulation occurred significantly more often than tail manipulation in pens equipped with the straw-filled rooting tower. Furthermore, at all observation times, in both groups the rooting tower was used more often during feeding than before or after feeding.

.The evaluation of the efficiency of a straw-filled rooting tower includes the assessment of attractiveness, influence onto inborn explorative behaviour, practical applicability and the economic efficiency.

The rooting tower combined the positive effects of being a maneuvrable object and providing substrate as straw and was suitable for installation on fully slatted floor. Although the tower was of interest for pigs during the whole fattening period and fulfils the criterion of novelty by replenishment of straw twice a day, in the presented study it was found to be not suitable for prevention of tail biting in fattening pigs with intact tails. Due to relatively high investment costs the economic efficiency was not maintained when using the straw-filled rooting tower as environmental enrichment.

Therefore the straw filled rooting tower is not effective concerning the reduction of tail lesions in pigs with intact tails.

keywords

tail biting, behaviour, welfare, Schwanzbeißen, Verhalten, Tierwohl

kb

2.069